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Wald wird gerodet +++ Mutation in Potsdam +++ Valentinsgrüße per Post

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Es ist kalt. Sehr kalt. So kalt, dass ich in den sozialen Medien ständig Videos von Menschen sehe, die tatsächlich Eisbaden gehen. Brrr, denke ich mir, in meine warme Decke gekuschelt. Brr, denkt sich aber auch die Feuerwehr, die ausdrücklich davor warnt, einfach so ins Wasser zu hüpfen - der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft sagt auch: Einfach reinspringen ist nicht. Andersherum sollte auch niemand die Schlittschuhe anschnallen und darauf vertrauen, dass das Eis schon tragfest ist.
Beides kann ganz schnell lebensgefährlich werden: In Berlin verstarb ein Mann, offenbar nach einem tragischen Unfall beim Baden im eisigen Nass. Nun hat die Potsdamer Feuerwehr die Eisrettungen trainiert, denn im Ernstfall kann es um Sekunden gehen. Da muss jeder Handgriff sitzen.
Da wir gerade bei Handarbeit sind: Die Staudenhof-Skulpturen erhitzen nun schon seit Jahren die eigentlich wohltemperierten Potsdamer Kunst-Gemüter. Was haben diese Statuen schon alles erdulden müssen? Abgestellt und eingelagert wurden sie, auf den Friedhof sollten sie - jetzt aber lautet die überraschende Idee, sie an ihren angestammten Platz zurückkehren zu lassen. Man darf gespannt sein.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich wünsche uns allen, dass auch wir bald an unsere angestammten Plätze zurückkehren können. An den Schreibtisch, auf den Fußballplatz, vielleicht auch an den Stammtisch. Bleiben Sie gesund und uns gewogen, der nächste Newsletter wartet am Dienstag auf Sie.
Herzliche Grüße,
Ihre
Saskia Kirf
Redakteurin in Potsdam
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Das Stadtgespräch

Das kleine Wäldchen an der Humboldtbrücke soll einem Neubau weichen Quelle: Lutz Hannemann
Das kleine Wäldchen an der Humboldtbrücke soll einem Neubau weichen Quelle: Lutz Hannemann
Bis Monatsende werden rund anderthalb Hektar Wald am Humboldtring gefällt, damit dort gebaut werden kann. Die Bäume müssen einem jahrelang umstrittenen Neubauprojekt weichen: Auf dem Gelände will ein privater Investor, die BMP Immobilienentwicklung Berlin GmbH, in den kommenden Jahren zwei separate Wohnblöcke mit rund 230 Wohnungen bauen.
Das Unternehmen hat sich zwar verpflichtet, eine gleich große Fläche wieder aufzuforsten - doch Anwohner und Naturschützer sind empört. Was MAZ-Autor Feliks Todtmann über das Projekt denkt und warum er einen durchaus anderen Blick auf die Fällungen hat, lesen Sie in seinem Kommentar.
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Corona-Lage

