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Kultur-Notfallfonds+++Radwege+++Scholz-Kandidatur

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, was wäre Potsdam ohne Kultur? Die Wochen nach dem Corona-S
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

was wäre Potsdam ohne Kultur? Die Wochen nach dem Corona-Shutdown haben uns schmerzlich bewusst gemacht, wie es sich anfühlen würde - ein Leben ohne Theater, ohne Konzerte, ohne Filmkunst, Malerei und Festivals. Doch wird nach Corona wirklich alles wieder wie es war? Wird es allen Kulturschaffenden gelingen, die existenzbedrohende Krise zu überwinden? Die Stadt Potsdam hat bereits vor Wochen einen Notfallfonds für insolvenzgefährdete Kultureinrichtungen und Sportvereine aufgelegt und will nun die ersten Hilfen auszahlen. Doch ob das Geld reicht?

200.000 Euro stehen zur Verfügung, beantragt wurden deutlich mehr. Wie man das lösen will, ist offen. Dennoch gibt das Kulturamt Entwarnung: Bislang sei nach Kenntnis der Verwaltung keine geförderte Kultureinrichtung von Insolvenz betroffen. Das Localize-Festival zumindest macht Hoffnung, die Macher haben ihre Rückkehr für September angekündigt - unter neuen Bedingungen, aber Corona zum Trotz.

Zurück ist nach einer kurzen Corona-Zwangspause auch der Potsdamer Oberbürgermeister. Nachdem sich Mike Schubert (SPD) am Mittwoch kurz vor der Sitzung des Hauptausschusses wegen eines Corona-Verdachtsfalls in seinem Umfeld in die freiwillige Isolation begeben hatte, steht inzwischen fest: Der Verdacht hat sich nicht bestätigt, Schubert ist ab heute zurück im Dienst - und damit auch dabei, wenn morgen die Stadtverordneten tagen.

Die Tagesordnung der Politiker ist wie gewohnt lang, zu diskutieren gibt es viel: zum Beispiel ein Kiezbad mit Strand am Krampnitzsee. Schon im Masterplan hat man das Schwimmbad im Uferbereich für den Eingangsbereich des Entwicklungsgebietes angedacht. Doch ob es wirklich realisierbar ist? Und vor allem wann? Fest steht bisher nur: Ein Schwimmbad für den Potsdamer Norden wird schon seit Jahren diskutiert, entschieden ist aber noch immer nichts, geschweige denn ein erster Spatenstich gemacht.

Hoffnung macht indes die Entwicklung der Corona-Infektionen im Stadtgebiet. Während der Pfingst-Tage hat es lediglich eine bestätigte Neuinfektion gegeben, 484 von 633 infizierten Potsdamern gelten inzwischen als genesen.

Das lange Wochenende war nach drei Monaten der strikten Kontaktverbote zudem von weiteren Lockerungen begleitet. Die Teilnehmerzahl für Demonstrationen wurden erhöht, Treffen in Gruppen bis zu zehn Personen waren erlaubt. Das nutzten die Potsdamer nicht nur für zahlreiche Pfingst-Parties, sondern auch für zwei Radfahr-Demos - am Pfingstmontag gingen sie für sicherere Radwege und für eine Abschaffung der Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete auf die Straße.

Nutzen auch Sie die neuen Freiheiten, halten Sie Abstand und bleiben Sie gesund! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Am Wahlabend werden sie vermutlich in den „Elefantenrunden“ der TV-Sender zu sehen sein. In Potsdam wollen sie sogar auf dem Wahlzettel stehen. Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) tritt im Potsdamer Wahlkreis 61 zur Bundestagswahl 2021 an, wie er nun bestätigte. Auch die Bundesvorsitzende Annalena Baerbock und FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg wohnen in Potsdam und wollen hier das Direktmandat erringen. Potsdam erwartet deshalb einen Promi-Wahlkampf, der auch Folgen für die Wahlkampf-Themen in der Stadt haben könnte.

