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OB für früheren Lockdown+Kleingärten in Gefahr+WLAN in der Tram

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

nun ist er also beschlossen: der Lockdown 2.0. Vielen kam er zu schnell, Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) kommt er nicht schnell genug. Ginge es nach ihm, würden die neuen Maßnahmen besser schon ab morgen gelten, denn der Blick auf die angemeldeten privaten Feiern am Halloween-Wochenende lässt ihn nichts Gutes erahnen. In der Schalte mit dem Ministerpräsidenten und Kollegen hat Schubert am Donnerstag den Vorstoß gewagt - so zumindest hört man aus Teilnehmerkreisen. Mit welchem Ergebnis - und welche Karte er als Oberbürgermeister auch ohne Segen des Landes ziehen könnte, lesen Sie hier.
Tatsächlich sind die Corona-Infektionszahlen in Potsdam auch ohne Party-Wochenende besorgniserregend. Seit Mittwoch ist die Stadt offiziell Corona-Risikogebiet, liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 50 Neuinfektionen in sieben Tagen Damit gelten jetzt schon die strengeren Regeln für Corona-Hotspots, bevor am Montag der zweite Lockdown in Kraft tritt.
Anders als im Frühjahr bleiben Schulen und Kitas dieses Mal allerdings geöffnet. Sie fragen sich, wie Schule unter Pandemie-Bedingungen eigentlich läuft? Haben wir uns auch gefragt. Und meine Kollegin Annika Jensen hat es herausgefunden. Einen Vormittag lang hat sie Lehrer und Schüler in der Sportschule “Friedrich Ludwig Jahn” begleitet - und eine Reportage über den Schulalltag zwischen Ausnahmezustand und Normalität geschrieben.
Und nun noch zwei Neuigkeiten fernab von Corona. Erstens: Die nächste Kleingartensparte in Potsdam wird geräumt, dieses Mal trifft es die Parzellen des Kleingartenvereins „Berliner Vorstadt 1927“ an der Böcklinstraße, mehr zum Hintergrund berichtet mein Kollege Peter Degener. Die zweite Neuigkeit: Bei der Umrüstung der Potsdamer Straßenbahnflotte spielen kabelloses Internet und Lademöglichkeiten für Mobiltelefone tatsächlich gar keine Rolle. Zumindest sind WLAN und Lademöglichkeiten in den gerade erfolgten Ausschreibungen für bis zu 25 neue Niederflurbahnen nicht vorgesehen.
Ich hoffe, Sie haben sowohl Netz als auch genug Akkuladung - denn in unserem heutigen Newsletter finden Sie noch jede Menge zum Lesen, Stöbern und Entdecken. Das nächste Mal haben Sie am Dienstag wieder Post von uns in Ihrem E-Mail-Fach. Bis dahin bleiben Sie gesund und lassen Sie sich nicht unterkriegen.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Alexander Engels
Foto: Alexander Engels
Nun ist es also soweit: Deutschland macht wieder dicht, ab Montag gilt der neue Corona-Lockdown. Ob es der richtige Weg ist? Darüber wird auch in Potsdam hitzig diskutiert. Mit voller Härte treffen die beschlossenen Maßnahmen Wirte, Unternehmer, Kunst- und Kulturschaffende, denn sie müssen nun schon ein zweites Mal schließen - und um ihre Existenz bangen. 53 Veranstaltungen fallen im November allein am Hans-Otto-Theater aus, das Poetenpack kann zwölf Gastspiele nicht wahrnehmen. Steht das Potsdamer Theater vor der ganz großen Krise?
Doch nicht nur das Theater muss dicht machen, auch alle Restaurants, Kneipen und Bars der Stadt müssen schließen, ebenso der Amateursport in Studios und Vereinen, Diskotheken, Kinos, Kosmetik-, Tattoo- und Massagestudios. Was das für sie bedeutet? Wie sie die Nachricht vom zweiten Lockdown aufgenommen haben? Saskia Kirf und Sarah Kugler haben mit den Betroffenen in Potsdam gesprochen - und Menschen zwischen Angst und Frust erlebt.
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Hinter der Geschichte

