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Neue Corona-Regeln für Potsdam+++Interview mit dem Fahrradgott+++Ein neues Restaurant, das glücklich macht

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

die Woche der Widersprüche hat begonnen. Die Corona-Zahlen steigen, doch zugleich dürfen wieder mehr Kinder in den Präsenz-Unterricht, gehen die Leute shoppen. Die Stadt bereitet deshalb schon neue Regeln und Einschränkungen vor, die in ihrer Kompetenz liegen. Was morgen gilt? Die aktuellsten Informationen über Impfzentren, Pflegeheime und den Öffnungsplan des Rathauses haben mehrere Kolleginnen von mir aufgeschrieben.
Die Stadt gibt mit dem neuen Konzept auch Antworten auf die Frage, was bei steigenden Inzidenz-Werten in Potsdam gelten soll. Damit hilft das Potsdamer Rathaus seinen Bürgern mehr, als Land und Bund, die auch ein Jahr nach Beginn der Pandemie eher ratlos agieren, wie die Potsdamer Lokalchefin der MAZ, Anna Sprockhoff, kommentiert.
Nebenbei droht Ungemach beim Impfen. Das Mittel Astrazeneca wird vorerst nicht mehr in Deutschland verimpft. Was bedeutet das für die neue Online-Impfwarteliste, die vergangene Woche überraschend vom Rathaus eingerichtet worden war? Immerhin 1250 Potsdamer haben einen Termin, nicht alle wurden schon geimpft. Immerhin gibt es hier eine positive Antwort für alle Wartenden auf der Liste.
Wenn wenigstens der Blick aus dem Fenster hoffnungsfroh stimmen würde. Es herrscht weiter Dauerregen und die Frühblüher senken die Köpfe. Doch irgendwann muss es geschehen, irgendwann wird es sonnig und wärmer. Wenn es soweit ist, werde ich einen Ausflug mit dem Fahrrad machen. Der Bornimer Fahrradgott hat mich auf den Gedanken gebracht. Diese Instanz sagt nämlich, dass Potsdam und sein Umland „beste Bedingungen für Radsportler und Freizeitradler“ bietet. Hört! Hört! Wer den Fahrradgott gar nicht kennt, kann ihn hier kennenlernen. Er stand meinem Kollegen Feliks Todtmann Rede und Antwort.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich poliere nun die Seele meines Zweirads auf und wünsche Ihnen trotz Niesel und Corona eine tolle Woche.
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Mobile Teststation in der Waldstadt. Foto: Julius Frick
Mobile Teststation in der Waldstadt. Foto: Julius Frick
So schnell es sie gab, so schnell ist das kostenlose Schnelltest-Angebot der Stadt auch schon wieder vorüber. Mehr als  11.000 Potsdamer ließen sich in den vergangenen 14 Tagen testen.
Doch ist es wirklich vorbei? Nicht ganz, denn nun springt einerseits der Bund ein, wodurch sich jeder einmal wöchtenlich testen lassen darf. Ob das ausreicht? Wenn man die Pläne für die steigenden Inzidenz-Zahlen liest, wird klar: Wir alle brauchen ab sofort ständig Schnelltests in unserem Alltag, um bestimmte Termine, den Besuch beim Friseur oder in zahlreichen Läden weiter wahrnehmen zu dürfen. Welche Regeln das Rathaus plant, haben die MAZ-Redakteurinnen Nadine Fabian und Saskia Kirf für Sie hier zusammengefasst.
Und was nun aus dem Schnelltest-Programm der Stadt Potsdam wird und wo Sie sich weiterhin kostenlos testen lassen können, lesen Sie hier.
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Corona-Lage

Potsdams Corona-Inzidenz hat sich innerhalb einer Woche verdoppelt. Sie beträgt nun 66 Infektionen je 100.000 Einwohner pro sieben Tage. Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr 5359 Potsdamerinnen und Potsdamer mit dem Coronavirus angesteckt.
Mit dem 15. März sind in Potsdam auch die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen wieder im Wechselunterricht in der Schule – und es gibt positive Testergebnisse aus den Abschlussjahrgängen und den Grundschulen, die schon länger im Präsenzunterricht sind. Drei Zehntklässler der Steuben-Gesamtschule und ein Schüler der Max-Dortu-Grundschule haben eine mit PCR-Test nachgewiesene Corona-Infektion. Zudem wurden drei Kinder der Vorschulgruppe der Kita Spatzenhaus positiv getestet.
Die tägliche Corona-Lage finden Sie hier.
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Die besondere Geschichte

