Profil anzeigen

Luxuswohnungen+++Hundehaufen+++Tramtrasse

MAZ Potsdam-NewsletterMAZ Potsdam-Newsletter
MAZ Potsdam-Newsletter

Das Stadtgespräch

So soll es aussehen: Neben der Nordbrücke der Nedlitzer Insel soll eine Trambrücke errichtet werden. Die Türme werden nach außen versetzt. Quelle: Grafik: Stadtwerke
So soll es aussehen: Neben der Nordbrücke der Nedlitzer Insel soll eine Trambrücke errichtet werden. Die Türme werden nach außen versetzt. Quelle: Grafik: Stadtwerke
Streiten kann Potsdam ja. Über die Garnisonkirche, die historische Mitte - und natürlich über Krampnitz, genauer gesagt den neuen Stadtteil für 10.000 Menschen, der dort in den kommenden Jahren entstehen soll. Die größten Knackpunkte des ehrgeizigen Projekts: die Einwohnerzahl - und natürlich der Verkehr. Wie, fragen sich vor allem diejenigen, die bereits im Norden wohnen, sollen nur all die Menschen über die ohnehin schon viel zu volle Bundesstraße von A nach B kommen? Ohne die Verlängerung der Straßenbahn, da sind sich zumindest alle Verkehrsexperten einig, geht es nicht. Doch wo soll die Trasse verlaufen, wer muss dafür sein Land verkaufen, welche Häuser müssen weichen und vor wessen Haustür verlaufen in Zukunft die Schienen? Der Widerstand ist groß und Anwohner haben bereits angekündigt: “Wir werden uns wehren.”

Die Stadt wiederum will nun in den Bürgerdialog treten, hat dafür die Internetseite tram96.de umfangreich erweitert. Gestern ist das Angebot vorgestellt, außerdem erstmals offiziell die Vorzugsvariante der Tramtrasse präsentiert worden. Eine Frage allerdings stellt sich bei all dem Wunsch nach Dialog: Was bringt es den Kritikern? Wie viel können sie wirklich noch erreichen? Mein Kollege Peter Degener hat nachgefragt. Die Antwort lesen Sie hier.
***
Die besondere Geschichte

Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte beim Eierlegen. Foto: privat
Die Gelbwangen-Schmuckschildkröte beim Eierlegen. Foto: privat
Schildkröten stehen bei uns ja gerade hoch im Kurs. Aber haben Sie keine Sorge, die MAZ wird nicht zur neuen Schildkröten-Zeitung. Dieser Geschichte mussten wir aber trotzdem noch einmal genauer nachgehen: In Mühlendorf, mitten auf der Rasenfläche eines Horts, hat vor wenigen Tagen früh um sieben eine Gelbwangen-Schmuckschildkröte mit ihren Hinterbeinen ein Loch gegraben. Der Hausmeister entdeckte das Tier, Kinder und Erzieherin kamen dazu - und gemeinsam beobachte sie tatsächlich, wie die Schildkröte insgesamt 14 Eier legte. Danach schaufelte das Tier das Loch wieder zu und wanderte zurück in den benachbarten See. Das Problem: Invasive Arten wie die Gelbwangen-Schmuckschildkröte müssen eigentlich eingefangen werden, dürfen auf keinen Fall zurück in die Natur. Was das nun für Mutter Schildkröte und ihre möglicherweise 14 Baby-Schildkröten bedeutet? Meine Kollegin Konstanze Kobel-Höller hat nachgefragt.

Und wer sich fragt, was aus der Schildkröte aus dem Aradosee geworden ist, die mein Kollege Laines kurz vor der Bombensprengung am Mittwoch vor dem Tod bewahrt hat, findet die Antwort hier.
***
Der kulinarische Tipp

Sie wollen morgens um 8 Uhr in der Potsdamer Innenstadt frühstücken? Dann gehen Sie ins “Miss Green Bean” am kurzen Ende der Brandenburger Straße. Mich hat am Mittwoch die Bombensprengung zum ersten Mal so früh in das Café getrieben, denn die heimische Küche war ab 8 Uhr sperrkreisbedingt tabu. Ein Glücksfall: Denn das Angebot von Betreiberin Julia von La Chevallerie ist ganz und gar wunderbar.