Foto: Rainer Schüler
Foto: Rainer Schüler
Ronny Kössel hatte sich auf das Schlimmste vorbereitet: die Obdachlosigkeit, die zweite schon für den 53 Jahre alten Ex-Zeitsoldaten der NVA aus Drewitz. Weil der langzeitarbeitslose Rundfunktechniker seit Jahresanfang keine Miete mehr zahlen konnte, sollte er am Freitag geräumt werden und mit ihm seine Hündin Bella. Mitten in der Corona-Krise.
Gibt es da keinen anderen Weg? Wie konnte es soweit kommen? Lässt sich da nichts mehr machen? Fragen, die sich meine Kollege Rainer Schüler stellte, nachdem er von dem Schicksal des 53-Jährigen erfuhr. Fragen, denen er auf den Grund gegangen ist. Rainer Schüler hakte nach bei der Pro Potsdam, die Kössel auf die Straße setzen wollte, beim Job-Center, das ihm die Stütze verweigert, bei der Arbeiterwohlfahrt, die das Obdachlosenheim betreibt, aber kein Haustier akzeptiert. Und dann geschah, womit keiner gerechnet hat. Was das war, lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Florian Schuh/dpa
Foto: Florian Schuh/dpa
Sie ist ein Klassiker, wenn nicht der Klassiker der Herbstküche: die Kürbissuppe. Ich bin ein großer Fan dieses so einfachen wie leckeren Gerichts. Deshalb – und weil angesichts des Lockdowns auch das Selbstkochen wieder gefragter ist – hier ein persönliches Rezept.
Zutaten: 1 Hokkaido-Kürbis, 3-4 große Möhren, ½-¾ kg festkochende Kartoffeln, Ingwer, ½ Liter Gemüsebrühe, 1 Dose Kokosmilch, Gewürze
Wichtig: 1 großer Topf. Da hinein schnibbeln Sie die Möhren und die Hälfte der Kartoffeln. Den Kürbis putzen, das Kerngehäuse entfernen und den Rest (mit Schale) würfeln und auch in den Topf. Die Gemüsebrühe hinzu - oder auch einfach nur Wasser, dann sollten Sie die Suppe am Ende nur stärker würzen und mit Kräutern versetzen. Geben Sie ein kleines Stück fein geschnittenen Ingwer noch hinzu. Das Ganze muss kochen, bis alles so weich ist, dass es sich pürieren lässt (ca. 15-20 Minuten).
Den Rest der Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Ich lasse die Würfel dampfgaren, kochen in Salzwasser geht aber auch – was Ihnen lieber ist. Auf jeden Fall müssen sie bissfest bleiben.
Den weich gekochten Kürbis-Möhre-Kartoffel-Mix mit dem Stabmixer pürieren. Wenn die Masse zu breiig ist, geben Sie etwas mehr heißes Wasser (gern auch das Kartoffelwasser) hinzu. Am Ende mixen Sie die Kokosmilch unter und würzen Sie nach Belieben. Ich nehme Salz, Pfeffer, Muskat und gern Currypaste (oder -pulver). Um der ganzen Sache etwas mehr Farbe zu geben, können Sie auch Kräuter unterrühren.
Erst ganz zum Schluss geben Sie die Kartoffelwürfel hinzu. Das sind dann kleine Knabberstücke in der Suppe.
Beim Anrichten auf dem Teller macht sich ein kleiner Schuss Kürbisöl gut - optisch und geschmacklich. Als Deko etwas Petersilie oder Feldsalat. Und falls Sie Kinder haben: Meinen schmecken klein geschnittene Wiener dazu.
Guten Appetit!
Rezept und Text: Alexander Engels
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Unsere Entdeckung der Woche

Franziska Maier (30) in ihrer neu gegründeten Lederwarenmanufaktur in der Jägerstraße 39.  Foto: Bernd Gartenschläger
Franziska Maier (30) in ihrer neu gegründeten Lederwarenmanufaktur in der Jägerstraße 39. Foto: Bernd Gartenschläger
Manche Dinge entdeckt man auf den allerersten Blick, so auffällig sind sie. Um die neu eröffnete Ledermanufaktur Frabama - benannt nach der 30-jährigen Gründerin Franziska Barbara Maier - zu finden, muss man dagegen etwas genauer hinsehen. Im Hinterhof der Jägerstraße 39, zwischen dem Edel-Franzosen Juliette und einem Stoffladen, gleich hinter dem Springbrunnen, findet sich das winzige Taschen-Paradies der gelernten Modedesignerin und Feintäschnerin. 
Vom Kreditkartentäschchen bis zum komfortablem Weekender näht Maier hier alles, was das Accessoire-Liebhaberherz begehrt. Sogar Weihnachtsbaumkugeln aus Leder sind im Angebot. Der Renner, wenn auch deutlich hochpreisiger als die Christbaumkugeln: Taschen-Unikate, bei der vom Leder bis zur letzten Naht wirklich alles von der künftigen Besitzerin selbst ausgesucht und platziert wird. Wer schon einmal ein besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, wird bei Frabama sicher fündig, die schicken Designerstücke passen zu jedem Geldbeutel - wobei Franziska Barbara Maier natürlich auch Geldbeutel im Angebot hat.
Mehr über die junge Designerin und ihren neuen Laden lesen Sie hier.
Entdeckung und Text: Saskia Kirf
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Dieses Löwenpaar bewacht einen ganzen Ehrenhof, der sich als eine Dreiflügel-Anlage zur Hans-Sachs-Straße in der Brandenburger Vorstadt öffnet. Die Häuser des ehemaligen Beamten-Wohnungs-Vereins zu Potsdam wurden von 1908 bis 1912 errichtet. Der Verein hatte schon die schönen Jugendstil-Bauten in der Meistersingerstraße an der nächsten Straßenecke errichten lassen. Heute gehört das Ensemble der Wohnungsbaugenossenschaft 1903 Potsdam (WBG).
Wer die Tierfiguren auf ihrem Felsen-Podest geschaffen hat, muss in diesem Rätsel leider offen bleiben. Weder auf den Seiten der WBG noch vor Ort findet sich darauf ein Hinweis.
Der herrschaftliche Ehrenhof an der Hans-Sachs-Straße mit dem Löwenfelsen in der Mitte. Foto: Peter Degener
Der herrschaftliche Ehrenhof an der Hans-Sachs-Straße mit dem Löwenfelsen in der Mitte. Foto: Peter Degener
Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Fischer Alexander Kühn und seine Frau Sabine. Foto: Luise Fröhlich
Fischer Alexander Kühn und seine Frau Sabine. Foto: Luise Fröhlich
Erst der Seddiner See, jetzt der Plessower See: Ein Fischer schlägt Alarm wegen Wassermangels. Das Werderaner Gewässer ist nach drei Dürresommern in Folge erkennbar geschrumpft - das fiel auch meiner Kollegin Luise Fröhlich auf, die der Sache auf den Grund gegegangen ist.
Das Schilf steht auf dem Trockenen. Die Behörden bestätigen den Wassermangel. Am Steg von Fischer Alexander Kühn ist der Wasserpegel seit 2018 um 80 Zentimeter gesunken. Und er weiß auch genau, welche üblen Folgen das für die Fische haben wird.

