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Teures Abwasser+++Badeverbot+++Videokolumne

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, Potsdam ist im Suchmodus. Auf allen Ebenen, in allen Ecken
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Potsdam ist im Suchmodus. Auf allen Ebenen, in allen Ecken der Stadt, mit den unterschiedlichsten Zielen - irgendwo sucht derzeit dauernd irgendwer nach irgendwas. In der Havel zum Beispiel beginnt nächsten Donnerstag die Suche nach Überbleibseln auf dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Fall wären allerdings alle verdammt froh, wenn sie nichts finden würden. Denn dann könnten sie gefahrlos die Sandbank am Grund der Havel wegbaggern - und der Fähre F1 zwischen Hermannswerder und dem Kiewitt den Weg freimachen. Die muss wegen der Arbeiten vom 25. Juni bis 16. Juli am Ufer bleiben, die Kundschaft solange neue Wege suchen.

Wer sucht, der findet? Schön wär’s, dann müssten Patienten aus Potsdamer Krankenhäusern vielleicht nicht mehr zu Dutzenden jede Woche in andere Städte verlegt werden. Dann hätte das Brandenburgische Gesundheitsministerium bei seiner Suche nach einer Lösung in der Potsdamer Betten-Krise vielleicht auch eine Lösung gefunden. Doch alles Suchen hat offenbar nichts genützt. Solange die Corona-Hygiene-Regeln die Belegung aller Betten in Potsdam verbieten, fehlt der Platz für Patienten. Behelfsbauten will das Ministerium nicht bauen. Also muss die Verlegerei munter weitergehen - zu Lasten von Kliniken und Patienten.

Gesucht wird übrigens auch mal wieder im Bergmann-Klinikum - und zwar nicht nur nach der Ursache für den Corona-Ausbruch. Ein Nachfolger muss her, denn Gerald Ripberger hat sich was Neues gesucht - vielleicht zu viel Krise für den Krisenstabs-Chef. Zumindest ein Interims-Nachfolger war schnell gefunden. Im Gegensatz zur Ursache für eine erneute Mitarbeiter-Infektion. Ob die Suche danach Erfolg haben wird, darf allerdings bezweifelt werden. Viel wichtiger ist ohnehin, dass eine Ausbreitung des Virus im Haus verhindert wird. Alle Maßnahmen, heißt es aus dem Klinikum, seien getroffen worden.

Ein voller Erfolg war übrigens die Suche der Polizei nach Rasern auf der Nuthestraße am Mittwochmorgen. Geblitzt haben sie auf der Baustellen-Spur stadteinwärts, ins Visier genommen haben sie jeden, der in der Tempo-60-Zone schneller unterwegs war als erlaubt. Das Ergebnis: 122 Fahrern droht nicht nur eine satte Geldstrafe, sondern auch ein Fahrverbot. Da können wohl einige schon mal anfangen, nach anderen Verkehrsmitteln zu suchen. Mit dem Rad geht’s in Potsdam ohnehin schneller.

Liebe Leserinnen und Leser, nächste Woche beginnen die Sommerferien - in der Nachrichtenbranche bekanntlich der Startschuss fürs Sommerloch. Wir sind für Sie natürlich trotzdem unentwegt auf der Suche - und auf eins können Sie sich verlassen: Gute Geschichten finden wir selbst im tiefsten Sommerloch.

In diesem Sinne, passen Sie auf sich auf, bleiben Sie uns treu und genießen Sie den Sommer! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Dagmar Triptow (56) ist seit 29 Jahren Abwassermeisterin. Foto: Bernd Gartenschläger
Dagmar Triptow (56) ist seit 29 Jahren Abwassermeisterin. Foto: Bernd Gartenschläger
Die Potsdamer zahlen die höchsten Abwassergebühren unter den 100 größten Städten Deutschlands. Das ist das Ergebnis des Abwassergebührenrankings 2020, das das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Eigentümerverbands „Haus & Grund“ erstellt hat – und Brandenburgs Landeshauptstadt hat damit einen traurigen Spitzenplatz verteidigt. Zum zweiten Mal nach 2017 untersuchten die Wissenschaftler die Abwassergebühren und ermittelten, wie viel eine vierköpfige Musterfamilie pro Jahr in den Städten zahlen muss. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
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Die besondere Geschichte

