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Kein Baby-Boom+++Frustrierte Händler+++Angst vor Hochhäusern

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
mir schwirrt heute den ganzen Tag ein Gedichtsanfang im Kopf herum: “nun bitte/nach endlosen Tests/ich starte/ins all/Gegenwärtige/das Ziel steht fest”. So schreibt es die Potsdamer Autorin Christine Anlauff in ihrem Gedichtband “Einen Zungenschlag richtig”. Das Büchlein ist bereits 2010 bei hochroth erschienen, damals war Corona noch nicht zu erahnen. Und doch könnten die ersten Verse ihres Gedichtes “Rückwärts bis Null” kaum besser auf die aktuelle Situation passen.
Würden wir nicht alle gerne wieder in eine Gegenwart starten, die ohne Tests, Masken und vor allem ohne Virusangst auskommt? Bis es soweit ist, wird es wohl noch eine Weile dauern, aber von unseren Post-Corona-Zielen können wir ja trotzdem träumen. Von Umarmungen beispielsweise oder weniger sorgenvollen, wieder mehr strahlenden Gesichtern.
Die vermisst auch der Potsdamer Fotograf Matthias Baumbach, die Gesichter der Menschen leiden unter der Situation, sagt er. Und auch für ihn selbst brachte die Pandemie einige Schwierigkeiten mit sich. Wenn die Lage sich nicht bald verbessert, muss er wahrscheinlich über einen Berufswechsel nachdenken. Dabei hat der 44-Jährige sich gerade erst vor fünf Jahren dazu entschieden, vom Ebay-Manager zum Fotografen umzusatteln. Was ihn dazu bewogen hat, lesen Sie hier.
Apropos lesen: Dass ich mich auf das Potsdamer Literaturfestival Lit:Potsdam freue, hatte ich Ihnen ja schon erzählt, aber ich möchte hier nochmal darauf hinweisen, dass das Programm nicht nur für Erwachsene spannend ist. Wie schon in den vergangenen Jahren hat der Potsdamer Autor Martin Klein tolle Autorinnen und Autoren aus dem Kinder- und Jugendbereich eingeladen, darunter eine echte Bestsellerautorin. Wer das ist und warum Klein selbst gerade nicht wirklich Kraft für neue Geschichten hat, habe ich hier für sie aufgeschrieben.
Und wenn Sie wissen möchten wie sich die Pandemie allgemein auf den Alltag in Potsdam auswirkt, dann lesen Sie doch diesen Artikel meines Kollegen Volker Oelschläger. Er hat sich den aktuellen Quartalsbericht der Landeshauptstadt Potsdam angeschaut und ein paar Überraschungen entdeckt.
Ich persönlich würde mich ja mal wieder über positive Überraschungen freuen und wünsche Ihnen in diesem Sinne eine gute Woche voller wunderbarer Momente.
Bleiben Sie gesund!
Ihre
Sarah Kugler
Redakteurin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
Das Stadtgespräch

Das "Click & Meet"-Konzept wird in Potsdams Innenstadt nur mäßig angenommen. Foto: Ulrich Hansbuer
Das "Click & Meet"-Konzept wird in Potsdams Innenstadt nur mäßig angenommen. Foto: Ulrich Hansbuer
Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: Die immer wieder wechselnden Corona-Regelungen machen den Potsdamer Händlerinnen und Händler zu schaffen. Laut der aktuellen Verordnung des Landes dürfen Kunden eigentlich seit Samstag mit einem negativen Corona-Test sowie einem Termin in einem Geschäft wieder shoppen gehen. Zumindest so lange die Sieben-Tage-Inzdenz in Potsdam unter 150 liegt.
Doch die Verwirrung ist groß, die Kunden bleiben aus und die Händlerinnen und Händler sind frustriert. Ich habe mit einigen von Ihnen gesprochen, den Text dazu lesen Sie hier.
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Die Corona-Lage