Lange war es nur eine Befürchtung, jetzt ist sie wahr geworden: Die britisches Coronavirus-Mutation hat Potsdam erreicht. Die beiden Betroffenen - nach Informationen der MAZ ein Paar - hat sich offenbar bei einer Reise mit der gefürchteten Virus-Variante angesteckt. Ob sie weitere Personen angesteckt haben, ist noch unklar.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: So sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz seit Tagen immer weiter, lag am Donnerstag bei 37,7 - am 1. Februar lag sie noch bei 99, vor genau einem Monat gar bei 272. Zur Erinnerung: Die Inzidenz zeigt an, wie viele von 100.000 Einwohnern sich innerhalb einer Woche mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert haben. Die Werte 35 und 50 gelten als wichtige Stufen, wobei sich die genaue Bedeutung in den vergangenen Monaten durchaus geändert hat. Weitere Potsdam-spezifische Lockerungen der Maßnahmen sind jedenfalls weiterhin nicht zu erwarten, die Corona-Ampel steht auf gelb.
Trotz sinkender Inzidenzen mahnen alle Verantwortlichen gerade mit Blick auf die zunehmenden Nachweise von Mutationen in Deutschland zur Vorsicht. Bund und Länder haben am 10. Februar denn auch eine Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 7. März beschlossen. Das Brandenburger Kabinett muss die Beschlüsse – oder Abweichungen davon – noch mit einer neuen Eindämmungsverordnung beschließen, die heute vorgestellt werden soll. Welche Regeln seit dem 23. Januar in Brandenburg gelten und was sich mit der neuen Eindämmungsverordnung ändern könnte, finden Sie hier im Überblick.
Hoffnung gibt es zudem für alle, die endlich mal wieder zum Friseur wollen: Denn die dürfen ab dem 1. März wieder öffnen. Fraglich ist allerdings, wie schnell Sie einen Termin ergattern können. Denn kaum war die Nachricht der Öffnung bekannt geworden, hörte das Telefon bei den Potsdamer Friseuren nicht mehr auf zu klingeln.
In den Seniorenheimen und Kitas ist die Infektionslage ruhig. Zwar waren insgesamt fünf der für die Erzieherinnen verpflichtenden Spucktests positiv, aber keiner der Verdachtsfälle konnte bislang bestätigt werden.
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Die besondere Geschichte

Nach Veröffentlichung des Berichts der Experten-Kommission zum Corona-Ausbruch im Bergmann-Klinikum hat sich die Aufsichtsratsvorsitzende an die Mitarbeiter des Klinikums gewandt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Nach Veröffentlichung des Berichts der Experten-Kommission zum Corona-Ausbruch im Bergmann-Klinikum hat sich die Aufsichtsratsvorsitzende an die Mitarbeiter des Klinikums gewandt. Quelle: Bernd Gartenschläger
Und ewig grüßt das Klinikum: Potsdams größtes Krankenhaus, so haben es die Stadtverordneten entschieden, soll alle seine Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. Das ist aber gar nicht so einfach, denn zum einen kostet so ein Tariflohn viel Geld, zum anderen ist es auch ein juristischer Balanceakt, manche Berufsgruppen in den Tarif zu bekommen.
Mehr als 500 Mitarbeiter der Catering- und Servicegesellschaft des Potsdamer Klinikums „Ernst von Bergmann“ sollen nämlich genau wie Pfleger und Ärztinnen besser bezahlt werden. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) erklärte am Mittwochabend im Hauptausschuss, wie der Weg aussehen könnte. Peter Degener fasst die Optionen zusammen.
Und auch die Nachwehen des Expertenberichts zum Corona-Ausbruch mit fast 50 Toten im Klinikum sind weiter spürbar. Klar ist nun, dass sich die Stadt schon in wenigen Wochen ganz grundsätzlich die Karten legen will – bis hin zur Standortfrage für einen möglichen Krankenhaus-Neubau.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Schokolade aus Brandenburg? Na klar! Die Chocolaterie Edelmond hat ihr Zuhause im Spreewald und zeigt, dass aus Brandenburgs Süden nicht nur Gurken kommen. Von der Bohne bis zur Tafel stellen die Schoko-Experten von Edelmond alles von Hand und nach traditionellen Rezepten her. Fair gehandelte Bio-Kakaobohnen werden mit meisterlichen Komponenten veredelt – so entstehen Köstlichkeiten wie Dattelschokolade mit getrockneten Pflaumen oder die süße Cranberry-Milchschokoladentafel.
Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Eine Besonderheit ist auch die heiße Schokolade, die bei Edelmond als in heißer Milch aufzulösende Schoko-Stückchen daherkommt. Mit etwas Sahne und ein paar süßen Mini-Marshmallows wird das Wintergetränk zum Wochenend-Highlight für die ganze Familie.
Edelmond betreibt einen Onlineshop, die Produkte sind außerdem in ausgesuchten Geschäften zu haben, so etwa bei unserem MAZ-Videokolumnisten Marcus Gude in der Gutenbergstraße 16. 
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Sind die nicht niedlich? Eine hübsche, kleine Geschenkidee bietet die Feintäschnerin Franziska Maier in ihrer Manufaktur in der Jägerstraße. Handgemachte Herzen aus hochwertigem Blankleder, die individuell mit gestanzten Wörtern verziert werden. „Natürlich sind Namen da genauso möglich wie Wörter wie Potsdam, Heimat oder Liebe“, sagt Franziska Maier. Die Schlüsselanhänger-Herzchen sind wunderbare Handschmeichler und binnen weniger Minuten fertig. Sie können direkt mitgenommen werden und kosten 10 Euro das Stück. Und falls Sie noch kurzfristige Überraschungen zum Valentinstag suchen, finden Sie hier eine Übersicht zu Einkaufsmöglichkeiten und romantischem Dinner.
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Das ist los im Umland

