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Weihnachtsmärkte auf der Kippe? +++ Reaktionen auf Libeskind +++ Gastro-Tipp: Filterhaus in Werder

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
So gern ich Ihnen etwas anderes sagen würde: Wir können nicht drumherum reden, die vierte Corona-Welle beherrscht die Lage in Potsdam. Die Inzidenz liegt am Montag knapp unter 300, viele hundert Kinder sind in Quarantäne, die Stadt plant wieder ein eigenes Impfzentrum, aber (zunächst) keine verschärften Maßnahmen gegen das Virus. Das hat das Land Brandenburg ja bereits erledigt. Seit Montag gilt vielerorts 2G, doch kontrollieren kann niemand, ob sich alle daran halten.
Nun versuche ich es aber doch und lege Ihnen andere wichtige Nachrichten aus Potsdam ans Herz. Eine Erfahrung in Sachen wenig Gegenliebe hat gerade der Potsdamer Modezar Wolfgang Joop gemacht, der in einem Interview sexualisierte Gewalt verharmlost und dafür einen Shitstorm geerntet hat. Nun rudert Joop zurück.
Einen Schritt zurück in ganz anderer Sache versucht derweil das Potsdamer Bildungsdezernat. Der Streit um die Neuordnung der Schullandschaft dreht sich, schon wieder, weiter. Jetzt versucht die Verwaltung, die Beschlüsse der Politik einzufangen. In der Josephinen-Wohnanlage versucht die Stadt ebenfalls den Rückschritt, ein Kauf des Gebäudes steht offenbar im Raum. Auch der Mieterverein kümmert sich um die Senioren.
Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Lesen dieses Newsletters. Bleiben Sie gesund und uns gewogen.
Herzliche Grüße,
Saskia Kirf
Redakteurin in Potsdam
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Das Stadtgespräch

Auf dem Luisenplatz in der Potsdamer Innenstadt stehen schon die Buden – aber wird der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden? Quelle: Soeren Stache/dpa
Auf dem Luisenplatz in der Potsdamer Innenstadt stehen schon die Buden – aber wird der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden? Quelle: Soeren Stache/dpa
Streit zu Weihnachten, das kennen viele. Doch in Potsdam findet ein solcher schon jetzt statt: Zwischen der Stadtverwaltung von Potsdam und dem Cottbuser Veranstalter Coex gibt es mächtig Ärger um die Zugangsregeln für die Weihnachtsmärkte. „Die Stadt hat Wünsche, die unerfüllbar sind“, sagte Firmenchef Eberhard Heieck am Montag der MAZ: „Die Stadt will 2G +, also den Schnelltest auch für Geimpfte oder Genesene. Dafür gibt es überhaupt keine Rechtsgrundlage.“ Die Stadtverwaltung selbst erklärte, sie lasse dem Betreiber offen, ob er 2G oder 2G+ anwendet. Doch auch 2G ist unter den Bedingungen der Stadt für den Weihnachtsmarkt-Betreiber inakzeptabel. Stehen die Märkte also auf der Kippe? Mein MAZ-Kollege Peter Degener findet diese Debatte verfehlt. Er hält eine andere Maßnahme für zielführender.
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Die besondere Geschichte

So könnte er aussehen - der "Tower of Babelsberg" von Daniel Libeskind.
So könnte er aussehen - der "Tower of Babelsberg" von Daniel Libeskind.
Er selbst ist eine Ikone und will nun eine solche für die Landeshauptstadt schaffen: Star-Architekt Daniel Libeskind hat seine Entwürfe für den „Tower of Babelsberg“ vorgestellt. Aber: Wird das Turm-Ensemble, dessen Gestalt die große Filmgeschichte des Standorts aufnimmt, wirklich die „Krone“ von Babelsberg? Oder ist das, was Libeskind für das Areal an der Ecke von Großbeeren- und August-Bebel-Straße plant, eine Nummer zu groß für Potsdam? Die MAZ hat sich in Politik und Stadtgesellschaft umgehört. Ein erstes Echo.
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Der kulinarische Tipp