Eine Folge hat Olaf Scholz‘ Ankündigung der Kandidatur schon jetzt: Statt einer Frau aus dem Osten könnte also ein Mann aus dem Westen Potsdam im Bundestag repräsentieren. Auch die junge Sozialdemokratin Laura Adebahr aus Teltow hatte sich Chancen ausgerechnet. Die 29-jährige Kreistagsabgeordnete hat im parteiinternen Rennen um das Direktmandat aber nun das Handtuch geworfen. „Ich habe mir Ziele gesteckt, mir Gedanken gemacht“, sagt sie – und will nun natürlich den Parteipromi im Wahlkampf unterstützen, statt „Scholz-Bashing“ zu betreiben.
Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) Foto: Kay Nietfeld / dpa
Vize-Kanzler Olaf Scholz (SPD) Foto: Kay Nietfeld / dpa
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Der kulinarische Tipp

Er gilt als einer der klassischsten Aperitife überhaupt: Wermut. Schon historische Quellen der Antike und des Mittelalters verweisen auf die Tradition, Wein mit Kräutern anzureichern und zu veredeln. Ulrike Tetzlaff hat mit “Helmut” nun einen ganz besonderen Wermut nach Potsdam geholt. In ihrem kleinen Laden “Rike Sammler” im holländischen Viertel (Benkertstraße 17) verkauft sie deutschen Wermut “made in Hamburg”, den sie selbst am liebsten im Grünen und in der Sonne genießt - auf Eis mit Tonic und einer Zitronenscheibe. “Aktuell ist der neue Rosé mein Favorit”, verrät sie, “der schmeckt nach Paprika und rosa Pfeffer, nach frischer Frucht von Goji, Physalis und Feigen.”
Ulrike Tetzlaff genießt "Helmut" am liebsten auf Eis und mit Tonic. Foto: privat
Ulrike Tetzlaff genießt "Helmut" am liebsten auf Eis und mit Tonic. Foto: privat
Die Idee für den deutschen Wermut hat Erfinder Markus aus seiner Zeit in Barcelona mit nach Hamburg gebracht. “In seiner eigenen Küche hat er Tinkturen aus Kräutern, Früchten, Blüten angesetzt und so den besonderen Geschmack von Helmut entwickelt”, erzählt Ulrike Tetzlaff. “Die fertigen Tinkturen lädt er dann nach etwa sechs Wochen in seinen Transporter und fährt ihn in die Pfalz, wo sie mit einem Wein vom Pfälzer Premium-Weingut Bergdolt-Reif&Nett verheiratet werden.”

Die Potsdamerin stieß beim Blättern in einer Zeitschrift zufällig auf “Helmut” - und wusste: “Der passt in meinen Laden.” 2018 hatte die “Berlin-Zugezogene” nach dem Bruch mit ihrem Job in einem Berliner Verlagshaus die Idee, mit ihrem Label “Rike Sammler” (Design von Kissen aus upcycleten Kaffeesäcken) einen Concept Store zu gründen - mit Produkten, “die ich selbst auf Reisen und im Alltag entdeckt (und angesammelt) habe und die mein Leben seitdem bereichern”, sagt sie. Seit kurzem gehört auch “Helmut” dazu.

“Helmut” gibt es in den drei Geschmacks-Varianten weiß (mild und süß), rot (mediterran und fruchtig) und rosé (würzige Frucht). Kosten (zugegeben nicht ganz günstig): rund 30 Euro für einen dreiviertel Liter. Geöffnet hat Ulrike Tetzlaff von Donnerstag bis Samstag, 11 bis 18 Uhr sowie von Montag bis Donnerstag nach Terminvereinbarung.
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Die besondere Geschichte

Corona hat unser Leben verändert. Und Corona hat das Sterben verändert. Im Evangelischen Hospiz Potsdam, wo normalerweise Nähe Teil des Abschiednehmens ist, gilt nun: Anderthalb Meter Abstand. Keine Berührungen, kein Streicheln, kein Drücken der Hand, das signalisiert: Ich bin für dich da. Und dann sind da noch die Masken, über die Christiane Fittkau sagt: „Er oder sie sieht von den Angehörigen jeweils nur noch ein Paar Augen und ein Stück Stoff.“
Christiane Fittkau auf der Terrasse des Hospiz. Foto: Varvara Smirnova
Christiane Fittkau auf der Terrasse des Hospiz. Foto: Varvara Smirnova
Die Krankenschwester arbeitet seit zwölf Jahren in dem Hospiz auf Hermannswerder und hat mit meiner Kollegin Ildiko Röd darüber gesprochen, wie die Pandemie das Leben und Sterben dort verändert hat. Ein besonderer Einblick an einem besonderen Ort, über den Ildiko Röd schreibt: “Wer sich das Hospiz als einen traurigen Ort vorstellt, liegt falsch.”
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Hinter der Recherche

