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Vollsperrung+++Rathaus-Hotline+++Einschulung

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, "only bad news are good news", heißt es. Nur schlechte Nac
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

“only bad news are good news”, heißt es. Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Keine Frage, sie gehören zum journalistischen Geschäft - die Katastrophenmeldungen, Hiobsbotschaften und Krisen-Schlagzeilen. Und trotzdem: Ich persönlich lese auch gerne gute Nachrichten. Zum Beispiel, dass sich das Babelsberger Thalia-Kino langsam auf die Wiedereröffnung vorbereitet, dass Baby Fiona die Helmtherapie gut überstanden hat oder dass die Entenmutter mit ihren sieben Küken den Besuch in einem Teltower Friseursalon offenbar genossen hat.

Ersparen würde ich Ihnen - und ehrlich gesagt auch mir - außerdem gerne so manche schlechte Nachricht. Zum Beispiel, dass die Behlertstraße zwischen Humboldtbrücke und Gotischer Bibliothek voll gesperrt wird. Und zwar für sage und schreibe 74 Wochen. Wie das gehen soll? Anderthalb Jahre lang? Ganz sicher nur mit verdammt viel Stau. Aber weil ich gute Nachrichten mag, habe ich an dieser Stelle zumindest eine kleine für Sie parat: Wir haben noch bis November Zeit, uns darauf vorzubereiten.

Vielleicht schafft es ja die Potsdamer CDU-Politikerin Saskia Ludwig in den nächsten Wochen, eine Lösung für die Verkehrsprobleme der Stadt zu finden. Um Ideen - seien sie auch noch so abwegig - ist die Golmerin ja nicht verlegen. Ihr jüngster Vorstoß: Sie will die Seilbahn für Potsdam aus Konjunkturmitteln finanzieren. Doch das wird selbst ihrer eigenen Partei zu bunt, Kritik der Potsdamer CDU-Fraktion folgte prompt.

Mit der Seilbahn (hier haben wir mal visualisiert, wie so ein Verkehrsmittel das Stadtbild verändern würde) wird es also vorerst nichts. Gut für die Sichtachsen der Stadt - gut für die Schlösserstiftung, die derzeit mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat. Denn Corona hat nicht nur die Einnahmen schrumpfen, sondern auch Ausgaben für die Müllbeseitigung in den Gärten und Parks steigen lassen. Bis zu 30 Prozent mehr Abfall als sonst registriert die Stiftung, und häufig bleibe “der Müll inklusive Pfandflaschen auf Wiesen und Wegen auch einfach liegen”, erklärt Sprecher Frank Kallensee.

Die gute Nachricht: Das Müll-Problem in der Stadt haben wir selbst in der Hand. Ich würde dazu gerne diese Schlagzeile lesen: “Potsdamer beim Müll-Einsammeln bundesweit spitze.”

Kommen Sie gut durch die Woche, bleiben Sie gesund. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie bis dahin wie gewohnt auf MAZ Online.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Derzeit schwer zu bekommen: ein Termin beim Bürgerservice. Foto: V. Smirnova
Derzeit schwer zu bekommen: ein Termin beim Bürgerservice. Foto: V. Smirnova
Haben Sie in letzter Zeit die Rathaus-Hotline 115 gewählt - und partout niemanden erreicht? Dann ging es Ihnen wie meinem Kollegen Alexander Engels. Der hat am Montag tatsächlich mehr als 40 Mal versucht, den Bürgerservice im Rathaus zu erreichen. Vergeblich. Und da Journalisten den Dingen gern auf den Grund gehen, hat er genau das getan und nach der Ursache geforscht. Das Ergebnis: Die Service-Stellen der Stadt sind aktuell hoffnungslos überlastet. Eine Lösung wird gesucht - bisher ebenfalls vergeblich.
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Die besondere Geschichte

Isabell Härtel ist Krankenschwester an der Oberlinklinik. Quelle: Nadine Fabian
Isabell Härtel ist Krankenschwester an der Oberlinklinik. Quelle: Nadine Fabian
Auf der Covid-Station macht sie vieles zum ersten Mal. Zum ersten Mal begleitet sie einen Menschen bis zum letzten Atemzug. Zum ersten Mal legt sie einen leblosen Körper in den Leichensack. Zum ersten Mal fährt sie einen Toten in den Krankenhauskeller. Isabell Härtel ist 34 Jahre alt, sie ist in Neustadt (Dosse) aufgewachsen und hat am Klinikum Kyritz gelernt. Seit 2016 arbeitet sie an der Oberlinklinik. Seit Anfang April gehört sie zu den Oberlinern, die zur Unterstützung an das St. Josefs-Krankenhaus entsandt wurden.

