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Trauer in Babelsberg+++Solidarität mit der Kultur+++Aus für die Glindower Ziegelei

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
die Nachbarn in Babelsberg, die ganze Stadt Potsdam und Menschen weit darüber hinaus sind fassungslos über die Tragödie, die sich im Oberlinhaus ereignet hat. Vier Menschen sind gewaltsam getötet worden, ein weiterer kämpft mit dem Leben - vermutlich attackiert von einer Frau, die ihre Opfer eigentlich umsorgen sollte, einer Mitarbeiterin des Oberlinhauses. Die fünf Männer und Frauen hatten kein einfaches Leben, weil sie von Geburt an oder durch spätere Schicksalsschläge mit schweren Behinderungen zurechtkommen mussten. Das Thusnelda-von-Saldern-Haus des Oberlinvereins war ihnen dennoch schon seit ihrer Kindheit zu einem echten Heim geworden.
“Wir befinden uns in einer Schockstarre”, sagt Matthias Fichtmüller, der theologische Vorstand des Oberlinhauses. Am Tag danach gilt für ihn und seine 2000 Mitarbeiter in allen Oberlin-Einrichtungen dennoch: “Die Abläufe müssen weiter funktionieren, die Bewohner brauchen unsere Assistenz. Wir haben nicht einmal Zeit zu trauern.” Eine kleine Andacht am Donnerstagabend war vermutlich die erste Gelegenheit für Angehörige, Bewohner und Mitarbeiter des Oberlinhauses, um kurz innezuhalten.
Als ich erfuhr, was geschehen war, dachte ich an diese Menschen, die als Oberlin-Familie zusammengehören und die dafür bekannt sind alles zu tun, um ihren verwundbaren Schützlingen das Leben soweit es geht zu erleichtern. Welch ein Schock, dass sich als die größte Bedrohung gerade nicht der Corona-Virus erwies. Mein Beileid und das meiner Kollegen, gilt den Angehörigen, den Mitbewohnern des Thusnelda-von-Saldern-Hauses und den Mitarbeitern. Ich wünsche der ganze Oberlin-Gemeinschaft viel Kraft um die unfassbare Tat zu verarbeiten, und damit sie weiter ihre wundervolle Arbeit für die vielen Menschen zu leisten vermag, die in dieser Familie umsorgt werden.
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
Das Stadtgespräch

Botschaften und Blumen am Oberlinhaus in Babelsberg. Foto: Julian Stähle
Botschaften und Blumen am Oberlinhaus in Babelsberg. Foto: Julian Stähle
Was ist im Babelsberger Oberlinhaus nur passiert? Anderthalb Tage nach der schrecklichen Gewalttat mit vier Todesopfern ist noch wenig bekannt. Am Morgen danach hatte sich das Oberlinhaus selbst in einer Pressekonferenz im Rathaus Babelsberg zu Wort gemeldet. Das dort gesagte können Sie hier nachlesen. Oberlin-Vorstand Matthias Fichtmüller hatte anschließend noch einmal direkt mit der MAZ über die Auswirkungen der Gewalttat auf sein Haus gesprochen, MAZ-Redakteurin Nadine Fabian, die das Oberlinhaus sehr gut kennt, hat die Innensicht der Mitarbeiter eingenommen, die so erfolgreich gegen das für die Bewohner höchst tödliche Corona-Virus gekämpft hatten.
Zahlreiche Menschen kondolierten den Angehörigen am Morgen danach. Viele Blumen und Nachrichten wurden am Tatort hinterlassen.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat die Ermittlungen aufgenommen. Eine Kernfrage: War es Mord oder Totschlag? Über die Tatverdächtige, eine 51 jahre alte Frau, ist nur wenig bekannt. Hier lesen Sie, welche Informationen gesichert sind.
Als sich die Nachricht von der Gewalttat am Mittwochabend verbreitete, war oft von der Oberlinklinik und getöteteten Patienten die Rede. Doch tatsächlich ist eine ganz andere Einrichtung des Oberlinvereins betroffen. Welche Vielfalt die soziale Einrichtung unter dem Oberlin-Namen vereint und was es mit der besonderen Wohnbetreuung im Thusnelda-von-Saldern-Haus auf sich hat, können Sie hier lesen.
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Die Corona-Lage

Die 7-Tage-Inzidenz in Potsdam ist am Donnerstagmorgen wieder leicht angestiegen und liegt aktuell bei 110,4. Zuvor war die Inzidenz in Potsdam mehrere Tage hintereinander gesunken – dann kam der erneute Anstieg.
Die Zahl aller bisher bestätigten Covid-19-Fälle ist in Potsdam nun auf 6414 gestiegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte am Donnerstag 47 neue Corona-Fälle in Potsdam bestätigt. Das sind 25 mehr als gestern und ein Corona-Fall mehr als vor einer Woche. Insgesamt ist dies der siebthöchste Wert an einem Donnerstag seit Beginn der Pandemie.
In den beiden Potsdamer Kliniken werden aktuell 30 Patienten in Zusammenhang mit Covid-19 behandelt, das sind drei mehr als noch am Mittwoch. Davon müssen 15 intensivmedizinisch betreut werden, einer mehr als am Vortag.
Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion ist unverändert. Das RKI bestätigt bisher 239 Corona-Tote.
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Die besondere Geschichte

