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Potsdam öffnet+++Tragischer Tod+++Abschied aus dem Dienst

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

vier Monate ist es her, da ging es an dieser Stelle um das letzte Mal. Das letzte Mal mit Freunden ein Bier trinken gehen, das letzte Mal einen Film auf der Kinoleinwand sehen, das letzte Mal im Fitnesscenter schwitzen. Heute geht es um erste Male. Das erste Tattoo nach dem Lockdown, die erste Shoppingtour im Baumarkt, das erste Mal seit Wochen wieder durch eine Boutique bummeln.
Potsdam öffnet wieder, vorsichtig wagt man im Land die Rückkehr zu einem Stück mehr Normalität. Wir wollten wissen: Wie fühlt sich das an? Wie funktioniert das neue “Click und Meet”-Shoppen? Was sagen Kosmetikerin, Baumarkt-Chef, Händler und Tätowierer zum Neustart-light?
Eins vorweg: Potsdam ist anderen Kommunen im Land mit seinem Schnelltest-Konzept bei dem Weg aus dem Lockdown voraus. Denn während woanders noch um Teststellen, Mitstreiter und Logistik gerungen wird, laufen die kostenlosen Tests in Potsdam bereits seit einer Woche - und werden nicht nur immer beliebter, sondern sind am Montag auch um eine Test-Straße für Mitarbeiter und Kunden der Potsdamer Tafel erweitert worden. Die Halbzeitbilanz: Mehr als 5000 Mal haben Potsdamerinnen und Potsdamer das Angebot bisher genutzt - mit erstaunlichem Ergebnis.
Demnächst soll es die Schnelltests ja auch im Supermarkt geben, eigentlich sollte es sie schon längst geben - und am Samstag gab es sie tatsächlich auch. Zumindest ganz kurz. Denn die Vorräte des Discounters Aldi waren ruck-zuck ausverkauft. Kein Wunder: Das Angebot war offenbar verdammt knapp, um eine der begehrten Packungen zu ergattern, standen die Menschen vor einigen Aldi-Märkten in der Stadt sogar Schlange. Die gute Nachricht: Nachschub ist bereits unterwegs, außerdem starten auch Lidl, Rossmann und dm mit dem Verkauf der Selbsttests.

Liebe Leserinnen und Leser, der Anfang vom Ende des Lockdowns ist eingeläutet. Nun heißt es, Abstand halten und hoffen, dass nach dem ersten nicht wieder das letzte Mal folgt. In diesem Sinne, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund. Den nächsten Newsletter lesen Sie wieder am Freitag.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Varvara Smirnova
Foto: Varvara Smirnova
Er starb völlig unerwartet, bei Arbeit brach er zusammen, bis zum Eintreffen des Notarztes, versuchte eine Kollegin ihn zu reanimieren. Vergeblich. Peter Müller, seit März 2016 Leiter der Potsdamer Suppenküche, starb am Freitag völlig unerwartet und überraschend, schnell verbreitete sich die traurige Nachricht über die sozialen Netzwerke in der ganzen Stadt. Gesine Michalsky hat mit Mitstreitern und Wegbegleitern gesprochen und Nachruf auf einen Mann geschrieben, über den andere sagen: „Peter Müller hatte nicht den Blick von oben herab auf die Menschen, die auf Hilfe angewiesen waren"
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Die besondere Geschichte

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
„Der John, der John, der macht das schon.“ Wer von solch freundlichem Gereime begleitet wird, kann nicht alles falsch gemacht haben: Norbert John, Erfinder des Kommunalen Immobilienservice der Landeshauptstadt und zuletzt Chef des Brandenburgischen Landesbetriebs für Liegenschaften und Bauen, hatte komplizierte Projekte wie den Nikolaisaal und den Theaterneubau auf seiner To-do-Liste. Nun geht er zwar in den Ruhestand, will aber, um sein Macher-Image zu bestätigen, noch eine Kleinigkeit zu Ende bringen: den Synagogenbau in der Potsdamer Mitte. John hat an verantwortlicher Stelle den jahrelangen Streit um Architektur und Nutzung mit durchlitten, jetzt will er sich um die Baufirmen kümmern und endlich den Grundstein legen.  
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Corona-Lage