Isabell Härtel hatte gehört, wie kraftraubend das Arbeiten auf einer Covid-Station ist. Sie hatte die Bilder aus Italien gesehen, die Warnrufe vernommen. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie blickt sie dem Tod fast jeden Tag ins Gesicht. Heute sagt sie: „Ich habe das gut überstanden. Aber das Elend um uns herum war sehr groß.“ Hier lesen Sie ihre Geschichte.
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Verkehr aktuell

Die Woche hat in Potsdams Nordwesten nach einem Lkw-Unfall auf der A10 am Montagmorgen mit kilometerlangem Stau begonnen - und angesichts gleich drei neuer Baustellen dürfte auch in den kommenden Tagen an der einen oder anderen Stelle Geduld gefragt sein.
Baustelle in der Charlottenstraße Höhe Wilhelmgalerie. Foto: Bernd Gartenschläger
Baustelle in der Charlottenstraße Höhe Wilhelmgalerie. Foto: Bernd Gartenschläger
Für Straßenbauarbeiten wird die Dortustraße zwischen Yorckstraße und Breite Straße halbseitig gesperrt und eine Einbahnstraße in Richtung Yorckstraße eingerichtet. Die Charlottenstraße wird vor der Französischen Kirche zwischen Hebbelstraße und Französische Straße gleich voll gesperrt. Und für den Bau von Hausanschlüssen wird die Karl-Liebknecht-Straße Höhe Rathaus Babelsberg halbseitig gesperrt.
Die komplette Verkehrsprognose für diese Woche finden Sie hier.
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Unsere Entdeckung der Woche

In Potsdam-Bornim gibt es Liliensträuße für vier Euro. Foto: Anna Sprockhoff
In Potsdam-Bornim gibt es Liliensträuße für vier Euro. Foto: Anna Sprockhoff
Blumen, Marmelade, Eier, selbst angebaute Tomaten und Beeren - könnte es einen besseren Grund für einen Zwischenstopp geben? Auf Tischen, Bänken und Stühlen in Potsdam und Umland bieten Privatleute derzeit die Schätze ihrer Gärten an, an einem Stand in der Philippsthaler Dorfstraße gibt es sogar Pferdemist zum Düngen zu kaufen – ein Sack für fünf Euro. Wer etwas mitnimmt, steckt das Geld in eine “Kasse des Vertrauens”. Doch was steckt eigentlich dahinter – und vor allem wer? Ein Beispiel aus Tremsdorf.
Ein Sack Pferdemist für fünf Euro. Foto: Jens Steglich
Ein Sack Pferdemist für fünf Euro. Foto: Jens Steglich
In dem kleinen Ort steht an der Alten Schule in der Dorfstraße seit 15 Jahren ein Stand mit Obst und Gemüse. Angefangen hat alles mit einem Aufruf, die alten Gärten im Ort zu erhalten, erzählt die Tremsdorferin Angela Schneider. Der Selbstbedienungsstand an der Alten Schule war der Start für die Aktion und sollte Gartenbesitzern die Möglichkeit geben, frisch Geerntetes aus dem eigenen Garten verkaufen zu können. Hobby-Gärtner aus Tremsdorf stellen je nach Saison zum Beispiel Lauchzwiebeln, Gurken, Salat, Erdbeeren, Kirschen, Kartoffeln und auch mal Marmelade auf den Tisch. „Die Hauptsaison beginnt mit den ersten Tomaten“, sagt Angela Schneider.
Bartnelken für 2,20 Euro in Phöben. Foto: Anna Sprockhoff
Bartnelken für 2,20 Euro in Phöben. Foto: Anna Sprockhoff
Kleine Preisschilder zeigen den Preis an. „Mit der Kasse des Vertrauens klappt es super“, sagt sie. Das war nicht immer so. Als die Tremsdorfer fürs Bezahlen am Stand noch ein Glas auf den Tisch gestellt hatten, kam regelmäßig ein Radfahrer vorbei. Er nahm kein Gemüse oder Obst mit, er steckte sich das Glas mit den Einnahmen ein. Dem Diebstahl haben die Tremsdorfer einen Riegel vorgeschoben: „Seitdem die Kasse festgeschraubt ist, klappt es wieder gut.“

