Profil anzeigen

Oster-Menü vom Sternekoch+++Mordprozess+++So erleben Kinder Corona

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich Ihnen Pauline vorstellen. Pauline ist sechs Jahre alt, wohnt mit ihrer Familie in Kleinmachnow und wünscht sich nichts sehnlicher, als wieder ganz normal zur Schule zu gehen. Doch was ist für ein sechs Jahre altes Mädchen 2021 eigentlich normal? Fragt man sie, wie das früher war, ohne Corona, dann sagt sie: “Ich weiß nicht mehr so genau, wie das vor Corona war. Das ärgert mich. Aber ich kann nicht sagen, warum mich das ärgert.”
Wir haben in den vergangenen Monaten oft mit Politikern, Ärzten, Einzelhändlern oder Wirten über die Corona-Krise gesprochen, jetzt haben wir Kinder gefragt: Wie erlebt Ihr diese Pandemie? Geantwortet haben Florian, Clara, Benedikt, Alexander, Anna, Lotta, Mila, Felix, Max - und eben Pauline, die nicht die einzige ist, die vergessen hat, wie das Leben vor Corona war.
Ehrlich gesagt: Manchmal muss auch ich überlegen, wie sich der Arbeitsalltag als Journalistin so angefühlt hat ohne die Meldungen zur täglichen Corona-Lage und die ständig neuen Eindämmungsverordnungen, ohne den bangen Blick auf Kapazität der Intensivbetten und die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenz. Auch in den letzten Tagen drehte sich in Potsdam mal wieder fast alles nur um Corona, steigende Zahlen und eine Testpflicht im Einzelhandel.
Doch es gab es auch andere Nachrichten. Eine Gruppe um den Stadtverordneten Lutz Boede (Die Andere) hat ein neues Bürgerbegehren gestartet, um die Pro Potsdam zu einem Mietendeckel zu zwingen. Die Orangeriehalle der Potsdamer Biosphäre könnte zur Turnhalle werden. Und vor dem Landgericht hat gestern der Mord-Prozess gegen einen Potsdamer Dachdecker begonnen.
Der 56-Jährige hat im Mai 2020 seine Ehefrau in Glindow erst mit Messerstichen schwer verletzt und dann im Gartenteich ertränkt. Meine Kollegin Nadine Fabian hat den Prozessauftakt verfolgt und einen Mann erlebt, der sich auf Notwehr beruft und zwei Stunden lang ausschweifend und detailversessen aus einem Leben berichtet.
Und nun zum Abschied noch eine gute Nachricht oder besser eine Empfehlung: Holen Sie sich das Oster-Menü vom Sternekoch am Wochenende nach Hause - wie, das lesen Sie weiter unten im Newsletter in unserem kulinarischen Tipp.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
***
Das Stadtgespräch

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Jetzt mal ehrlich: Würden Sie eine Shopping-Tour zwei Tage vorher planen? Für den Einkaufsbummel erst einen Termin bei einer Corona-Teststelle buchen und notfalls eine Stunde oder mehr auf den Test warten? Die meisten Potsdamerinnen und Potsdamer haben darauf offenbar keine Lust - und verzichten lieber auf den Einkaufsbummel. Das zumindest ist die Bilanz des ersten Wochenendes, an dem in Potsdam die Testpflicht für den Einzelhandel galt. Bei vielen Händlern herrschte Frust, bereits am Freitag war beim Verwaltungsgericht ein Eilantrag gegen die Auflage eingegangen, aus Sicht des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg war der Start des Konzepts “erst testen, dann shoppen” ein Flop. “Es ist das eingetreten, was wir befürchtet hatten - es war Totentanz”, sagte der Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen.
In den Baumärkten der Stadt herrschten indes unterschiedliche Auffassungen zu der Frage, ob für sie nun die Testpflicht gilt oder nicht. So konnten die Kunden bei Hornbach im Friedrichspark auch ohne negativen Test einkaufen. “Der Oberbürgermeister hat erklärt, der Test wird in der Innenstadt und den Centern verlangt“, sagte Marktleiter Mirko Tanneberg meinem Kollegen Rainer Schüler.
Stellt sich die Frage: Wie geht es nun weiter mit der Testpflicht? Und wie lange gilt sie noch? Da die Sieben-Tage-Inzidenz auch in Potsdam am Sonntag die 100er Marke gerissen hat und wahrscheinlich nicht so schnell wieder darunter fällt, wird am Donnerstag wohl wieder Schluss sein mit den Lockerungen.
***
Die Corona-Lage

