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Oberlinprozess fortgesetzt++Gänserezept vom Sternekoch++Libeskind stellt Entwurf vor

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
Hause hoch! Schandi - schando! Schnarragagges - Heidenei! Aha-aha-aha!
Soll ich weitermachen? Helau kennt jeder, die obigen Narrenrufe sind mir bis eben neu gewesen. Aber ich bin auch nicht sehr närrisch, nicht mal auf Befehl um Punkt 11.11 Uhr. Doch selbst das urpreußische Potsdam ist nicht gänzlich faschingsfrei. Das Stadthaus ist gestern natürlich wieder von den Karnevalsvereinen gestürmt worden. Auch in Teltow gab es Heiterkeit und Jokus (Hei-Jo!).
Schluss mit lustig. Es gibt ernste Themen. Vielleicht können die Narren mit dem Schlüssel zum Potsdamer Rathaus ja das Personalproblem im Bereich Bauleitplanung lösen, wo zahlreiche dringende Bauprojekte auch 2022 auf der Warteliste stehen werden.
Ein Bauprojekt, das bislang noch keine größeren Kapazitäten der Verwaltung benötigt, wäre die Sanierung des Kreativhauses Rechenzentrum - wenn denn der bislang vorgesehene Abriss überhaupt abgesagt wird. Das Landesamt für Denkmalschutz sieht in dem umstrittenen DDR-Bau neben dem neuen Turm der Garnisonkirche jedenfalls kein Denkmal. Aber die Denkmalschützer machen sich dennoch für einen Erhalt des Gebäudes stark. Die Entscheidung hat jedenfalls zu zahlreichen Reaktionen in der Potsdamer Stadtgesellschaft geführt.
Noch eine Nachricht vom Bau: Die Zeppelinstraße hat einen neuen Hingucker. Direkt neben dem Bahnhof Charlottenhof ist ein Boardinghaus entstanden, das sich mit seiner Backsteinfassade an Nachbargebäude aus der Gründerzeit, der Schillerplatzsiedlung und dem Expressionismus der Zwanzigerjahre orientiert. Ich habe mich mit dem Architekten auf der Baustelle getroffen. Spannend finde ich, dass er noch während des Baus auf die Folgen der Corona-Pandemie reagiert und umgeplant hat.
Apropos Pandemie. Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum werden die ersten Operationen bereits wieder verschoben, weil die Zahl der Corona-Fälle steigt.
In der Josephinen-Wohnanlage, wo man den Senioren allesamt gekündigt hat, bemüht sich die Stadt um Gespräche mit dem Betreiber und dem Eigentümer. Doch der ignoriert die Verwaltung, die auf mehreren Wegen Gesprächstermine angeboten habe. Wie es mit den über 100 Mietern weitergeht, ist also noch offen.
Weiter geht es dagegen bei anderen Potsdamer Themen: etwa dem zweiten Tag im Oberlin-Mordprozess. Pflegerin Ines R. (52) steht vor dem Landgericht, weil sie am 28. April im Oberlinhaus fünf wehrlose Menschen mit Behinderungen in ihren Betten so sehr verletzte, dass vier der Opfer starben. Nadine Fabian verfolgt das Verfahren und berichtet, was Kolleginnen und eine Pschoanalytikerin über die Angeklagte aussagen.
Der New Yorker Architekt Daniel Libeskind stellt heute Nachmittag seinen Entwurf für den “Tower of Babelsberg” vor. Da sind wir natürlich dabei. Ein anderer Grund, warum sich der Blick auf die Potsdam-Seiten der MAZ im Netz im Laufe des Tages ganz besonders lohnt: Der Potsdamer Energieversorger EWP will endlich im Detail erklären, wie teuer Gas, Fernwärme und Strom künftig sein werden, nachdem die MAZ Anfang der Woche exklusiv über die Preissteigerungen berichtet hatte.
Und nun wünsche ich noch Säbel hoch, wulle wack und mugge batscher für den närrischen Rest dieses Newsletters.
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Impfschlange am Marktcenter am Donnerstagmorgen. Foto: Rainer Schüler
Impfschlange am Marktcenter am Donnerstagmorgen. Foto: Rainer Schüler
Schon am frühen Morgen warteten die Menschen am Marktcenter, um ganz sicher bei der mobilen Imfpaktion von Rewe-Chef Siegfried Grube dranzukommen. 300 Leute, die von Rewe durch das Einkaufszentrum bis zur Haltestelle am Luisenplatz standen. MAZ-Reporter Rainer Schüler hat sie gefragt, warum sie das auf sich nehmen. Wer nicht dran kam, weil die Ärzte sowieso nicht alle 300 Menschen an einem Tag schaffen würden, wurde auf heute vertröstet.
Am Vortag hatte es schon eine mobile Impfaktion in der Waldstadt gegeben, die so großen Andrang hatte, dass am Ende ein Polizeieinsatz nötig wurde.
Was für ein Chaos! Das wäre vermeidbar gewesen, findet MAZ-Redakteur Alexander Engels in seinem Kommentar zum Thema.
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Die Corona-Lage