Foto: Julius Frick
Foto: Julius Frick
Die Infektionslage in Potsdam ist über das Wochenende und den Wochenanfang nahezu stabil geblieben. Zwar meldet das Gesundheitsamt täglich Neuinfektionen – für Samstag neun, für Sonntag elf und für Montag vier. Doch die Sieben-Tage-Inzidenz ist leicht gesunken und liegt zu Wochenbeginn bei 33,8. Wer jetzt von weiteren Lockerungen der Corona-Regeln träumt, wird enttäuscht: Dafür ist nicht die örtliche, sondern die Inzidenz des gesamten Bundeslandes maßgeblich. Diese Zahl liegt für Brandenburg mit Stand Montag bei 63,4.
Trotz verhältnismäßig niedriger Inzidenz, geht die Landeshauptstadt weiter auf Nummer Sicher und spendiert auch in dieser zweiten Märzwoche kostenlose Schnelltests. Potsdamerinnen und Potsdamer können sich an 16 Teststellen – das sind vor allem Apotheken, aber auch die Bürgerhäuser am Schlaatz und am Stern, das Johanniter-Quartier in Potsdam West und das Oskar-Begegnungszentrum in Drewitz – tagesaktuell auf das Coronavirus überprüfen lassen. 5369 solcher Gratis-Schnelltests sind bis Sonntagabend gemacht worden. Elf schlugen positiv an – bei dreien war auch das folgende PCR-Test-Ergebnis positiv.
Das zweiwöchige Angebot der Landeshauptstadt endet nach derzeitigem Stand am Sonntag, 14. März. Wie es danach mit den kostenfreien Selbsttests in Potsdam weitergeht, ob die Stadt ihr Angebot verlängern oder sich auf das Angebot von Bund und Land verlassen wird, ist noch nicht klar. „Diese Fragen werden im Laufe dieser Woche besprochen und abschließend im Verwaltungsstab entschieden“, heißt es aus dem Rathaus.
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Verkehr aktuell

Foto: Friedrich Bungert
Foto: Friedrich Bungert
Eine neue Staufalle in der Friedrich-Engels-Straße, eine gesperrte Auffahrt, Umleitungen durch Potsdam – auch in dieser Woche droht in Potsdam mal wieder Stau.
Neu ist die Sperrung der Schnellstraßen-Auffahrt Friedrich-List-Straße Richtung Teltow - zwar in in der Zeit vom 11. bis zum 25. März. Eine Umleitung wird über die Rudolf-Breitscheid-Straße, Karl-Liebknecht-Straße, Großbeerenstraße und Horstweg ausgeschildert. Die Stadt warnt: Staugefahr auf der Umleitungsstrecke! Übrigens: Auch die Abfahrt von der Schnellstraße zur Friedrich-List-Straße stadtauswärts ist gesperrt.
Damit nicht genug: Auch auf der Friedrich-Engels-Straße könnten sie diese Woche Geduld brauchen. Denn wegen der Bauarbeiten an der Hochstraßenbrücke ist Friedrich-Engels-Straße unter der Brücke der Schnellstraße L40 auf eine Fahrspur verengt, eine Ampel regelt den Verkehr. Die Gegenrichtung bleibt übrigens deutlich länger voll gesperrt, als ursprünglich angekündigt. Eigentlich hätte man seit Montag wieder vom Leipziger Dreieck aus die Friedrich-Engels-Straße befahren können. Doch daraus wird nichts: Frühestens Ende April wird die Straße aus dieser Richtung geöffnet, wie die MAZ auf Anfrage von der Stadt erfuhr. Der Grund: der anscheinend überraschende temperaturbedingte Stillstand auf der Baustelle.
Da die Ortsdurchfahrt Seeburg aktuell gesperrt ist, führt außerdem die Umleitungsstrecke durch Potsdam.
Eine Übersicht über alle Baustellen in Potsdam diese Woche lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Quelle: Sina Schwarz
Quelle: Sina Schwarz
Dass aus einem Blog ein Bestseller werden kann, dürfen gerade Sina Schwarz und Theresa Wißmann erfahren. Beide betreiben seit 2016 ihr Wanderblog „Milch & Moos“. Hier stellen sie für jeden Monat des Jahres ausgewählte regionale Produkte, ihre Produzenten und die Landschaften vor, die diese Manufakturen umgeben. Diese Kombination aus Wanderungen, Kulinarik und Begegnungen mit märkischen Machern macht auch ihr liebevoll gestaltetes Buch „Milch & Moos. Vom Wandern und guten Essen in Brandenburg“ (terra press, 224 Seiten, 25 Euro) aus.
20 ungewöhnliche Touren sind darin versammelt, immer verbunden mit erlesenen regionalen Genüssen. Die meisten führen an Seen vorbei und jetzt, wo es durch die Corona-Krise besonders viele Menschen in die heimische Natur lockt und der Frühling ins Haus steht, eignet sich der Wanderführer wunderbar als Inspiration für Urlaub im eigenen Land. Detaillierte GPS-Tracks und Tipps zur Anreise mit dem ÖPNV sorgen dafür, dass sich keiner verläuft.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Eine Gittertür zwischen einer alten Ziegelmauer und nacktem Beton. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Flur in einem Gefängnis, wie in einer der Potsdamer Gedenkstätten, die an frühere Hafthäuser aus den Zeiten der Diktaturen und der sowjetischen Besatzung erinnern. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Ziegel zu einem historischen Gebäude gehören und der Beton vielleicht zu einer modernen Ergänzung. Doch das ist die falsche Fährte.
Die Tür trennt gar nicht. Sie verbindet - zumindest tagsüber - zwei sehr unterschiedliche öffentliche Bereiche mitten in Potsdams Zentrum. Ganz falsch ist die Assoziation mit dem Gefängnis dennoch nicht – zumindest die „Beton-Seite“ des Durchgangs führt im schlimmsten Fall genau dort hin.
Wenn Sie den Ort kennen, schicken Sie uns bis zum 11. März eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Es muss schneller gehen mit den Corona-Impfungen im Land - und deswegen sollen bis Ende des Monats auch immer mehr Ärzte die begehrte Spritze verabreichen dürfen. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark hat das Land fünf Arztpraxen ausgewählt, die an dem Corona-Impf-Pilotversuch teilnehmen. Der MAZ liegt nun die Liste vor, welche Kommunen den Zuschlag für diese Praxen bekommen haben und hat auch schon mit dem ersten betroffenen Arzt aus Teltow gesprochen.
Foto: privat
Foto: privat
Herzzerreißend: Nur wenige Wochen nach dem tragischen Tod von Scooby-Doo, der vermutlich an Rattengift gestorben ist, wurde erneut ein geliebter Familienhund aus Teltow Opfer eines Giftköders. Er fraß ein rund drei Zentimeter langes Stück einer Teppichmesserklinge, was zu inneren Blutungen und schließlich zu seinem Tod führte. Seine Familie möchte jetzt gegen Hundehasser aktiv werden und ruft andere Herrchen und Frauchen auf, sich ihrer Initiative anzuschließen.
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Unser Buchtipp der Woche