Düstere Aussichten: Die Indizenz für Potsdam blieb auch am Montag klar über dem 100er-Grenzwert. Wieder kamen 36 Neuinfektionen hinzu. Und es zeigt sich wie überall im Land: Jetzt greift das Coronavirus vor allem unter Kindern und Jugendlichen um sich. Täglich werden neue Fälle aus Kitas und Schulen gemeldet.
Von den 957 Potsdamerinnen und Potsdamer, die in Quarantäne bleiben müssen, sind mehr als die Hälfte Kontaktpersonen von Schülern oder Kita-Kindern oder ihren Betreuern.
Könnten die Zahlen noch höher ausfallen? Ja, sehr wahrscheinlich. Denn mit den neuen Schnelltests in Potsdam - bestätigt durch PCR-Tests - wurden seit Anfang März 32 Menschen mit Infektionen entdeckt worden, die keine Symptome zeigten. Die Stadt sieht sich in ihrer Teststrategie bestätigt.
Weil das Testen der (scheinbar) Gesunden wichtig ist, um unerkannte Infektionsketten zu brechen, bietet jetzt auch die Uni Potsdam Schnelltests an. Seit Anfang dieser Woche können sich Mitarbeitende und Studierend an den Standorten Golm, Griebnitzsee und am Neuen Palais testen lassen. Allerdings nur sie. Nachbarn sind ausgeschlossen, hat meine Kollegin Sarah Kugler erfahren.
Text: Alexander Engels
***
Die besondere Geschichte

Kennen Sie diese Frau? Das ist Auguste Victoria, die letzte deutsche Kaiserin. Foto: Museum Huis Doorn
Kennen Sie diese Frau? Das ist Auguste Victoria, die letzte deutsche Kaiserin. Foto: Museum Huis Doorn
Anders als ihrer berühmter Gemahl Wilhelm II., ist die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria beinahe vergessen und es ist auch recht wenig über sie bekannt. Das ändert sich nun. Jörg Kirschstein, der Kastellan von Schloss Babelsberg, ist ein Fachmann für die Kaiserzeit und die Familie der Hohenzollern.
Pünktlich zum 100. Todestag hat er ein Buch über Auguste Victoria geschrieben. Er wirft nicht nur einen Blick auf das Leben der Kaiserin, sondern auch auf ihre Rolle als „First Lady“ des Deutschen Reiches, auf ihre Mode und ihren Schmuck – und ihr tragisches Ende im Exil. MAZ-Redakteur Peter Degener hat Jörg Kirschstein interviewt. „Rückwärtsgewandt, reaktionär und bigott“ war diese Frau. Warum wollten Sie sich denn mit einer derartigen Persönlichkeit beschäftigen, Herr Kirschstein?
Text: Peter Degener
***
Verkehr aktuell

Am Leipziger Dreieck geht es in die Endphase des ersten Bauabschnitts. Foto: Bernd Gartenschläger
Am Leipziger Dreieck geht es in die Endphase des ersten Bauabschnitts. Foto: Bernd Gartenschläger
Die Osterferien stehen vor der Tür - und damit auch zahlreiche Baustellen. Die MAZ hat einen Überblick über die neuesten Einschränkungen für Autofahrer auf Potsdams Hauptstraßen für Sie geschrieben: die Staus vor Ostern. Vorsicht gilt zum Beispiel an der großen Kreuzung am Ende der Humboldtbrücke in Richtung Innenstadt - da werden am Gründonnerstag nämlich Ampelarbeiten durchgeführt.
***
Der kulinarische Tipp

David Schubert. Foto: Bernd Gartenschläger
David Schubert. Foto: Bernd Gartenschläger
„Der Frühling muss bunt sein“, sagt David Schubert. Er ist weder Maler noch Gärtner oder Meteorologe, sondern Koch - und zwar Küchenchef des Potsdamer Sternerestaurants Kochzimmer. Rote Beete, Gelbe Beete, grüner Salat sind nur Teile der Vorspeise seines dreigängigen Oster-Frühlings-Menüs, das er zum Nachkochen speziell für unsere MAZ-Leser zusammengestellt hat.Vor- und Nachspeise sind vegetarisch, der Hauptgang lässt sich entweder mit Geflügel, Beelitzer Maishähnchen, oder vegetarisch mit einer Ofenkartoffel zubereiten.
Unsere Restaurantkritikerin Manuela Blisse hat sich das Rezept geben lassen und es aufgeschrieben. Und dabei kam noch mehr heraus. Kochzimmer-Chef Jörg Frankenhäuser räumt selbstkritisch ein: Die Pandemie habe die „selbstverliebte“ Sternegastronomie vom hohen Ross geholt und zudem in die Digitalisierung gebracht. Die Idee mit dem Lieferdienst schaute er sich nämlich bei den Pizzerien ab.
Text: Alexander Engels
***
Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Ein buntes, märchenhaftes Haus steht an dieser Straße im Osten der Stadt. Die Metallspitze sorgt für Aufmerksamkeit – und weil in der Nähe seit einigen Monaten eine ganz besondere Einrichtung viele Menschen anlockt, betrachten vermutlich mehr Potsdamer denn je, dieses farbenfrohe, ungewöhnliche Haus. Seit zehn Jahren steht es bereits und ist der Vorbote eines ganz bunten Stadtteils, der in den nächsten Jahren rundum entstehen soll. Welcher Ort ist gesucht?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 1. April eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
***
Das ist los im Umland