116 Corona-Neuinfektionen wurden in Potsdam innerhalb eines Tages registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei über 260 Fällen. Die “Rekorde” aus dem vergangenen Winter sind fast gebrochen. Die Landesregierung hat nun neue Corona-Regeln beschlossen, die ab Montag in Brandenburg gelten.
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Besondere Geschichte

Volker Schlöndorff und Wim Wenders hielten die traditionelle Oberlin-Rede in diesem Jahr. Foto: Julius Frick
Volker Schlöndorff und Wim Wenders hielten die traditionelle Oberlin-Rede in diesem Jahr. Foto: Julius Frick
Es war ein Abend mit außergewöhnlichen Gästen und sehr berührenden Momenten: Die beiden Regie-Legenden Volker Schlöndorff und Wim Wenders hielten die Oberlin-Rede 2021 mit jeweils eigenen Texten: sehr unterschiedlich, aber beide auf ihre Art faszinierend. Das Besondere: Es ging in der Oberlinkirche nicht um das eigentliche Metier der beiden Herren. Stattdessen ging es um den Glauben, die Frage nach Gott, das Gebet und die Gläubigkeit, auch wenn man eigentlich nicht im klassischen Sinne religiös ist. Und es ging in sehr offenen Worten auch um den Tod und um das Abschiednehmen. MAZ-Redakteurin Ildiko Röd war für Sie vor Ort und hat den Rednern gelauscht.
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Der kulinarische Tipp

