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Harte Zeit für die Liebe+++Kita-Schließungen+++Denkmalamts-Chefin

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

die Liebe hat es gerade nicht leicht. Wer sie sucht, hat in der sozialen Isolation des Lockdowns kaum Chancen sie zu finden. Und wer sie schon gefunden hat, muss aufpassen, sie nicht zu verlieren. Schnell kann sie einem im Alltagsstress zwischen Homeoffice, Kinderbetreuung und Heimunterricht abhanden kommen, noch schneller allerdings kann sie dem Virus zum Opfer fallen - Reinhold Fiedlers (81) allergrößte Angst.
Kurz vor Weihnachten ist seine Frau Lydia (83) in einem Potsdamer Pflegeheim positiv auf Covid-19 getestet worden, nun bangt er um ihre Gesundheit, ihr Leben - und um ihre Impfung nach dem Infekt. Seine Geschichte ist eine von vielen hinter den täglichen Berichten über Neuinfektionen, Corona-Ausbrüchen in Pflegeheimen und erfolgten Impfungen, eine Geschichte, in der wir in wenigen Wochen hoffentlich berichten können: Die Liebenden waren stärker als das Virus.
Verlieren kann man derzeit übrigens auch die Liebe zum Beruf, denn manchen hat Corona genau das genommen, was sie an ihrem Job so mögen: den Kontakt zu Menschen.
Eine Potsdamer Lehrerin fragt sich fast täglich: Werde ich den Kindern noch gerecht? Kommen alle mit? Oder bleibt jemand auf der Strecke? Als Gymnasiallehrerin ist ihr Alltag ein Distanz-Präsenz-Unterricht-Wechselmodell. Morgens die Kleinen vor dem Bildschirm, am Nachmittag die Abschlussklasse in der Schule unterrichten - aufgeteilt in zwei Gruppen und zwei Klassenräume. Eine Zerreißprobe, die sie exklusiv für die MAZ einen Tag lang protokolliert hat.
Und wenn wir schon bei Liebe sind: Ob es im Fall Andrea Behrendt wohl auch Liebe war, die sie im Frühjahr 2019 nach Potsdam führte? Die Liebe zu den wunderschönen Denkmälern dieser Stadt? Wenn ja, ist sie offenbar schnell verflogen, denn seit einigen Monaten will die Chefin der Unteren Denkmalschutzbehörde scheinbar nur noch eins: weg aus Potsdam. Zweimal hat sie versucht, in Essen neu anzufangen. Dienstantritt laut Stellenausschreibung: 1. Januar 2021.
Doch dem Flirt mit dem neuen Job war kein Glück beschieden - und so teilt das Rathaus zum Start ins neue Jahr auf Anfrage erneut mit: “Leider weiterhin krank”. Was das für das Rathaus, für das Unesco-Welterbe Potsdam bedeutet? Dazu findet meine Kollegin Ildiko Röd in ihrem Kommentar deutliche Worte.
Doch nun genug der schlechten Nachrichten, zum Schluss habe ich auch noch eine gute Botschaft für Sie: Heute Abend startet die dritte Staffel der ARD-Serie Charité - und die gibt doppelt Grund zum Reinschauen. Mit Nina Gummich und Amber Bongard spielen gleich zwei Potsdamerinnen mit.

In diesem Sinne, lassen Sie sich heute Abend ins Berlin der 1960er Jahre entführen, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in Ihrem Postfach.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Luise Fröhlich
Foto: Luise Fröhlich
Der Druck auf die Stadt Potsdam wächst – ebenso wie der Unmut über die geschlossenen Kitas. Während etwa im Umland bei ähnlich hoher Inzidenz die Einrichtungen weiterhin geöffnet sind, hält Potsdam an seinem Kurs fest und lässt die Kitas vorerst geschlossen. Wie lange das noch dauern soll? Was passieren muss, damit Potsdam die Kitas wieder öffnet? Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Fragen. Außerdem haben wir in der Redaktion hitzig diskutiert: Ist es richtig, dass die Stadt Potsdam die Kitas schließt? Oder ist das der falsche Weg, sind die Härten für betroffenen Familien zu groß? Das Ergebnis unserer Diskussion ist ein Pro und Contra zu der Frage: Sollen Potsdams Kitas wieder öffnen?
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Die Corona-Lage

