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Weihnachtsmarkt-Absage+++Noch eine RZ-Idee+++Vom Alkolholiker zum Autor

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
alles kommt immer so plötzlich. Weihnachten zum Beispiel. Oder der Weihnachtsmarkt. Vor allem aber die Erkenntnis, dass ein Weihnachtsmarkt womöglich ein Pandemie-Treiber ist und deshalb nicht stattfinden sollte. Die Landesregierung hat jedenfalls am Montag nach Totensonntag - dem Öffnungstag der wenigen Weihnachtsmärkte, die es noch geben sollte - offenbar spontan entschieden, dass am Dienstag um Mitternacht die Buden wieder schließen werden. Wenn Sie also einmal kurz den Duft von Quarkbällchen, Glühwein und Rostbratwurst mit Adventsmusik und Lichterglanz an Laternen und Büdchen mischen wollen - dann wäre heute noch die Gelegenheit.
Mehr zum verständlichen Frust von Veranstaltern und Händlern lesen Sie weiter unten im Newsletter.
Und weil auch ich etwas fassungslos über die (vermutlich richtige, aber viel zu spät getroffene) Entscheidung bin, lenke ich nun mich und Sie mit ein paar völlig artfremden Nachrichten ab.
Paddeln zum Beispiel. Ist nicht die Zeit? Aber ganz langfristig gedacht wäre es doch toll, wenn es im wasserreichen Potsdam noch eine weitere Gelegenheit für Wassersport gäbe - aber nicht auf einem See, sondern eher so spreedwaldartig in einem Kanal. Man könnte ja einen neuen bauen oder einen bestehenden verlängern - und ich meine hier nicht den Stadtkanal! Golm bietet sich nämlich ebenfalls an, wie bei der Rahmenplanung für die Zukunft des Ortsteils im Potsdamer Westen jetzt bekannt wurde. Womöglich paddelt man 2040 vom Zernsee bis in den Wissenschaftspark!
Im Norden der Stadt macht der neue Stadtteil Krampnitz wieder Schlagzeilen. Das energetische Herz des Quartiers soll das einstige Heizhaus der Kaserne werden. Doch der Umbau zur Energiezentrale musste jetzt gestoppt werden - aus Gründen des Umweltschutzes.
Aus der Mitte der Stadt gibt es auch eine Neuigkeit - und wieder mal geht es um das Rechenzentrum (das auch unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister zu seinem neuesten Werk inspiriert hat - siehe unten). Denn nach der Idee eines neuen Plenarsaals kocht in der Gerüchteküche von Verwaltung und Stadtpolitik nun eine weitere Variante für die künftige Nutzung nach oben. Das Potsdam-Museum könnte doch im Kreativhaus einen Platz finden, oder nicht?
Und auch die letzte nichtweihnachtliche Nachricht hat mit Bauen zu tun. Und mit Barrierefreiheit. In diesem Fall ist die gesamte Stadt betroffen. Denn Bürgerhäuser, Sporthallen, Schulen und Kitas gibt es ja überall. Doch welche dieser öffentlichen Gebäude sind auch für jeden zugänglich? Und was würde es kosten, hier Barrierefreiheit herzustellen? In einigen Fällen heißt es jedenfalls: Das lohnt nicht. Da wären ja Abriss und Neubau günstiger.
Klingt fast so, als würde man etwas aufbauen und eröffnen, nur um dann gleich wieder alles einzureißen. Aber davon wollten wir ja nicht mehr reden.
Bleiben Sie gesund (und machen Sie es sich im nun beginnenden Advent zuhause schön!).
