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Karstadt-Aus+++Abitur+++Horstweg

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, was für mich eine der schönsten Seiten am Jour
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was für mich eine der schönsten Seiten am Journalisten-Leben ist? Ich muss nicht lange rätseln, wenn mich etwas in meiner Stadt wundert, ich muss nicht warten, bis irgendwer meine Fragen irgendwann irgendwie aufklärt (oder auch nicht), ich muss nicht spekulieren oder Gerüchten glauben, ich kann einfach selber nachfragen. Und zwar solange, bis ich das Rätsel gelöst habe. Denn als Journalistin habe ich quasi die Lizenz zum Fragen.

Ein aktuelles Beispiel: Horstweg. Seit Wochen liegen da diese seltsamen Baumstämme am Straßenrand. Und klar, da dort vorher Autos parkten, ist es verdammt naheliegend, dass die Baumstämme genau das verhindern sollen. Doch warum ausgerechnet jetzt? Warum so radikal? Und wer hat das eigentlich entschieden? Sie ahnen: Wir haben nachgefragt. Und falls Sie sich die Baumstamm-Frage auch schon gestellt haben, finden sie hier die Antwort.

Eine weitere besonders schöne Seite des Lokaljournalismus: Menschen erzählen uns ihre Geschichten. Mal sind sie traurig, mal lustig, mal herzergreifend, mal tragisch, mal schrecklich - mal einfach nur verdammt beeindruckend. Wie die von Louis Zander. Der 17 Jahre alte Potsdamer hat landesweit als erster Gebärden-Muttersprachler Abitur an einem Gymnasium gemacht. Uns hat er seine Geschichte erzählt und verraten, was seine erste Gebärde war.

Geschichten kann übrigens auch Carsten Wist erzählen, einer der bekanntesten Buchhändler Potsdams. 30 Jahre gibt es seinen Literaturladen inzwischen, im MAZ-Interview spricht er über den Tapeziertisch, mit dem alles anfing, und den emotionalen Zusammenbruch bei der Armee, der ihn zur Literatur brachte. Und wenn man, wie wir, wissen will, was in der Welt der Bücher eigentlich seine Top 10 sind, dann fragt man einfach.

Leider - und auch das gehört zum Leben als Lokaljournalistin - kriegt man nicht immer eine Antwort. Oder nicht die Antwort, nach der man gefragt hat. Dann heißt es, weiter fragen, anders fragen, nochmal fragen - dranbleiben. So, wie es das Potsdamer Netzwerk “Stadt für alle” bei seiner Recherche über den Markt überteuerter Wohnungen und die Machenschaften dubioser Finanzinvestoren in Potsdam getan hat.

In diesem Sinne, fragen Sie uns, wenn Ihnen die Stadt das nächste Mal ein Rätsel aufgibt. Wir fragen uns für Sie durch. Bis dahin alles Gute! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in Ihrem Postfach. Und falls Sie sich zufällig fragen, wer in diesem Jahr in Potsdam und Umland Abitur gemacht hat, dann finden Sie die Antworten darauf heute in der Abiturbeilage der gedruckten MAZ oder im Laufe des Tages auf MAZ-online.de.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Potsdam verliert seinen Karstadt. Das ist seit Freitag traurige Gewissheit. Die Filiale in der Brandenburger Straße wird eine von 62 Filialen sein, die schließen muss - und mit der wie an vielen anderen Orten eine Ära endet. Ein Trauerspiel, findet meine Kollegin Nadine Fabian, die mit dem Kaufhaus groß geworden ist. In ihrem sehr persönlichen Kommentar schreibt sie: “Egal, welcher Name an der Fassade hing: Das Haus – unser Haus – hatte immer Anziehungskraft. Selbst für die Westverwandtschaft, um das zwangsgetauschte Ost-Geld zu verjubeln.”
Karstadt in der Brandenburger Straße in Potsdam. Foto: Friedrich Bungert
Karstadt in der Brandenburger Straße in Potsdam. Foto: Friedrich Bungert
Vielen Potsdamern geht es sicherlich wie ihr. Sie können und wollen sich Potsdam nicht ohne Kaufhaus vorstellen. Groß sind die Sorgen nach der Hiobsbotschaft auch bei Kunden und umliegenden Händlern: Was kommt nach der Schließung? Die einen befürchten eine weitere Verödung der Brandenburger Straße. Andere hoffen auf etwas Neues, Besseres. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hingegen findet es noch zu früh, um über das Danach zu reden. Er hat am Montag angekündigt, zu kämpfen - für Karstadt in Potsdam.