Marcus Will (33) seit 2018 Souschef hier mit dem Gericht Duroc Schweinebacke-Kartoffelstampf/Wurzelwerk. Quelle:  Bernd Gartenschläger
Marcus Will (33) seit 2018 Souschef hier mit dem Gericht Duroc Schweinebacke-Kartoffelstampf/Wurzelwerk. Quelle: Bernd Gartenschläger
Lust auf schickes Ambiente, prima Aussicht und anspruchsvollere Gaumengenüsse? Wie wäre es mit einem Menü mit Fisch oder Fleisch, dazu eine gute Flasche Wein und viele Kalorien als süßem Abschluss? Dann ab ins Filterhaus in Werder (Havel). Unsere Gastro-Kritikerin war da und hat für Sie vorgekostet.
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Die Ziegel im Boden zeigen an, wo einst eine Wand stand. Mit etwas Abstand erkennt man: Es war ein ganzes Haus, eine Kirche sogar! An dieser Stelle auf dem Neuendorfer Anger - dem ältesten Siedlungskern des heutigen Babelsbergs – stand seit 1899 die Betlehemkirche. Kaiserin Auguste Viktoria hatte sie gestiftet – und wie so viele ihrer Kirchenstiftungen handelte es sich bei der Betlehemkirche um einen neogotischen Bau mit einem spitzen Turm, der immerhin 55 Meter hoch ragte und die ältere, achteckige Neuendorfer Kirche dahinter ganz verdeckte.
Der Neuendorfer Anger mit der Kirchenruine um das Jahr 1999. Foto: Kubiziel
Der Neuendorfer Anger mit der Kirchenruine um das Jahr 1999. Foto: Kubiziel
Ein Bombenangriff 1945 zerstörte das Schiff der Betlehemkirche – ihr Turm blieb zunächst stehen. Nachdem er sich jedoch gefährlich neigte, nutzte der DDR-Staat die Gelegenheit und sprengte 1952 die Reste der Betlehemkirche. An sie erinnert heute nur noch das Ziegelband im Boden des Neuendorfer Angers. Es zeichnet den Grundriss der verschwundenen Kirche nach.
Die alte Kirche auf dem Neuendorfer Anger wurde bis 2007 wiederhergerichtet. Foto: Peter Degener
Die alte Kirche auf dem Neuendorfer Anger wurde bis 2007 wiederhergerichtet. Foto: Peter Degener
Es ist immerhin als großes Glück zu werten, dass zumindest die achteckige, alte Neuendorfer Kirche des königlichen Architekten Ludwig Ferdinand Hesse noch erhalten ist. Beim Bau der Nuthestraße konnte eine weitere Zerstörung des Neuendorfer Angers 1978 nur knapp verhindert werden. Die nackte Ruine ohne Dach und Turmspitze blieb stehen, überstand auch die letzten Jahre der DDR und konnte nach der Wiedervereinigung ab 1998 über zehn Jahre lang Stück für Stück wieder hergerichtet werden. Heute handelt es sich bei dem Gebäude um keine Kirche mehr – aber geheiratet werden darf dort trotzdem. Als eine Außenstelle des Potsdamer Standesamts können Brautpaare dort seit 2007 das erhabene Gefühl eines Kirchenraums erleben, während sie ganz profan geehelicht werden.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Weihnachtsmarkt auf Werders Bismarckhöhe geplant
Immer weniger Kinder: Muss Kleinmachnow eine Grundschule aufgeben?
FAQ: Ich habe einen positiven Corona-Test – was muss ich jetzt machen?
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
“Same procedure as every year - die Blätter fallen, die Inzidenzen steigen und die Nerven liegen blank. Auch wenn Homeoffice noch nicht wieder tagesaktuell ist, verabschieden sich die Skulpturen von Sanssouci schon mal in den Winterschlaf. 
Übrigens: In knapp zwei Monaten wird ein Buttler namens James über einen Eisbärenkopf stolpern - same procedure as every year.”
Text und Bild: Jörg Hafemeister
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