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Familie Grün schwer beschädigt+++Gefälschte Impfpässe im Umlauf+++Einbruch in A10-Raststätte

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
nicht schon wieder! Dieser Gedanke schießt mir seit kurzem leider viel zu häufig durch den Kopf. Gestern zum Beispiel. Da war das erste, was ich in unserem Team-Chat morgens zu sehen bekam, ein Foto von Familie Grün. Und auch, wenn ich das Trio eigentlich nicht besonders schön finde, bringt mich ihr Anblick normalerweise für einen Moment zum Lächeln. Dieses Mal allerdings habe ich als erstes den Kommentar “Maaaaaaa-haaaaaaaan, ey” gesehen, den mein Kollege unter dem Foto geschrieben hat - und erst dann erkannt: Vom Jungen sind ja nur noch die Schuhe übrig, die Figur ganz offenbar zerstört oder gestohlen. Und zack, da schoss es mir zum ersten Mal durch den Kopf: Nicht schon wieder!
Kaffee gab es an diesem Morgen zum Glück genug, auch das Fahrrad überraschte mich nicht mit den üblichen Zickereien und selbst der Nieselregen ließ kurz nach, sodass ich es trocken in die Redaktion schaffte. Doch kaum war ich da, meldete ein Kollege von der Impfaktion am Treffpunkt Freizeit: “Lange Schlangen, Impfstopp, frustrierte Wartende” - und da war er zurück, der Gedanke: Nicht schon wieder! Kurz darauf dann zumindest zwei gute Nachrichten. Erstens: Die Nachfrage nach Erstimpfungen in Potsdam steigt stetig. Und zweitens: Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) will in Potsdam ein ständiges Impfzentrum schaffen. Mindest-Laufzeit: zwei Jahre.
Auch beim Blick auf die Corona-Neuinfektionen blieb mir der “Nicht schon wieder”-Blues kurz erspart, denn an dieser Stelle zeigte das Dashboard eine Null. Leider erinnerte mich die Lektüre unseres Textes kurz darauf daran, dass das alles nicht wahr und diese Null eine trügerische ist. Wie immer montags. Denn die Stadt meldet schon seit Anfang Juni an Sonntagen keine Zahlen mehr an das Robert-Koch-Institut. Auch dieses Mal nicht.
Voll erwischt hat mich der Blues dann kurz darauf. Denn am Nachmittag kam die Nachricht: Nach dem Corona-Ausbruch auf der Urologie im Bergmann sind deutlich mehr Patienten und Mitarbeiter infiziert als zunächst bekannt - und das weckte verdammt ungute Erinnerungen an den ersten Corona-Ausbruch im Frühjahr, bei dem sich 140 Patienten und 208 Mitarbeiter infizierten, 47 Menschen starben. Das Klinikum versichert, alle nötigen Maßnahmen getroffen zu haben. Trotzdem ist der Gedanke da: Bitte nicht schon wieder!
Sie merken schon, so richtig besinnliche Weihnachtsstimmung will in dieser vierten Welle bei mir nicht aufkommen. Und trotzdem gibt es da jeden Tag irgendeinen kleinen Lichtblick. Gestern Abend hat mir eine Kollegin sogar einen riesen großen Lichtblick beschert und mir einen wunderschönen Adventskalender geschenkt. Ab 1. Dezember können mir also noch so viele “Nicht schon wieder” durch den Kopf huschen, der Morgen wird bis Heiligabend mit dem “Endlich-wieder-ein-Päckchen-auspacken”-Gedanken beginnen.
Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche auch Ihnen viele kleine und große Lichtblicke! Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße
Anna Sprockhoff
Leiterin Lokalredaktion Potsdam
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Das Stadtgespräch

Ein Impfpass mit Corona-Impfnachweis. Foto: Rainer Schüler
Ein Impfpass mit Corona-Impfnachweis. Foto: Rainer Schüler
Der Druck auf Menschen, die noch nicht gegen das Corona-Virus geimpft sind, steigt. Am Wochenende teilte die Polizei mit, dass in Potsdamer Apotheken mehrfach gefälschte Impfnachweise enttarnt worden sind. MAZ-Redakteur Rainer Schüler fragte deshalb in den Apotheken nach, was an der Theke vorgezeigt wird, woran eine Fälschung erkannt wird - und was die Mitarbeiter bei einem Verdacht tun.
Sein Kollege Peter Degener begab sich dagegen auf Recherche ins Internet. Er stellte fest: Seit Oktober wird vermehrt nach der Begriffskombination “Impfausweis fälschen” gegoogelt - auch mit dem Zusatz “Strafe” - denn es handelt sich um eine Straftat, wie den Menschen scheinbar bewusst ist. Und in Messenger-Diensten stößt man schnell auf entsprechende Angebote. Doch der Betrug mit dem Impfpass zieht wiederum auch weitere Betrüger an, die Leute um ihr Geld bringen.
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Die Corona-Lage

Wie oben beschrieben, kamen am Montag zwar keine Neuinfektionen in Potsdam hinzu - doch das liegt nur daran, dass das Rathaus sonntags nicht meldet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt dennoch bei knapp 500. In Potsdam-Mittelmark dagegen sprang die Inzidenz am Montag von 520 auf knapp 608.
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Die besondere Geschichte