Doch jetzt mal ehrlich… Liegt es wirklich in der Macht des Oberbürgermeisters, Karstadt vor dem Aus zu bewahren? Oder gar das aktuell offenbar noch unbekannte Konsortium, dem das Gebäude gehört, von der Kaufhaus-Zukunft zu überzeugen? Ich persönlich habe da ja so meine Zweifel, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Und bis Schubert das geschafft hat, frage ich mich wie viele in Potsdam erstmal weiter: Was kommt nach Karstadt? Die Industrie- und Handelskammer (IHK) glaubt nicht, dass ein einziger neuer Betreiber das komplette Haus bewirtschaften kann. Man hofft vielmehr aufs Neu-Erfinden. Mir wär’s recht. Denn ich hätte da so eine Vision: Eine Markthalle mitten in der Stadt, wie man sie aus Frankreich, Italien, Portugal oder Spanien kennt. Gutes Essen, gute Weine, viele Menschen und Begegnungen. Naiv? Vielleicht. Aber wenn die Innenstadt schon ihr Kaufhaus verliert, dann wird doch wenigstens träumen erlaubt sein.
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Das Stadtbild

Foto: Detlev Scheerbarth
Foto: Detlev Scheerbarth
Im letzten Newsletter hatten wir sie angekündigt, gestern Abend war es dann soweit: Mitten in der blauen Stunde leuchtete Potsdam plötzlich rot. Anlass war die “Night of Light”: Weil die Coronakrise die Veranstaltungsbranche in Existenznöte bringt, wurden bundesweit öffentliche Orte zum Zeichen der Solidarität angestrahlt. Alarmstufe Rot sozusagen. In Potsdam war neben dem Schloss Sanssouci auch die Nikolaikiche dabei.
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Verkehr aktuell

Leipziger Dreieck, Nuthestraße, Am Kanal, Großbeerenstraße, Breite Straße - an viele Baustellen in Potsdam haben Sie sich sicherlich schon gewöhnt. In dieser Woche kommt allerdings mal wieder eine neue dazu - und zwar in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Dort muss die Straße für den Umbau der Tram-Haltestelle vor dem Kino gesperrt werden. Außerdem muss wegen den Bauarbeiten im Bereich der Charlottenstraße/Hebbelstraße die Bus-Linie 603 sowie die Schulfahrt der Linie 697 (Am Hämphorn - Kirschallee über Bassinplatz) von Montag, 29. Juni, bis Freitag, 21. August, umgeleitet werden. Die gesamte Verkehrsprognose für diese Woche lesen Sie hier.
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Hinter der Geschichte

Die Bronzeknaben in der Kunstgießerei Flierl. Foto: Peter Degener
Die Bronzeknaben in der Kunstgießerei Flierl. Foto: Peter Degener
An Orte zu kommen, die anderen meist verschlossen bleiben, und hinter die Kulissen schauen zu dürfen – das ist eine der Qualitäten des Journalistenberufs. MAZ-Redakteur Peter Degener freute sich sehr, als er am Montag gleich zwei Werkstätten in Weißensee besuchen durfte, um zu erfahren, wie die Bronzeputten für die Engeltreppe am Stadtschloss entstehen. In der Kunstgießerei Flierl und bei Bildhauer Andreas Hoferick entdeckte er zwei ganz unterschiedliche, doch gleichsam mysteriöse Orte.

In der Gießerei herrschte Lärm. Dort spielt sich der komplexe Prozess vom Gießen der Formen bis zum Polieren der beinahe fertigen Skulptur ab. Damit die Bronze wirklich das ausstrahlt, was der Bildhauer erdacht hat, ist eine Menge Nacharbeit nötig, wie Sie in der Geschichte erfahren, der er aufgeschrieben hat. Sie handelt davon, wie die Knabenfiguren buchstäblich den letzten Schliff erhalten.

Weil der Bildhauer Andreas Hoferick nur wenige Straßen weiter sein Atelier hat, besuchte Peter Degener auch ihn – und trat in einen Ort der Stille ein, an dem er von den hunderten Augen der steinernen Götter, Fabelwesen und Menschen angeschaut wurde, die der Bildhauer im Laufe der Zeit geschaffen hat.

Das Atelier von Andreas Hoferick. Foto: Peter Degener
Das Atelier von Andreas Hoferick. Foto: Peter Degener
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Entdeckung der Woche

Eigentlich lief das Konzert am Sonntagabend. Eigentlich sind die Musikfestspiele 2020 ausgefallen. Doch wie mein Kollege Lars Grote so treffend beschreibt, ist dieses “eigentlich” aktuell kein unwichtiges Wort, denn über digitale Technik kommt man eben doch hinein ins Schlosstheater des Neuen Palais von Potsdam, aus dem der “Festspielabend Alte Musik” am Sontagabend live gestreamt wurde, ohne Publikum vor Ort.
Fast drei Stunden lang sah man einen Ritt durchs ehemals geplante Festspielprogramm, ein Kurzprogramm unter dem Namen “Nah/Distanz”. Musik, die schon zu Zeiten von Friedrich dem Großen vor gut 250 Jahren zu hören war. “Eine schöne Form von Weltflucht”, findet Lars Grote in seinem wunderbaren Text über diesen Stream. Und auch wenn das Konzert eigentlich vorbei ist, können Sie das Video des RBB auf Youtube jederzeit nochmal erleben.
Festspielabend der Alten Musik | rbbKultur Radio-Konzert
Festspielabend der Alten Musik | rbbKultur Radio-Konzert
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Die Hecke gibt den Blick frei in den Hof. Darin Betonfundamente und verrostete Stahlträger in einer langen Reihe. Es sind nur armselige Reste, die scheinbar längst entsorgt sein könnten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ein Aufhübschen wird es nicht geben, die Rückkehr zum früheren, frommen Antlitz verbietet sich angesichts der Geschichte. Stattdessen wird jede noch so kleine Spur der Vergangenheit hier bewahrt und untersucht. Kratzer im Putz könnten beim genauen Hinsehen eine Botschaft enthalten, einen Namen sogar. Zu viele Unbekannte erlebten diesen Ort. Viele verließen ihn ins Ungewisse und ohne Wiederkehr.
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Heute wirkt das Haus und auch sein erst später errichteter Anbau wie ein Fremdkörper. Er ist umgeben von wunderschönen Häusern, grenzt an eine Kita. Kinderlachen hat die jahrzehntelang in fremder Sprache gebrüllten Kommandos ersetzt. Die Zäune von heute sind begrünt und niedrig und eine Pforte öffnet sich für jeden, der hineinschauen will. Wer es wagt, erlebt einen Ort, den man so in Europa nicht noch einmal besichtigen kann.

