Profil anzeigen

Folgen der Bombe+++Sexueller Übergriff+++Libeskind in Potsdam

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, was bleibt, wenn mitten in der Stadt ein 250-Kilogramm-Bli
MAZ Potsdam-NewsletterMAZ Potsdam-Newsletter
MAZ Potsdam-Newsletter
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

was bleibt, wenn mitten in der Stadt ein 250-Kilogramm-Blindgänger in der Havel gesprengt wird? Erinnerungen an einen gewaltigen Wums, auf jeden Fall. Dann dieses spektakuläre Foto meines Kollegen Julian Stähle (siehe unten). Schäden an Bäumen, Ufer und Wegen auf der Freundschaftsinsel. Und dann bleibt da noch Wut. Zumindest bei Sprengmeister Mike Schwitze.

Schwitzke, der Sprengmeister unseres Vertrauens, der Mann, der selbst im Angesicht der schwierigsten Bombe nicht die Ruhe verliert, Schwitzke, den wir in der Redaktion für seine unerschütterliche Coolness bewundern, der kochte dieses Mal vor Wut. Der Grund: Personen, die immer wieder versuchten, in den Sperrkreis einzudringen. Die Folge: Schwitzke konnte nicht - wie geplant - vor dem Gewitter sprengen, sein Zeitplan war hinüber. Für die Störer soll der Vorfall nun Konsequenzen haben. Und das kann mit einem Bußgeld von bis zu 5500 Euro verdammt teuer werden.

Ansonsten startet die Woche leider mit erschütternden Nachrichten. In Kleinmachnow ist am Sonntagabend eine 27 Jahre alte Frau beim Joggen im Wald nahe des Panzerdenkmals in Dreilinden überfallen und offenbar vergewaltigt worden. Die Polizei suchte mit einem Hubschrauber nach dem Täter, setzte in dem Waldstück zudem einen Spürhund ein - bisher vergeblich. Der Unbekannte ist weiterhin auf freiem Fuß.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht zum Wochenstart: Die Corona-Lage in Potsdam bleibt stabil, nur eine Neuinfektion haben die Behörden am Wochenende vermeldet. In diesem Sinne - bleiben auch Sie gesund und passen Sie auf sich auf. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Nachrichten des Tages finden Sie zudem wie gewohnt auf MAZ-online.de.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Die Bomben-Sprengung. Foto: Julian Stähle
Die Bomben-Sprengung. Foto: Julian Stähle
Das Stadtgespräch

Viele Potsdamer haben wochenlang darauf gewartet, dass die Online-Dienste im Rathaus nach Corona und Cyber-Attacke endlich wieder online sind. Am Freitag kam nun die Nachricht aus der Stadtverwaltung: Es gehen weitere Dienste ans Netz, die Online-Terminvergabe, die Bankbriefauskunft, das Wunschkennzeichen, die Melderegisterauskunft und die Statusabfrage für beantragte Reisepässe und Personalausweise funktionieren wieder. Und zwar “ab sofort”. 
Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger

Doch die Ernüchterung folgte am Montag beim Blick auf www.potsdam.de. Da nämlich hieß es auf der Seite „Online-Dienste der Landeshauptstadt Potsdam“ hinter jeder dieser Dienstleistungen noch immer: „Achtung! Diese Dienstleistung steht Ihnen derzeit nicht zur Verfügung“. Ähnlich die Auskunft zur „Terminverwaltung-Online“: „Derzeit werden alle Termine NUR telefonisch vergeben“. Was es damit auf sich hat? Das hat mein Kollege Volker Oelschläger für Sie herausgefunden. Ein Ergebnis vorweggenommen: Die KfZ-Zulassungen sind noch immer nicht verfügbar.
***
Die besondere Geschichte