Foto: dpa
Foto: dpa
Stellen Sie sich vor: Auf Potsdams Schulhöfen wird mit einem neuen Stoff gedealt. Koks, Haschisch, Crack? Alles nichts gegen die Marktlücke, die ein 35 Jahre alter Potsdamer entdeckt haben will - der Handel mit Hundefutter, genauer mit “Wolfsblut” und Schappi in zerbeulten Dosen. Vertickt habe das Zeug für ihn ein Jugendlicher an Mitschüler in der Waldstadt, im Schlaatz und in Drewitz, ein armer Kerl, dem er nur habe helfen wollen. Von Drogen, um die es in dem Gerichtsprozess eigentlich geht, will David B. plötzlich nichts mehr wissen. Dafür offenbart er vor den Richtern sein eigenes, tragisches Leben. Eine irre Geschichte zum Heulen, Lachen und Grübeln, die Sie unbedingt lesen sollten.
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Der kulinarische Tipp

Britta Riedel lebt schon mehr als 30 Jahre in Brandenburg, aber den weichen Dialekt ihrer Vogtländischen Heimat hat sie sich bewahrt. Auf dem Markt am Potsdamer Bassinplatz verkauft sie dann auch einen Klassiker aus der thüringisch-sächsisch-bayerischen Grenzregion: Bambes. Das sind spezielle Kartoffelpuffer, die mit Meerrettich und Kassler serviert werden. Bei Britta Riedels Lucullus-Truck kommt das Ganze dann nicht auf einen schnöden Teller, sondern in knusprigen Blätterteig - die leckeren Taschen stellt Riedel selbst frisch her, knapp ein Dutzend verschiedener Füllungen bietet sie an. Dafür beginnt die Bäckerin um 5.30 Uhr mit der Arbeit, alles wird direkt im Wagen produziert und gebacken.
Leckereien von Britta Riedel gibt es immer dienstags und donnerstags auf dem Markt am Bassinplatz. Foto: Saskia Kirf
Leckereien von Britta Riedel gibt es immer dienstags und donnerstags auf dem Markt am Bassinplatz. Foto: Saskia Kirf
Von Lachs und Spinat über “Romeo und Julia” - kandierte Karotten, Kartoffeln und Muskat - über Moussaka, American Breakfast und Makkaroni mit Tomaten und Käse reichen die Sorten. Köstlich sind sie alle, günstig noch dazu: Für 2,50 bis 3 Euro können Sie sich eine der leckeren Taschen schmecken lassen. Britta Riedel steht immer dienstags und donnerstags auf dem Bassinplatz, künftig auch jeden zweiten Samstag in Caputh.
Tipp und Text: Saskia Kirf 
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Das ist los im Umland

Gesperrt und trotzdem gut besucht: der Güterfelder Haussee. Foto: Konstanze-Kobel-Höller
Gesperrt und trotzdem gut besucht: der Güterfelder Haussee. Foto: Konstanze-Kobel-Höller
Offiziell ist der Güterfelder Haussee seit einer Woche gesperrt. Doch bei strahlendem Sonnenschein, 25 Grad und blauem Himmel interessiert das offenbar niemanden. Für den Sprung ins kühle Nass werden die rot-weißen Flatterbänder kurzerhand überwunden, zerrissen und geflissentlich ignoriert. Wer will sich auch schon so einfach die Freiheit zum Baden nehmen lassen? Da muss die Gemeinde Stahnsdorf schon mehr aufbieten als Flatterbänder. Und ob sich die Badegäste so einfach von Kontrolleuren vertreiben lassen? Der Sommer am Güterfelder Haussee könnte heiß werden.

Er hat 180 Erntehelfer einfliegen lassen, einen eigenen Einkaufsmarkt für sie eingerichtet und 20 bis 30 zusätzliche Autos gekauft, um sie auf Feld zu bringen. Der Beelitzer Spargelvereinsvorsitzende Jürgen Jakobs hat wegen Corona eine Saison erlebt, die ihn manchmal fast hat verzweifeln lassen. Im Interview spricht er über ein Ausnahmejahr - und eine Nachricht, die ihn besonders freut: “Bisher haben wir in der Beelitzer Region Gott sei Dank keine Infektionsfälle zu beklagen.”