Rita Nolte beim Speaker Slam. Foto: Dominik Pfau
Rita Nolte beim Speaker Slam. Foto: Dominik Pfau
Man könnte meinen die Energie und die Zuversicht von Ria Nolte reichen auch für den Rest der Menschheit. Die Lehrerin für Mathematik, Geographie und WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik) am Potsdamer Gymnasium auf Hermannswerder sieht sich selbst als Mutmacherin. Daran hat nicht einmal die Krebs-Diagnose etwas ändern können, die sie mitten in der ersten Corona-Lockdown-Phase bekam. Seit Monaten muss sich die 60-Jährige einer Chemotherapie unterziehen. Krankgeschrieben war sie in der Zeit nie. „Ja, das geht“, sagt sie meiner Kollegin Elvira Minack. Das Unterrichten sei gut für Geist und Seele. Doch zu ihren Schülern darf sie zurzeit nicht. Aber ein begeistertes Publikum hatte sie trotzdem: Sie trat in Berlin beim Speaker Slam auf und erhielt für ihren Vortrag stürmischen Beifall. Ihr Thema? Mutmachen.
Text: Alexander Engels
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Unser Tipp fürs Wochenende

Ein Ausschnitt aus dem Mitteschön-Projekt - der Blick auf die alte FH. Quelle: Mitteschön
Ein Ausschnitt aus dem Mitteschön-Projekt - der Blick auf die alte FH. Quelle: Mitteschön
Was sollen wir Ihnen für das letzte Wochenende vor dem Lockdown 2.0 empfehlen? Gehen Sie noch einmal ins Kino, ein vorerst letztes Mal in eine Ausstellung oder ins Theater, genießen Sie einen letzten Restaurantbesuch mit den besten Freunden? Ich glaube, wer sich dabei verantwortungsvoll verhält, kann das guten Gewissens tun. Doch vernünftiger wäre es beim Blick auf die steigenden Infektionszahlen sicherlich, zu Hause zu bleiben oder eine Runde durch den Park zu spazieren.
Eine weitere coronasichere Variante: Entdecken Sie von zu Hause aus Potsdams Altstadt. Die Bürgerinitiative Mitteschön hat einen virtuellen Spaziergang durch das Potsdam des Jahres 1850 und 2012 veröffentlicht. In detaillierten 360-Grad-Panoramen lässt sich nachverfolgen, was im Krieg zerstört wurde – und was sich seit 2012 in der Potsdamer Mitte alles getan hat. Mein Kollege Peter Degener hat es ausprobiert - und ist unter anderem der Fachhochschule wieder begegnet. Mehr über den virtuellen Spaziergang lesen Sie hier.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Himmel, wie sieht der denn aus? Diese Frage werden wir uns im November bei einigen Männern stellen, denn der Monat steht weltweit im Zeichen von Männerkrankheiten. Mit einem Wortspiel aus moustache, dem englischen Begriff für Schnurrbart, und November ist so der Movember entstanden. Unser Videokolumnist Marcus Gude lässt sich nicht lumpen und sammelt Geld für starke Jungs aus der Stadt - dabei wird auch über seinen Bart für den ganzen Monat entschieden.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 21
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 21
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