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Eingebrochen im Heiligen See+++Spitzenposition unbesetzt+++Hoffnung Spucktest

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

tagelang hatte sich das Unglück angebahnt, gestern Mittag ist es dann passiert: Auf dem Heiligen See ist eine Person ins Eis eingebrochen. Schon am Wochenende hatten die Menschen die Warnungen der Feuerwehr in den Wind geschlagen und sich aufs Eis gewagt, nun passierte, was die Rettungskräfte befürchtet hatten. Mit Seilen konnten die Feuerwehrleute den Mann zwar aus dem eiskalten Wasser retten, doch damit war es nicht getan. Sie mussten auch noch die zahlreichen Gaffer vom Eis schicken - und wandten sich später mit einer deutlichen Botschaft an die Schaulustigen.
“Lebensräume statt Wohnalbträume” - das war eine weitere Botschaft, die Potsdam am Montag bewegte. Aus Protest gegen den Abriss des Nuthewäldchens hatten sich am Morgen rund 30 Menschen mit Transparenten Zutritt auf das abgezäunte Gelände am Humboldtring verschafft und die Fällarbeiten blockiert. Ihr Ziel: der sofortige Stopp der Rodung. Die Polizei rückte an, beendete den Protest - zumindest vorerst.
Neubau, Abriss, Stadtplanung… Darüber kann Potsdam leidenschaftlich streiten - und wer hier Chef-Stadtplaner ist, hat ohne Frage eine Schlüsselposition. Doch was, wenn Andreas Goetzmann in wenigen Wochen in den Ruhestand geht? Dann kommt ein neuer Chefplaner? Schön wär’s. Klar, irgendwann wird der Posten neu besetzt. Doch vorerst - so viel steht jetzt schon fest - bleibt die Spitzenposition wohl monatelang unbesetzt. Denn die Stadt hat die Neuausschreibung schlicht verschlafen.

Was sonst noch so los ist in Potsdam, lesen Sie weiter unten im Newsletter. Dort geht es um Spucktest-Hoffnungen, hungrige schwarze Vögel und das Nachtleben der Zukunft. Unseren nächsten Newsletter finden Sie wieder am Freitag in ihrem Postfach. Bleiben Sie gesund!

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

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Das Stadtgespräch

Kita-Leiter Thomas Hoß (l.) führt in der Kita "Abenteuerland" neben Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD, r.) und Oberbürgeremeister Mike Schubert (SPD) einen Corona-Schnelltest vor. Im Hintergrund steht Amtsärztin Kristina Böhm. Foto: dpa
Kita-Leiter Thomas Hoß (l.) führt in der Kita "Abenteuerland" neben Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD, r.) und Oberbürgeremeister Mike Schubert (SPD) einen Corona-Schnelltest vor. Im Hintergrund steht Amtsärztin Kristina Böhm. Foto: dpa
Wie kann das normale Leben zurückkommen? Vielleicht mit Hilfe der sogenannten Corona-Spucktests. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat sich in Potsdam angesehen, wie die funktionieren - und ob das Potsdamer Kita-Test-Modell Vorbild für den Bund sein kann. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sieht derweil noch mehr Perspektiven. „Aus unserer Sicht trägt dieses System nicht nur für die Kitas und Schulen“, sagt er. Schubert hofft vielmehr auf Schnelltest-gesicherte Optionen auch für die Wirtschaft. „Diese Strategie kann als Beispiel für andere Länder und Kommunen oder sogar für den Handel und Fitnessstudios gelten“. Was meine Kollegin Saskia Kirf davon hält, lesen Sie in ihrem Kommentar zum Thema.
Demnächst sollten die Spucktests übrigens auch für zu Hause in der Apotheke erhältlich sein. Wie die Anwendung funktioniert? Und worauf man achten muss, damit der Test auch möglichst genau ist? Das hat mein Kollege Robin Williamson mit Unterstützung einer Potsdamer Expertin ausprobiert - das Ergebnis sehen Sie hier.
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Die Corona-Lage

In Berlin gehen bereits zehn Prozent der Corona-Neuinfektionen auf eine der gefürchteten Mutationen zurück - und auch in Potsdam gibt es weitere Fälle. Insgesamt ist bisher in neun positiven Corona-Proben aus Potsdam die als hochansteckend geltende britische Variante B117 nachgewiesen worden.
Unklar ist, wie sich die Ausbreitung der Mutationen auf die Zahl der Neuinfektionen in Potsdam auswirken wird. Aktuell sind wir auf einem guten Weg - die Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter gesunken und lag am Montag bei 33,3. Auch die Situation in den Krankenhäusern hat sich weiter entspannt.
Potsdams Grundschulen bereiten sich nach den jüngsten Corona-Beschlüssen des Landes unterdessen auf den Start des Wechselunterrichts zum 22. Februar vor. Wie das konkret ablaufen soll, ob die Kinder im Stunden-, Wochen- oder Tagesrhythmus wechseln, ist von Schule zu Schule verschieden. Welche Modelle an welcher Schule derzeit diskutiert werden, lesen Sie hier.
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Die besondere Geschichte

