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Kita-Schließungen+++Panne bei Impf-Hotline+++Lachen über Corona

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

gestern sollten in Brandenburg Wünsche wahr werden. Ein Anruf, eine kurze Notiz im Kalender und schon hätte er feststehen können: der Tag, an dem für Hunderte über 80-Jährige die Rückkehr zur Normalität beginnt. Doch wie das mit großen Hoffnungen im Leben zu häufig ist, sind sie auch gestern für viele Impf-Willige enttäuscht worden. Zumindest vorerst. Denn die Corona-Impf-Hotline unter der 116117 hakte, war über Stunden nicht erreichbar. Warum? Das lesen Sie hier - und eins sei vorab verraten: Schuld waren nicht allein die Organisatoren.
All seine Hoffnungen auf die Impfung gesetzt hatte übrigens auch der Potsdamer Reinhold Fiedler, der seit Wochen sehnsüchtig darauf gewartet hatte, dass seine 83 Jahre alte Frau Lydia im Pflegeheim endlich den ersehnten Piks spürt. Doch dann, kurz vor dem Jahresende, die erschütternde Nachricht: Sie ist Corona-positiv.
Dabei hätte sie geimpft sein, die Infektion verhindert werden können, davon ist der Potsdamer überzeugt. Nun kann er nur warten - und hoffen, dass seine Frau die Infektion gut übersteht. Wann es auch in den Potsdamer Seniorenheimen endlich mit dem Impfen losgeht und nach welchen Kriterien die Termine verteilt werden, hat meine Kollegin Saskia Kirf herausgefunden.
Liebe Leserinnen und Leser, Sie lesen und wir schreiben nun schon seit Monaten über die Pandemie, auch heute drehen sich wieder zahlreiche Themen unseres Newsletters um Corona - Anlass zum Lachen gibt es dabei eigentlich nie. Doch darf man das überhaupt? Über Corona lachen? Witze über Covid machen? Wir haben das einen gefragt, der im vergangenen Jahr ständig auf der Suche nach der komischen Seite der Pandemie war - unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister. Er verrät im Interview mit meinem Kollegen Alexander Engels, wie man in Corona-Zeiten seinen Sinn für Humor behält und warum Angst auch komisch sein kann.
Ich hoffe, Sie haben Ihren Humor nicht verloren und können in dieser schwierigen, oft deprimierenden Lage noch oft genug herzlich lachen - vielleicht sogar beim Anblick unserer heutigen Hafemeister-Karikatur am Ende des Newsletters.
Ansonsten wünsche ich Ihnen heute nicht nur alles erdenklich Gute für 2021, sondern auch viele weitere Anlässe zum Lachen, denn das ist ja bekanntlich gesund! Passen Sie auf sich auf, Sie lesen wieder am Freitag von uns.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Die Potsdamer Kitas sind geschlossen – noch ist nicht ganz klar, wie lange Eltern ihre Kinder im Krippen- und Vorschulalter zu Hause betreuen müssen. Der Potsdamer Verwaltungsstab hat noch nicht entschieden, ob die rund 140 Kitas und Tagespflegestellen in der kommenden Woche wieder den Normalbetrieb aufnehmen werden. „Dies wird entschieden, sobald die Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz vorliegen“, so die Sprecherin.
Diese soll am Dienstag stattfinden, aber eine Verlängerung deutet sich an. Wenigstens eine Erleichterung für die Eltern ohne Anspruch auf Notbetreuung gibt es: Sie müssen keine Beiträge zahlen. Mehr dazu lesen Sie hier.
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Die Corona-Lage

Foto: dpa
Foto: dpa
Traurige Nachrichten zum Start des neuen Jahres: Seit 1. Januar ist die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit Corona in Potsdam von 104 auf 111 (Stand Montag, 4. Januar) gestiegen, täglich hat die Stadt weitere Todesfälle gemeldet. Auch die Neuinfektionen steigen stetig an: Am Montag vermeldete die Stadt Potsdam 55 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Seit Beginn der Pandemie wurden damit 3.731 Infektionen gemeldet, am 1. Januar waren es noch 3.560. Blieb die 7-Tage-Inzidenz in Potsdam über die Feiertage konsequent unter 200, stieg sie bereits am 1. Januar auf 196,3 an und steht mit Stand Montag bei 238,4, also deutlich über 200.
Besonders dramatisch ist die Situation in den Potsdamer Krankenhäusern, mehrfach mussten die Häuser ihre Kapazitäten für Covid-Patienten erhöhen, die Betten-Not ist groß. Aktuell werden in den Krankenhäusern 116 Covid-Patienten behandelt, davon 22 auf der Intensivstation. Das sind weniger als noch am Vortag, jedoch mehr als am 1. Januar: 105 Patienten wurden mit Stand Freitag in den beiden Potsdamer Krankenhäusern in Zusammenhang mit Covid-19 behandelt, davon 24 intensivmedizinisch. In Quarantäne befinden sich derzeit 360 Menschen. Als genesen gelten 2633 Menschen in Potsdam.
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Die besondere Geschichte