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Am Wochenende meldete die Stadtverwaltung 130 neue Infektionen, am Montag weitere 65, womit die Gesamtzahl der Potsdamer, die sich seit Pandemie-Beginn angesteckt haben, auf 4178 gestiegen ist. 2819 von ihnen gelten als genesen. Drei neue Todesfälle ließen die Zahl der in Zusammenhang mit dem Virus Verstorbenen am Montag auf 132 steigen. In der ganzen zurückliegenden Woche beklagte Potsdam insgesamt 18 Corona-Todesopfer.
Alles zur aktuellen Lage lesen Sie hier.
Auch die Zahl derer, die wegen Covid-19 in Kliniken behandelt werden müssen, ist in der ersten Woche des neuen Jahres gestiegen. Am Montag lagen 100 Covid-Patienten in Potsdamer Krankenhäusern, von denen 25 auf den Intensivstationen behandelt werden. 
In der zurückliegenden Woche steckten sich 438 Potsdamer nachweislich neu mit dem Virus an. Die Zahl derer, die als Kontaktpersonen in Quarantäne geschickt wurden, stieg deutlich von 360 am Montag auf 618 am Sonntag. Der Inzidenzwert, der die Corona-Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner und sieben Tage beziffert, blieb in der Woche auf etwa gleichem Niveau und lag am Montag bei 247,9. 
Auch in den Seniorenheimen bleibt das Infektionsgeschehen dynamisch, wie die Stadt im Laufe der Woche mitgeteilt hatte. Demnach verzeichnen zahlreiche Einrichtungen mindestens einen positiv getesteten Bewohner oder Mitarbeiter. Klinik-Geschäftsführer Tim Steckel fordert daher via Twitter „gute Hygiene- und Testkonzepte sowie zügige Impfungen“. Gerade bei Betroffenen in Altenheimen seien die Verläufe von Covid-19 „besonders schwer“. 
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Hinter der Recherche

In diesem Haus gibt es jetzt möblierte Zimmer. Foto: Peter Degener
In diesem Haus gibt es jetzt möblierte Zimmer. Foto: Peter Degener
Für möblierte Zimmer besteht einerseits ein großer Bedarf in Potsdam, doch sie entwickeln sich auch zum Problem. Studenten und Gastwissenschaftler sind darauf angewiesen. Doch weil solche Zimmer nicht dem Mietspiegel unterliegen, greifen Vermieter verstärkt auf möblierte Zimmer zurück, um höhere Mieten einnehmen zu können. MAZ-Redakteur Peter Degener hatte Immobilienportale durchforstet, um zu sehen, was zu welchen Preisen angeboten wird. Bei einer Annonce stockte ihm der Atem. 700 Euro für ein Zimmer!
Den Vermieter der Geschwister-Scholl-Straße 40 in Potsdam West wollte er dazu unbedingt befragen. Auf der Internet-Recherche nach dem Eigentümer stieß er allerdings zuerst auf einen früheren Bewohner des Hauses und kontaktierte ihn. Der war von den möblierten Zimmern überrascht, denn er wurde vor zwei Jahren wegen Eigenbedarfs gekündigt. Der Ex-Mieter erzählte der MAZ die Geschichte, eine Studentin, die seit kurzem in einem der teuren Zimmer wohnt, ließ unseren Reporter in die Wohnung – und die Eigentümer schweigen sich aus, drohten mit Anwälten. Die Geschichte ist dennoch erschienen.
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Verkehr aktuell

