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Neuer Turm für alten Landtag+++Podcasts+++Gestorben an - nicht mit - Corona

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen im Jahr 2021! Ich wünsche Ihnen einen guten Start an diesem Neujahrsmorgen und hoffe, Sie hatten einen angenehmen Silvesterabend. Vermutlich werden Sie besser geschlafen haben als in anderen Jahren und hatten weniger Sorge um Ihre Hunde und Katzen. Vielleicht haben Sie das Feuerwerk vermisst und sich mit Wunderkerzen begnügen müssen? Für mich sind die funkelnden Kerzen ganz ohne Knaller auch faszinierend anzusehen und dem Jahreswechsel würdig.
Der Widerspruch eines Potsdamers gegen das Böllerverbot wurde jedenfalls noch vor dem Silvestertag von der Verwaltung abgelehnt.
Aber wer weiß, vielleicht wurde illegal geböllert? Gab es etwa schwere Verletzungen, die doch unbedingt vermieden werden sollten? Wie ist die Potsdamer Silvesternacht wohl gelaufen? Auf den Potsdam-Seiten von MAZ-online.de werden Sie meine Kolleginnen, die auch heute für Sie im Dienst sind, über die Geschehnisse der ersten Nacht informieren.
Und was haben Sie 2021 vor, was haben Sie 2020 am meisten vermisst? Wir haben einige bekannte Potsdamer dazu befragt, etwa Kristina Böhm, die Leiterin des Potsdamer Gesundheitsamts.
Wissen Sie schon, wie Sie das neue Jahr beginnen wollen? Für alle, die erst mal daheim bleiben, habe ich weitere Podcasts aus Potsdam ausfindig gemacht. Sie haben mittlerweile die Wahl zwischen sieben verschiedenen Produktionen, hinter denen Potsdamer stecken. Das Spektrum reicht vom Plausch im Lehrerzimmer über Militärgeschichte mit Fokus auf Potsdam bis hin zum Bling-Bling-Filmgespräch an der Filmuniversität. Am Wochenende kommen zwei weitere Empfehlungen hinzu.
Wen es dagegen hinaus ins Freie zieht, dem sei ein Spaziergang über den Pfingstberg und durch den Neuen Garten empfohlen, den die Stadtführerin Susanne Osten-Sacken für die MAZ-Leser konzipiert hat. Mehr dazu lesen Sie unten in diesem Newsletter.
Und wer sich fragt, wo er an diesem Neujahrsmorgen frische Brötchen bekommt, findet hier Hilfe.
Damit wünsche ich Ihnen einen angenehmen Start in dieses neue und hoffentlich äußerst gesunde Jahr.
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Der Originalturm von 1902 und die heutige vereinfachte Form von 1935 Fotos: Potsdam-Museum / Bernd Gartenschläger
Der Originalturm von 1902 und die heutige vereinfachte Form von 1935 Fotos: Potsdam-Museum / Bernd Gartenschläger
Was für ein Idee! Wenn der alte Landtag auf dem Brauhausberg nun umgebaut wird, könnte man doch den historischen Turm im “Cottage-Stil” wiederherstellen. Das fordert der Vorsitzende des Potsdamer Bauausschusses, Wieland Niekisch (CDU). Das Original wurde unter den Nazis abgestockt und vereinfacht. Nun hat es die “Anmutung einer NS-Ordensburg”, findet der Kommunalpolitiker.
Die MAZ hat den Investor, die Sanus Projektentwicklung, gefragt, was er von der Idee hält. Die Firma will nur einen kleinen Teil auf der rückwärtigen Seite des Turms rekonstruieren.
In der Redaktion gingen die Meinungen weit auseinander. Sollte man das Fachwerk mit den Türmchen vollständig rekonstruieren und Potsdams Landmarke auf dem Brauhausberg die früheren 14 Meter Höhe zurückverleihen? Oder ist das zu viel des Guten? Die MAZ-Redakteure Volker Oelschläger und Peter Degener beziehen im Pro und Contra Stellung.
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Die Corona-Lage

Die Impfungen im Bergmann-Klinikum haben begonnen. Foto: Klinikum EvB
Die Impfungen im Bergmann-Klinikum haben begonnen. Foto: Klinikum EvB
Am Ende dieses Jahres haben sich mindestens 3500 Potsdamer mit dem Corona-Virus infiziert. Am Silvestertag meldete die Stadt 79 neue Infektionen. In den Kliniken müssen 106 Patienten behandelt werden, davon 24 auf der Intensivstation. 100 Potsdamerinnen und Potsdamer sind verstorben.