Erik Helbl, 38, ist der Inhaber der Unscheinbar in Potsdam. Foto: Saskia Kirf
Erik Helbl, 38, ist der Inhaber der Unscheinbar in Potsdam. Foto: Saskia Kirf
Fragen Sie sich auch, wie es weitergeht mit dem Nachtleben dieser Stadt? Wird es sie jemals wieder geben - die langen Abende in einer viel zu vollen, stickigen, aber so wunderbar lebendigen Bar? Wie wird es sein, wenn Kneipen und Bars wieder öffnen dürfen? Wie passen Corona, Hygieneregeln, Drinks und Party zusammen? Darüber hat meine Kollegin Saskia Kirf mit dem Potsdamer Bar-Besitzer Erik Helbl gesprochen. Ihm gehört die Unscheinbar, eine Institution im Nachtleben der Stadt - und der 38-Jährige fragt sich selbst, wie das in Zukunft zusammenpassen soll: Party und Corona. Ein Gespräch über Pandemie, Politik und Impf-Privilegien.
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Verkehr aktuell

Foto: privat
Foto: privat
Die Behlertstraße war am Wochenende wegen eines Wasserrohrbruchs von Samstagmorgen bis Sonntagnachmittag voll gesperrt - und Sie müssen dort weiterhin mit Einschränkungen und erhöhter Staugefahr rechnen: Denn diese Woche werden in der Behlertstraße neun Bäume gefällt, die zweispurige Einbahnstraße wird zeitweilig auf nur eine Spur verengt. Die Fällarbeiten erfolgen in der laut Stadt “verkehrsärmeren Zeit” zwischen 8 und 15 Uhr. Sie sind für den Umbau der Straße nötig, der im Sommer beginnen soll. 
Wegen Gleisbauarbeiten weiterhin für Autofahrer gesperrt ist die Friedrich-Engels-Straße vom Leipziger Dreieck in Richtung Babelsberg, wobei sie ab Friedhofsgasse frei befahrbar ist. Auch die Gegenrichtung zur Innenstadt ist offen. Voraussichtlich bis 5. März dauert diese Sperrung an. Die Leipziger Straße ist wegen Leitungs- und Straßenbauarbeiten zwischen Speicherstadt und Leipziger Dreieck gesperrt. Bei der Umleitung über den Brauhausberg zur Heinrich-Mann-Allee besteht sogar erhebliche Staugefahr, teilt die Stadt mit.
Auf der Nuthestraße gibt es in beiden Richtungen zwischen Horstweg und Zentrum-Ost nur eine Spur. Grund ist der Neubau der Hochstraßenbrücken. Dort besteht vor allem in Richtung Innenstadt Staugefahr. In Eiche muss die Kaiser-Friedrich-Straße für eine Kabelverlegung in mehreren Abschnitten punktuell halbseitig gesperrt werden.
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Der kulinarische Tipp

Foto: potsdamliefert.de
Foto: potsdamliefert.de
Sie nennt sich selbst „Kräuter-Heidi“ – und auf den ersten Blick wird klar, warum. Heidi Knappe lebt in der Gemeinde Schwielowsee vor den Toren Potsdams und ist Expertin für alles, was grünt, blüht und gesund ist. In der Kräuterwerkstatt bietet sie Führungen und Kurse an, außerdem verkauft Heidi Knappe jede Menge verarbeitete Natur in kulinarischer Form. Knoblauchrauke und Gundermann, Löwenzahn, Wegerich und Giersch sind für Kräuter-Heidi keine Unkräuter, sondern besondere Spezialitäten unserer Region. Auch Marmeladen gehören zum Sortiment, noch im tiefsten Winter bringen Erdbeer-Rhabarber-Quendel oder die pikante Bauernpflaume mit Wacholder den vollen Geschmack warmer Sommertage zurück auf den Frühstückstisch.
Zu erstehen sind die köstlichen Werke im eigenen Hofladen in Schwielowsee, über die Marktschwärmerei und die Plattform Potsdam liefert und ab dem Frühjahr auch wieder auf dem Genussmarkt am Nauener Tor.
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Julius Frick
Foto: Julius Frick
Normalerweise geht es am Ufer der Nuthe eher gemächlich zu. Der Reiher ist regelmäßig zu Gast, ein paar Enten sitzen an schönen Tagen träge in der Wintersonne, hier und da steht ein Angler und wartet auf den fetten Fang. Seit kurzem allerdings ist alles anders an der Nuthe, denn die Kormorane sind eingefallen. In Schwärmen sitzen sie auf den Bäumen und am Ufer, langen beim Fischbestand der Nuthe kräftig zu. Doch woher kommen die Kormorane plötzlich? Und warum haben sie sich ausgerechnet die Nuthe ausgesucht? Mein Kollege Peter Degener hat es herausgefunden - das Ergebnis lesen Sie hier.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Cave ovem! Hüte dich vor dem Schaf! Das Schild an dieser Stelle warnt nicht vor beißwütigen Hammeln, die hier den Hof bewachen. Vielmehr muss man befürchten, dass die Vierbeiner jede Gelegenheit nutzen, um schnell reißaus zu nehmen, denn das Gras auf der anderen Seite ist doch immer saftiger und grüner. Tatsächlich lockt gegenüber der Park Sanssouci. Wer wollte da nicht auf die Wiese! Den Schafen ist es im Park zugunsten der „Landschaftspflege“ im Gegensatz zum Menschen sogar erlaubt, die Wiesen zu betreten, ganz abgesehen vom ländlichen Charme, den so eine blökende Herde zwischen Sichtachsen und Schlössern versprüht. Auch hinter diesem Zaun hatte die Schlösserstiftung der Haltung einer Reihe Schafe zugestimmt, obgleich die Initiative dazu von jemand anderem ausgegangen war - und strenggenommen Ziegen inhaltlich viel besser an diesen Ort gepasst hätten.

Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 18. Februar eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Scooby-Doo aus Teltow ist gestorben. Foto: privat
Scooby-Doo aus Teltow ist gestorben. Foto: privat
Der süße Mischling Scooby-Doo aus Teltow hat den Kampf verloren. Zwei Wurstscheiben, die vermutlich mit Rattengift präpariert waren, hatten zu Schwäche, stundenlangen Krämpfen und einer Schädigung seiner Nieren geführt. Nun versagten sie endgültig und der kleine Hund starb in den Armen seiner Besitzer. Mit ihnen trauert sein Hundefreund Mailo. 
Foto: Jens Steglich
Foto: Jens Steglich
Zwei Wolfsangriffe innerhalb kurzer Zeit sorgen in Stücken (Gemeinde Michendorf) für Unruhe. Neu ist für die Bewohner des Dorfes, dass die Wölfe bis ins Ortszentrum vorgedrungen sind. Zwei der fünf gerissenen Schafe standen in Wurfweite des Landgasthauses „Zu Stücken“, die drei anderen auch mitten im Dorf. Im Ort stellt man sich deshalb auch die Frage: Treibt der plötzlich grimmig gewordene Winter die hungrigen Räuber in die Siedlungen, weil dort leichter Beute zu finden ist? 
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Unser Buchtipp der Woche

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
Mareike Fallwickls Roman „Das Licht ist hier viel heller“ erzählt von Maximilian Wenger. Einem erfolgreichen Schriftsteller, einem Mann alter Schule, der viele Frauen hatte und an anzüglichen Kommentaren nun wirklich nichts Schlimmes findet. Doch jetzt ist er am Ende: Seine Bücher verkaufen sich nicht mehr. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und lebt inzwischen mit einem jüngeren Mann zusammen. Seine Kinder Spin und Zoey wollen auch nicht so richtig etwas mit ihm zu tun haben, sie finden keinen Zugang zu ihm und er nicht zu ihnen.
Gleichzeitig sehnen sich die Kinder nach Geborgenheit. Besonders Zoey ist verloren zwischen den Eltern, ihren Anforderungen, ihren eigenen Träumen und der ständigen Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Unsicherheit.
Eines Tages erhält Wenger messerscharfe Briefe, die eigentlich an den Vormieter seiner Wohnung gerichtet sind. Darin schildert eine Frau einen besonderes schlimmen Fall von sexuellem Missbrauch – und Wenger wittert die Chance, mit der Geschichte, seinen nächsten großen Romancoup zu landen. Seine Tochter Zoey, die die Briefe ebenfalls liest, hat hingegen einen ganz anderen Zugang zu den Briefen, weil sie sich traurigerweise mit einigen der Beschreibungen identifizieren kann.
Mareike Fallwickl hat mit „Das Licht ist hier viel heller“ einen hoch aktuellen Roman geschrieben, der sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch in seinen verschieden Auswüchsen und den Umgang damit zeigt. Das alles ist scharf beobachtet und sehr klar aufgeschrieben. Mit Figuren, die teilweise abstoßend sind, einen zum Lachen und Weinen bringen. Fallwickl urteilt dabei nie über die Figuren, sondern zeigt sie einfach, wie sie sind. Mit einer poetischen Sprache tut sie das und mit vielen grandios komponierten Sätzen, die den Leser emotional durchkneten.
Tipp und Text: Sarah Kugler
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

“Ist nicht komisch aber wahr”, schreibt Jörg Hafemeister über seine neue Karikatur: “Erst fällt der Karneval aus, dann geht die Maskerade weiter. Wie auch immer - am Aschermittwoch ist noch längst nicht alles vorbei.”
Zeichnung: Jörg Hafemeister
Zeichnung: Jörg Hafemeister
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