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Götz Friederich beim Anschnitt des Stollen. Kurz darauf die Nachricht: Die Weihnachtsmärkte müssen wieder schließen. Foto: Julius Frick
Götz Friederich beim Anschnitt des Stollen. Kurz darauf die Nachricht: Die Weihnachtsmärkte müssen wieder schließen. Foto: Julius Frick
Fünf Minuten nach 16 Uhr begrüßte der Weihnachtsmann am Montag die Gäste auf dem Luisenplatz in Potsdam - und der Chef der AG Innenstadt, Götz Friederich, schnitt den traditionellen Stollen an. Doch keiner auf dem frisch eröffneten Weihnachtsmarkt in der Innenstadt ahnte: Das Land hatte um kurz nach 15 Uhr – also eine Stunde zuvor – per Pressemitteilung alle Weihnachtsmärkte abgesagt. Ab Mittwoch, null Uhr, müssen alle Buden wieder geschlossen sein.
Schnell breitete sich der Frust unter Händlern und Besuchern aus - wie sie den Ausfall kompensieren sollen, wissen die Händler nicht. Karl Meyer (63), Seniorchef einer altgedienten Schaustellerfamilie aus Güterfelde, etwa hat das große Riesenrad auf dem Bassinplatz erst in diesem Jahr gekauft und auf das Weihnachtsgeschäft vertraut.
Außer dem größten Fahrgeschäft der beiden Märkte betreibt die Firma auch zwei Glühweinstände. „Wir haben gerade 2000 Liter in Edelstahltanks gefüllt. Das können wir nicht zurückpumpen", sagte Meyer. Doch wenn es ganz schlimm kommt, hat er eine Idee: “Dann kippen wir das in den Hof der Staatskanzlei!“ 
Weitere Reaktionen auf die plötzliche Absage des Weihnachtsmarktes hat mein Kollege Rainer Schüler eingesammelt. Und mein Kollege Alexander Engels hat die Entscheidung des Landes kommentiert - wie, das lesen Sie hier.
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Die Corona-Lage

Montags meldet die Landeshauptstadt Potsdam traditionell keine Neuinfektionen, so auch an diesem Montag. Trotzdem beherrscht die vierte Corona-Welle die Stadt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt damit genau wie am Vortag auf dem bisherigen Potsdamer Höchststand von 361,3. Am Montag vor einer Woche lag sie bei 296,5. 38 Covid-19-Patienten werden in Potsdam derzeit stationär behandelt, acht davon intensivmedizinisch. Vor genau einer Woche waren es 28 Patienten, fünf davon auf der Intensivstation.
Noch ist die Situation im Potsdamer Bergmann-Klinikum also beherrschbar, doch Klinik-Chef Hans-Ulrich Schmidt warnt: Die Coronawelle aus dem Süden wird auch Potsdam erreichen - und dann, so seine Befürchtung, wird es schlimmer, als alles, was wir bisher erlebt haben.
An den bisherigen sechs Impftagen im November hat die Landeshauptstadt Potsdam insgesamt 1262 Impfungen durchgeführt. Die Boosterimpfungen machen dabei mit 54 Prozent den Hauptanteil aus, der Rest verteilt sich auf 36 Prozent Erst- und 10 Prozent Zweitimpfungen. Alle wichtigen Infos zur Booster-Impfung haben wir hier kompakt zusammengefasst.
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Die besondere Geschichte

Schauspieler Hardy Krüger jr. hat ein Buch über seine Alkoholsucht geschrieben. Foto: Julius Frick
Schauspieler Hardy Krüger jr. hat ein Buch über seine Alkoholsucht geschrieben. Foto: Julius Frick
Nach dem Tod seines acht Monate alten Kindes fällt Schauspieler Hardy Krüger jr. in ein tiefes Loch – er wird alkoholsüchtig. Heute ist er seit sieben Jahren trocken und setzt sich für die Selbsthilfe ein. Er war selbst lange Zeit bei den Anonymen Alkoholikern und möchte anderen Betroffenen Mut machen. Heute hat er einen Entzug hinter sich. Im Interview mit der MAZ sagt er: “Der körperliche Entzug ist nicht so schlimm, wie das was danach folgt: Rausgehen und ein normales Leben führen.”