Foto: privat
Foto: privat
Der klassische Nachruf erinnert an Politiker, Künstler, Vereinsvorstände, Musiker, Funktionsträger und Stadtgestalter - kurzum an Persönlichkeiten, die in der Regel über Jahre regelmäßig in der Zeitung standen. Siegfried Kroll war kein solcher Mensch. Hier und da ist mal über ihn geschrieben worden, aber eher am Rande - im Mittelpunkt der Berichterstattung stand er nie. Und doch haben wir uns entschieden, nach seinem überraschenden Tod an ihn zu erinnern, denn im Bornstedter Feld kannte ihn fast jeder - Siggi, den Mann mit dem weißen Rauschebart, dem Trecker und dem großen Herzen für Trabis. Er ist im Bornstedter Feld aufgewachsen, er hat die Russen gehen und einen neuen Stadtteil kommen sehen. Für den Podcast “Jurte Gespräche - Begegnungen unterm Filzdach” erzählte er noch einmal aus seinem Leben, zwei Tage später starb er unerwartet auf seinem Hof. Mein Kollege Peter Degener hat ihm zugehört - und erinnert in seinem Nachruf an Siegfried Kroll, ein Urgestein des Bornstedter Felds.
***
Hinter der Recherche

Die Nachricht, dass der Stararchitekt Daniel Libeskind im Streit um die Potsdamer Garnisonkirche vermitteln möchte, war vor einigen Tagen das Stadtgespräch. Die besondere Verbindung des polnisch-amerikanischen Architekten nach Potsdam wurde dabei nur am Rande erwähnt – sein Sohn Noam Libeskind ist Forscher am Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP). Die beiden haben die Stadt auch schon gemeinsam erkundet. 
Noam Libeskind an seinem Arbeitsplatz. Foto: Bernd Gartenschläger
Noam Libeskind an seinem Arbeitsplatz. Foto: Bernd Gartenschläger
Wir haben Noam Libeskind gebeten, mit der MAZ über sein Verhältnis zu Geschichte und insbesondere zur Erinnerungsarchitektur seines Vaters zu sprechen. Noam Libeskind sagte spontan zu, am Montag trafen wir ihn an seinem Babelsberger Arbeitsplatz. Er könne zwar nicht für seinen Vater und dessen Ideen sprechen, sagte er uns. Doch hat er einen interessanten Einblick gegeben, welche Fragen in der Familie Libeskind eine besondere Rolle spielen
Text: Peter Degener
***
Verkehr aktuell

Jedes Jahr kurz vor den Sommerferien ist es soweit: Die Behörden verkünden ihre Sommerbaustellen. In Potsdam geht es in diesem Jahr dort weiter, wo man ohnehin schon seit Wochen, mitunter Monaten, gerne mal im Stau steht: Leipziger Dreieck, Nuthestraße, Friedrich-Engels-Straße. Doch die eine oder andere Bauphasen-Änderung sorgt auch hier dafür, dass es ja nicht langweilig wird. Am Leipziger Dreieck zum Beispiel sind in der Heinrich-Mann-Alle ab sofort wieder alle Fahrspuren frei, in der Friedrich-Engels-Straße rollt, nein besser staut sich der Verkehr dafür künftig nur noch auf einer Fahrspur je Richtung.
Baustelle Charlottenstraße vor der Französischen Kirche. Foto: Varvara Smirnova
Baustelle Charlottenstraße vor der Französischen Kirche. Foto: Varvara Smirnova
Was sonst noch so los ist? Im Zuge der Baustelle in der Charlottenstraße vor der Französischen Kirche wird ab 29. Juni die Sperrung auf die Hebbelstraße ausgeweitet. Ab 6. Juli ist die Straße An der Alten Zauche auf Höhe der Haltestelle Magnus-Zeller-Platz halbseitig gesperrt. Die Leipziger Straße wird zwischen Speicherstadt und Leipziger Dreieck ab 13. Juli gleich mal ein ganzes Jahr lang vollgesperrt. Und die Lange Brücke ist ab dem 6. Juli für Busse gesperrt.

Sie ahnen es, auch das waren noch nicht alle Stellen, an denen in den kommenden Wochen gebaut wird. Einen Überblick über alle Potsdamer Sommerbaustellen, finden Sie hier.
***
Der kulinarische Tipp

Foto: Christopher Wecker
Foto: Christopher Wecker
Es war mitten in der Corona-Krise, alle Restaurants waren noch geschlossen, ans Reisen war auch mit viel Fantasie nicht zu denken - und dann schickte uns Christopher Wecker, der Spitzenkoch der Villa Kellermann, dieses Rezept: Cacio e Pepe, Nudeln mit Käse und Pfeffer. Foto und Name genügten - und ich saß nicht mehr in Potsdam an meinem Schreibtisch, sondern an einem kleinen Tisch in der Sonne von Rom, der Heimat dieses wunderbar simplen, aber unglaublich leckeren Pasta-Gerichts.