Die Lage bleibt weiterhin angespannt: Wie die Stadt am Montagnachmittag mitteilte, sind aktuell 43 Kinder und Jugendliche sowie zehn Mitarbeitende aus Kitas und Schulen Rathaus positiv auf Corona getestet worden. 397 Kinder und Jugendliche sowie 51 Mitarbeitende aus Kitas und Schulen sind aktuell als Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne.
Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montagmorgen mitteilte, wurden seit Sonntag 15 neue Corona-Fälle in Potsdam registriert. Das sind sieben weniger als in der vergangenen Woche. Den bisherigen Höchstwert für einen Montag hatte das RKI am 11. Januar 2021 gemeldet: Damals wurden 64 neue Fälle bestätigt.
Der Inzidenz-Wert in Potsdam lag am Montag bei 120,89. Damit ist die Inzidenz im Vergleich zum Vortag etwas gesunken, liegt aber deutlich über dem Wert der Vorwoche. 
In den beiden Potsdamer Kliniken werden derzeit 25 Patienten in Zusammenhang mit Covid-19 behandelt, davon 13 intensivmedizinisch – das sind zwei mehr als noch am Vortag.
Aktuell bestätigt das RKi 448 akute Covid-19-Erkrankte. Die Zahl der Genesen ist in Potsdam um 12 auf jetzt 5648 gestiegen, das entspricht 89 Prozent aller bisher bestätigten Corona-Fälle. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion hat sich nicht verändert: In Potsdam sind bisher 238 Menschen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben.
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Hinter der Recherche

Familie Rübe in ihrem Garten. Hinter der Holzwand steht das Sterncenter. MAz-Fotograf Bernd Gartenschläger auf der Leiter kriegt beides gleichzeitig aufs Bild.Foto: Peter Degener
Familie Rübe in ihrem Garten. Hinter der Holzwand steht das Sterncenter. MAz-Fotograf Bernd Gartenschläger auf der Leiter kriegt beides gleichzeitig aufs Bild.Foto: Peter Degener
Die Stadt wächst und verdichtet sich. Familie Rübe aus Drewitz hat das grundsätzlich akzeptiert. Seit fast 100 Jahren gehört den Rübes ein kleines Häuschen, das einst ganz am Rand stand. Erst wurden die großen Straßen in der Nähe gebaut, in den letzten drei Jahrzehnten wurde ihr Haus dann plötzlich von der Stadt verschluckt. Zwischen Plattenbausiedlung und Einkaufszentrum hat sich das Ehepaar Rübe dennoch einen schönen Garten als Refugium geschaffen. Doch nun werden ihnen zwei Hochhäuser hinter den Zaun gesetzt. Sie schrieben der Zeitung, weil sie Angst haben, dass ihnen der Blick zum Himmel verloren geht. MAZ-Redakteur Peter Degener besuchte sie in ihrem Garten und warf auch einen Blick über den Zaun auf das Baugrundstück.
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Verkehr aktuell

Immer wieder etwas Neues am Leipziger Dreieck: Seit Montag erfolgte vor Ort die Einrichtung einer neuen Bauphase. Wegen Gleisbauarbeiten ist die Friedrich-Engels-Straße in Richtung Babelsberg am Hauptbahnhof weiterhin gesperrt. Die Umleitung wird ausgeschildert.
Weiterhin stehen in der Heinrich-Mann-Allee zwei Fahrspuren zur Verfügung. Der Fahrradweg stadteinwärts an der Heinrich-Mann-Allee muss aufgrund der Gleisbauarbeiten angepasst werden. Radfahrende werden auf der rechten Fahrspur bis zur Babelsberger Straße und dann zum Radweg weitergeführt.
Der Fußgängerweg von der Tramhaltestelle Hauptbahnhof zur Langen Brücke muss für Arbeiten gesperrt werden und wird entlang der Heinrich-Mann-Allee umgeleitet. Im unmittelbaren Bereich des südlichen Einganges des Hauptbahnhofs zu den Bus- und Straßenbahnhaltestellen finden Arbeiten am Gleis statt. Hier ist die Fußgängerampel versetzt worden.
Das alles betrifft nur die eine große Kreuzung im Stadtzentrum. Doch es gibt natürlich weitere Baumaßnahmen. Noch mehr Informationen rund um die aktuelle Verkehrslage in Potsdam lesen Sie wie gewohnt zusammengefasst hier.
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Der kulinarische Tipp

