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Zweite Welle+++Krampnitz-Tram+++Hermannswerder

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich schon mal gefragt, wer Potsdams Durchschnittsbürger ist? Nein? Dann geht es Ihnen wie mir. Auch ich habe mich das ehrlich noch nie gefragt - bis gestern Mittag mein Kollege Peter Degener genau diese Frage in den Raum warf. Da wollte ich es dann ganz genau wissen - und kann Ihnen jetzt verraten: Potsdams Durchschnittsbürger ist 42 Jahre alt, wohnt allein, hat einen ordentlichen Job, dafür keine Religion und fährt ein mehr als neun Jahre altes Auto.
Tatsächlich ist das aber vor allem statistische Spielerei, viel spannender sind die vielen anderen Erkenntnisse, die Peter Degener aus den Daten des aktuellen statistischen Jahresberichts gewonnen hat. Wie haben sich die Baulandpreise und wie das Einkommen der Potsdamer entwickelt? Wie hat sich der Zuzug, wie der Wegzug entwickelt? Das und noch viel mehr, verraten wir Ihnen hier.
Außerdem darf ich Ihnen heute noch zwei Neu-Potsdamer vorstellen, genauer genommen sind es sogar sechs. Johanna und Marc Wiegand, die mit ihren drei Kindern seit drei Jahren in der Wohnsiedlung Am Uferpark in der Templiner Vorstadt leben. Und Reni Walther, eine ehemalige Schlagersängerin, Theaterschauspielerin und Chefreporterin, die mit 74 Jahren nach einem Angriff auf ihre Hündchen aus Berlin nach Potsdam zog - und in der Waldstadt den Neuanfang wagte.
Und wenn wir schon beim Neuanfang sind - der kann in Potsdam mitunter verdammt hart sein, wie die Geschichte von Mariia Novodvorska (28) und ihrem Lebensgefährten Alexander Spira (40) zeigt. Als sie die Tür zu ihrem Restaurant „Zum Starstecher“ erstmals öffneten und sich damit einen Lebenstraum erfüllten, waren sie ganz allein: Wegen der Corona-Pandemie war damals, Anfang Mai, die Gastronomie in der Stadt heruntergefahren. Wie es ihnen seitdem ergangen ist und was Sie bei einem Besuch in ihrem Restaurant heute wartet, lesen Sie hier.
Und noch eine Geschichte möchte ich Ihnen ans Herz legen, denn die dürfte uns noch länger beschäftigen - Titel: “Krampnitz-Tram: Droht Dissens mit den Denkmalpflegern?” Das Problem: Das denkmalgeschützte Chausseehaus in Neu Fahrland steht der geplanten Straßenbahn-Trasse für Potsdams Zukunfts-Stadtquartier Krampnitz im Weg. Der Baubeigeordnete Bernd Rubelt favorisiert klar den Abriss, doch nun kommt Gegenwind vom Landesamt für Denkmalpflege.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich diese Woche vor allem Rückenwind, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund. Unseren nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in Ihrem Mail-Postfach.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Die Zahl der neuen Corona-Infektionen steigt, auch die schweren Fälle, die im Krankenhaus versorgt werden müssen, nehmen zu. Wie gut aber ist Potsdams größtes Krankenhaus, das kommunale Klinikum „Ernst von Bergmann“, vorbereitet? Wie viele Beatmungsplätze sind frei? Und wie viele Corona-Patienten werden dort aktuell versorgt? Das alles hat meine Kollegin Saskia Kirf für Sie zusammengefasst.
Außerdem hat sie recherchiert, wo man sich derzeit in Potsdam auf Covid-19 testen lassen kann, wann man in Quarantäne muss, wie viel ein Test kostet und wie lange man auf ein Ergebnis warten muss. Einen Überblick finden Sie hier.
An dieser Stelle zudem kurz die aktuelle Corona-Lage im Überblick: Am Montag, 12. Oktober, meldet die Stadtverwaltung sieben neue Fälle, die am zurückliegenden Wochenende registriert wurden. Besonders im Fokus steht derzeit die so genannte Sieben-Tages-Inzidenz: Wenn sich binnen einer Woche mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohnern anstecken, gilt die Stadt als Risiko-Gebiet. Schon bei 35 Fällen greifen deutlich schärfere Eindämmungsmaßnahmen. Derzeit ist Potsdam davon noch weit entfernt, der letzte belastbare Inzidenzwert, den das Brandenburger Gesundheitsministerium bekanntgab, lag bei 12,8.
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Die besondere Geschichte

Katharina Lange (36) und ihr jüngerer Sohn Aaron (7) ziehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus der Rotunde aus. Foto: Bernd Gartenschläger
Katharina Lange (36) und ihr jüngerer Sohn Aaron (7) ziehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus der Rotunde aus. Foto: Bernd Gartenschläger
Reif für die Insel? Wer in diesen Tagen mal raus muss, aber auf Nummer sicher gehen möchte, hat es nicht weit. Verschieben Sie Helgoland, Hiddensee und Sylt aufs nächste Jahr – auf nach Hermannswerder! Wir haben das schon mal für Sie getestet und beim Besuch auf Potsdams wild-romantischer Insel einen wundervollen Tag verbracht. Ein Kaffee im Inselhotel, ein Plausch über den Gartenzaun, ein Spaziergang zur Inselspitze und über die Apfelwiese, Orgelklänge in der Inselkirche, ein paar Walzerschritte in der Tanzschule – mit viel Neugier und einem Quäntchen Glück hat uns Hermannswerder viele tolle Begegnungen und Erlebnisse beschert.