Doch immerhin beginnt nun das Impfen und damit die Hoffnung, dass wir 2021 nicht mehr nur auf Infektionszahlen schauen, sondern auch darauf, wie viele Menschen durch eine Impfung bereits immunisiert werden konnten. Noch geht das schleppend voran. Während im Klinikum “Ernst von Bergmann” schon mehr als 400 Mitarbeiter geimpft wurden, muss das Personal im St. Josefs-Krankenhaus noch fast zwei Wochen auf den Impfstoff warten. Die meisten von uns werden auf den Impfstoff noch deutlich länger warten.
Warten musste übrigens auch Hartmut Richter - und zwar darauf, dass jemand in der Corona-Hotline abnahm. 46-mal versuchte er Kontakt zum Gesundheitsamt aufzunehmen, nachdem ihm die Corona-App gesagt hatte, dass er Kontakt zu einem Infizierten hatte. Wir haben Ihnen aufgeschrieben, wo sie sich in welchem Fall melden sollten, auch am Feiertag. Dass jemand abnimmt, kann leider niemand garantieren.
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Der kulinarische Tipp

Andrea Spehr sorgt für Mittagstisch auch im Homeoffice. Foto: Jens Steglich
Andrea Spehr sorgt für Mittagstisch auch im Homeoffice. Foto: Jens Steglich
Das war’s mit diesem Jahr, wenn wir morgen aufwachen, stehen wir kurz vor der neuen Arbeitswoche. Noch immer sind viele von uns nicht in ihren Betrieben, sondern allein zu Hause im Homeoffice. Natürlich ist auch dort ein leckeres Mittagessen wichtig, aber seien wir ehrlich: Kaum jemand schafft es, jeden Tag ein frisches Gericht auf den Tisch zu bringen und dabei zu arbeiten, den Haushalt und die Familie zu versorgen.
Hier kann Feinkost Spehr aus Michendorf helfen. In der Filiale bietet der erfahrene Cateringservice Frühstück und Mittagstisch zum Mitnehmen an, für den heimischen Schreibtisch sind Suppen im Glas zu haben, die man sich auch ganz bequem liefern lassen kann. Feuriges Chili con Carne, würziges Gulasch oder fruchtige Rote-Bete-Suppe sind im Angebot. Alle Informationen gibt es auf der Plattform www.potsdamliefert.de und auf der Homepage von Feinkost Spehr.
Wenn Sie erfahren wollen, wie Andrea Spehr zunächst unfreiwillig neben ihrem Feinkostgeschäft zu einem Gasthaus kam, lesen Sie dieses schöne Porträt von MAZ-Autor Jens Steglich.
Tipp und Text: Saskia Kirf
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Thomas Block-Deponte
Foto: Thomas Block-Deponte
Er zieht mit der Kamera los, wenn andere schlafen: Der Potsdamer Fotograf Thomas Block-Deponte wird auch Nachtschleicher genannt, weil er Potsdam im Dunkeln fotografiert. Das Ergebnis sind stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die derzeit in der Gutenbergstraße 87 in Form einer Schaufensterausstellung zu sehen oder in Kalenderform erwerbbar sind.
Auch für das Buch „13 Sagenhafte Geschichten“ mit Texten von Heiko Hesse lieferte er passende Bilder. Wie Block-Deponte es geschafft hat, einen Riesen zu fotografieren und warum nie Menschen auf seinen Bildern zu sehen sind, hat MAZ-Redakteurin Sarah Kugler im Gespräch mit dem Nachtschleicher herausgefunden.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Ist das nicht Schloss Sanssouci? Foto: Peter Degener
Ist das nicht Schloss Sanssouci? Foto: Peter Degener
Die berühmten Gebälkträger von Schloss Sanssouci kennt jeder Potsdam-Tourist. Die in Sandstein gehauenen Figuren – allesamt Begleiter des Weingottes Bacchus – haben von Ekstase und der Last des Daches verzerrte Gesichter, manche Lächeln dennoch. Vielleicht sind sie betrunken? Doch lassen Sie sich vom Suchbild nicht täuschen! Wer nur flüchtig schaut, übersieht, dass hier kein Detail vom Schloss Sanssouci, keine Skulpturen zu sehen sind.
Das Bild zeigt stattdessen gemalte Figuren an einem anderen zentralen Ort Potsdams und sogar des Landes Brandenburg. Im Innenhof des wiederaufgebauten Statdschlosses und Landtags stehen zwei Werke des Kölner Künstlers Florian Dombois. „Zugabe“ heißen die zwei Pavillons, die den berühmten Mittelteil von Schloss Sanssouci mit der Kuppel neu interpretieren. Wie aus zwei zusammengesteckten Pappkarten steht jeder Pavillon im Hof.