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
In seinem Roman „Bin noch da“ erzählt Sven Stricker von Moritz. Der führt eigentlich ein glückliches Leben: Er hat eine tolle Partnerin, einen kleinen Sohn und ein gut laufendes Café. Doch dann steht irgendwann sein Vater vor ihm und informiert ihn darüber, dass seine Mutter verstorben sei. Zwanzig Jahre hat er ihn nicht gesehen, den Kontakt zu seinen Eltern bewusst gemieden. Doch nun brechen alte Wunden auf, Moritz erinnert sich an verschiedene Momente aus Kindheit und Jugend. Momente ohne elterliche Liebe, voller Streit und Gefühlskälte. Seinem Vater versucht er sich trotzdem anzunähern, schon allein seines kleinen Sohnes Elias wegen.
Erfrischend unkitschig erzählt Stricker von diesem vorsichtigen Annähern, mit sanftem Humor und einem klaren Blick auf das Leben. „Bin noch da" hält genau die richtige Balance zwischen komisch und bedrückend, zwischen ernst und lustig. Besonders gelungen sind die authentisch geschriebenen Dialoge, die eine Stärke Strickers sind. Nie klingen sie hölzern, sondern immer wie direkt aus dem Alltag abgeschrieben. Klug sind sie dabei, ehrlich auch – wie überhaupt dieser gesamte Roman, der einen bei allem Humor auch sehr oft schlucken lässt.
Tipp: Sarah Kugler
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Die Initiative Mitteschön will die Garnisonkirche zur “Europakirche” machen - das Kirchenschiff, um genauer zu sein. Die Aussagen im Konzept von Mitteschön haben MAZ-Redakteur Peter Degener vor ein paar Tagen so irritiert, dass er mit deutlichen Worten dazu Stellung genommen hat. Geärgert hat er sich über die Haltung, dass die öffentliche Hand und insbesondere die Europäische Union zu dieser Art “Daseinsvorsorge” verpflichtet wäre.
Auch unser Karikaturist Jörg Hafemeister, ein erklärter Unterstützer des Wiederaufbaus des Turms, hat sich die Augen gerieben. Er meint: “Wenn der Turm dereinst alleine da stehen wird, wird er umkippen. Einfach so, nach hinten weg. Optisch jedenfalls. Er muss also von einem würdigen Gebäude gestützt werden. Und dieses muss leider auch gestützt werden. Finanziell. Aber, wie immer so ein Gebäude dann auch aussehen mag, warum sollte die EU es stützen? Keine Ahnung. Ich glaube, da geht’s mir genauso wie Mitteschön.”
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