Ein Bild aus früheren Tageb: die Panzerhalle im Jahr 2004. Foto: Bernd Gartenschläger
Ein Bild aus früheren Tageb: die Panzerhalle im Jahr 2004. Foto: Bernd Gartenschläger
„Eindruck wie in einer Kathedrale. In der Halle gibt es einen riesigen Ölfleck. Der Fleck – erste Erinnerung an den Krieg. Löcher, die in der Landschaft sind, sollen vier Meter tief sein. Die Angst davor, hineinzufallen.“ Diese stenografische Notiz ist 25 Jahre alt. Bettina Schilling schrieb die Zeilen, als sie vor 25 Jahren durch eine verlassene Stadt aus rotem Backstein mit Baracken und Garagen zwischen Kiefern und Birken und Sand streifte und plötzlich in einer “Riesenhalle” stand - der Panzerhalle von Groß Glienicke. Die Künstlerin Bettina Schilling gehört zu den Gründungsmitgliedern des Atelierhaus Panzerhalle, das viele Jahre lang die größte Künstlergemeinschaft Brandenburgs war.
Das Jubiläum soll trotz der Corona-Pandemie zelebriert werden. Am Sonntag, wenn eigentlich der Tag der Offenen Ateliers gefeiert worden wäre, erscheint ein Katalog. 25 Jahre Atelierhaus Panzerhalle“. Die reich illustrierte und über 200 Seiten starke Publikation wird nun digital vorgestellt - hier kann man digital dabei sein. Wer erfahren will, wie durch West-Berliner Künstler aus den Hinterlassenschaften der Wehrmacht und der Nationalen Volksarmee ein kreativer Ort wurde, dem sei die Geschichte von MAZ-Redakteur Volker Oelschläger ans Herz gelegt.
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Der kulinarische Tipp

Inhaberin Lena Mauer vor der Theaterklause in der Zimmerstraße. Foto: Jan Russezki
Inhaberin Lena Mauer vor der Theaterklause in der Zimmerstraße. Foto: Jan Russezki
Die Theaterklause in der Zimmerstraße 10-11 Uhr bietet montags bis freitags jeweils von 11:30 - 14:30 Uhr ein Lunch zum Mitnehmen an – nicht nur für die Mitarbeitenden der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.
Am heutigen Freitag können Sie wählen zwischen einem warmen Berglinsensalat mit Rhabarber und Büffelmozzarella für 7 Euro oder einem Ragout vom Schwarzfederhuhn mit grünem Spargel und Safranreis für 8 Euro. Als Kinderessen stehen außerdem Süßkartoffel-Lachs-Bällchen für 3 Euro auf dem Menüplan.
Tipp: Sarah Kugler
Unsere Entdeckung der Woche