Meine Wahl an diesem Morgen: Hommade Toast Avocado Heaven, eine Scheibe Bio-Sauerbrot mit Avocado, Tomate, Sprossen, echtem Feta und pochiertem Ei. Dazu erst einen frischen Pfefferminz-Tee, dann noch eine Tasse frisch gebrühten Kaffee. Die perfekte Grundlage für einen langen Tag mit Bombenlage.
Foto: Anna Sprockhoff
Foto: Anna Sprockhoff

Weitere Gerichte im Angebot: Sweet Bowls, Süßes in Schüsseln - zum Beispiel hausgemachtes Obstkompott der Saison mit Knuspermüsli und Joghurt (wahlweise aus Kuh- oder Sojamilch). Bowls gibt es natürlich auch herzhaft. Außerdem liefert “Miss Green Bean” seit kurzem einzelne Gerichte oder Wunschpakete. Den Bowl des Tages gibt es dann für 6,80 Euro, die Suppe des Tages für 4,50 Euro, das “Cake Set für 2” für 18 Euro oder das Big-Lunch mit Tarte, Bagel, Bowl und Saft für 22 Euro.

Sympathisch ist zudem Betreiberin Julia von La Chevallerie, die selbst Journalistin war, bis sie mit ihrem Café vor fast einem Jahr den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Gut für Potsdam, finde ich. Und unbedingt mal einen Besuch wert.
Sie wollen noch mehr über das Café und seine Besitzerin erfahren? Dann lesen Sie den Bericht meiner Kollegin Saskia Kirf, die sie kurz vor der Eröffnung besucht hat.
***
Entdeckung der Woche

Foto: Solar Orbiter/EUI Team (ESA & NASA); CSL, IAS, MPS, PMOD/WRC, ROB, UCL/MSSL
Foto: Solar Orbiter/EUI Team (ESA & NASA); CSL, IAS, MPS, PMOD/WRC, ROB, UCL/MSSL
Wie sieht die Sonne wohl genau aus? Vielleicht haben Sie sich diese Frage auch schon gestellt, ich habe schon häufiger darüber nachgedacht - doch so hatte ich sie mir nicht vorgestellt. Die Solar Orbiter, eine Mission der Weltraumorganisationen ESA und NASA, veröffentlicht nun erstmals Bilder, die unseren Heimatstern so nah zeigen wie noch nie. Mit dabei: die Experten des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP).

Die nun veröffentlichten ersten Bilder, die Solar Orbiter von der Sonne aufgenommen hat, enthüllen bisher ungekannte Details und zeigen zahlreiche kleine Sonneneruptionen, die aufgrund ihres Erscheinungsbildes „Lagerfeuer“ genannt werden. Die Sonnenaktivität – auch als Weltraum-Wetter bezeichnet – kann laut AIP unser Klima und die technische Zivilisation stark beeinflussen. Solar Orbiter hat das Ziel, die Prozesse auf der Sonne und ihre Auswirkungen auf unsere Erde zu untersuchen.

Die Potsdamer Experten des AIP sind bei der Mission vor allem an dem Röntgenteleskop STIX (Spectrometer/Telescope for Imaging X-Ray) beteiligt. “Mit diesem Instrument lassen sich besonders heiße Regionen beobachten, die nur während Sonneneruptionen entstehen”, heißt es. Der Rest der Sonne sei im Röntgenlicht nicht sichtbar, daher braucht STIX ein eigenes System, das die Orientierung zur Sonne präzise misst. Das Team am AIP entwickelte und baute das STIX Aspect System (SAS) und betreibt dies nun auch während der Mission.
***
Bilderrätsel: Die Auflösung

Wir wollten wissen, wo das ist. Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen, wo das ist. Foto: Peter Degener
Die weißen Bänke erlauben den entspannten Blick vom Pfingstberg hinab nach Babelsberg. Sie stehen unter dem Vordach des „Pomonatempels“. Der kleine Bau von 1800 gilt als erstes Auftragswerk des jungen Karl Friedrich Schinkel, der in den kommenden Jahrzehnten zum einflussreichsten Architekten Preußens werden sollte. Das Tempelchen war in Wahrheit ein Teehäuschen in einem Weinberg. Es wäre nach Schinkels Tod beinahe dem großen Belvedere-Projekt gewichen. In der DDR ließ man den Tempel verfallen. Ende der Achtziger Jahre erinnerten nur überwachsene Mauerreste daran.
Doch junge Menschen, die das romantisch verfallene Belvedere auf dem Pfingstberg retten wollten, kümmerten sich auch um Schinkels Pomonatempel und konnten den Bau bis 1993 mit Hilfe von Spenden rekonstruieren. Der Bau steht für den Aufbruch am Ende der DDR, als sich Potsdamer gegen den Willen der Staatsführung gegen die Verwahrlosung von Denkmalen wehrten. Daran erinnert der Pomonatempel bis heute – und lädt seitdem an Wochenenden regelmäßig zu kleinen Kunstausstellungen ein.
Der Pomonatempel mit dem weiß-blauen Zeltdach.Foto: Peter Degener
Der Pomonatempel mit dem weiß-blauen Zeltdach.Foto: Peter Degener
Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
Rätsel: Peter Degener
***
Das ist los im Umland