Jetzt hat auch das Landesumweltamt einen Daten-Skandal: Bürger aus Michendorf und Nuthetal finden sich mit Klarnamen und Adressen im Beteiligungsverfahren zur geplanten Deponie in der Fresdorfer Heide im Internet wieder.
Das ist ein Vertrauensbruch: Wenn ein großes Bauprojekt bevorsteht oder Flächen dafür bereitgestellt werden sollen, können sich Anwohner, Betroffene oder alle anderen Bürgerinnen und Bürger mit ihren Einwendungen beteiligen. Und das im Schutze der Anonymität gegenüber denjenigen, die das Planverfahren vorantreiben oder ein Bauprojekt beabsichtigen. Doch was ist im Verfahren zur umstrittenen Deponie Fresdorfer Heide alles schief gelaufen? Das erklärt mein Kollege Jens Steglich, der mit vielen Beteiligen gesprochen hat.
Susanne Hennig (l.) übergibt gefärbte Eier Manuela Liß.Foto: Gesine Michalsky
Susanne Hennig (l.) übergibt gefärbte Eier Manuela Liß.Foto: Gesine Michalsky
Zum Ausgleich für all die negativen Schlagzeilen, hier eine positive Geschichte aus unserer Region: Eine private Initiative rund um Familie Liß aus Beelitz bereitet Bedürftigen in Potsdam und Berlin eine Osterüberraschung, seit nun schon drei Jahren und auch in der Corona-Pandemie. Die Spendenbereitschaft ist ungebrochen, hat MAZ-Reporterin Gesine Michalsky erfahren: Süßigkeiten und bunte Eier für hunderte Osterkörbchen gehen gerade auf die Reise, um Menschen eine Freude zu machen.
Text: Alexander Engels
***
Unser Buchtipp der Woche

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
In “Italien” kommen sie alle zusammen. Die Nachtschwärmer, die Suchenden, die Trinkenden, die Lauten und die Stillen. “Italien” ist eine Bar. Sie gehört Giovanni, einem Italiener, der schon mit 40 uralt wirkt und sein Gesicht auf ein Foto von Marlon Brando geklebt hat. An den denkt angeblich ein Großteil der Frauen beim Masturbieren.
Die Protagonistin aus Alexandra Stahls “Männer ohne Möbel” tut das nicht. Überhaupt masturbiert sie eher weniger, sondern schläft mit Männern, die sie nicht selten im “Italien” kennenlernt. Manchmal haben die nichts als eine Matratze in ihrer Wohnung und alle sind sie früher oder später emotional nicht mehr erreichbar - nicht selten auch telefonisch nicht. Ein Argentinier hat es ihr besonderes angetan, später versucht sie mit einem kiffenden Italiener über ihn hinwegzukommen. Dabei ist sie auf der ständigen Suche nach Liebe, sich selbst, Stabilität oder einfach nur irgendwas, was die Zeit bis zum Tod füllt.
“Männer ohne Möbel” ist ein lustiges Buch, ein trauriges Buch, ein mitreißendes, ein furchtbar anstrengendes und dabei immer ein sehr genau beobachtetes Buch. Wie im Rausch folgt man der Protagonistin, ihrem Umherirren in der modernen Dating-Großstadt und den Begegnungen mit all ihren Mitsuchenden. Ein seltsames, ganz wunderbares Buch.
Text und Tipp: Sarah Kugler
***
Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Das Hin und Her der Corona-Regeln, vor allem zum anstehenden Osterfest, hat unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister zu seinem neuesten Werk inspiriert. Er fragt: “Darf ich bitten? Corona führt energisch und der Osterhase schlackert mit den Ohren. Derweil bemühen die Ministerpräsidenten 16 erste Geigen und sind doch gründlich aus dem Takt geraten. Ihre Melodie: Vor und zurück, auf und zu, eine Drehung und wieder von vorn. Wenn das mal gut geht!”

Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.