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Megastau bis nach Werder+Stille statt Sirenen+Sonntagsshopping

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, sind Sie gestern auch enttäuscht worden? Haben Sie wie ich
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie gestern auch enttäuscht worden? Haben Sie wie ich um punkt elf Uhr mit Spannung auf das Heulen der Sirenen gewartet? Vielleicht bin ich ja in Sachen Sirenen naiv, aber in meinem Heimatdorf heult jeden Samstagmittag probehalber die Sirene - und die reißt einen selbst im allerletzten Winkel der Ortes aus dem Mittagsschlaf. Gestern allerdings hörte ich in Potsdam-Babelsberg nichts, aber auch rein gar nichts.
Dabei war der bundesweite Warntag 2020 mit viel Tamtam angekündigt worden, pünktlich um 11 Uhr sollten sämtliche Warnsysteme anspringen, um den Ernstfall zu proben. Warum man vielerorts in Potsdam trotzdem nichts gehört hat? Das haben wir natürlich herausgefunden. Und so viel sei verraten: Die Stadt hat in puncto Sirenen einiges nachzuholen.
Geht es nach der Gewerkschaft Verdi gilt das übrigens auch für das Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Denn die Klinik-Leitung muss derzeit den Übergang seiner Mitarbeiter in den TVöD regeln - und hat dafür auch schon eine Idee. Die schmeckt allerdings Verdi nicht, die Gewerkschaft fordert ein anderes Modell. Streit ist programmiert.
Und wie Sie als aufmerksamer Leser unseres Newsletters inzwischen längst wissen: Streiten kann Potsdam. Ebenso wie demonstrieren - das zeigten die Potsdamer erst gestern wieder. Rund 500 Menschen gingen in Potsdam nach dem Ausbruch der Feuer in Moria auf die Straße. Ihre Forderung: Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Lager - und zwar jetzt!
Was es sonst noch Neues gibt? Die Linken träumen vom Wassertaxi nach Krampnitz, wobei - Ralf Jäkel und Hans-Jürgen Scharfenberg träumen nicht einfach nur, sie testen das einfach mal aus. Hauptbahnhof - Krampnitz: Was schätzen Sie? Wie lange dauert die Tour audf dem Wasserweg?
Und dann habe ich heute noch gute Nachrichten für alle Shopping-Freunde, denn im Advent soll es in diesem Jahr zwei weitere verkaufsoffene Sonntage geben. Kleiner Wermutstropfen: Das soll nur in der Innenstadt gelten. Der Potsdamer Süden - und damit auch das Stern-Center - sind ausgeschlossen.
Bleibt nur zu hoffen, dass uns Corona keine zweite Infektionswelle beschert und wir in Potsdam auch weiterhin - ob nun sonntags oder wochentags - durch die Geschäfte bummeln können. Sollte es hier allerdings mehr als 900 Neuinfektionen pro Woche geben, greift Stufe fünf von fünf im neuen Eindämmungskonzept der Stadt - und die bedeutet: Lockdown oder anders ausgedrückt: Komplettschließungen bis auf lebensnotwendige Einrichtungen und Dienstleistungen.
Zum Glück sind wir aktuell von derart hohen Infektionszahlen weit entfernt: In den letzten sieben Tagen ist Covid-19 in Potsdam lediglich bei 13 Personen festgestellt worden.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser, bleiben Sie gesund! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de.
Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Foto: Gartenschläger
Foto: Gartenschläger
Die Trinkwasser-Krise in der Potsdamer Speicherstadt spitzt sich weiter zu. Nachdem Wasseranalysen der Bewohner bereits im Juli Grenzwertüberschreitungen der Blei-, Keim- und Eisenbelastungen ergeben haben, liegen nun auch Resultate weiterer Analysen im Auftrag der Hausverwaltung vor. Ergebnis: Auch die Grenzwerte für Legionellen, die Gesamtkeimzahl und Nickel lagen in einigen Proben zum Teil deutlich über dem Grenzwert. “Unser Trinkwasser ist nicht nur ständig braun, sondern offenbar auch belastet”, sagt Sarah Young. Die Nerven unter den Bewohnern liegen blank. “Und wir kriegen einfach keine Informationen”, beklagt Young.
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Die besondere Geschichte