Wer in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf ein neues Zuhause sucht, ist vor allem mit zwei Problemen konfrontiert: Wohnungsmangel und hohen Preisen. Die MAZ hat recherchiert und stellt vor, wo in den drei Kommunen schon Wohnungen entstehen und wo weitere Projekte möglich sind oder bereits Vorhaben konkret entstehen. Außerdem gibt es für unsere Leser einen realistischen Überblick über die Grundstückspreise für eigene Bauideen in den drei Kommunen.
Elbestraße/Potsdamer Straße – hier entstehen 98 Wohnungen. Foto: Konstanze Kobel-Höller
Elbestraße/Potsdamer Straße – hier entstehen 98 Wohnungen. Foto: Konstanze Kobel-Höller
Ob sie auf den Strom- und Gasmarkt aktiv mitmischen will, überlegt die Kommune Kleinmachnow und hofft, dass sie Teltow und vielleicht auch Stahnsdorf als Partner ins Boot holen kann. Gemeinsame Stadtwerke sind das Ziel, eine eigene Marke wie „TKS-Strom“ wäre möglich und mehr Flexibilität bei der Preisgestaltung für umweltfreundliche Angebote. Doch zunächst müssen die aktuellen Verträge mit den Energieversorgern auf möglichst gleiche Endpunkte gebracht werden – und vor allem geklärt werden, ob auch alle Interesse an einer neuen regionalen Zusammenarbeit haben.
In der Gemeinde Nuthetal wollen sie mit einem eigenen Krisen-Soli auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie reagieren. Dem Solidaritätsgedanken soll dabei eine feste Struktur gegeben werden – in einem „Netzwerk solidarisches Nuthetal“, das über einen Hilfsfonds bei vorübergehenden Liquiditätsproblemen finanziell über die Runden helfen soll. Das Prinzip kann in Kurzform so beschrieben werden: Firmen und Menschen, die gut durch die Krise kommen, stützen jene, die unverschuldet in Bedrängnis geraten. Es geht dabei auch darum, die gewachsene Gewerbe-Struktur in Nuthetal zu bewahren, sagt Saarmunds Ortsvorsteher Alexander Erdmann, der Initiator, der für das Projekt die Gemeinde mit an Bord hat. Er glaubt, dass die Stunde der Solidarität erst noch kommen muss und Hilfe nach der Pandemie-Eindämmung bitter nötig sein wird, um den Gefallenen wieder auf die Beine zu helfen. Mehr darüber lesen Sie hier.
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wo leuchtet dieses Licht in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo leuchtet dieses Licht in Potsdam? Foto: Peter Degener
Das Licht der Vernunft – das ist das Wissen, das die Menschheit in eine bessere, hellere Zukunft führen soll. Das Zeitalter der Aufklärung sah im 18. Jahrhundert in der durch Empirie und Forschung erarbeiteten Vernunft von den Dogmen der Kirche zu befreien.
Diese Laternenträgerin mit ihrem Licht in den Armen kann man zumindest heute als Trägerin dieser Weisheit interpretieren, weil sie am Präsidialgebäude der Universität Potsdam am Neuen Palais steht. Sogar das Logo der Universität zeigt die Fassade mit der repräsentativen Treppe, die von ihr illuminiert wird. Es ist das südlichen Communs-Gebäude gegenüber dem großen Schlossbaus von Friedrich II., der sich selbst als „aufgeklärter Monarch“ verstand.
Das Südcommuns ist Sitz des Potsdamer Universitätspräsidenten. Foto: Peter Degener
Das Südcommuns ist Sitz des Potsdamer Universitätspräsidenten. Foto: Peter Degener
Doch die Interpretation der Figur als Trägerin des Lichts der Vernunft funktioniert leider nur aus heutiger Sicht. Denn das Neue Palais und damit auch die 1769 von den Bayreuther Bildhauer-Brüdern Räntz geschaffene Figur stehen in keiner Weise für die Ideale der Aufklärung. Das riesige Schloss ist das Triumpfzeichen für einen langen, siegreichen Krieg, der den preußischen Staats an den Abgrund gebracht hatte – und weniger durch die Feldherrnkünste Friedrichs, als durch viel Glück gewonnen werden konnte. Das Neue Palais, die Communs-Gebäude und der prächtige Schmuck in Form hunderter Sandsteinskulpturen strahlt vor allem Großmachtpolitik aus. „Mehr Schein als sein“ gilt in der preußischen Architektur. Hinter der prächtigen Communsfassade befanden sich nämlich trotz großer Säulen, Kuppeln und einer goldenen Figur auf der Spitze ganz profan der Küchentrakt, sowie „Kammern für die Dienerschaft“.
Die anderen schönen Potsdamer Laternenträger von der Breiten Brücke am Stadtkanal in Potsdam Zentrum existieren übrigens noch. Nachdem die Brücke 1970 abgerissen wurde, um die Breite Straße zur „Magistrale“ ausbauen zu können, wurden sie zuerst am Café auf der Freundschaftsinsel aufgestellt. Heute sind sie leider im Depot des Potsdam-Museums – womöglich werden sie ganz langfristig bei einer Wiederherstellung des Stadtkanals wieder zum Vorschein kommen.
Rätsel: Peter Degener
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Unser Tipp fürs Wochenende