An vielen Stellen fühlen sich Radfahrer auf Potsdams Straßen unsicher. In der MAZ-Lokalredaktion konnte jeder eine eigene Stelle benennen, an der es schon mal brenzlig für ihn war, oder eine Route, die lieber gemieden wird. Als es kürzlich am Rathaus Babelsberg zu einem tödlichen Unfall zwischen einem Radfahrer und einem LKW kam, haben die Radler unter den Redakteuren die Gefahrenstellen gesammelt.
Damit haben wir Potsdams Radverkehrsbeauftragten Torsten von Einem konfrontiert und gefragt, wie an diesen Orten die Sicherheit für Radfahrer erhöht werden könnte. Die Antworten fielen unterschiedlich aus. Manche Maßnahmen sind geplant oder werden geprüft. An anderer Stelle schüttelt er den Kopf – in historischen Straßen fehlt oft der Platz für eigene Radwege.
Foto: Friedrich Bungert
Foto: Friedrich Bungert
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Das ist los im Umland

Dieser Beelitzer Haarschopf hat schon die ganze Welt gesehen. Werner Höfchen reist nicht nur viel – er lässt sich an jedem Reiseziel als erstes die Haare schneiden. „Lanzarote war schön, Istanbul war der Hammer“, sagt er. „Auf Kreta war der Friseur betrunken. Und in Harlem in New York lagen Kunden bekifft auf dem Friseurstuhl.“ Sogar den Heiratsantrag an seine Frau hat er beim Friseur im Urlaub auf den Kanaren gemacht. In Beelitz will er übrigens auch mal seine Haare schneiden lassen.

Einen handfesten Streit im Kinderfußball gibt es in Teltow. Da will ein Jugendtrainer, der seinen Verein gewechselt hat, in der kommenden Saison mit zahlreichen Mannschaften antreten. Doch so viele Trainingskapazitäten gibt es auf den Teltower Fußballplätzen gar nicht. Auch die Frage, wie kommerziell ein Verein ausgerichtet sein darf, spielt eine Rolle.

Das Lendelhaus auf der Insel Werder bietet seit Pfingsten Werke von vier Künstlern der Region zum Verkauf. Neben dem Werderaner Inselmaler Wilfried Mix gehören dazu die Keramiken des Künstlerpaares Karsten und Gundula Radke – und die besonderen Gemälde von Marina Kagel. Nicht nur große Formate gefallen Kagel, auch auf kleinen alten Buchrücken malt sie in Öl. Denn die sind noch mit Stoff bespannt und bieten eine besondere Leinwand, deren Design sie oftmals für ihre Kunst nutzt.
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Verkehr aktuell

Schnellstraße, Friedrich-Engels-Straße, Leipziger Dreieck: Die drei großen Stau-Fallen der Stadt sind inzwischen bekannt, doch nun kommt zumindest zeitweise eine vierte hinzu - die Zeppelinstraße. Dort wird wegen Arbeiten im Gleisbereich die Fahrspur stadteinwärts in der kommenden Woche in Höhe Schafgraben punktuell gesperrt. Der Verkehr wird über die mittlere Fahrspur geführt - hoffentlich nicht gerade zur Hauptverkehrszeit.
Einen Überblick über weitere aktuelle Baustellen finden Sie hier.
Foto: dpa
Foto: dpa
Die Leser-Frage der Woche:
Zu lange grün? Zu kurz? Oder doch genau richtig? Die Ampelschaltung für Radfahrer steht erneut im Mittelpunkt unserer Leser-Frage. Knackpunkt dieses Mal: die Kreuzung Potsdamer Straße/Amundsenstraße. “Dort zeigt die Rad-Ampel fünf Sekunden länger grün, nachdem die Fußgänger- und die Autofahrer-Ampel auf Rot geschaltet haben”, berichtet uns eine Leserin. Das könne Autofahrer, der aus der Gegenrichtung kommt und links abbiegen will, allerdings nicht sehen. Die Folge: “Die Autofahrer regieren zumeist rüde und aggressiv, beschweren sich über die militanten Radfahrer oder geben einfach Gas und halten auf mich zu.” Nun will die Leserin wissen: Warum wird die Ampel für Radfahrer nicht bereits nach ein bis zwei Sekunden auf Rot geschaltet?