Wer es uns gleichtun und die Insel auf eigene Faust erkunden möchte, dem empfehlen wir eine Tour mit dem Rad oder zu Fuß. Wer seine kleine Auszeit stattdessen lieber auf der Couch genießen möchte, liest unsere Hermannswerderaner (Halb-)Inselgeschichten - und vielleicht auch die eine oder andere Geschichte aus unserem zweiten Serienteil “Potsdam ganz nah”. Viel Spaß!  
Text: Nadine Fabian
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Verkehr aktuell

Die Verkehrsführung an der Großbaustelle Leipziger Dreieck wurde geändert - wieder einmal. Foto: Varvara Smirnova
Die Verkehrsführung an der Großbaustelle Leipziger Dreieck wurde geändert - wieder einmal. Foto: Varvara Smirnova
Achtung, lieber Leserinnen und Leser, es wird wieder eng in Potsdam und im Umland, denn in den Herbstferien wird vielerorts gebaut. Bevor wir allerdings zu der langen Listen an Baustellen in der Stadt kommen, werfen wir einen kurzen Blick auf die Autobahnen, genauer auf die A10. Dort ist seit gestern die Anschlussstelle Leest voll gesperrt, Autofahrer müssen über die Auf- und Abfahrten Phöben oder Potsdam-Nord ausweichen, was zu noch mehr Verkehrschaos in Werders Innenstadt und Potsdams Norden führen könnte. Hinzu kommt: Ab dem 19. Oktober wird auch noch die Anschlussstelle Glindow vollgesperrt - eine Behinderung, die dauert und die Situation noch weiter verschärfen dürfte.
Doch damit nicht genug, auch in der Stadt Potsdam wird ordentlich gebaut. Dicht ist seit gestern zum Beispiel die Pappelallee zwischen Reiherweg und Kirschallee, voraussichtliches Ende der Vollsperrung ist der 23. Oktober. Behinderungen dürfte es auch in der Waldstadt geben, denn dort muss für Straßenbauarbeiten die Erich-Weinert-Straße von heute an bis Donnerstag zwischen Drewitzer Straße und Heinrich-Mann-Allee voll gesperrt werden, der Busverkehr wird über die Friedrich-Wolf-Straße umgeleitet. 
Für den Anschluss einer neuen Trafostation wird für eine Kabelverlegung in der Abfahrt von der Nutheschnellstraße zum Horstweg die rechte Fahrspur gesperrt und für die Führung der Radfahrer und Fußgänger benötigt. Die Arbeiten dauern vom 12. bis zum 23. Oktober. 
Und Achtung: Die Verkehrsführung am Leipziger Dreieck ist wieder mal geändert worden und sorgt bei einigen Verkehrsteilnehmern für Verwirrung. Fahren Sie dort also besonders vorsichtig!
Sie ahnen es, liebe Leserinnen und Leser, damit ist es noch nicht getan. Die ganze Liste der Ferien-Baustellen in Potsdam finden Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Steht ein Franzose auf dem Markt - keine Angst, das wird jetzt kein schlechter Witz, sondern unser kulinarischer Tipp für diese Woche. Auf dem Wochenmarkt am Nauener Tor steht immer samstags Sebastien Pilon aus Frankreich mit seinem “La Bonne Frite”-Stand und macht Pommes, die nichts mit den labberigen Beleidigungen zu tun haben, die man hierzulande oft serviert bekommt.
Foto: Marcel Kirf
Foto: Marcel Kirf
Die Kartoffeln werden ganz frisch verarbeitet und, wie es sich gehört, zwei Mal frittiert. Die Saucenvielfalt reicht deutlich weiter als bis zu Mayo und Ketchup: Sauce Andalouse, Hannibal, Knoblauch oder wirklich scharf - probieren lohnt sich! Zu den Fritten gibt’s köstlich fettige Merguez, würzige Chipolata, Currywurst, Hühnchen- oder vegetarische Nuggets. Eine kleine Portion Pommes kostet 3,50 Euro, die Beilagen je 2 Euro.
Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: privat
Foto: privat
Ja, ist denn schon Advent? Das mag so mancher gedacht haben, der in den vergangenen beiden Tagen an der Wilhelm-Staab-Straße vorbeikam. Hütten aus dunkelbraunem Holz, Lichterketten und Tannenbäume – so kennt man den Potsdamer Weihnachtsmarkt. Nur, dass dieser nicht schon im Oktober und schon gar nicht auf der Wilhelm-Staab-Straße steht. Was dahinter steckt, hat MAZ-Mitarbeiterin Jennifer Bongards recherchiert. Und ja, Sie ahnen es, Potsdam ist mal wieder zur Filmkulisse geworden.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Kopierstelle? Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Kopierstelle? Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wie ein riesiger Barcode oder ein Zebra kommt dieses Gebäude daher. Das irritierende Äußere ist zwar ungewöhnlich, aber fraglos eine Verschönerung des Hauses, das nicht nur hässlich, sondern zugleich lange Zeit prägend für einen Stadtteil war – hinzu kam, dass es für die Einwohner des Ortes unzugänglich war.