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Legasthenie muss keine Katastrophe sein – doch für Yvonne Katalowski war die Lernstörung genau das. Die Mitschüler begannen, sie zu mobben. Die beste Freundin wendete sich ab. „Ich habe alles erlebt“, sagt Yvonne Katalowki. „Ich bin beschimpft worden, man hat mir Kaugummi ins Haar geklebt und die Federtasche in den Müll geworfen.“ 
Doch die Potsdamerin lässt sich nicht unterkriegen – trotz etlicher weiterer Rückschläge. Seit 2017 übt Yvonne Katalowski im Potsdamer Lerncafé Lesen und Schreiben – und fängt an, wieder an sich zu glauben. 2018 ist sie von ihren Fortschritten so motiviert, dass sie sich an der Schule des Zweiten Bildungswegs „Heinrich von Kleist“ anmeldet und zuerst den Haupt- und dann den Realschulabschluss nachholt. Gerade hat sie die 11. Klasse begonnen. 
Nadine Fabian hat die 35-Jährige getroffen – und ihre Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die manchmal traurig stimmt, aber vor allem Mut macht. Denn eins hat Yvonne Katalowski auf ihrem Weg gelernt: “Man kann immer etwas!”
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Der kulinarische Tipp

Zugegeben: Ein klassischer Dönerspieß lockt definitiv keine Katze mehr hinter dem Ofen hervor. Aber auf dem Genussmarkt, der immer mittwochs am Nauener Tor gastiert, bieten neuerdings Britta und Marko aus Brandenburg an der Havel eine Drehspießvariante an, die uns gleichermaßen das Wasser im Mund zusammenlaufen und den Hüftspeck anwachsen lässt.
Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Denn hier besteht der Spieß nicht aus Fleisch, sondern aus einem würzigen, zart schmelzenden Gouda-Cheddar-Mix, der dann zusammen mit hausgemachten Saucen, Krautsalat und knackigem Pfannen-Gemüse in ein Sesambrötchen wandert - Kostenpunkt: je nach Topping zwischen fünf und sechs Euro.
Zum Toppen bieten Britta und Marko Flammlachs und knusprigen Bacon an - eine Kaloriensünde, die einfach Spaß macht. Von Potsdam sind die beiden Havelstädter bei ihrem ersten Gastauftritt völlig begeistert: “Wir wurden hier praktisch überrannt und kommen auf jeden Fall wieder”, sagt Britta.
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Unsere Entdeckung der Woche

Mittwoch, 2. Mai 1888. Noch 44 Tage bis zum Tod des Kaisers.
Mit dieser Zeitangabe beginnt der Kriminalroman „Eisenblut“ von Axel Simon. „Eins und drei Mal acht – drei Kaiser an der Macht“. Mit diesem Spruch können sich Schüler das berüchtigte Dreikaiserjahr der deutschen Geschichte einprägen. Wilhelm I. stirbt, dann wird Friedrich III. neuer Kaiser (und ist bereits todkrank, stirbt nach nur 99 Tagen im Amt), schließlich übernimmt Wilhelm II. die Regentschaft noch im gleichen Sommer.
Foto: Peter Degener
Foto: Peter Degener
Axel Simon wirft uns in seinem neuen Kriminalroman mitten hinein in dieses tödliche Jahr. Er beschreibt das Berliner Milljöh, in dem Gabriel Landow, ein eigentlich adeliger Grafensohn, zum saufenden Privatermittler verkommen ist. Der Detektiv gerät in eine Regierungsintrige, in der es um geheime Rüstungsprojekte und die Feindschaft zu den Engländern geht. Als „Sonderermittler“ soll er plötzlich die Tode mehrerer Regierungsbeamter untersuchen.
Das Buch amüsiert mit lebhaften Berliner Szenerien: Simon kennt die Sprache der Eckkneipe und des dritten Hinterhofs ebenso wie den Kasernenton bei Flugübungen auf dem Tempelhofer Feld oder die Etikette auf der Pferderennbahn und in der Oper. Er weiß sogar, wie in der Pathologie der Charité gearbeitet wird und was im hinteren Bereich des „Congo Club“ passiert, der nur der männlichen Elite des Kaiserreichs vorbehalten ist. Auch das Neue Palais in Potsdam spielt eine Rolle – immerhin siecht dort der Kaiser gerade dahin.
Und schließlich spielt „Eisenblut“ auch auf dem Land, 100 preußische Meilen östlich der Reichshauptstadt Berlin, von wo Gabriel Landow stammt und einst verstoßen worden ist. Axel Simon ist ein unterhaltsamer Preußenkrimi mit Jargon und Geschichte gelungen.
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Das besondere Foto