Das Kaufangebot im Dorf, das keinen eigenen Lebensmittelladen hat, wird auch von den Bewohnern selbst genutzt. Auch Leute aus Bergholz-Rehbrücke, Potsdam, Saarmund und aus Berlin bedienen sich oft. Die Nachfrage ist mitunter so groß, dass in dem kleinen Nuthetaler Ortsteil an manchen Tagen sogar drei Verkaufsstände zu finden sind. Obwohl das Angebot zu Beginn der Saison noch etwas dünn ist, war der Andrang vor allem von Berlinern in diesem Frühjahr besonders groß. Die Großstädter trieb es in Zeiten der Pandemie und der Eindämmungsverordnungen aufs Land. „Man hatte manchmal den Eindruck, die ganzen Corona-Flüchtlinge aus Berlin würden in Tremsdorf spazieren gehen“, sagt Angela Schneider.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Der Gastraum erinnert etwas an eine Autobahn-Raststätte aus vergangenen Zeiten. Rote Kunstlederbänke, dunkelbraune Bistrostühle, hier und da schon ein wenig angestoßen. Doch das Herz des Hauses Am Kanal ist auch nicht die Einrichtung, sondern der Broiler. Seit 1965 ist die Globus Grill-Bar in Potsdam eine Institution, den halben Broiler mit Schrippe gibt es hier für 4,25 Euro, rund 400 Hühner gehen pro Woche über den Tresen. Unsere Restaurantkritikerin Manuela Blisse war begeistert: Ein Viertel Broiler mit Pommes “überzeugt auf ganzer Linie”. Ihren ausführlichen Testbericht lesen Sie hier.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Foto: Peter Degener
Foto: Peter Degener
Dieser goldene Käfig befindet sich im Potsdamer Welterbe. Hinter dem filigranen Gitter ist schemenhaft ein Kampf um Leben und Tod zu erkennen. Ein Adler hat sich auf ein junges Reh gestürzt.

Natürlich ist es kein Käfig, den wir sehen – und trotz der brutalen Darstellung der wilden Natur sogar ein besonders lauschiger Ort. Es heißt, dass ein für solche Architektur besonders anfälliger preußischer König im 19. Jahrhundert gerne auf einer halbrunden Steinbank in dem kleinen Gebäude saß und durch das Gitter einen kleinen künstlichen Wasserfall betrachtete. Heute ist das kleine Gebäude von einer besonders großen Vielzahl verschiedener Pflanzen umgeben.

Ein besonderes Detail sind die bunten Glasvasen, die den Ort schmücken. Ein Foto kann ihnen nicht gerecht werden. Sie müssen selbst dorthin – es sieht himmlisch aus. Das drückt sich auch im gesuchten Namen des Gärtchens aus, in dem wir uns befinden.

Wie heißt der Ort, an dem dieses Foto entstand?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 11. Juni eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Diesmal können Sie einen Faltgrill gewinnen. Der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt.

Sie haben ein eigenes Potsdam-Bilderrätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit!
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Das ist los im Umland

Der erste Schultag - erinnern Sie sich noch? Ich weiß noch, dass mir meine Mutter extra ein rosafarbenes Kleid genäht hat, dass wir mit der ganzen Familie im Garten feierten - und dass in meiner Schultüte ein neonfarbener Stoff-Igel steckte, der mich durch meine gesamte Grundschulzeit begleitete und den ich ich heiß und innig liebte. Doch wie feiern die Familien diesen besonderen Tag in diesem Jahr? Wie können Einschulungs-Feiern in Zeiten von Corona aussehen? “Es wird auf jeden Fall nicht wie früher sein”, sagt die stellvertretende Schulleiterin der Friedrich-List-Grundschule in Neuseddin, Jeanine Kuhla. Ein Konzept für Feiern mit Abstandsgebot liegt in vielen Schulen im Landkreis Potsdam-Mittelmark schon in der Schublade. Mein Kollege Jens Steglich berichtet, was drin steht.
Foto: Gudrun Massen
Foto: Gudrun Massen
Gebrochene Bodenplatten, Risse in den Wänden, von Granatsplittern aufgerissene Dielen: Als Gudrun Massen und ihr Mann das Haus in Kleinmachnow entdeckten, war es in erbärmlichem Zustand - und dennoch ein architektonisches und historisches Juwel. Denn bauen lassen hat sich das Haus am Jägerhorn 17 im Jahr 1932 Elisabeth Pungs, eine Widerstandskämpferin zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Architekt: Paul Rudolf Henning, er hatte gemeinsam mit Walter Gropius und Hans Scharoun an der Berliner Großsiedlung Siemensstadt gearbeitet. In Kleinmachnow allerdings war die Bedeutung des Hauses lange unbekannt, erst 2017 stellte man das Haus unter Denkmalschutz. Die Sanierung war aufwendig und mit manch böser Überraschung verbunden, doch nun erstrahlt das “Pungs-Haus” in neuem Glanz.
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Unser Karikaturist Jörg Hafemeister spielt „Trägerlotto“. Ab dem kommenden Kitajahr gibt es keine einheitlichen Elternbeiträge mehr – wer das Glück hat, einen Betreuungsplatz für sein Kind zu erhalten, kann zugleich Pech haben und deutlich mehr dafür zahlen als andere Eltern in einer Kita nebenan. Künftig entscheidet der Träger einer Kita über die Elternbeiträge - und muss eventuell deutlich höhere Betriebs- oder Baukosten auf die Eltern umlegen.
Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
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