Werder will’s wissen: Welche Radwege sind in der Blütenstadt besonders mies, welche Stellen besonders gefährlich? Das hat die Stadt ihre Bürger gefragt, mehr als 300 Menschen haben die Gelegenheit zur Abstimmung genutzt. Ein Brennpunkt für viele Teilnehmer: die Brandenburger Straße und die Straße Unter den Linden. Welche Anregungen die Werderaner sonst noch hatten, lesen Sie hier. Eins vorab: Das Urteil fiel nicht gut aus.
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Yasmina Aust
Foto: Yasmina Aust
Was wären wir Journalisten ohne Informanten? Mal stecken sie uns geheime Papiere, mal machen sie uns auf einen Missstand aufmerksam und manchmal lenken sie unseren Blick auf ganz besondere Details - zum Beispiel den durchaus beachtenswerten Fuß, auf dem im Potsdamer Standesamt Ehen geschlossen werden. Als Hochzeits-Fotografin steht Yasmina Aust während der Trauung meist hinter den Standesbeamten. Und da Fotografen bekanntlich ja ein Auge fürs Detail haben, blieb ihr der vollbusige Löwe nicht lange verborgen. Als er ihr das erste Mal auffiel, “musste ich mir während der Trauung das Lachen echt verkneifen, was auch nur so semi gut funktioniert hat”, erzählt sie. “Bis heute bringt mir der Löwe mit Holz vor den Hütten zusätzliche Freude bei jeder standesamtlichen Hochzeit in Potsdam.”

Was es damit auf sich hat? Andreas Köstler, Historiker an der Uni Potsdam, vermutet: “Das stellt wohl eine der unterschiedlichen Formen der Sphinx vor”. Gesehen habe aber auch er so etwas nur selten. “Einen einbeinigen Löwenfuß gibt es bei den Boulle-Möbeln des Louis XIV, Sphinxen mit Brüsten quer durch die Jahrhunderte, und der Kopf sagt mir gar nix. Die sonstigen Ornamente des Tisches gehen auch ins Nirwana.” Kurzum: “In dem Tisch scheint aber auch alles verbaut, was der Historismus hergibt.”
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Das besondere Foto

Foto: Lutz Hannemann
Foto: Lutz Hannemann
Diese Liebeserklärung erkennt man nur, wenn man auch selbst im siebten Himmel ist. Oder vielleicht im obersten Stockwerk des Kreativzentrums Rechenzentrum. Ein Unbekannter hat die jüngst von der alten Rechner-Halle geräumten Sandfläche auf der Plantage genutzt, um mit dem Herz in Richtung des Kreativhauses zu zwinkern. Den besonderen Blick auf das riesige Herz erhaschte Lutz Hannemann. Er hat seit Jahrzehnten den Überblick über die Potsdamer Stadtentwicklung, fliegt regelmäßig über die Stadt und hat von oben dokumentiert, wie Potsdam sich verändert. Sie kennen seine Luftbilder aus der MAZ, die manches Thema noch einmal aus der schönsten Perspektive beleuchten. Mit einem Werk hat er sogar eine besondere inhaltliche Höhe erreicht: Er hat nämlich auch den Doktorhut von Sigmund Jähn gefertigt – der erste Deutsche im All schrieb seine Doktorarbeit auf dem Telegrafenberg in Potsdam, wo Hannemann damals ebenfalls gearbeitet hat. Wo der Hut ist, wissen wir leider nicht sagen, aber ein wenig mehr aus einem halben Jahrhundert Meisterschaft in der Fotografie können Sie in diesem Porträt über Lutz Hannemann lesen.
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Das steht nächste Woche an

Übergabe der Abitur-Zeugnisse unter Corona-Bedingungen an der Sportschule. Foto: Bernd Gartenschläger
Übergabe der Abitur-Zeugnisse unter Corona-Bedingungen an der Sportschule. Foto: Bernd Gartenschläger
Am Mittwoch beginnen die Sommerferien - und ein Ausnahme-Schuljahr endet. Hunderte Schülerinnen und Schüler aus Potsdam und Umgebung verabschieden sich endgültig aus der Schule und starten in eine neues, aufregendes Leben. Erinnern werden sie sich aber sicherlich noch lange an Prüfungen unter Bedingungen, die kein Schüler und keine Schülerin vor ihnen erlebt haben.