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Auf die Potsdamer kommen in dieser Woche wieder Verkehrsbehinderungen zu. Neu ist etwa eine Sperrung vor dem Hauptbahnhof.
Leipziger Dreieck: Ab Montag ist die Friedrich-Engels-Straße vor dem Hauptbahnhof in Richtung Babelsberg gesperrt. Dort werden die Tram-Gleise neu verlegt. Eine Umleitung ist ausgewiesen. Auch die Fußgänger müssen Umwege laufen wegen der Gleisarbeiten.
Außerdem muss der Verbindungsweg zwischen Heinrich-Mann-Allee/Brauhausberg und der Friedrich-Engels-Straße parallel zum Straßenbahngleis für Arbeiten an einer Fernwärmeleitung gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt über das Leipziger Dreieck. 
Kaiser-Friedrich-Straße: Auch in Eiche wird gebaut. Dort müssen Kabel zwischen Ecksteinweg und Amundsenstraße verlegt werden. Dafür ist immer eine Fahrspur der Kaiser-Friedrich-Straße an mehreren Stellen gesperrt. Bitte den Gegenverkehr beachten.
Wublitzstraße: Für Arbeiten an der Trinkwasserleitung vom 11. bis 18. Januar wird die Fahrbahn halbseitig gesperrt. Ampeln regeln den Verkehr. Vorsicht, die Baustelle liegt in einer Kurve.
Seitenstraßen: Außerdem gibt es ab Montag mehrere punktuelle Vollsperrungen in Straßen abseits des Hauptnetzes. Betroffen sind Am Jungfernsee, Hans-Marchwitza-Ring, Kirschallee, Mittelstraße, Nietnerstraße, Stubenrauchstraße (ab 14. Januar), Wannseestraße, Zimmerstraße.
Die gesamte Verkehrsprognose lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
Restaurants und Cafés sind noch immer geschlossen, doch die Bäcker bleiben geöffnet und alle Süßschnäbel, die selbst nicht backen können oder möchten, sind damit gerettet. Allerdings stellt einen die große Auswahl an Backwaren nicht selten vor das Luxusproblem einer schweren Entscheidung: Welches Stück Kuchen kommt auf den Kaffeetisch?
Meine Kollegin Sarah Kugler empfiehlt die Kranzstange. Sei es von Bäcker Braune in der Friedrich-Ebert-Straße oder aber von Müseler’s Brotladen (hier eine Reportage aus der Backstube von Sven Müseler) in der Geschwister-Scholl-Straße, damit können Sie nichts falsch machen. Sie eignet sich gut zum Portionieren über den Tag, zum Teilen mit der Familie oder als eigenständige Vesper. Sie macht nämlich sehr satt und glücklich sowieso.
Es sei denn Sie mögen keine Rosinen oder gar Marzipan. In diesem Fall sei Ihnen der Amerikaner mit dunklem Guss von Müseler’s Brotladen empfohlen. Der hat genau die richtige Mischung aus Fluff und Süße, klebt kurz am Gaumen – so wie das bei einem Amerikaner sein muss – und zerfällt dann zart auf der Zunge. Ob seiner Größe eignet er sich auch gut zum Teilen oder zum Aufteilen über den Tag. Und wenn Sie sich partout nicht entscheiden können: Nehmen Sie beides, die Kranzstange schmeckt auch noch am nächsten Tag ganz vorzüglich.
Text und Tipp: Sarah Kugler
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Unsere Entdeckung der Woche