Foto: Julius Frick
Foto: Julius Frick
Damals, Ende Februar, als in den Fernsehnachrichten die Bilder aus Norditalien zu sehen waren, die Bilder von überfüllten Intensivstationen, von abgeriegelten Regionen, von den Corona-Toten, für die kein Platz mehr war, dachte Torsten Voigt nur eines: „Hoffentlich kommt das nicht zu uns.“ Ein frommer Wunsch. Kaum zwei Wochen später wird auch in Potsdam der erste Lockdown verhängt, der Einzelhandel schließt die Ladentüren, die Gastronomie stellt die Stühle hoch – und Torsten Voigt sitzt im Spätdienst in der Kita Kinderland am Schlaatz, überrumpelt von den Entwicklungen. Es ist ein Freitagnachmittag. Nach dem Wochenende soll die Kita nur noch für eine Notbetreuung öffnen, deren Rahmenbedingungen zu diesem Zeitpunk völlig unklar sind.
Nun rollt die zweite Welle über das Land hinweg, in Potsdam sind die Kitas erneut geschlossen, nur noch eine Notbetreuung wird angeboten. Was heißt das für den Alltag des Erziehers? Wie hat er dieses Ausnahmejahr erlebt? Wie hat sich Corona auf die Kinder ausgewirkt? Darüber hat Torsten Voigt mit meiner Kollegin Saskia Kirf gesprochen, ihren Text aus unserer Corona-Helden-Reihe lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Friedrich Bungert
Foto: Friedrich Bungert
Die Tische sind leer, die Küche bleibt kalt: Auch die Villa Kellermann, das Edelrestaurant des Zwei-Sterne-Kochs Tim Raue am Heiligen See, liegt im tiefsten Lockdown-Schlaf. Seit dem 2. November ist die gesamte Gastronomie in der Zwangspause, bundesweit. Viele Wirte haben sich auch in Potsdam längst aufs Liefergeschäft verlegt, vom rustikalen Schnitzel bis zum Sterne-Menü ist in der Landeshauptstadt alles für zu Hause verfügbar. Nun will auch die Villa Kellermann mitmischen und bietet ein digitales Dinner an.
An zwei Samstagen im Januar stehen Chefkoch Christopher Wecker und Gastgeberin Patricia Liebscher mit Hilfe des Videokonferenz-Tools Zoom gemeinsam mit bis zu 15 Teilnehmern am Herd. Das Drei-Gang-Menü wird von Wecker und seinem Team vorbereitet, dann am eigenen Herd von den Gästen zubereitet und genossen – Weinexpertin Patricia Liebscher erklärt die mitgelieferten Tropen.
„Als leidenschaftliche Gastgeber vermissen wir unsere Gäste gerade in diesen Tagen sehr“, sagt sie. Und fasst das das Angebot zusammen, das mit 258 Euro für zwei Personen zu Buche schlägt: „Wir bieten zwei virtuelle Abendessen mit unseren beliebtesten Gerichten und zwei Flaschen Wein an und begleiten dies auch persönlich - um in Kontakt zu bleiben.“ Auf der Menükarte stehen unter anderem die legendären Königsberger Klopse, die einst US-Präsident Barack Obama verzauberten.
Tipp und Text: Saskia Kirf
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo in Potsdam ist das? Foto: Peter Degener
Wo in Potsdam ist das? Foto: Peter Degener
Ein flach gehauener Stein ragt aus einer polierten Steinplatte heraus. Asiatische Schriftzeichen sind erkennbar. Wer sie versteht, liest als erstes die Worte: „Im Gedenken an…“ Der Ort mahnt an die vielleicht größte Gefahr, der die Menschheit bis zum heutigen Tag ausgesetzt ist. Von einer „zerstörerischen Kraft“ ist die Rede, die „hunderttausendfachen Tod und entsetzliches Leid über die Menschen“ brachte. Potsdam spielt darin eine besondere Rolle und erinnert deshalb seit mittlerweile zehn Jahren an die Ereignisse, die sich nur wenige Meter vom gesuchten Ort entfernt abgespielt haben.
Wer sich mit dem Gedenkort auseinandersetzt, könnte es angesichts der Herkunft der zwei dort ausgestellten Steine mit der Angst zu tun bekommen. Doch dazu besteht zum Glück kein Anlass. Wer nicht gerade hochempfindliche Messgeräte bei sich trägt, wird keinen Unterschied zu anderen Steinen feststellen können.
Wo befindet sich der gesuchte Ort?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 7. Januar eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Das AWO-Seniorenzentrum "Wachtelwinkel" in Werder/Havel. Foto: Bernd Gartenschläger
Das AWO-Seniorenzentrum "Wachtelwinkel" in Werder/Havel. Foto: Bernd Gartenschläger
Auch zu Beginn des neuen Jahres bleibt die Corona-Lage in Potsdam-Mittelmark angespannt: Seit Weihnachten haben sich mehr als 440 Menschen neu mit dem Virus angesteckt, neun weitere Todesopfer aus der Mittelmark fordert die Pandemie. Seit dem Corona-Ausbruch im Werderaner Seniorenzentrum „Wachtelwinkel“ kämpft die Einrichtung mit allen Mitteln gegen das Virus und hat inzwischen zwölf Bewohnerinnen und Bewohner verloren. Zwei starben am Neujahrstag. In einigen Fällen konnten die Angehörigen sie trotz Besuchsverbots auf dem letzten Weg begleiten
Das Coda Jugendkammerorchester in Kleinmachnow hat sich von der Kreismusikschule Potsdam-Mittelmark getrennt und will jetzt eigene künstlerische Wege gehen. Unter dem Dach der Einrichtung habe sich das Ensemble nicht so weiterentwickeln können, wie es sich das erhofft hätte, begründet Orchesterleiterin Valerie Robeson-Gröling die Trennung. Nun wollen die 25 jungen Orchestermitglieder ein Programm mit einem höheren Anspruch erarbeiten. Viele Orchestermitglieder sind mehrfache Preisträger aus Wettbewerben.   
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Unser Buchtipp der Woche