Ich weiß nicht, wie oft ich in bei unserem letzten Rom-Urlaub “una porzione di cacio e pepe” bestellte - und wenn mich jemand fragt, wie Rom schmeckt - dann würde ich sagen, ein bisschen wie “Cacio e Pepe”. Wer also in diesem Sommer nicht auf Reisen geht, sollte sich unter der Brandenburgischen Sonne mit diesem Pasta-Gericht unbedingt eine kulinarische Kurzreise nach Rom gönnen. Dafür braucht es nicht viele Zutaten, dafür aber ein hervorragendes Rezept, denn “ein kleiner Fehler macht aus einer perfekten Portion „Cacio e Pepe“ einen Teller Spaghetti mit Pfeffer”, meint Spitzenkoch Christopher Wecker. Sein Rezept für Cacio e Pepe finden Sie hier.
***
Unsere Entdeckung der Woche

In Berlin schaut man neidisch auf Potsdams Kulturleben in diesen Tagen – zumindest eine Berliner Freundin. Sie war erstaunt, als ich ihr von einem Konzertbesuch erzählte. Das gibt es in Berlin wegen Corona noch nicht, schimpfte sie! Und hier? Da schreitet der Nikolaisaal mit einem spontanen, vielfältigen Programm voran, lädt seit drei Wochen allabendlich Künstler in die „echtjetzt?!“-Reihe ein. Und trotz der Hygiene-Abstände und nur 75 Plätzen im Foyer ist nicht jedes Konzert ausverkauft? Echt jetzt? Das enttäuscht mich einerseits, gibt aber andererseits auch Ihnen noch die Chance, ganz spontan zuzuschlagen!
Im Foyer des Nikolaisaals wird mit Maske musiziert. Foto: Peter Degener
Im Foyer des Nikolaisaals wird mit Maske musiziert. Foto: Peter Degener
Bis Sonntag läuft „echtjetzt?!“ noch und am späten Montag waren immerhin noch für fünf Veranstaltungen in den kommenden sieben Tagen noch Tickets verfügbar. Besonders schön: Die Einnahmen gehen ohne Abstriche an die auftretenden Künstler.

Wer ganz spontan ist, genießt heute Abend ab 20 Uhr ein heiteres Ständchen vom Bläserquartett der Kammerakademie. Am Mittwoch werden Gedichte und Lieder von Heinrich Heine rezitiert und gespielt. Moderner SingerSongwriter-Jazz der Berlinerin Céline Rudolph steht am Freitag auf dem Programm. Und am Sonntag gibt es gleich zwei Kinderkonzerte, in denen der Posaunist Elias Faingersh in die Welt der Klänge entführt. Ein solches Kinderkonzert mit Großstadtmelodien habe ich am Wochenende selbst erlebt – meinem Kind hat es durchaus gefallen. Und mir erst!
Text und Tipp: Peter Degener
***
Potsdam damals und heute

Fotos: Schwarz / Gartenschläger
Fotos: Schwarz / Gartenschläger
Die Schalter- und Wartehalle des Bahnhofs in der Potsdamer Pirschheide hat den Wandel der Zeiten überlebt – von außen scheint sie sogar unverändert. 1958 entstand kurz vor dem Mauerbau an der Kreuzung der innerstädtischen Bahntrasse mit dem gerade fertiggestellten Bahnring um (West-) Berlin herum ein moderner Bahnhof im Wald und am Stadtrand. Doch der Bahnhof „Potsdam Süd“ wurde 1961 – nach dem Mauerbau – zum Hauptbahnhof. Von hier konnte (oder musste) man fahren, wenn man auf Schienen in die Hauptstadt der DDR fahren wollte.

