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Neue Schatzkammer++Sinkende Müllpreise++Unerschrockener Wolf

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Kennen Sie das, wenn Sie als einziger über einen (vermeintl
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Kennen Sie das, wenn Sie als einziger über einen (vermeintlichen) Witz lachen? So erging es mir am Montagmorgen. Ich war bei der Grundsteinlegung für das neue Sammlungsdepot des Filmmuseums, das eine wahre Schatzkammer der Filmgeschichte werden wird. Die Gäste, darunter zahlreiche Cineasten (würde man vermuten), standen im weiten Atrium der Filmuniversität Babelsberg, und deren Präsidentin ergriff das Wort. Sie wies auf die Corona-Regeln hin. “Wir haben dafür Kreuze auf den Boden geklebt. Bitte halten halten Sie die Abstände ein, also jeder nur ein Kreuz.”
Hatte sie das wirklich gesagt? Kannst Du Dir nicht ausdenken, dachte ich, prustete in mich hinein und schaute mich um - doch die vertretene Filmwissenschaft zeigte keine Reaktion. Liebe Leser, ich hoffe, wenigstens Sie haben eben mit mir gelacht. Wenn nicht, verweise ich auf diese legendäre Filmszene und fordere ein neues Pflichtseminar “Filmzitate” für jeden einzelnen Studiengang an der Filmuniversität.
Übrigens war auch Regisseur Volker Schlöndorff zugegen. Als ich ihn ansprach, ob auch etwas aus seiner Sammlung im neuen Depot einen Platz finden wird, verneinte er erst. Seine Sammlung ist seit Jahrzehnten in Frankfurt. Doch dann überlegte er und sagte im Interview mit der MAZ: “Babelsberg wäre der logische Ort.” Die Aussicht auf einen Umzug der Sammlung besteht also durchaus, denn immerhin hat Schlöndorff seit 30 Jahren hier gearbeitet und wurde bei der Grundsteinlegung als “Urvater der neuen Medienstadt” bezeichnet. Doch seine Ideen für Babelsberg haben über 25 Jahre gebraucht, bis sie in die Realität umgesetzt wurden. Also keine Ungeduld!
Auch bei der Stadt wird ein langer Prozess langsam zum Besseren gewandelt. 500 neue Kitaplätze kann die Stadt zum neuen Kitajahr vorweisen. Jugendbeigeordnete Noosha Aubel verkündete am Montag: “Wir können derzeit alle Familien versorgen – dafür haben wir genug Plätze“
Anders als bei Kleinkindern sieht es bei gestandenen Wissenschaftlern aus - wenn sie nicht aus Deutschland, sondern für Gastaufenthalte aus dem Ausland an die zahlreichen Institute nach Potsdam kommen, finden sie immer schwerer einen Platz zum Schlafen. Die Wohnungsnot unter Gastwissenschaftlern schadet dem Forschungsstandort Potsdam.
Zum Abschluss dieses Vorwortes noch folgender Hinweis in eigener Sache: Nachdem viele Kollegen in der Redaktion längst auf Instagram aktiv waren, gibt es nun auch einen offiziellen Insta-Account der Potsdamer Lokalredaktion der MAZ. Dort bekommen Sie ebenfalls regelmäßig Tipps und natürlich wunderschöne Impressionen aus der Landeshauptstadt. Werden Sie Follower und sagen Sie es bitte weiter.
Herzliche Grüße (Hasta la vista, Baby!)
Ihr
Peter Degener
Redakteur in der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Mülltonnen der Stadtentsorgung Potsdam (Step). Foto: Friedrich Bungert
Mülltonnen der Stadtentsorgung Potsdam (Step). Foto: Friedrich Bungert
Müll wird immer dann zum Gespräch, wenn er sich anhäuft - etwa an Badestellen oder in den Parks - oder wenn die Abholung wieder teurer wird. Potsdam hat hohe Müllgebühren und die Stadtentsorgung hat bei den Potsdamern im Jahr 2018 fast 1,4 Millionen Euro zu viel kassiert, wie jetzt bekannt wurde. Keine Sorge: Die Mehreinnahmen sollten mit dem nächsten Gebührenbescheid verrechnet werden. Denn nach Kommunalrecht dürfen die erhobenen Gebühren nur die tatsächlich entstandenen Kosten abdecken, müssen Überschüsse den Kunden erstattet werden.