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Manche Kunden im Kaufland am Potsdamer Hauptbahnhof mussten am Donnerstagvormittag zweimal hinschauen, denn an der Kasse saßen dieses Mal nicht die bekannten Gesichter, sondern die Mitglieder der Rockband Karat. Sänger Claudius Dreilich, Gitarist Bernd Römer und Gitarist Christian Liebig kassierten ehrenamtlich Butter, Toast und Bananen, um auf die Aktion “Deutschland rundet auf” gegen Kinderarmut aufmerksam zu machen.
Die Idee der Aktion: Kunden runden den zu zahlenden Betrag an der Supermarktkasse um bis zu zehn Cent auf, mit Unterstützung der Handelspartner wird die Kundenspende anlässlich des Weltkindertages vom 10. bis zum 23. September verdoppelt.
Das ist los im Umland

Nichts geht mehr auf der A10. Foto: privat
Nichts geht mehr auf der A10. Foto: privat
Über den Verkehr kann man sich ja oft aufregen. Aber was die Werderaner zurzeit – und in den nächsten zwei Jahren – ertragen müssen, ist schon eine Zumutung. Am westlichen Berliner Ring (A10) wird bekanntlich gebaut. Je Richtung ist nur eine Spur frei – schon suchen sich die vermeintlich gewieften Autofahrer eine Ausweichroute. Und die führt durch Werder. Es staut sich natürlich in den engen Straßen, vor allem dann, wenn auch noch ein Auto in der engen Baustelle liegenbleibt. Meine Kollegin Annika Jensen hat sich das Verkehrschaos angeschaut.
Dass es um das deutsch-russische Verhältnis dieser Tage nicht zum Besten steht, ist täglich in den Schlagzeilen. Und es hat Auswirkungen bis nach Teltow. Dort hatte Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) im Mai angeregt, eine Städtepartnerschaft in das euroasiatische Riesenreich aufzubauen. Jetzt legt er sie auf Eis: „Die Verquickung unseres kommunalen Anliegens eines bürgerschaftlichen Austausches mit hochpolitischen und wirtschaftlichen Spannungen zwischen Deutschland und Russland würden dem Grundgedanken einer Städtepartnerschaft nicht gut tun.“
Grundschule Michendorf. Foto: Dieter Herrmann
Grundschule Michendorf. Foto: Dieter Herrmann
Gute Nachrichten für Michendorf: Der Bund hat sein Füllhorn ausgeschüttet und der Gemeinde mehr als zwei Millionen Euro für den Ausbau des Grundschulcampus spendiert. Sicher, das reicht noch längst nicht für das ganze ambitionierte Großprojekt, über das unser Reporter Jens Steglich berichtet, aber die Summe ist eine wichtige Stütze, damit die Gemeinde sich nicht zu sehr verschulden muss, um der Schule Platz zu schaffen, die viel mehr Schüler aufnehmen muss, als sie eigentlich kann.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Im August feierte er seinen 60. Geburtstag, am Sonntag um 16 Uhr ist die Vernissage seiner neuesten Ausstellung: Der Kleinmachnower Künstler Rainer Ehrt stellt im Kunst Kontor (Bertiniweg 1 A ) am Jungfernsee unter dem Titel „Masken, Landschaften, Glücksgötter“ vor allem neuere Arbeiten aus. Malereien, Holzschnittarbeiten, Zeichnungen und Skulpturen aus den Jahren 2014 bis 2020 sind hier zu sehen. Die jüngsten Arbeiten zeigen Affen, die verschiedene Masken aufsetzen oder halten – ein Spiel mit dem Corona-Thema.

Und wer schon mal am Jungfernsee ist, kann nebenan noch beim Weinfest und dem Picknick im Park der Villa Jacobs vorbeischauen. Am Samstag und Sonntag laden der Weinberg, Obstgarten und Lindenhain jeweils von 11 bis 18 Uhr zum Flanieren, Verweilen und Picknicken. Der Eintritt ist frei.
Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Achtung, freilaufende Touristen! Unser Videokolumnist Marcus Gude freut sich ehrlich über die vielen Besucher, die wegen der Einheitsexpo in die Stadt kommen. Die Platzierung der Ausstellung aber lässt den überzeugten Radfahrer eine Warnung aussprechen.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 15
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 15
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