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Luxuswohnen+++Intensivbetten+++Reisen

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

wo normalerweise das Leben tobt, sorgt Corona nun schon seit Wochen für Stille. Potsdams Kneipen und Restaurants - weitgehend leer. Kinos, Theater, Veranstaltungssäle - verwaist. Fitnessstudios - dunkel. Auf Potsdams Baustellen hingegen herrscht Corona zum Trotz weiterhin Hochbetrieb. Vor allem Luxuswohnungen stehen bei Investoren hoch im Kurs. In Babelsberg und in der Brandenburger Vorstadt können Sie sich derzeit in gleich zwei Neubauprojekte einkaufen. Vorausgesetzt Sie bringen genügend Kleingeld mit.
133 Eigentumswohnungen entstehen derzeit entlang der Emil-Jannings-Straße am Filmpark Babelsberg, benannt sind die sieben Stadtvillen nach Schauspielern wie Marlene, Zarah oder Theo. Der Vertrieb der Art-Déco-Villen hat gerade erst begonnen, das Interesse ist riesig, die Kaufpreise sind stolz. Los geht es mit 315.000 Euro - für eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Wo es endet, lesen Sie hier.
Noch eine ordentliche Schippe drauf legen die Entwickler des Projekts “CvO36”. Der Name greift das bekannte Kürzel der Carl-von-Ossietzky-Straße in der Brandenburger Vorstadt auf - und steht für ein Projekt der Luxusklasse. In der Baulücke, die Anwohner bis vor kurzem noch als Parkplatz nutzten, entsteht laut Exposé ein “architektonisches Spannungsfeld aus alter Fabrikantenvilla, historischer Fabrikanlage und eines sich behutsam in die Straßenflucht des CvO einfügenden Neubaus”. Ein Versprechen, das seinen Preis hat. Fünf Zimmer, 192 Quadratmeter, Garten - für 7200 Euro pro Quadratmeter. Doch der Luxus hat auch hier Grenzen, wie mein Kollege Peter Degener herausgefunden hat.
Wissen Sie, was ich inzwischen als echten Luxus empfinde? Reisen. Spontan in den Süden fliegen und dem grauen November entfliehen. Silvester in einem Hotelzimmer in Paris aufwachen. Ins Reisebüro gehen und den Jahresurlaub für das nächste Jahr buchen. Was war das für ein Privileg? Doch während ich nur auf den Luxus des Reisens verzichten muss, treibt die Situation die Reisebüros in unserer Stadt in echte Existenznot. Viele haben in der Krise bereits aufgegeben, seit März keinen Cent mehr verdient.
Doch es gibt auch gute Nachrichten in der Krise: Denn seit Sonntag ist in der Stadt eine Gruppe Potsdamer unterwegs, die Obdachlosen in regelmäßigen Abständen eine kleine Mahlzeit vorbeibringen. “Meals on Wheels” heißt die Aktion, mein Kollege Heinz Helwig hat das Team dahinter getroffen.

Was es sonst noch Neues gibt in Stadt und Umland, lesen Sie wie gewohnt auf MAZonline. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Friedrich Bungert
Foto: Friedrich Bungert
Wie dramatisch ist die Entwicklung der Coronazahlen wirklich? Ein Blick auf die nackte Statistik macht das deutlich: Mehr als jede dritte Infektion mit dem Virus in Potsdam wurde in diesem Monat entdeckt, noch nie haben sich so viele Menschen in so schneller Zeit angesteckt. Für die Krankenhäuser in ganz Westbrandenburg bringt das große Herausforderungen mit sich, denn die Intensiv-Stationen laufen langsam voll.
Das Potsdamer Klinikum “Ernst von Bergmann” organisiert die Verteilung der Covid-19-Patienten in unserer Region. 16 Intensivbetten für Corona-Patienten stehen dort zur Zeit zur Verfügung - 15 davon waren am Sonntag belegt. Trotzdem bleibt man im Bergmann-Klinikum ruhig, wie Saskia Kirf recherchiert hat.
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Die Corona-Lage