Allerdings ist das in Potsdam nicht immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Nur durch Zufall wurden Mehreinnahmen von fünf Millionen Euro 2008 bei einer Prüfung durch die Kommunalaufsicht entdeckt. Zuvor waren den Verbrauchern über mehrere Jahre überhöhte Rechnungen gestellt worden, ohne dass es jemandem auffiel. Mit der Rückzahlung im Jahr 2009 sanken die Gebühren schlagartig um 30 Prozent.
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Hinter der Recherche

Torben Lindemann nach rund 25 Kilometern Marsch. Foto: Peter Degener
Torben Lindemann nach rund 25 Kilometern Marsch. Foto: Peter Degener
Am Wochenende gab es einen 100 Kilometer langen Mammutmarsch um Potsdam. Obwohl ich nur berichtet habe, hat dabei auch der Schrittzähler in meinem Handy ordentlich gewackelt. Ich hatte schon am Tag vor dem Rennen mit meinem Protagonisten gesprochen, Torben Lindemann, ein ehrgeiziger jungen Mann, der sich allerdings kaum auf die Herausforderung vorbereitet hatte. Das perfekte Foto konnte aber nur während des Rennens entstehen. Am Anfang der Strecke lag der Schlosspark Marquardt - in dieser Kulisse wollte ich den Läufer idyllisch ablichten und danach beim ersten Versorgungspunkt etwas näher befragen.
Doch er kam und kam mir nicht entgegen. Ich lief weiter in seine Richtung, stieß schon an den Sacrow-Paretzer Kanal. Irgendwann zweifelte ich, ob ich ihn verpasst hatte. Eine Sprachnachricht später wusste ich - der ist längst an mir vorbei. Ich lief zum Auto, fuhr ihm voraus und lief ihm am Fahrländer See erneut entgegen.
Jetzt sah ich ihn schon aus der Ferne. Er ging schwer auf seine Wanderstöcke gestützt und hatte Schmerzen im linken Fuß. Aus journalistischer Sicht war dieser leidende Moment genau das, was ich für die Geschichte brauchte. Kurz danach gab “mein Mann” den Mammutmarsch jedoch gänzlich auf. Das war dann für mich eine besondere Herausforderung, um ihn trotz dieser Entscheidung ehrlich darzustellen und ihn nicht lächerlich zu machen. Ob mir das gelungen ist, können Sie hier nachlesen - und viele Bilder weiterer Teilnehmer sehen, die auf meinem weiten Weg entstanden sind.
Text: Peter Degener
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Der kulinarische Tipp

Das "Il Teatro" in der früheren Zichorenmühle neben dem Hans-Otto-Theater. Foto: Bernd Gartenschläger
Das "Il Teatro" in der früheren Zichorenmühle neben dem Hans-Otto-Theater. Foto: Bernd Gartenschläger
Was macht ein gehobenes Ristorante aus? Dass es Trüffel gibt, aber keine Pizza? Im “Il Teatro” am Tiefen See ist es nicht nur das. Die Terrasse am Seeufer ist Bühne und Piazza gleichermaßen, findet unsere MAZ-Gastro-Kritikerin Manuela Blisse.
“Das Il Teatro, in dem die Gäste persönlich von der Gastgeberin Anja Gritzbach begrüßt werden, gehört zu den gehobenen, aber nicht abgehobenen italienischen Restaurants in Potsdam”, findet sie. Dieser Italiener “verfällt nicht der weit verbreiteten Unsitte, vornehmlich Gemüse aus der Vitrine zu servieren und bei den teureren Vorspeisen zu geizen. Vielmehr wird alles geboten, Gemüse nebst Vitello tonnato, Carpaccio und Büffelmozzarella. Gepaart mit dem Meeresfrüchtesalat – weich, dennoch mit Biss sowie mit Zitrusnote – kommen mediterrane Sehnsüchte auf.”