Anke Laube in ihrem Laden Kinderkram. Foto: Sarah Kugler
Anke Laube in ihrem Laden Kinderkram. Foto: Sarah Kugler
Wenn Sie spontan ein Geschenk oder Kleidung für Ihre Kinder, Enkel, Nichten oder Neffen suchen, sei Ihnen der Laden Kinderkram in der Dortustraße 15 ans Herz gelegt. Den kleinen, aber sehr liebevoll ausgesuchten Laden können Sie trotz der aktuellen Corona-Verordnungen ohne Test und Termin besuchen – nur eine Maske muss aufgesetzt werden. „Wir haben eine Ausnahmeregelung, weil wir auch ein Babyfachmarkt sind“, sagt Inhaberin Anke Laube dazu.
Der Laden hat Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Was Sie aktuell beim Shoppen in den anderen Läden der Innenstadt beachten müssen, können Sie hier nachlesen.
Entdeckung: Sarah Kugler
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Das Bildrätsel ist in dieser Woche doppelt schwer. Nur ein kleines Detail eines kunstvoll geschmiedeten Eisengitters ist zu sehen. Zugleich ist zwar das Foto in Potsdam entstanden, doch das prächtige Portal steht schon außerhalb der Stadt. Selbst dem geübten Auge fällt kein königliches Monogramm ins Auge, das einen Hinweis auf den Ort bietet. Das wichtigste Indiz wird deshalb verraten: Es befindet sich in der Nähe eines der ältesten Schlossbauten der Hohenzollern in der Region.
Ursprünglich trennte das Tor die Herrschaft vom daneben liegenden Dorf. Das Portal ist heute in der Regel verschlossen und lange Zeit war der vermeintliche Durchgang sogar doppelt gesichert. Ein äußerst grobschlächtiges Bauwerk versperrte Weg und Blick auf das schöne Tor, von dem die Dorfbewohner lange nur die oberste Spitze sehen konnten.
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum Sonntag, 2. Mai, eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Warte mal, irgendwas stimmt hier nicht! Foto: Wilfried Ruppert, DBV
Warte mal, irgendwas stimmt hier nicht! Foto: Wilfried Ruppert, DBV
Es wirkt wie ein Schildbürgerstreich. Am Bahnhof in Groß Kreutz steht seit geraumer Zeit ein neues Wartehäuschen hinter Gittern. So schön es auch ist, können es die Pendler also nicht nutzen, wenn es regnet oder stürmt. Das Geländer versperrt den Eingang. Inzwischen ist es mit Graffiti voll gesprüht. Die Deutsche Bahn hat für diese Posse eine einfache Erklärung.
Die traditionsreiche Glindower Ziegelei steht nach großen Umsatz-Einbußen vor dem Aus. Noch im Mai soll der einzigartige Hoffmannsche Ringofen still gelegt werden, wie der Ziegeleichef der MAZ auf Nachfrage sagte. Finanzielle Nöte hatte es in der Vergangenheit schon öfter gegeben, aber immer schaffte es der Betrieb wieder auf die Beine. Hoffnung bleibt nun in der Suche nach einem neuen Investor. Die Stadt will helfen.
Kurz vor Beginn der Badesaison ist die Gemeinde Stahnsdorf dabei, die Badestelle des Güterfelder Haussees aufzurüsten: Schilder, die den Bürgermeister von der Haftung befreien sollen und eine bessere Absperrung der Stege sind notwendig, damit in diesem Jahr das Schwimmen hier wieder erlaubt ist. Seit Juni war die Badestelle nach mehreren Urteilen wegen Fragen der Verkehrssicherung gesperrt. Die Gemeindevertreter hatten sich dabei gegen die Verwaltung durchgesetzt, die einen großzügigen Rückbau der Infrastruktur wollte – jetzt bleiben auch Umkleiden, Toiletten und Kiosk weiterhin stehen. Dem Badevergnügen steht also nichts mehr im Wege – bis auf die Temperaturen.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Declan Forde & His Orchestra sind digital aus dem Nikolaisaal zu erleben. Foto: promo
Declan Forde & His Orchestra sind digital aus dem Nikolaisaal zu erleben. Foto: promo
Digitales Swing-Konzert im Nikolaisaal: Am Freitag, 30. April sind um 20 Uhr Declan Forde & His Orchestra zu erleben. Die Musiker spielen Lindy Hop, Charleston, Balboa oder „Freestyle“ – Musik zum Mittanzen also. Anmelden kann man sich für das Konzert per Mail an regie@nikolaisaal.de oder man folgt dem direkten Link zum Zoom-Meeting, der auf der Website des Nikolaisaals angegeben ist. Das Konzert ist kostenlos, es besteht aber die Möglichkeit, einen freiwilligen Eintritt zu zahlen.
Wunschkonzert mit Ralf Kelling: Ebenfalls am Freitag präsentiert das Friedrich-Reinsch-Haus in seiner Reihe „Corona-Kultur“ von 17 bis 18.30 Uhr ein digitales Wunschkonzert mit Sänger Ralf Kelling, der außerdem langjähriger Leiter des Nachbarschaftschors „Schlaatzer Singespaß“ ist. Per Anruf können Zuschauer sich einen Titel aus seinem Repertoire an Schlagern, Volksliedern und Folk wünschen. Eine entsprechende Repertoire-Liste ist auf der Internetseite des Friedrich-Reinsch-Hauses zu finden, darunter „Über den Wolken“, „Aber bitte mit Sahne“ oder „Liebeskummer lohnt sich nicht“. Das ganze Konzert wird live auf facebook übertragen, Anrufer hören ihr Wunschlied am Telefon. Musikwünsche können per Telefon (0331) 5504169 oder per Mail an info@milanhorst-potsdam.de durchgegeben werden. 
Mit Eimern Solidarität für die Kunst zeigen: Um auf die schwierige Lage alleinschaffender Künstlerinnen und Künstler sowie Soloselbstständigen in Coronazeiten aufmerksam zu machen, organisiert das Potsdamer Aktionsbündnis „KulturMachtPotsdam“ am Samstag eine installative Demonstration auf dem Alten Markt. Unter dem Motto #EimerweiseKunst werden Potsdamerinnen und Potsdamer, die sich solidarisch mit den Kulturschaffenden der Stadt zeigen möchten aufgerufen, zwischen 9 und 16 Uhr je einen Eimer zum Alten Markt zu bringen, diesen in einem wachsenden Kreis um den Obelisken aufstellen und dann wieder zu gehen. Nach 16 Uhr sollen die Eimer wieder angeholt werden. Begleitend können die Teilnehmenden unter den Hashtags #EimerweiseKunst und #KunstimEimer Fotos von sich beim Eimerabstellen in den sozialen Medien posten.
Tipps: Sarah Kugler
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 45
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 45
Ganz Potsdam trauert wegen der Tragödie im Babelsberger Oberlinhaus. MAZ-Videokolumnist Marcus Gude ist angesichts der schrecklichen Gewalttat sprachlos. Eine virtuelle Schweigeminute für die Opfer.
Video und Text: Feliks Todtmann
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