Am Montag meldete das Rathaus 20 neue Fälle, am Sonntag waren es neun, am Samstag 25 gewesen. Die Zahl der Menschen, die sich seit Beginn der Pandemie mit dem Virus in Potsdam infiziert haben, liegt Stand Montag bei 1.659. Der 7-Tage-Inzidenzwert in der Landeshauptstadt liegt bei 107,6.
Ein weiterer Mensch aus einer Potsdamer Senioreneinrichtung am Volkspark, der sich mit Sars-CoV-2 angesteckt hatte, ist in der Nacht zu Montag im Krankenhaus verstorben. Damit haben mittlerweile 55 Potsdamer Covid-19 nicht überlebt.
Auch an den Schulen der Landeshauptstadt geht die Fallzahl weiter nach oben. Am Schiller-Gymnasium, der Gesamtschule am Schilfhof und am Potsdamer Filmgymnasium meldet das Rathaus einzelne Fälle, außerdem in zwei Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete.
Insgesamt 1.288 Personen gelten in Potsdam als genesen. 810 Kontaktpersonen der Kategorie I befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne.
Im Klinikum „Ernst von Bergmann“ (EvB) werden 25 Corona-Patienten auf der Normalstation und zwölf Corona-Patienten auf der Intensivstation behandelt. Im Alexianer-Krankenhaus St. Josefs werden fünf Corona-Patienten auf der Normalstation betreut.
Einen Überblick zur aktuellen Corona-Lage in Potsdam und der Entwicklungen in den vergangenen Wochen finden Sie hier.
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Die besondere Geschichte

Sabine Kugler kauft für ihre Familie ein - auf Abstand. Foto: privat
Sabine Kugler kauft für ihre Familie ein - auf Abstand. Foto: privat
Seit drei Wochen begleitet die MAZ nun schon vier Familien aus Potsdam, Kleinmachnow, Werder und Sputendorf durch den Lockdown. Wie ist es ihnen diesmal ergangen? Wie halten sie den Kontakt zu ihren Eltern, Großeltern, Kindern aufrecht? Und wie gehen sie damit um, wenn auch noch ein Coronafall in der näheren Familie auftritt? Oder ein Baby geboren wird? Was bedeutet es, Urlaub während Corona zu haben? Und wer hätte gedacht, dass ein Besuch im Supermarkt mal ein Wochen-Highlight wird? Das alles lesen Sie in unserem dritten Teil der Serie “Familien im Lockdown”.
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Verkehr aktuell