Quelle: RZ Potsdam
Quelle: RZ Potsdam
Gerade einmal 18 Jahre alt ist Sidney Busby, aber ihre Stimme ist schon jetzt eine ganz große. Die junge Frau und ihr wirklich beeindruckendes Talent sind am Montag im Livestream der Kosmos-Konzerte zu bewundern. In dieser monatlichen Konzertreihe des Rechenzentrums können sich Bands und Künsterlinnen aus Potsdam, Deutschland und der ganzen welt präsentieren.
Das Wochenende kann dann zum Beispiel genutzt werden, um das aktuelle Album “My Pleasure” der Potsdamerin zu hören - es steht auf allen gängigen Streamingplattformen zur Verfügung.
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Das steht nächste Woche an

Quelle: Julius Frick
Quelle: Julius Frick
Ein Politikerbesuch in Potsdam ist eigentlich keine große Nachricht - immerhin ist die Landeshauptstadt immer wieder der Ort für wichtige Treffen und Tagungen, eine ganze Riege von Spitzenpolitikern jeder Couleur wohnt auch hier. Am Montag aber kommt Bundesfamilieministerin Franziska Giffey (SPD) vorbei und will sich anschauen, wie das Hygienekonzept zur sicheren Kita-Öffnung funktioniert.
Zuletzt hatte Giffey die Maskenpflicht für Erzieher und Spucktests vor dem Dienst auch bundesweit ins Gespräch gebracht. Wird Potsdam mit seinem vor allem durch Eltern- und Trägervertreter erkämpften Sicherheitsplan zur Bundes-Blaupause? Es könnte sein. Eltern und Trägervertreter sind übrigens auch beim Termin am Montag dabei. Sie sollen, wünscht sich Oberbürgermeister Mike Schubert, der Ministerin einfach mal selbst ihre Erfahtrungen schildern.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Über die Rodung des Nuthewäldchens haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, ja bereits am Anfang des Newsletters einiges lesen können. Auch unser Videokolumnist Marcus Gude ist sauer über das Vorgehen - zumal es ja noch gar keine Baugenehmigung gibt.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 34
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 34
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