Dazu kommt das Ambiente am Wasser. Was kann Manuela Blisse am Ende nicht gefallen haben? Finden Sie es in ihrer Gastro-Kritik heraus!
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Unsere Entdeckung der Woche

Ein Fund in der Buchhandlung. Foto: Anna Sprockhoff
Ein Fund in der Buchhandlung. Foto: Anna Sprockhoff
Ich bin vermutlich schon mindestens ein Dutzend Mal an ihr vorbei gelaufen, doch entdeckt habe ich die “Weiße Maulbeere” am Babelsberger Weberplatz so richtig erst jetzt - dank der Empfehlung von Buchhändlerin Kerstin Seefeld. Seit mehr als 20 Jahren betreibt sie die Buchhandlung “Script” an der Rudolf-Breitscheid-Straße, sie kennt sich aus mit Literatur aus und über Potsdam - und legte mir kürzlich “Bäume in Potsdam. Ein Begleiter durch Parks und Geschichte” ans Herz, ein herrliches Buch von Autor Claas Fischer und Fotograf Frank Gyßling. Erschienen ist das Buch in dem Berliner Verlag “terra press”, der sich seit seiner Gründung im Jahr 2005 Potsdam in besonderer Weise verschrieben hat.
“Bäume in Potsdam” stellt 33 besondere Potsdamer Bäume vor, und erzählt mit ihrer Geschichte auch die Geschichte der Stadt - von der ersten Besiedlung der Sumpflandschaft über die Zeit als königliche und kaiserliche Residenz bis zur Gegenwart. Die “Weiße Maulbeere” am Weberplatz zum Beispiel - Sie ahnen es - erzählt von Friedrich II, der im heutigen Babelsberg neue Siedlungen für religiös verfolgte Protestanten bauen ließ. Exklusiv für ausländische Weber und Spinner entstand ab 1751 die “Colonie Nowawes” (tschechisch für “Neues Dorf”). Die Hoffnung des Königs: Ihnen gelingt die Produktion von Seide.
Friedrich II ließ viele neue Plantagen von Maulbeerbäumen anlegen, 1300 sind bis zum Jahr 1780 allein auf dem Weberplatz und in den umliegenden Alleen gepflanzt worden. Ein Großteil ging aufgrund mangelnder Pflege ein - ein besonders robustes Exemplar allerdings überlebte bis heute: Die “Weiße Maulbeere” am Weberplatz.
Gestaltung und Inhalt stimmen. Foto: Anna Sprockhoff
Gestaltung und Inhalt stimmen. Foto: Anna Sprockhoff
Auf 141 Seiten erzählt das Buch Baum-Geschichten wie diese, entführt den Leser in den Lustgarten von Sanssouci, auf die Pfaueninsel, in den Schlosspark Sacrow, die Freundschaftsinsel oder in die Kolonie Alexandrowka. Sehr liebevoll illustriert und wunderschön gestaltet, ist es eine wahre Freude, durch das Buch zu blättern. Eine Entdeckung, die sich lohnt!
“Bäume in Potsdam. Ein Begleiter durch Parks und Geschichte” kostet 19,80 Euro.
Entdeckung und Text: Anna Sprockhoff
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wir wollten wissen: Wo ist das? Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen: Wo ist das? Foto: Peter Degener
Nackte Betonfassaden sind in Potsdam eine Seltenheit – und wenn sie dann noch ein Hingucker sein sollen, fällt mir eigentlich gar nichts ein. Außer das Parkhaus in der Schiffbauergasse. Ästhetischer Gewinn sind hier aber nicht die Montagelöcher der Betonfertigelemente, sondern das rätselhafte, funkelnde „Flugschiff“. Die Künstler Peter Rohn und Christian Roehl ließen sich von einem Märchen Jules Vernes inspirieren und abstrahierten das Bild eines schwimmenden Fisches und fliegenden Vogels. Sie verbanden es mit Teilen eines Schiffes und eines Flugzeugs.