Über seine Erfahrungen hat er ein Buch geschrieben. Am Sonntag um 16 Uhr liest Hardy Krüger jr. daraus in den Kleinmachnower Kammerspielen vor. Dafür verlost die MAZ 2x2 Freikarten. Wer gewinnen will, schreibt einfach unter dem Betreff “Hardy Krüger” bis heute Abend, 20 Uhr, an potsdam-newsletter@maz-online.de.
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Verkehr aktuell

Auf der Nedlitzer Straße wird es jetzt zeitweise eng. Foto: Bernd Gartenschläger
Auf der Nedlitzer Straße wird es jetzt zeitweise eng. Foto: Bernd Gartenschläger
Eine neue Baustelle auf Potsdams Hauptstraßen ist in dieser Woche hinzugekommen: Auf der Nedlitzer Straße wird es in Höhe der Kiepenheuerallee - stadtauswärts genau hinter der Kolonie Alexandrowka - eng. Dort muss eine Fahrspur gesperrt werden. Es steht aber weiterhin je Richtung eine Fahrspur zur Verfügung.
Alle weiteren Einschränkungen finden Sie wie gewohnt in unserem wöchentlichen Überblick.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Der Mühlenberg in der Jägervorstadt gehört zu den 75 Bergen im Potsdamer Stadtgebiet – und ist einer von insgesamt sechs offiziellen Mühlenbergen in Potsdam. Die anderen finden sich im Babelsberger Park, sowie in Fahrland, Golm, Groß Glienicke und Uetz.
Der hier gesuchte ragt allerdings auf zweierlei Art heraus: Zum einen ist er der höchste der Potsdamer Mühlenberge. 57,8 Meter hoch ist sein „Gipfel“. Zum anderen bietet er ein tolles Panorama von Babelsberg über den Brauhausberg bis nach Potsdam West und natürlich auf die direkt vor einem liegende Innenstadt. Das öffentlich zugängliche „Mühlenberg-Belvedere“ ist ein kleiner Garten mit Bänken, auf denen man die Aussicht genießen kann. Die abgebildete Treppe führt von der Weinbergstraße direkt dorthin hinauf.
Die Treppe führt den Mühlenberg in der Jägervorstadt hinauf. Foto: Peter Degener
Die Treppe führt den Mühlenberg in der Jägervorstadt hinauf. Foto: Peter Degener
Der Name „Mühlenberg“ geht übrigens auf die vier Mühlen zurück, die im 17. und 18. Jahrhundert auf dem Berg errichtet wurden. Die letzte stand noch im Jahr 1912. Heute findet man auf dem Berg eine Reihe imposanter Villen, die man vor allem entlang der Gregor-Mendel-Straße betrachten kann, etwa die berühmte Löwenvilla, die eng mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verbunden ist.
Ein Mann, der alle 75 Potsdamer Berge bestiegen und beschrieben hat, ist übrigens Wolfgang Mörtl. Seinem „Bergführer Potsdam“ sind auch die Informationen zum Mühlenberg in der Jägervorstadt entnommen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Neue Prioritäten: Mittelmarks Gesundheitsamt schränkt Corona-Kontaktverfolgung ein
Ansturm in Werder: 452 Menschen kamen am Sonntag zum Impfen
Landesgartenschau: Mühlrad als Kunstinstallation zur Laga Beelitz
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
“So ein Oberbürgermeister hat es nicht leicht. Alle Bürger haben so ihre Ideen und beharren darauf. Zum Beispiel rund um die Potsdamer Plantage. Garnisonkirchturm, Rechenzentrum ganz, halb oder gar nicht, Europakirche, Schulsport, Kulturquartier, Glockenspiel, Kanal……..und hat der Oberbürgermeister dann selber Ideen, z.B. seinen Plenarsaal, dann finden das die meisten doof. Liegt vielleicht daran, dass immerzu neue Ideen auch keine gute Idee sind.”
Text und Bild: Jörg Hafemeister
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