Diese Verhandlung geht allen Prozessbeteiligten ins Mark. Sechs Tage schon geht es vor dem Potsdamer Landgericht um das vielleicht schlimmste Gewaltverbrechen der vergangenen Jahrzehnte in Brandenburg - die Bluttat im Oberlinhaus im April 2021. Am Montag fand der sechste Verhandlungstag statt. MAZ-Gerichtsreporterin Nadine Fabian hörte mitan, was der Notarzt aussagte, der kurz nach der Tat in der Wohneinrichtung eintrag und eines der schwerverletzten Opfer behandelte, das am Ende überlebte.
Die ergreifenden Schilderungen des gesamten Prozesses , der vermutlich noch im Advent zum Abschluss kommt, können Sie hier nachlesen:
2. Verhandlungstag: Angeklagte hatte düstere Vorahnungen
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Verkehr aktuell

Baustelle in der Friedrich-Engels-Straße. Foto: Julius Frick
Baustelle in der Friedrich-Engels-Straße. Foto: Julius Frick
Die Sperrung der Friedrich-Engels-Straße bleibt erneut länger bestehen als ursprünglich angekündigt. Grund ist ein Problem, das die Baufirmen selbst verursacht haben.
Doch nicht nur dort, sondern überall auf Potsdams Hauptstraßen wird gebaut. Hier gibt es den aktuellen Wochenüberblick, wo es in der neuen Woche eng werden wird – etwa in der Nedlitzer Straße an der Kolonie Alexandrowka
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Varvara Smirnova
Foto: Varvara Smirnova
Der Rest vom Fest? Nein, diese Glasflaschensammlung am Bassinplatz haben nichts mit dem abgesagten Weihnachtsmarkt zu tun. Mit vollen Containern dagegen schon. Immerhin haben diejenigen, die hier am Werk waren, sehr verantwortungsbewusst und platzsparend gehandelt und keinen Scherbenhaufen hinterlassen. Aber ist das nun wirklich eine Entdeckung, die in den Newsletter gehört?
Weil Sie bis hierher gelesen haben, erfahren Sie es nun als erste, bevor es nachher auf der MAZ-Internetseite steht: Die eigentliche Entdeckung hier ist das Riesenrad. Die Weihnachtsmarktbuden sind weg, doch der Koloss steht! Denn am Montag entschied der Verwaltungsstab im Rathaus, dass das Riesenrad als Kultur- und Freizeitnutzung noch stehenbleiben darf. Mindestens bis zum 15. Dezember. Also: Drehen Sie eine Runde und betrachten Sie das Holländische Viertel und die katholische Kirche aus halber Höhe.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Golden glänzt das Wort „Liebe“ auf dem dunklen Stein. Wie die zwei Tafeln mit den christlichen Geboten flankieren hier Sandsteinblöcke mit Bibelzitaten das Eingangsportal der Heilandskirche von Sacrow. Seit 1844 steht diese im Schilf am Ufer der Havel. Nach Skizzen König Friedrich Wilhelms IV. schuf Hofarchitekt Ludwig Persius den Entwurf der Kirche.
Die Heilandskirche in Sacrow. Zu beiden Seiten des Eingangs gibt es steinerne Wände mit Bibelzitaten. Foto: Varvara Smirnova
Die Heilandskirche in Sacrow. Zu beiden Seiten des Eingangs gibt es steinerne Wände mit Bibelzitaten. Foto: Varvara Smirnova
Die Vergoldung der „Liebe“ ist höchstwahrscheinlich ein nachträgliches Detail – doch angesichts der Beliebtheit gerade dieser Kirche für Hochzeiten ein besonders passendes. Die Kirche, die wie ein Schiff das Ufer schmückt und in ihrem Siegel als ihren Standort „in portu sacro“ – im heiligen Hafen – nennt, führt auch in den Hafen der Ehe.
Die Heilandskirche befand sich während der Deutschen Teilung mitten im Niemandsland zwischen Ost und West. Der Todesstreifen verlief direkt an ihr entlang. Foto: MAZ/Paul Glaser
Die Heilandskirche befand sich während der Deutschen Teilung mitten im Niemandsland zwischen Ost und West. Der Todesstreifen verlief direkt an ihr entlang. Foto: MAZ/Paul Glaser
Nicht immer konnten die Menschen von hier in ein neues Leben aufbrechen. Zwischen 1961 und 1989 befand sich die Heilandskirche inmitten des Niemandslands zwischen Ost und West. Der Todesstreifen der Berliner Mauer führte durch den Sacrower Park direkt an ihr vorbei. Mancher Grenzsoldat, der dort seinen Dienst tat, verewigte sich neben den Sandsteinen in den Backsteinmauern der Kirche mit Name, Einheit und Datum verewigten. Sie waren allerdings weder die ersten, noch die letzten, die hier ein Zeichen setzten. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichen einige Jahreszahlen auf der Fassade. „Die Liebe höret nimmer auf“, heißt es im biblischen Hohelied.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Potsdam-Mittelmark: Was die Kreistagsfraktionen für die Corona-Bekämpfung getan haben
Polizei Potsdam Mittelmark: Einbruch in A10 Raststätte Michendorf
Christian Große (CDU) soll Vize-Landrat werden: Wahl am 9. Dezember
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
“Trick Siebzehn mit Selbstüberlistung? Oder cleverer Schachzug wider die Viren? In der Landeshauptstadt sind die Weihnachtsmärkte geschlossen, in der Bundeshauptstadt sind weiterhin viele geöffnet. Dem Virus ist es das egal, es lässt sich von Reisebeschränkungen nur beeindrucken, wenn tatsächlich weniger gereist wird.”
Text und Karikatur: Jörg Hafemeister
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