Screenshot: Youtube / Obelisk Kabarett Potsdam
Screenshot: Youtube / Obelisk Kabarett Potsdam
Das Potsdamer Kabarett Obelisk hat zum digitalen Neujahrsempfang geladen - und Sie können auf Youtube mitfeiern. Vor leerem Saal haben Bella Liere, Andreas Zieger und Helmut Fensch im Livestream angestoßen und orakelt.
Schauen Sie mit dem Kabarett-Team ins Jahr 2021. Weil das neue Jahr schwer vorherzusehen ist, zieht sich die Party auch nicht unnötig in die Länge. Nach zwölfeinhalb Minuten ist schon Schluss. Viel Spaß!
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Sie sind mitten unter uns – oder über uns. Schon seit mehr als zehn Jahren steht eine belebte Potsdamer Straße unter der Beobachtung von Außerirdischen. Die werden sich seitdem gewundert haben, was unter ihnen gelacht, getrunken und gegessen wurde. Und was für riesige Maschinen sich da im Innern des Hauses gedreht haben! Ob der Schleudergang reicht, um sich in den Orbit rund um die Erde zu katapultieren? Die Aliens machten bislang keine Anstalten, abzudüsen. Hoffen wir, dass uns die „Area 82“ noch lange erhalten bleibt. Wo befindet sich Potsdams Raumschiffhafen?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 14. Januar eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Foto: dpa
Foto: dpa
Mittelmarks Kommunen entwickeln Ideen, wie sie dem Land dabei helfen können, möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus impfen zu können. In der Stadt Werder drängt man auf schnelle und unkomplizierte Lösungen. Die Impfung müsse zu den Menschen kommen und nicht andersherum, sagt der 1. Beigeordnete, Christian Große (CDU), der MAZ. Werder ist sogar bereit, Tiefkühlschränke zur Lagerung des Impfstoffes zu kaufen. An Räumen und Hilfe der Hausärzte soll es ebenfalls nicht scheitern. Jetzt ist nur noch offen, inwiefern genau die Kommunen überhaupt helfen sollen und dürfen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Foto: Jens Steglich
Foto: Jens Steglich
So zügig hat Sprengmeister Mike Schwitzke wohl selten eine Bombe unschädlich gemacht. Er brauchte am Montagnachmittag eine gute halbe Stunde und die englische Fliegerbombe in einem Waldstück bei Wilhelmshorst war entschärft. „Die Bombe war in einem guten Zustand. Das war heute Tagesgeschäft“, sagte er. Vorher allerdings mussten die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst, Polizisten und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung schnell und ohne große Vorbereitungszeit handeln. Einzelne Straßen in Wilhelmshorst wurden evakuiert, auch die Anwohner hatten wenig Zeit, um ihre Häuser zu verlassen. Die Bombe hatte am Sonntagnachmittag ein Hobby-Schatzsucher in einem Wald zwischen Michendorf und Wilhelmshorst westlich der Bundesstraße 2 gefunden. Nach dem Zufallsfund hatte der Kampfmittelbeseitigungsdienst entschieden, die Bombe bereits am Montag zu entschärfen
Kann ein Verein die Tee- und Wärmestube in Werder retten? Für Martina Müller, der bisherigen Leiterin, wäre das die beste Option. Am Montag kam die frohe Botschaft, dass sie zunächst bleibt und nicht wie eigentlich geplant in den Ruhestand geht. Der Betrieb der Wärmestube für einkommensschwache und hilfsbedürftige Menschen in Werder geht eingeschränkt weiter. Heute öffnet die Tafelausgabe nach einer kleinen Zwangspause wieder. Das Gesamtkonzept ist jedoch momentan zerrissen
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Unser Buchtipp der Woche

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
Zwei Schwestern, zwei Todesfälle, eine doppelte Wandlung: In ihrem Roman „Die Glasschwestern“ erzählt Franziska Hauser von Dunja und Saphie, Zwillingsschwestern, die sehr unterschiedliche Leben führen und sich auch ein wenig voneinander entfernt haben. Dann sterben am gleichen Tag sowohl Dunjas Ex-Partner als auch Saphies Mann und vieles wird durcheinander gebracht. Auf den ersten Blick scheint es so, dass nur Dunja wirklich erschüttert ist: Sie kehrt aus der Großstadt zurück in das Heimatdorf, in dem ihre Schwester immer noch lebt und ein Hotel betreibt. Dunja hilft dort aus und versucht ihre Gefühle zu sortieren, während Saphie zunächst sehr routiniert weiter arbeitet. Doch irgendwann kippt die Dynamik und die Schwestern scheinen ihre Identitäten fast zu tauschen. Nebenbei werden sie auch noch gezwungen, sich mit ihrer Familie und einigem aus der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Denn da ist auch noch eine andere Schwester, die irgendwie immer Unruhe mitbringt.
Diese zweifache Trauerverarbeitung, die Entwicklung der Schwestern und schließlich das Umkehren ihrer Charaktere hat Franziska Hauser sehr fein beobachtend und ohne zu verurteilen aufgeschrieben. „Die Glasschwestern“ ist ein Buch mit einer wunderbar sanft-poetischen Sprache, mit Sätzen, die man mehrmals lesen möchte. Mit liebevollen Beobachtungen und einer Geschichte, aus der man nur ungerne wieder auftaucht.
Text und Tipp: Sarah Kugler
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Das Letzte kommt zum Schluss: Hafemeister

Die 15-Kilometer-Regel inspiriert auch unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister. Zu seiner jüngsten Schöpfung sagt er: “Gemein: Berlin wieder geteilt! Da helfen dem gemeinen Potsdamer weder Reise- noch Impfpass – für den privaten Auslauf geht der Ku’damm, der Alex ist tabu.”
Illustration: Jörg Hafemeister
Illustration: Jörg Hafemeister
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