Montagabend wird das Schloss Sanssouci rot erleuchten - und dabei geht es nicht um die nächste Illumination, sondern um das nackte Überleben. Unter dem Titel „Night of Light“ setzt die deutsche Veranstaltungsbranche in der Nacht vom 22. zum 23. Juni ein Zeichen im Kampf ums Überleben während der Covid-19-Krise, bundesweit strahlen zahlreiche Unternehmen und Locations der Veranstaltungswirtschaft ihre Gebäude rot an. Das ikonische Bauwerk des Schlosses Sanssouci wird stellvertretend für die DEAG Deutsche Entertainment AG und die von ihr veranstaltete Potsdamer Schlössernacht erleuchtet. Denn auch die Potsdamer Schlössernacht, die unter dem Motto „Les Rendez-Vous au Park Sanssouci“ eine romantische Sommernacht mit französischem Flair versprach, wird es in diesem Sommer nicht geben.
Churchill, Truman und Stalin während einer Verhandlungspause im Garten des Schlosses Cecilienhof. Foto: dpa
Churchill, Truman und Stalin während einer Verhandlungspause im Garten des Schlosses Cecilienhof. Foto: dpa
Am Dienstag startet die Ausstellung „Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Bis zum 1. November können Besucher dort auf Zeitreise gehen und im Potsdamer Schloss Cecilienhof mehr über jene schicksalhaften Tage im Sommer 1945 erfahren. Die Ausstellung lässt Akteure und Betroffene sowie die bis heute spürbaren Auswirkungen anhand von Tagebuchausführungen, historischem Filmmaterial, Zeitdokumenten und Leihgaben aus dem In- und Ausland wieder lebendig werden.

Hinweis: Tickets sind ausschließlich über den Vorverkauf erhältlich (14 Euro, ermäßigt 10 Euro) und zunächst nur bis zum 12. Juli buchbar. Es gelten die Corona-Abstandsregeln, Mund-Nasen-Bedeckung ist Pflicht, das Kartenkontingent ist eingeschränkt.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Kennen Sie das? Das Wochenende liegt vor Ihnen, Sie hatten große Pläne, wollten lange Radtouren machen, das Umland erkunden und endlich mal wieder ins Museum gehen. Doch dann ist Samstagmorgen, Sie drehen sich im Bett nochmal um - und nachdem Sie sich schließlich aus dem Bett geschält haben, legen sich zur Zeitungslektüre in den Sonnenstuhl auf den Balkon, trinken noch einen dritten Kaffee - und zack ist es Nachmittag. Die Lust zum großen Ausflug ist verflogen. Mein Tipp für Faulenzer: Raffen Sie sich trotzdem auf - dann eben für die kleine Runde. Wie wär’s mit einem ausgiebigen Spaziergang im Neuen Garten mit einem Absacker in der Meierei. Die rund 200 Sitzgelegenheiten im Biergarten direkt am Jungfernsee wurden um die Hälfte ausgedünnt. Dennoch reicht der Platz auch für spontane Gäste. Auch die Speisekarte ist reduziert - doch zehn Schmankerl sind geblieben. Und die lohnen sich, wie unsere Gastro-Expertin Manuela Blisse gerade erst getestet hat.
Für alle Nicht-Faulenzer, die am Wochenende doch den großen Ausflug planen, hat mein Kollege Rainer Schüler ebenfalls Tipps zusammengestellt.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Mehr als 18000 Betreuungsplätze und über 140 öffentliche Spielplätze: Auf den ersten Blick wirkt Potsdam wie ein Paradies für Kinder und Familien. Doch unser Videokolumnist Marcus Gude sieht das anders. Denn der zweifache Vater ist selbst in Potsdam aufgewachsen - er weiß genau, was heute alles in der Stadt fehlt.
Text und Video: Saskia Kirf
 Video: Saskia Kirf
Video: Saskia Kirf
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
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