Wie heißt der Ort mit der charakteristischen Wand?

Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 26. Juni eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können einen Faltgrill für das Grillen unterwegs gewinnen. Der Gewinner wird per E-Mail benachrichtigt.

Sie haben ein eigenes Potsdam-Bilderrätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit!
Rätsel und Text: Peter Degener
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Der kulinarische Tipp

Es wird heiß in den kommenden Tagen. Sehr heiß. Eine gute Gelegenheit, um auszugehen - und es sich in einer von Potsdams herrlichen Lokalitäten an der frischen Luft so richtig gut gehen zu lassen. Wie wär’s mit einem Glas Wein und einem Klassiker aus der gutbürgerlichen Küche in Kades Restaurant am Pfingstberg? Oder doch lieber ein Hauch von Bayern im Biergarten des Forsthauses Templin? Das Kongsnaes in der restaurierten kaiserlichen Matrosenstation empfängt Sie direkt am Jungfernsee. Unsere Gastro-Kritikerin Manuela Blisse hat sich die besten Potsdamer Restaurants zum Draußensitzen mal genauer angesehen.
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Das ist los im Umland

Es ist jetzt drei Monate her, als die Rehbrücker Ladenstraße in den Ausnahmezustand geriet und viele Geschäfte schließen mussten. Wie geht es den Geschäftsleuten heute, nach dem Shutdown im März und acht Wochen nach der Wiedereröffnung? Mein Kollege Jens Steglich war vor Ort, hat mit den Ladeninhabern gesprochen, hat sich ihre Sorgen und Nöte angehört, hat aber auch Optimismus und Kampfgeist erlebt - sowie einen bemerkenswerten Zusammenhalt. Die ganze Reportage lesen Sie hier.
Die Blumenkästen sind fertig: Marlen Maciuga (l.) lässt den Balkon neu bepflanzen, um den Blumenladen von Anja Sprzagala (r.) nach der Schließzeit zu unterstützen. Foto: Jens Steglich
Die Blumenkästen sind fertig: Marlen Maciuga (l.) lässt den Balkon neu bepflanzen, um den Blumenladen von Anja Sprzagala (r.) nach der Schließzeit zu unterstützen. Foto: Jens Steglich
Die Tat erschütterte die ganze Region. In Glindow soll ein 64-Jährige am 11. Mai seine Frau bei einem Streit derart verletzt haben, dass sie noch vor Ort starb. Nach der Tat soll der mutmaßliche Täter mit seinem Auto geflohen und in einem Industriegebiet gegen eine Häuserwand gefahren sein. Nun teilte der zuständige Potsdamer Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann mit, dass die Ermittlungen voraussichtlich noch vor Ende September abgeschlossen sein werden und die Entscheidung fällt, ob Anklage erhoben wird oder nicht. Der Beschuldigte ist inzwischen auf die Krankenabteilung der Justizvollzugsanstalt Brandenburg an der Havel verlegt worden.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark setzt bei der Waldbrandüberwachung und der Vermisstensuche auf Hilfe aus der Luft. Drohnen können Glutnester genauso finden wie verirrte Pilzsucher oder Ölteppiche auf der Havel. Sogar ein Auto, das schon eine Weile unter Wasser liegt, kann das fliegende Auge erkennen. Und es kann Schwimmhilfen abwerfen, um Ertrinkende aus der Luft zu helfen. Wahre Alleskönner diese Drohnen? Nicht ganz, denn ohne Pilot sind sie ziellos. Und deshalb hat der Landkreis jetzt eine zwölfköpfige Drohnengruppe gebildet.
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Karstadt ist das Thema dieser Tage - natürlich auch für unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister. Der Künstler selbst zu seiner neuesten Zeichnung: “Die Mieten steigen, das Pflaster wackelt, das Zugpferd scheut - mit dem Rückzug von Karstadt verliert die Potsdamer Innenstadt einen wichtigen Magneten.”

Was denken Sie über die Schließung? Halten Sie Kaufhäuser überhaupt noch für zeitgemäß? In unserer Umfrage können Sie uns Ihre Meinung zum Karstadt-Aus in Potsdam mitteilen.
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