Der Stadtbahnhof im Zentrum der Stadt hatte wegen des gesperrten Schienenwegs nach Berlin dagegen kaum noch eine Bedeutung. 1993 endete die Zeit des Bahnhofs in der Pirschheide als Hauptbahnhof. Die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden noch eine Zeit genutzt, standen schließlich leer und nur eine seltene Regionalbahn gab dem jetzt nun einfach Bahnhof Pirschheide genannten Haltepunkt noch eine Existenzberechtigung.

Dann kam der Werderaner Unternehmer Ronald Engelhardt und kaufte die Gebäude. 2013 erlaubt er dem Festival „Localize“, die Halle für Kunst und Kultur zu nutzen. Sie öffnete sich erstmals wieder den Potsdamern. 2017 öffnete er dann selbst den neuen „Klub Pirschheide“. Die Wartehalle wurde zur Tanzhalle. Und derzeit warten alle, dass wieder getanzt werden darf.
Text: Peter Degener
***
Das ist los im Umland

Ob Sie es glauben oder nicht: Werder bekommt offenbar endlich eine neue Bahnhofstoilette. Und ja, das ist in der Blütenstadt tatsächlich eine kleine Sensation. Denn dort ist das Bahnhofsklo seit sage und schreibe anderthalb Jahren defekt. Könnte man einfach reparieren, meinen Sie? Oder direkt ein neues Toilettenhäuschen aufstellen? Wenn das mal so einfach wäre. Denn im deutschen Behörden-, Zuständigkeiten- und Genehmigungs-Dschungel musste erst die Stadt mit der zuständigen Firma verhandeln, dann eine Jahr lang nach dem richtigen Ansprechpartner bei der Deutschen Bahn suchen, eine neue Firma finden, feststellen, dass es auch mit der nicht klappt - um nun endlich ein Unternehmen zu finden, dass das alte Toilettenhäuschen zurück-, ein neues aufbaut und für zehn Jahre betreibt. Ein Durchbruch, der die Schlagzeile auf jeden Fall wert ist: “Werder bekommt endlich eine neue Bahnhofstoilette.”
Hoffentlich bald Geschichte: die defekte Toilette am Bahnhof in Werder. Foto: Annika Jensen
Hoffentlich bald Geschichte: die defekte Toilette am Bahnhof in Werder. Foto: Annika Jensen
Da baut man in Stahnsdorf die Potsdamer Allee um, verringert die Fahrspuren von vier auf zwei - und vergisst ganz offenbar die Kinder. Das zumindest ist der Eindruck vieler Eltern aus der Boschsiedlung und den angrenzenden Wohnvierteln. Denn wo vor den Bauarbeiten am Übergang von der John-Graudenz-Straße in die Beethovenstraße, die geradewegs zur Grundschule führt, noch eine Bedarfsampel stand, müssen die Grundschüler nun ohne jeglich Schutzvorkehrungen die Straße überqueren. Zum Entsetzen der Eltern.
Das illegale Baden im Güterfelder Haussee könnte bald ein Ende haben. Nachdem die Gemeinde die Badestelle aus rechtlichen Gründen gesperrt hat, aber fleißig weitergebadet wird, wollen Stahnsdorfs Gemeindevertreter in Absprache mit dem Güterfelder Ortsbeirat nun zwei Lösungsvarianten verfolgen: Die Beaufsichtigung des Badebetriebes oder die komplette Beseitigung der Badestege, des Imbiss-Kiosk und der Sozialcontainer. 
***
Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Auch in diesem Jahr sind sie wieder da: die Schafe von Sanssouci. Seit 2018 ersetzen sie in den Sommermonaten den Ackerschlepper - und halten das Gras auf den Parkwiesen kurz. Zumindest für sie sind da alle Corona-Abstandsregeln außer Kraft gesetzt, was unseren Karikaturisten Jörg Hafemeister in dieser Woche zu seiner neuen Zeichnung inspirierte. Hafemeister selbst dazu: “Dicht gedrängt und ohne Maske – alles kein Problem für die Rasenmäher-Schafe in Sanssouci. Ist ja ihr Auftrag, beherzt ins Gras zu beißen…”
Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.