So sieht es in der Werkstatt des Fahradgotts aus. Foto: Feliks Todtmann
So sieht es in der Werkstatt des Fahradgotts aus. Foto: Feliks Todtmann
“Jedes Fahrrad braucht eine Seele.“ So einen Satz erwartet man von jemandem, der sich Fahrradgott nennt. Christoph Niemann hat ihn gesagt. Und viele weitere Sätze, nicht alle so spirituell, sondern auch ganz praktisch. Denn die MAZ hat den Bornimer Fahrradhändler anlässlich des Saisonstarts zum Gespräch gebeten.
Natürlich haben wir nicht nur erklärt bekommen, was göttlichen Service ausmacht, und wie man überhaupt zu einem derart vollmundigen Namen kommt. Wer das Interview mit dem Potsdamer Unternehmer liest, wird E-Bikes womöglich mit ganz anderen Augen sehen und auch neue Wörter kennenlernen. "Schlauchmissbrauch” zum Beispiel. Das hält der Fahrradgott für eine Todsünde so mancher Hersteller. Aber wie bei religiösen Texten auch, empfehlen wir: selbst lesen.
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Verkehr aktuell

Seit Montag ist dieser Straßenabschnitt der Gutenbergstraße für Autos dicht. Foto: Varvara Smirnova
Seit Montag ist dieser Straßenabschnitt der Gutenbergstraße für Autos dicht. Foto: Varvara Smirnova
Wer in der Innenstadt mit dem Auto unterwegs ist, sollte diese neue kleine Baustelle kennen: Die Gutenbergstraße ist zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Bassinplatz gesperrt, die Straße Am Bassin ist derzeit eine Einbahnstraße Richtung Charlottenstraße. Dafür ist das letzte Stück der Brandenburger Straße vor der katholischen Kirche vorerst keine Einbahnstraße mehr. Rund zwei Monate wird in dem Bereich an Wasserleitungen gearbeitet. Voraussichtlich ab 10. Mai soll wieder alles normal laufen.
Alle anderen Baustellen im Stadtgebiet, die Sie in dieser Woche kennen sollten, finden Sie in unserer regelmäßigen Übersicht.
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Der kulinarische Tipp

Rotes und grünes Curry, Kokosmilchsuppe, Reispapierrollen, Zitronengras-Chili und gefüllte Taschen. Foto: privat
Rotes und grünes Curry, Kokosmilchsuppe, Reispapierrollen, Zitronengras-Chili und gefüllte Taschen. Foto: privat
Haben Sie sich an manchen leckeren Mittagskarten nach einem Jahr Homeoffice oder Kantinenschließung satt gegessen? Ein neues asiatisches Restaurant sorgt bei mir für Abwechslung am Mittagstisch. „Chay Art“ heißt der Laden, der in der Dortustraße 13 aufgemacht hat. Der Name verweist dabei nicht auf würzige Tees. Das vietnamesische Wort bedeutet „vegan.“ Denn die gesamte Speisekarte von Chay Art ist vollkommen vegan – eine Seltenheit in der Potsdamer Gastronomie.
Da ich mich selbst weder vegan oder vegetarisch ernähre, sondern sehr gern auch Fleisch esse, habe ich vor der ersten Bestellung etwas gezögert. Doch wie so oft in der südostasiatischen Küche ist Fleisch nur eine Zutat unter vielen. Sie kennen das von jedem Asia-Imbiss: Ein Curry soll es sein oder ein Nudelgericht? Und dazu Tofu oder Rind oder Hühnchen? Für die Kochkunst und den Geschmack spielt das Fleisch meist nur eine Nebenrolle.
Und womöglich haben Sie schon schlechte Erfahrungen mit langweiligem Tofu gemacht? Das wird Ihn bei Chay Art nicht passieren. Tofu wird hier mit ganz unterschiedlichen Texturen und Würzmischungen zu einem Teil von Chilis, Currys, Suppen, Salaten oder Reispapier-Rollen. Zuletzt hab ich ein rotes Curry und frittierten Reispapierrollen genossen. Auch die knusprigen, gefüllten Taschen mit Erdnuss-Sauce waren sehr lecker. Rollen und Taschen waren auf einem grünen Salat gebettet, sodass ich unerwartete noch eine weitere Vorspeise mitbestellt hatte.
Was mir persönlich gut gefällt: Viele Gerichte gibt es auch in kleineren Versionen, sodass man sich unkompliziert ein Menü zusammenstellen und die Vielfalt ausprobieren kann. „Happiness is the way“, schreiben die Inhaber auf ihrer Internetseite chayart.de . Ich kann nur sagen: Mich hat das Essen bei jeder Bestellung sehr glücklich gemacht.
Tipp: Peter Degener
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Unsere Entdeckung der Woche