Sie sehnen sich nach Reisen im Lockdown? Nach Begegnungen, neuen Erfahrungen, Abwechslung? Dann lassen Sie sich von uns ab heute entführen - in die Welt der Literatur. Immer dienstags finden Sie ab sofort einen Buch-Tipp aus der MAZ-Potsdam-Redaktion. Unsere Leseratte Sarah Kugler macht den Anfang.
Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
Ein Wohnviertel irgendwo im Ruhrpott. Hier lebt Amal, eine der Protagonisten von Karosh Tahas Roman „Im Bauch der Königin“, der 2020 bei Dumont erschien. Sie ist ein selbstsicheres Mädchen, das Younes verprügelt, die ihre Haare kurz trägt und sich nach ihrem Vater sehnt, der zurück nach Kurdistan gegangen ist. In ihrer Nachbarschaft lebt auch Raffiq, der beste Freund von Younes. Auch sein Vater überlegt, wieder in seine Heimat zurückzukehren, die Eltern streiten deswegen und Raffiq fühlt sich verloren, weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll.
Sowohl Amal als auch Raffiq suchen Trost bei Shahira, Younes Mutter. Sie ist geschieden, alleinerziehend, trägt schicke Klamotten, die von der Community als zu aufreizend verurteilt werden. Und sie hat viele Liebhaber, was zusätzlich für Getuschel und Unmut sorgt. Amal und Raffiq sind gleichzeitig fasziniert und abgestoßen von ihrem Lebensstil. Ihr Sohn Younes leidet vor allem unter dem Stigma, das die Gesellschaft seiner Mutter aufdrückt. Sein Vater, der die Familie verlassen hat, wird für ihn zu einer Sehnsuchtsfigur.
Karosh Taha schreibt über all diese Figuren aus zwei verschiedenen Perspektiven, die in zwei verschiedenen Wahrheiten verhaftet sind. Die eine wird aus Amals, die andere aus Raffiqs Sicht erzählt, sie beginnen jeweils auf der anderen Seite des Romans, der somit als Wendebuch konzipiert ist. Mit welcher Seite, welcher Perspektive die Lesenden beginnen, ist ganz ihnen überlassen.
Die beiden Perspektiven ergänzen sich und tun es doch nicht, sie haben nichts miteinander zu tun und doch alles. Shahira und Younes fungieren als Bindeglieder, Shahira sogar noch mehr. Diese Frau, welche die Lesenden nur aus der Außenperspektive kennenlernen und die doch Symbol ist für all die Sehnsüchte, die Träume, die Unsicherheiten der anderen Figuren.
„Im Bauch der Königin" erzählt auf sehr intelligente Weise von den Problemen, die ausgewanderte Menschen in Deutschland erwarten. Von den inneren und äußeren Konflikten. Der Roman thematisiert Feminismus, tradierte Männlichkeitsbilder, zerbröckelnde Familienstrukturen, Ängste und Sehnsüchte. Ein starkes, wichtiges Buch.
Text und Tipp: Sarah Kugler
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Die Weihnachtsferien sind vorbei. Der Unterricht beginnt wieder, jedoch im strikten Distanzformat. Das führt zu ganz anderen Drohungen seitens der Autoritäten, wie MAZ-Karikaturist Jörg Hafemeister erkannt hat: “Schule ist auch nicht mehr das was sie mal war! 2021 startet der Unterricht distanziert und kompliziert. Na ja, vielleicht wird’s dann im kommenden Jahr ja besser!”
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