Die Kantine des Hans-Otto-Theaters bietet leckeres Essen zum Mitnehmen an. Foto: Sarah Kugler
Die Kantine des Hans-Otto-Theaters bietet leckeres Essen zum Mitnehmen an. Foto: Sarah Kugler
Eine Mittagspause am Tiefen See lohnt sich sowieso immer, aber wenn man vor Ort auch noch leckeres Essen bekommt, ist der Anreiz natürlich noch größer. Die Kantine des Hans-Otto-Theaters bietet jede Woche von 11.30 bis 14. 30 Uhr ein Mittagsmenü an, das auf den sozialen Netzwerken des Theaters veröffentlicht wird.
Am heutigen Dienstag gibt es vor Ort beispielsweise Piccata von der Hähnchenbrust mit Zucchini-Paprika-Ragout und Thymiankartoffeln. Für alle Vegetarier steht mit Bergkäse gratiniertes Frühlingsgemüse mit Kräuterkartoffeln auf dem Plan.
Telefonische Vorbestellungen sind unter Tel.: (0331) 200 97 261 möglich.
Tipp: Sarah Kugler
hansottotheater
Selbst kochen macht Spaß! Aber sich mal wieder richtig verwöhnen lassen, kann sich anfühlen wie eine kleine Urlaubsreise. Wir empfehlen diese Woche: Lunch to Go im OTTO und dann mit dem Essen an den Tiefen See setzen! https://t.co/emDHq37bVX
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Unser Buchtipp der Woche