Foto: Julius Frick
Foto: Julius Frick
In dieser Woche erwarten Sie wieder zahlreiche Baustellen in der Stadt. Für den Bau von Hausanschlüssen muss die Michendorfer Chaussee zwischen Straße Brauhausberg und Templiner Straße teils halbseitig gesperrt werden. Es steht eine Fahrspur je Richtung zur Verfügung. Für die Herstellung eines Fernwärme-Hausanschlusses in der Hermann-Kasack-Straße 10/10A wird zudem die Georg-Hermann-Allee an der Ecke Hermann-Kasack-Straße voll gesperrt.
Was Sie sonst noch auf Potsdams Straßen erwartet, lesen Sie wie gewohnt in der wöchentlichen Verkehrsprognose.
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Varvara Smirnova
Foto: Varvara Smirnova
Bei einem Spaziergang rund um die Villa Schöningen lohnt es sich, die Augen offen zu halten: An einer Fensterfront der Villa ist derzeit das Kunstwerk „Tired Eyes“, also „Müde Augen“ von Martin Groß zu sehen.
Wie viele Kulturhäuser, ist auch die Villa Schöningen coronabedingt geschlossen, das großformatige Kunstwerk ist während des derzeitigen Lockdowns zu sehen: Zwei übergroße, deutlich müde dreinblickende Augen mit Augenrändern werden von zwei Händen gerade so offen gehalten. Sie blicken aus der Villa nach draußen. Ein müder Blick auf die Welt, von Corona erschöpfte Menschen, die ausgelaugte Kultur. Die Interpretationsansätze sind vielfältig
Martin Groß lebt und arbeitet in Berlin, seine Werke waren bereits in mehreren Ausstellungen zu sehen.
Text: Sarah Kugler
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Die Classic-Rocker von CCR haben mal ein Lied über die Hintertür eines Häuschens gesungen. Frei übersetzt heißt es darin: „Nerv mich doch erst morgen / heute brauch ich keine Sorgen / Doo, doo, doo, lookin‘ out my back door.“
Das passt unvermutet gut auf dieses kleine Hintertürchen, das einen sehr prominenten Platz im sorgenfreien Potsdam hat. Und dieser Ort wirbt quasi damit, dass, wer immer sich hineinbegibt, seine Sorgen los wird – auch ohne Blick durch die Hintertür. Diese „Werbung“ befindet sich freilich an der Vorderseite und ist deutlich repräsentativer, als die kleine Pforte, durch die man anscheinend gebückt gehen muss. Vorne dagegen: Ein meterhohes Holztor, dessen Flügel weit aufgeschlagen werden können.
CCR singen übrigens von ziemlich viel Hokus Pokus, den sie beim Blick durch die Tür erblicken. Eine Statue in High Heels, außerdem Giganten, die Räder schlagen, und andere fröhliche tanzende Kreaturen. „Willst du nicht mitfahren auf dem fliegenden Löffel? Der wundersamen Erscheinung, die ein Zauberer zur Verfügung gestellt hat?“
Diejenigen, die den gesuchten Potsdamer Ort aufsuchen, sehen beim Eintreten auch eine überlebensgroße Figur. Allerdings trägt die Lady keine Stöckelschuhe, sondern ist dezent gekleidet. Wundersame Erscheinungen gibt es drinnen dagegen tatsächlich. Die „Zauberer“ wollen aber keinesfalls als solche bezeichnet werden.
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 26. November eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Corona-Ausbruch in der Teltower Lavendel-Residenz. Insgesamt 25 Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Laut Kreissprecherin Andrea Metzler hat das Gesundheitsamt einen Aufnahme- und Verlegungsstopp und „Kohortenisolierung“ für die Einrichtung angeordnet, in der 120 Bewohner wohnen und 70 Mitarbeiter arbeiten. Auch weitere Kitas, Schulen sowie die Reha-Klinik in Bad Belzig sind betroffen. Einen Überblick zur Corona-Lage im Landkreis Potsdam-Mittelmark lesen Sie hier.
Foto: Jens Steglich
Foto: Jens Steglich
Für den Versuch, den schrumpfenden Seddiner See zu retten, eröffnen sich neue Chancen. Renommierte Wissenschaftler des Zentrums für Umweltforschung UFZ Magdeburg, eine Helmholtz-Gesellschaft, steigen mit ein und machen den Seddiner See zum Forschungsgegenstand. Zusammen mit dem Seddiner Institut für angewandte Gewässer-Ökologie wollen sie bis zum Frühjahr 2021 eine Expertise zum See erarbeiten. Die Studie könnte so etwas wie eine Blaupause für zahlreiche, bedrohte Gewässer im niederschlagsarmen Nordosten Deutschlands werden. Doch gegen das Projekt gibt es auch Widerstände. Mehr dazu lesen Sie hier.
Die Havel-Therme in Werder steht kurz vor der Eröffnung. Foto: Schauer&Co.
Die Havel-Therme in Werder steht kurz vor der Eröffnung. Foto: Schauer&Co.
Neun Jahre sind seit der Grundsteinlegung für die Therme in Werder vergangen, die damals noch Blütentherme hieß. Es folgten ein fieser Streit mit dem ursprünglichen Projektpartner, leere Versprechen, Stillstand und viel Streit um das Bad am Zernsee. Vor zwei Jahren stellte sich Andreas Schauer als neuer Investor und künftiger Betreiber vor, änderte den Namen in Havel-Therme, kämpfte gegen Misstrauen und gab so viel Gas, dass er das Bad vorfristig fertigstellen wird. Doch eröffnen kann er es noch nicht – die Corona-Pandemie zerschlägt die Pläne für das Anbaden am Nikolaustag. Wie sieht es in der fast fertigen Therme aus? Die MAZ war zu Besuch auf der Baustelle. 
Die Gemeinde Stahnsdorf will die frühere Villa des Fabrikanten Albert Pardemann für 250.000 Euro verkaufen. Ein Schleuderpreis, wie der Stahnsdorfer Immobilienmakler Peter Weiß meint. Vergleichbare Immobilien in Stahnsdorf wären nicht unter 500.000 Euro zu haben. Gegen den Verkauf regt sich Protest von Künstlergruppen und auch Gemeindevertretern in Stahnsdorf. Das Haus an der belebten Kreuzung Stahnsdorfer Hof sei ortsbildprägend und ein Kulturgut der Gemeinde, sagen sie.
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

“Blau gegen Grau - auch in diesem Jahr erstrahlt der Potsdamer Weihnachtsbaum tapfer im blauen Lichterglanz. Ohne den Weihnachtsmarkt ist es für ihn bestimmt auch nicht so einfach und darum gibt’s für ihn ein dickes Dankeschön!”
Jörg Hafemeister über seine aktuellen Karikatur
Zeichnung: Jörg Hafemeister
Zeichnung: Jörg Hafemeister
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