Die Antwort der Stadt:
Tatsächlich zeigt die Radfahrer-Ampel nicht nur fünf Sekunden länger grün als die Fußgängerampel - laut Stadt sind es sogar sieben Sekunden. Und die haben, so argumentiert die Verwaltung, auch Sinn: “Da das Rad-Signal erst kurz vor der Amundsenstraße steht, ist dadurch der Räumweg (also der Weg, um die Kreuzung zu räumen, bevor der Verkehr in der Amundsenstraße grün bekommen kann) deutlich kürzer als für den Kfz-Verkehr.” Die Fußgänger bekämen deutlich früher rot, weil sie langsamer als Radfahrer sind und mehr Zeit brauchen, um die Kreuzung zu räumen.

Auch als Unfallschwerpunkt ist die Kreuzung im Rathaus bisher nicht bekannt. Dennoch verspricht Stadtsprecherin Christine Homann: “Aufgrund des Hinweises werden wir das Signalprogramm der Kreuzung erneut überprüfen.”

Sie haben Hinweise auf weitere Stau-Stellen oder Radfahrer-Fallen, denen wir als Redaktion mal auf den Grund gehen sollten? Dann schreiben Sie uns an: potsdam-stadt@maz-online.de
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Unsere Entdeckung der Woche

RZ spektral
Es geht um den Spagat zwischen Beruf und Familie in Corona-Zeiten, um hemmungslose Selbstvermarktung, um Sex und Seximus! Am Mittwoch gibt es eine neue Ausgabe des Talkformats des Rechenzentrums (RZ) Potsdam, um 20.15 Uhr spricht Kristina Tschesch vom RZ mit Katja Lewina. Die Potsdamer Autorin schreibt in ihrem neuen Buch “Sie hat Bock” über falsche Scham, den Schlampen-Stempel und Sex nach dem Tatort. Mit der MAZ sprach Katja Lewina bereits im Februar darüber, warum ihr Vater ihre Texte anfangs nicht lesen sollte. Der Talk mit ihr finden Sie bei Youtube oder bei Facebook.
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Der Name dieser Straße wurde gesucht. Foto: Peter Degener
Der Name dieser Straße wurde gesucht. Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen, welche Straße mit einem besonders gemütlichen Namen auf diesem Foto zu sehen ist.
Die Auflösung: Es handelt sich um die Straße „Kolonie Daheim“. Sie wurde ab 1894 in der Teltower Vorstadt angelegt und erhielt seit 1920er Jahren ihr Straßenpflaster. Die Siedlung war die erste Baugenossenschaft Potsdams und der weiteren Umgebung. Dort entstanden auf Initiative der Königlichen Eisenbahnhauptwerkstätte, dem späteren Reichsbahnausbesserungswerk (RAW), günstige Wohnungen für Eisenbahnbedienstete – denn das RAW war ganz in der Nähe. Der große Industriebetrieb liegt seit Jahrzehnten brach und wird gerade zum modernen „Creative Village“ umgebaut. Modern war übrigens auch schon die „Kolonie Daheim“. Die Mieter hatten neben ihren Wohnungen auch eine kleine Parzelle auf den Nuthewiesen, wo sie sich in einem Garten selbst versorgen und erholen konnten. Das ist bis heute so.
An Haus Nr. 1 wird an die Gründung der Genossenschaft erinnert.  Foto: Degener
An Haus Nr. 1 wird an die Gründung der Genossenschaft erinnert. Foto: Degener
Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Unser Karikaturist Jörg Hafemeister fragt sich, ob sich der Besuch der Stadt für so manchen noch lohnt, wenn die größten Partys des Jahres abgesagt sind. Denn die Feier zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit, zu der ursprünglich mehrere hunderttausend Besucher erwartet wurden, wird nur noch in einem sehr viel kleineren Rahmen stattfinden. Einen Tag später cancelten die Stadtwerke das 20. Stadtwerke-Fest im Lustgarten.
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