David Schubert (l.) und Marcus Gude verraten ihre Gänse-Rezepte.
David Schubert (l.) und Marcus Gude verraten ihre Gänse-Rezepte.
Die Gänsebratenzeit beginnt. Zum Martinstag am 11.11. gehört in vielen Familien traditionell Gans auf den Tisch. Knusprig soll sie sein, gern mit Klößen, Rotkohl und einer reichhaltigen Sauce serviert werden. Dazu ein gutes Glas Wein und das Festessen ist perfekt. Aber wie gelingt die Martinsgans zu Hause? Der Potsdamer Sternekoch David Schubert, Chefkoch im Sterne-Restaurant „Kochzimmer“ und Feinkosthändler Marcus Gude haben uns ihre Lieblings-Gans-Rezepte verraten.
Wer nicht selber kochen, sondern den Profis vertrauen möchte, kann natürlich auch die Gans bestellen. Frisch geschlachtet vom Bauern zum Abholen, gewürzt und vorgegart oder als Menü, das per Gänse-Taxi ins Haus kommt: Der Festtagsbraten vom Land wird immer beliebter. Drei Anbieter aus dem Potsdamer Umland stellen wir Ihnen hier vor.
Tipp: Saskia Kirf
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Haben Sie am Dienstagmorgen im letzten Newsletter auch über das Bilderrätsel gerätselt? Was ich meine: Haben Sie sich auch gefragt, wieso dort schon ein neues Rätsel gestellt wurde, obwohl das alte Bilderrätsel noch gar nicht aufgelöst worden war? Ein Durcheinander! Nun wird erst einmal das Rätsel der Vorwoche gelöst. Es war der vierte Teil einer Reihe über Potsdamer Brücken.
1997 wurde zeitgleich mit dem Einkaufszentrum Stern-Center auch eine Brücke über die Nuthestraße gebaut, damit Fußgänger und Radfahrer vom Wohngebiet Stern dorthin gelangen konnten. Auf dem Bild sieht man die Rampe für Radfahrer, die hinauf zur Brücke führt. Autofahrern ist vor allem der etwa 35 Meter hohe rote Pfeiler bekannt, an dem die sechs Stahlseile hängen, die die Brücke tragen.
Weil die Seile in gleichen Abständen an dem Pylon angebracht sind und genau wie die Saiten einer Harfe nebeneinander liegen, handelt es sich um eine „Schrägseilbrücke mit Harfensystem“. Doch eines war im Gegensatz zum Musikinstrument nicht vorgesehen – die starken Schwingungen, die man beim Herüberlaufen spürte.
Die Rampe der Fußgängerbrücke zum Stern-Center. Foto: Peter Degener
Die Rampe der Fußgängerbrücke zum Stern-Center. Foto: Peter Degener
Das Unbehagen der Fußgänger führte zu einer wissenschaftlichen Untersuchung und der Diplomarbeit einer angehenden Bauingenieurin der Potsdamer Fachhochschule. Die Frage: Wodurch werden die Schwingungen ausgelöst? Sind die Seile nicht ausreichend gespannt? Was bewirken Temperatur-Unterschiede an den Gelenken, auf denen die etwa 77 Meter breite Brücke ruht?
Mit Sensoren wurde festgestellt, wann und wo die Schwingungen entstehen. Die Antwort: Die Fußgänger selbst sorgen für die Schwingungen – und zwar vor allem vom Wohngebiet kommend zwischen dem ersten und dem zweiten Seil. Weil sie aber in einem akzeptablen Bereich liegen, haben die Erkenntnisse aus der Diplomarbeit zu keinen Veränderungen an der Brücke geführt. Wer in diesen Dingen feinfühlig ist, sollte also langsam über die Brücke gehen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Feuer raubt 91-jähriger Kleinmachnowerin das Zuhause
Corona-Ausbruch: Gesundheitsamt schließt Karl-Hagemeister-Grundschule in Werder
Tierrettung Potsdam rettet Schwan aus Angelmüll in Töplitz
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Unser Tipp fürs Wochenende

Der große Schirm des Rastplatzes im Wildpark. Foto: Varvara Smirnova
Der große Schirm des Rastplatzes im Wildpark. Foto: Varvara Smirnova
Man hat das Gefühl, dass das Land auf den nächsten Lockdown zusteuert. Deshalb möchte ich Ihnen keine Veranstaltungen ans Herz legen, bei denen das Infektionsgeschehen womöglich angetrieben wird, sondern einen der Spaziergänge, die wir im letzten Winterlockdown für Sie mit Hilfe von Stadtführern aus Potsdam erarbeitet hatten.
„Geschichte soll Spaß machen und Potsdam bietet neben Friedrich dem Großen und seinem Sanssouci noch so viel Spannendes zu berichten. Ich versuche meinen Gästen Lust auf mehr zu machen“, sagt Frauke Leßner, die damals den Auftakt machte. Ihre Route führt durch den Wildpark im Potsdamer Westen den sie selbst täglich vor ihrer Haustür sieht. Alle Details, den genauen Weg und kurzweilige Informationen zur Historie finden Sie hier.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 68
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 68
Der Potsdamer Feinkost-Verkäufer Marcus Gude kommentiert für den MAZ-Newsletter “Potsdam ganz nah” jede Woche ein neues Thema. Anlässlich des Martinstags präsentiert er in der aktuellen Folge gestenreich und mit Weinbegleitung sein persönliches Gansrezept.
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