"Nie, nie, nie" von Linn Strømsborg. Foto: Sarah Kugler
"Nie, nie, nie" von Linn Strømsborg. Foto: Sarah Kugler
Ihre Mutter strickt hoffnungsvoll Babysachen und ihr Freund wartet heimlich darauf, dass sie sich doch noch dafür entscheidet, ein Kind zu bekommen. Doch die namenlose Protagonistin aus Linn Strømsborgs Roman “Nie, nie, nie” verspürt keinen Kinderwunsch. Sie hatte ihn nie und auch jetzt mit 35 Jahren hören nur alle anderen ihre biologische Uhr ticken.
Überhaupt muss sich die Ich-Erzählerin ständig anhören, dass es wider der Natur sei, keine Kinder haben zu wollen und dass sie ihre Entscheidung im Alter ganz bestimmt bereuen wird. Dabei leidet sie eher darunter, dass sich Freund:innen nach ihrer Familiengründung immer weiter zurück ziehen.
Die norwegische Autorin Linn Strømsborg ist selbst erst Mitte dreißig, “Nie, nie, nie” ist bereits ihr vierter Roman, allerdings der erste, der auch ins Deutsche übersetzt wurde - wahrscheinlich auch, weil er ein sehr aktuelles Thema aufgreift. Denn noch immer müssen sich Frauen dafür verteidigen, wenn sie sich gegen Kinder entscheiden, merkwürdige Kommentare gefallen lassen und immer wieder die gleichen Fragen beantworten.
Strømsborg zeigt sehr deutlich, wie unangenehm das ist, verheddert sich dabei aber nicht in steifen Thesen, sondern erzählt all die Vorurteile und Diskussionen leicht und locker am Beispiel ihrer Protagonistin. Beinahe etwas zu leicht kommt ihr literarischer Stil daher, das Buch liest sich teilweise eher wie eine Kolumne als ein Roman. Und doch folgt man der Protagonistin gerne, die einem dabei hilft, einmal mehr über den gesellschaftlichen Tellerrand hinaus zu blicken.
Tipp: Sarah Kugler
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die schönen Stunden nur! An diesem ungewöhnlichen Exemplar vor den Römischen Bädern im Park von Sanssouci können sie eine ganze Menge zählen und lesen. Denn an rund 50 Stellen lässt sich auf diesem komplizierten Sandsteinwürfel studieren, wie spät es ist. Die großen Buchstaben F und W dominieren die Hauptseite. Es sind die Initialen von vier preußischen Königen – und doch meinen sie jemand anderen.
Der Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt (1700-1771) versteckt sich dahinter. Der „tolle Markgraf“, so genannt wegen seiner Exzentrik und seiner Lust auf Streiche, war ein Enkel des Großen Kurfürsten und Schwager Friedrichs des Großen. Letzterer schrieb über den Markgrafen: „Es gibt eine Art von Zwitterwesen, die weder Herrscher noch Privatleute sind und die sich gelegentlich sehr schwer regieren lassen: das ist das, was man einen Prinzen von Geblüt nennt“. Dieser Friedrich Wilhelm ließ sich für seine Schwedter Residenz 1740 eine Sonnenuhr nach italienischem Vorbild fertigen, die noch immer im „Europäischem Hugenottenpark“ steht, dem einstigen Schwedter Schlosspark.
Die Sonnenuhr vor den Römischen Bädern in Sanssouci. Foto: Peter Degener
Die Sonnenuhr vor den Römischen Bädern in Sanssouci. Foto: Peter Degener
Jeder Strich seiner steinernen Initialen FW ist erhaben und wirft einen Schatten. Zahlreiche Zacken und Kanten eines großen Sterns dienen ebenso als Zeiger der Sonnenuhr, auch Gnomone genannt. Hinzu kommen hohle Wölbungen, in die die Schatten fallen, die sogenannten Skaphen, was Schüssel bedeutet.
Um 1830, als die Schwedter Nebenlinie der Hohenzollern schon wieder ausgestorben war, wurde die Sonnenuhr kopiert – und zwar für den damaligen Kronprinzen und späteren König Friedrich Wilhelm IV. Der ließ sich die Römischen Bäder im Park Sanssouci errichten und dekorierte den Eingang mit der ungewöhnlichen Sonnenuhr. Vermutlich, weil sie ihn an Italien erinnerte, wo solche Instrumente häufiger in historischen Parkanlagen zu finden sind.
Bis heute fasziniert die Uhr mit ihren vielen „Nebenuhren“. Aber wundern Sie sich nicht, wenn sie im Frühling oder Sommer bei schönstem Wetter trotzdem die falsche Uhrzeit ablesen – durch die geltende Sommerzeit geht dann selbst diese Uhr mit ihren vielen Zifferblättern um eine Stunde vor.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Fragmente der ehemaligen S-Bahn-Trasse von Berlin-Zehlendorf nach Potsdam. Foto: Detlev Scheerbarth
Fragmente der ehemaligen S-Bahn-Trasse von Berlin-Zehlendorf nach Potsdam. Foto: Detlev Scheerbarth
S-Bahn, Stammbahn, U-Bahn, Friedhofsbahn – Stahnsdorf und Kleinmachnow kämpfen um eine bessere Anbindung an das Schienennetz. Seit Jahren wird debattiert, gestritten und verhandelt. Welche Optionen genau zur Diskussion stehen, welche davon realistisch sind und welche in absehbarer Zeit keine Chance darauf haben, in der Region verwirklicht zu werden, lesen Sie hier.
Gute Nachrichten von der Zahlen-Front in Potsdam-Mittelmark: Mit 99,74 unterschritt die Sieben-Tage-Inzidenz wieder die magische 100er-Grenze, 56 positive Tests wurden für das Wochenende gemeldet. Noch vor einer Woche lag der Sieben-Tage-Wert auf 138,53.
MAZ-Redakteurin Luise Fröhlich hat allen MAZ-Leserinnen und Leser, die sicher gehen wollen, nicht mit Covid-19 infiziert zu sein, eine Übersicht der mittlerweile rund 40 Möglichkeiten zu kostenlosen Coronatests im Potsdamer Umland zusammengestellt.
Text: Konstanze Kobel-Höller
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Heute ist den Worten von MAZ-Karikaturist Jörg Hafemeister nichts hinzuzufügen. Er schreibt: “Corona nervt. Hin und her, vor und zurück, auf und zu. Zum Beispiel letzte Woche: Donnerstag auf, Freitag zu, Samstag auf. Mal sehen, wie es diese Woche weiter geht. Da ist es doch mal an der Zeit, allen Läden ein großes Dankeschön zu sagen. Viel Erfolg!”
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