Seitdem ist viel passiert. Der Schlagbaum am Pförtnerhaus verschwand. Ringsherum entstanden moderne Häuser mit höchst ungewöhnlichem Äußeren. Da konnte die Betonplattenfassade des gesuchten Ortes nicht mehr mithalten und wurde erst mit der Sanierung 2010/11 wieder ebenbürtig. Bis heute ist es trotz all des Wachstums das höchste Gebäude am Platz.
Ursprünglich hatte dort ein Kommandeur seinen Sitz, ein landesweit verhasster Apparat sogar seine „Zentrale Traditionsstätte“. Oberflächlich ist es ein Ort des Lernens geblieben – die Psychologie, die man damals dort lehrte, war allerdings verheerend.
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 15. Oktober eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Demonstration in Potsdam am 4. November 1989 (vorne links: Volker Wiedersberg). Foto: Privatarchiv
Demonstration in Potsdam am 4. November 1989 (vorne links: Volker Wiedersberg). Foto: Privatarchiv
Volker Wiedersberg (Bündnis 90/Grüne) ist Vorsitzender der Michendorfer Gemeindevertretung. Er hat eine bewegte Potsdamer Wendegeschichte, die in seiner jetzigen Heimat nicht viele kennen und über die er mit meinem Kollegen Jens Steglich im Interview gesprochen hat. Vor genau 31 Jahren saß er in Potsdam in Stasi-Haft. Einige Wochen später, im Dezember 1989, traf er seinen Vernehmer in der Kantine wieder. Wiedersberg gehörte zu der Zeit in Potsdam der Staatlichen Regierungskommission zur Sicherung der Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit an. Für Wiedersberg war der 13.Oktober 1989 der schönste Tag der Friedlichen Revolution. An dem Tag wurde er aus der Haft entlassen: „Als die Eisentür hinter mir zuschlug, dachte ich: Wow, ich bin draußen und die Idioten müssen drin bleiben.“
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Die Zahl der Corona-Infizierten steigt - auch in Potsdam-Mittelmark. Zehn neue Infektionen meldete der Landkreis am Montagnachmittag, die meisten neuen Fälle in der Stadt Werder. Doch wie gut sind die entscheidenden Stellen im Kreis auf die kommenden Wochen vorbereitet? Das Gesundheitsamt ächzt schon jetzt unter den zusätzlichen Aufgaben, dabei - so die Befürchtungen - stehen wir erst ganz am Anfang einer zweiten Welle. Hausärzte melden indes, dass sie aus der ersten Welle viel gelernt hätten - und auch in Pflegeheimen und Kliniken ist man offenbar vorbereitet.
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Michael Scheibe, Betreiber des Hotels Prinz Heinrich, eröffnet eine Kaffeerösterei im Lendelhaus auf Werders Insel. Foto: Annika Jensen
Michael Scheibe, Betreiber des Hotels Prinz Heinrich, eröffnet eine Kaffeerösterei im Lendelhaus auf Werders Insel. Foto: Annika Jensen
Not macht erfinderisch. Auch Kaffeetrinker und Hoteliers. Ein gutes Beispiel dafür ist Michael Scheibe. Der 38 Jahre alte Betreiber des Hotels “Prinz Heinrich” auf Werders Insel hat schon sehr früh in der Pandemie “die Flucht nach vorne” angetreten, wie er sagt. Er ließ sich in Online-Seminaren zum Kaffeeröster ausbilden und verkauft seit Sonnabend zwölf Kaffeesorten in seinem Kaffee-Kontor im Lendelhaus auf der Insel. Der soll vor allem zweites Standbein fernab der Gastronomie sein, damit im Falle eines weiteren Shutdowns das Auskommen gesichert ist. Denn das Hauptaugenmerk ist der Außer-Haus-Verkauf. MAZ-Reporterin Annika Jensen hat ihn besucht.

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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Zeichnung: Jörg Hafemeister
Zeichnung: Jörg Hafemeister
Berliner dürfen nicht mehr in Brandenburg übernachten. Dort Hochzeiten feiern und Restaurants besuchen ist aber erlaubt. Brandenburgs Beherbergungsverbot wird seit Tagen hitzig diskutiert, wird nun sogar zu einem Fall für die Justiz. Und auch Karikaturist Jörg Hafemeister hat das Thema in seiner neuesten Zeichnung aufgegriffen. Er selbst schreibt dazu: “Herbstferien? Reisewarnungen? Beherbergungsverbot? Ist dem Virus alles Wurst, schließlich hat es ja gar keine Zeit für Urlaub!”
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