Und wieder mal lockt der Güterfelder Haussee. Tatsächlich hat die Diskussion um die aus Haftungsgründen von der Gemeinde Stahnsdorf aktuell gesperrte Badestelle eine neue Wendung: Der Chef der Freibad Kiebitzberge GmbH schlägt vor, sie ab nächstem Jahr in seine Gesellschaft aufzunehmen. Wird keine Lösung für den Ausbau zu einer kontrollierten Badestelle gefunden, bleibt nur der Rückbau der gesamten Infrastruktur. Für diesen Sommer konnte die Gemeinde Stahnsdorf keine Rettungsschwimmer akquirieren. Mehr zur neuen Lage lesen Sie hier.
Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Gute Nachrichten für Anlieger in der Gemeinde Michendorf: Sie müssen künftig nichts mehr für die Entsorgung des Laubs aus dem öffentlichen Straßenraum bezahlen. Die Beseitigung der Herbstblätter in kostenpflichtigen Säcken wird abgeschafft. Das Laub soll ab dem Herbst 2020 auf Kosten der Kommune in sogenannten Big Bags und Containern entsorgt werden. Michendorf reagiert damit auf Vorgaben des Potsdamer Verwaltungsgerichtes, allerdings mit beachtlichem Zeitverzug. Das Gericht hatte die Reform schon im Oktober 2017 angemahnt. Es erklärte es damals zwar für zulässig, dass die Gemeinde Anliegern die Aufgabe übertragen könne, Anliegerstraßen zu reinigen. Der Richter gab aber auch zu Protokoll, was nicht zu den Anliegerpflichten gehört: zum Beispiel die Entsorgung des Laubs von öffentlichen Straßen. Das hat die Kommune zu erledigen. 

Urlaub unter Corona-Bedingungen. Im Moment, jetzt in den warmen Monaten, ein ganz heißes Thema. Auch in Werder. Die Menschen kommen von überall her, um die zauberhaften Landschaften, die Kultur, das Essen zu genießen. Von überall her? Naja, vor allem aus Deutschland. Die Nachfrage in der Tourist-Information und auf dem Campingplatz „Riegelspitze“ ist enorm. Mehr zur Tourismus-Situation in Werder lesen Sie hier.
***
Unser Tipp fürs Wochenende

Katrin Seifert und Nassier Shaker in der "Erzähl-Galerie". Foto: Peter Degener
Katrin Seifert und Nassier Shaker in der "Erzähl-Galerie". Foto: Peter Degener
Katrin Seifert will keine Fluchtgeschichten von Migranten mehr hören. Die wurden schon zahlreich erzählt. Die Malerin interessiert viel mehr, was mit Flüchtlingen passiert, sobald sie hier im Alltag angekommen sind. „Mein Atelier ist genau neben dem Erzählcafé im Rechenzentrum und da habe ich all diese Menschen bemerkt und wurde immer neugieriger. Und dann habe ich angefangen, sie zu malen“, erzählt Seiffert. Sie nennt das „Friedensgesichter“. Ihre Bilder sollen zeigen, wie sich das Ankommen in den Gesichtern zeigt. „Wie geht es ihm, welche Träume hat er und wie sieht sein Alltag in Brandenburg aus?“, fragt sie. Der Betrachter soll erkennen, dass diese Menschen die gleichen Probleme haben.

Zugleich hat der angehende Iranist Alexander Deutsch mit den Migranten eine Schreibwerkstatt veranstaltet. Sie haben in kurzen Erzählungen eine Episode aus ihrem Alltag erzählt. Seifert nennt das die „Friedensgeschichten“.

So beginnt beispielsweise der 27-jährige Nassier Shaker aus Syrien seine Erzählung mit dem Anruf seines Chefs kurz vor Feierabend. Das kennt (und fürchtet) doch jeder. Er geht ran und muss spontan eine Schicht dran hängen, weil ein Kollege krank geworden ist. Doch dadurch ergeben sich für den Bauingenieur-Studenten neue Bekanntschaften, wie aus seiner Erzählung ersichtlich wird. So wie die anderen Porträtierten übernimmt auch Nassier Shaker regelmäßig eine Aufsicht in der Ausstellung. Die „Erzähl-Galerie“ ist noch bis 26. Juli jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Die Bilder hängen im „Kosmos“ im Erdgeschoss des Kreativhauses Rechenzentrum.
Tipp: Peter Degener
***
Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

In seiner neuen Videkolumne kommentiert Feinkostverkäufer Marcus Gude ein echtes Aufreger-Thema: Hundehaufen in der Innenstadt und Hundehalter, die sie achtlos liegen lassen. Kern des Anstoßes ist eine Anekdote, die sich kürzlich vor seiner Wohnungstür zugetragen hat.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 7
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 7
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.