Die Lösung: das Parkhaus in der Schiffbauergasse
Geschaffen wurde das „Flugschiff“ 1974 für das „Haus des Reisens“ - ein Hochhaus aus DDR-Zeiten, das an der Ecke zur Yorckstraße am Platz der Einheit stand. Es wurde 2009 abgerissen, fast zeitgleich zum Neubau des Parkhauses. Das Kunstwerk wurde natürlich zuvor demontiert und war schließlich 2015 an seinem heutigen Platz an der Parkhaus-Fassade angelangt. Es gehört heute zum „Walk of Modern Art“ der Landeshauptstadt.
Das Flugschiff an der Fassade des Parkhauses. Foto: Peter Degener
Das Flugschiff an der Fassade des Parkhauses. Foto: Peter Degener
Der Architekt des weißen Landesplatzes in der Schiffbauergasse war Moritz Kock. Er hat auch das VW-Design-Zentrum gestaltet und war ein Anhänger des sogenannten Niemeyer-Bades am Brauhausberg. Den berühmten Architekten Oscar Niemeyer hatte Kock im Jahr 2009 in dessen Heimat Brasilien besucht, wollte die Bearbeitung der zu teuren Pläne für Niemeyers Freizeitbad besprechen, um den ungewöhnlichen Entwurf zu retten.
Auf dem Rückweg verstarb er tragisch. Moritz Kock war Passagier an Bord des Air-France-Flugs AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris. Die Maschine stürzte in der Nacht zum 1. Juni 2009 in den Atlantik. Alle 228 Insassen kamen dabei ums Leben. Die Schiffbauergasse hat mit dem „Flugschiff“ auch eine Reminiszenz an Moritz Kocks architektonische Visionen erhalten, für die er keinen Weg scheute.
Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Teltow: Vater kritisiert Informationspolitik bei Coronafall
Ein Kind hat Corona und seine ganze Klasse hat nun Angst, sich angesteckt zu haben. Was für eine Belastung für die Kinder und ihre Eltern. Beim Coronafall an der Teltower Anne-Frank-Grundschule hat nun ein Vater seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass mit den Fünftklässlern offenbar sehr unsensibel umgegangen wurde. Und die Eltern seien lediglich über „Elternchats und Facebook“ informiert worden. „Von der Schule direkt haben wir gar nichts bekommen“, berichtet er.
Kleinmachnow: Rapper gegen Clanchef
Der wahrscheinlich berühmteste Kleinmachnower erwehrt sich eines arabischstämmigen Clans. Der Musiker Bushido hat einst mit Arafat Abou-Chaker zusammengearbeitet, doch dann trennten sich ihre Wege. Vor dem Berliner Landgericht müssen sich der Clanchef und drei seiner Brüder unter anderem wegen räuberischer Erpressung und Körperverletzung rechtfertigen.
Fläming: Der Wolf geht um
Ein Dauergesprächsthema ist die Rückkehr des Wolfes in die Region. Innerhalb des Berliner Autobahnringes taucht er noch selten auf, aber außerhalb ist er heimisch. Jetzt hat sich ein Wolfsrudel über eine Heidschnucken-Herde in der Nähe von Bad Belzig hergemacht. Wolfszaun, Untergrabschutz und Elektrolitzen halfen nichts. Nur ein Mutterschaf überlebte die Nacht.
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
MAZ-Karikaturist Jörg Hafemeister leidet in dieser Woche unter der Rückreisewelle nach dem Ende der Sommerferien. Geht es Ihnen auch so? Er hat einen einfachen Tipp zur Genesung: “Die Urlauber kommen zurück. Und Corona auch. Also: Obacht, Abstand und Anstand.” Alle Infos zu den Tests für Reiserückkehrer haben wir Ihnen übrigens hier zusammengestellt.
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