Szene aus "Nathans Kinder". Foto: Thomas M. Jauk
Szene aus "Nathans Kinder". Foto: Thomas M. Jauk
Was hatte ich mich geärgert! Jetzt bin ich versöhnt. Vor gut einem Monat hatte ich die erste Online-Premiere des Hans-Otto-Theaters (HOT) gesehen. Es gab miserablen Ton und auch das Bild war schlecht. Die mitgefilmte Probe war der inhaltlich toll umgesetzten Inszenierung von „Der Vorname“ nicht angemessen. Dennoch schaute ich vor einigen Tagen die zweite Online-Premiere des HOT. Was würde mich bei „Nathans Kinder“ wohl am Bildschirm technisch erwarten?
Kurz gesagt: das volle Programm. HD-Auflösung, klarer Sound und gutes Licht wurden geboten, dazu eine spannende Kameraarbeit, die mit der sich drehenden Bühne spielte. Was mich besonders freute: Das Hans-Otto-Theater konzentrierte sich auf die eigenen Stärken bei Schauspiel und Inszenierung, setzte bei der Technik dagegen auf eine Zusammenarbeit mit der lokalen Kreativwirtschaft. Die Produktionsfirma 414films, die ihren Sitz im Kreativhaus Rechenzentrum hat, wurde engagiert, um das Stück technisch aufzubereiten. Es entstand ein Genuss für Potsdams Theaterfreunde, den ich empfehlen möchte. Heute Abend, außerdem am Donnerstag und noch einmal am 2. April wird „Nathans Kinder“ erneut gestreamt. Karten gibt es ab 6.50 Euro an dieser Stelle. Probieren Sie es aus!
Tipp: Peter Degener
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
„Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür. Ich bin dagegen, ich bin nicht so wie ihr.“ Vielleicht ist der Architekt, der sich dieses Fenster und das dazugehörige Haus ausgedacht hat, ein Fan der Band „Die Ärzte“, die diese Zeilen getextet und vertont hat.
Das Haus, dass der Mann im Norden Potsdams umgebaut hat, atmet ein Punk-Attitüde. Es soll ein Statement sein gegen die ästhetischen Vorstellungen vom Häuserbau und den um sich greifenden „Dämm-Wahn“. Aber es ist auch ein Statement für den Erhalt von Bestandsgebäuden, die eine „graue Energie“ darstellen, die man nicht durch Abriss einfach unbedacht verschwenden sollte.
„Ich schaue lieber auf Beton als auf retro-aktive, nach dem 19. Jahrhundert anmutende Neubauten“, sagt der Architekt. Er liebt Beton, der jede Form annehmen könne und „keine Richtung“ habe. Und er setzt bei Fragen von Schönheit auf den logischen Prozess, der ihm dieses einmalige Ergebnis am Seeufer beschert hat: „Alles, was in sich schlüssig ist, ist schön“, findet er. Welches Haus ist gesucht?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 18. März eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Die Corona-Lage: Auf 69,3 stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Potsdam-Mittelmark laut Land am Montag (Vortag 58,6). Es gab 54 bekannte Neuinfektionen und einen Todesfall übers Wochenende. 15 Fälle traten in Bad Belzig auf, elf in Teltow, je vier wurden aus Stahnsdorf, Werder und Wiesenburg gemeldet. Vor einer Woche waren es nur 17 Infizierte.
Nach dem massiven Corona-Ausbruch im Stahnsdorfer Übergangswohnheim blieben die Zille-Grundschule und der Zille-Hort in Stahnsdorf am Montag geschlossen. Zwei betroffene Kinder aus der Unterkunft besuchen die Schule. Am Dienstag nehmen sie ihren Betrieb wieder auf, nur zwei Klassen müssen bis 24. März in Quarantäne.
Foto: dpa
Foto: dpa
Gibt es in Brandenburg eigentlich ein leidigeres Thema als Anschlussbeiträge? Ob Altanschließer oder Nachwende-Bescheide: Irgendwie ist in dem Thema der Wurm drin. Jetzt hat der Zweckverband Mittelgraben vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht zwei Leitverfahren verloren, bei denen es um umstrittene Nacherhebungen für Abwasseranschlüsse ging, die ab dem 1. Januar 2000 verlegt wurden. Die betroffenen Grundstückseigentümer hatten bereits Anschlussbeiträge gezahlt und bekamen Jahre später Nachforderungen auf den Tisch. Das Verwaltungsgericht hat nachgerechnet und die verspäteten Forderung für unrechtmäßig erachtet. Was genau dahinter steckt, hat mein Kollege Jens Steglich in verständliche Sätze gepackt.
Alexander Engels
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Rund 150 Corona-Kritiker sind am Sonnabend durch Potsdam spaziert - oder haben sie demonstriert? So klar ist das nicht, denn die Demonstration war abgesagt, bevor es losging. Das hat die Anwesenden nicht gestört. Ohne Einhaltung der geltenden Auflagen - etwa dem Tragen von Masken und der Einhaltung von Abständen - spielten sie quer durch das Zentrum ein Katz-und-Maus-Spiel mit der hilflos wirkenden Polizei.
MAZ-Karikaturist Jörg Hafemeister las den MAZ-Ticker über die Demo, die keine gewesen sein soll, mit Erstaunen: “Für die einen ist Corona angesagt, für einige abgesagt. Genau wie die Corona-Demo am letzten Sonntag. Für die Polizei war es ein Einsatztag, für die Demonstranten ein Spaziergang. Hoffentlich nicht auch für Corona.”
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