Nein, es ist das Kunstwerk "Zugabe" im Innenhof des Landtags. Foto: Peter Degener
Nein, es ist das Kunstwerk "Zugabe" im Innenhof des Landtags. Foto: Peter Degener
Wie in einer Matroschka taucht die Kopie eines Schlosses des Architekten Knobelsdorff (nämlich von Sanssouci) nun im Inneren der Kopie eines weiteren Knobelsdorff-Schlosses (dem Stadtschloss) auf. „Zugabe!“ ruft der Künstler mit seinen illusionistischen Pavillons. Florian Dombois sieht sein Kunstwerk in der „Tradition royaler Illusionsbauten und der Pavillonmode des europäischen Absolutismus“. Ihn interessieren zudem die Verzerrungen, die bei der Übertragung des dreidimensionalen Schlosses auf sein simples Modell unvermeidbar sind. Solche Effekte sind jedem modernen Menschen von Google Maps und Computerspielen her bekannt.
Doch diese Verzerrungen gehörten auch zum barocken Königshof. Denn bei den „exquisiten Kulissenbauten insbesondere für royale Festanlässe“ wurde „die Bildperspektive auf die Betrachterposition des Herrschers ausgerichtet“, wie Dombois schreibt. Gehen Sie in den Landtagshof und spielen Sie mit der Perspektive.
MAZ-Kulturredakteur Karim Saab empfand das Werk bei seiner Einweihung übrigens als “Provokation” und “visuelles Störfeuer”.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Tina Steinberg und Andreas Büttner mit einem Foto ihres verstorbenen Vaters. Foto: Konstanze Kobel-Höller.
Tina Steinberg und Andreas Büttner mit einem Foto ihres verstorbenen Vaters. Foto: Konstanze Kobel-Höller.
Konrad Büttner aus Werder wurde 90 Jahre alt. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg, den Bau und den Fall der Berliner Mauer, er fand die Liebe seines Lebens und gründete eine Familie, musste den Tod seiner Frau ertragen. Dann starb er an – nicht mit – Corona.
Konrad Büttner ist kein Promi. Er ist einfach nur einer von bisher 32.267 Menschen in Deutschland, von 1055 Brandenburgern, von 27 Werderanern und von elf Bewohnern des Seniorenheimes „Haus am Zernsee“, die seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona verstorben sind.
Werder im Winter. Was geschah hier alles seit Anfang 2020? Foto: Luise Fröhlich
Werder im Winter. Was geschah hier alles seit Anfang 2020? Foto: Luise Fröhlich
Den Jahresrückblick auf die Welt, auf Deutschland und Brandenburg und womöglich auf das Jahr 2020 in Potsdam haben sie schon gelesen? Doch was ist im Umland in diesem Jahr passiert?
Die drei Rückblicke auf die Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf, auf die Gemeinden Beelitz, Michendorf, Nuthetal und Seddiner See und natürlich auf die Kommunen Werder, Schwielowsee und Groß Kreutz versammeln zahlreiche Nachrichten und Ereignisse abseits der Corona-Pandemie. Erinnern Sie sich gemeinsam mit uns nochmal an die skurrilen, tragischen und die guten Nachrichten, die es ja tatsächlich auch gegeben hat.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Spaziergang durch den Neuen Garten. Foto: Julius Frick
Spaziergang durch den Neuen Garten. Foto: Julius Frick
Raus aus dem Haus, rein ins neue Jahr! Dieser Spaziergang wird den MAZ-Lesern von Stadtführerin Susanne Osten-Sacken empfohlen, die seit fast 25 Jahren Menschen durch Potsdam und seine Parks führt. Ihr Rundgang über den Pfingstberg und durch den Neuen Garten führt in knapp zwei Stunden durch drei Jahrhunderte Geschichte und Architektur.
Die empfohlene Route für den Spaziergang. Grafik: Gesine Thränhardt
Die empfohlene Route für den Spaziergang. Grafik: Gesine Thränhardt
Ein Ort, den Susanne Osten-Sacken besonders liebt, liegt auf dieser Route: die Muschelgrotte am Ufer des Jungfernsees. Als Vorsitzende des Förderkreises der Muschelgrotte sorgt sie sich seit langem um die Restaurierung dieses besonderen Gebäudes, das zwar im Todesstreifen der Berliner Mauer stand, aber nicht abgerissen wurde. Womöglich, weil es den Grenzsoldaten auch als Unterstand diente. Gehen Sie also raus und schauen Sie durch die Fensterscheiben hinein in die Muschelgrotte. Warum sich dieser Spaziergang außerdem lohnt, lesen Sie hier.
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