Profil anzeigen

Debatte um Platz der Einheit +Mysteriöser Bunker +Localize-Festival

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, ist das jetzt endlich der Herbst da draußen, den ich so se
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

ist das jetzt endlich der Herbst da draußen, den ich so sehnsüchtig erwarte? Mit knisternden Blättern unter den Schuhen, mit einem warmen Kakao und Gemütlichkeit? Die letzten Sommertage in Potsdam waren wunderschön, wir konnten noch einmal entspannt draußen sitzen und die lauen Abende genießen, aber nun scheint die heiße Jahreszeit endgültig vorbei.
Das macht besonders den Gastronomen in der Stadt Sorge. Denn die müssen weiter strenge Hygiene-Maßnahmen in ihren Räumen durchsetzen, viele haben die Möglichkeit genutzt, ihre Terrassen und Außenflächen zu erweitern. Doch die Genehmigungen dafür laufen aus - und wer will überhaupt im Winter sein Schnitzel draußen essen? Ob nun die verpönten Heizstrahler in die Stadt zurückkehren und was sich die Barmänner und Köche der Stadt für den Winter wünschen, habe ich sie einfach mal gefragt.
Gefragt hat sich offenbar auch die Potsdamer Staatsanwaltschaft so einiges. Seit dreieinhalb Monaten laufen die Ermittlungen nach dem Corona-Ausbruch am Klinikum “Ernst von Bergmann”. Jetzt kam es zu Durchsuchungen im Klinikum, rund 200 Patientenakten sowie verschiedene Unterlagen wurden beschlagnahmt.
Überhaupt bleibt die Corona-Pandemie weiter ein Thema in der Stadt. In dieser Woche gab es gleich zwei Corona-Fälle an Potsdamer Schulen, an der Max-Dortu-Grundschule scheint es glimpflich ausgegangen zu sein, welche Folgen die gestern bekannt gewordene Infektion eines Schülers der “Heinrich-von-Kleist”-Schule haben wird, ist noch nicht absehbar.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserinnen und Leser, aber mich belastet der Corona-Würgegriff. Ich nehme die Gefahr ernst, halte mich an alle Regeln und habe mir über die letzten Monate eine beachtliche Kollektion an Mund-Nasen-Masken zusammengestellt. Aber ich wünsche mir wirklich, dass es einen Weg aus dieser Krise gibt - für die Menschen, die Wirtschaft, vor allem aber für die Seele.
Bis wir aber wirklich wieder unbeschwert sein können, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. Passen Sie auf sich auf, bleiben Sie gesund und uns gewogen. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach, bis dahin wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute.

Herzliche Grüße
Ihre
Saskia Kirf
Lokalredakteurin in Potsdam
***

Das Stadtgespräch

Wie soll er denn nun heißen, dieser Platz mitten in der Stadt? Nicht zum ersten Mal debattierten die Potsdamer Stadtverordneten in dieser Woche über den Namen “Platz der Einheit”. Denn die CDU wünscht eine Umbenennung in “Platz der Deutschen Einheit”, weil die Einheit im Namen eben gerade nicht diese anspreche, sondern die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED und damit für das Unrecht in der DDR stehe.
Dieses Ansinnen mag durchaus ehrenwert sein, durchgesetzt hat es sich aber auch dieses Mal nicht - und der Beigeschmack, dass die CDU einen sehr ähnlichen Antrag der AfD vor zwei Jahren abgelehnt und nun sozusagen neu gestellt hat, bleibt.
Was auch bleibt, ist eine erhitzte Debatte der Stadtverordneten. Denn es gab auch noch zwei weitere Namensvorschläge für das Areal unterhalb der Wilhelmgalerie: Platz der Zweiheit und Platz der Spaltung. Was genau es mit diesen Ideen auf sich hat, können Sie hier nachlesen.
Foto: Rainer Schüler
Foto: Rainer Schüler
Und dann ist da noch der Stadtstaat Bremen, der bei der Werbung für seinen Einheitsexpo-Pavillon gar nicht auf die Idee kommt, dass irgendetwas anderes als die derzeit allerorten in der Stadt gefeierte deutsche Einheit gemeint sein könnte.
Warten wir’s ab, wann die nächste Runde zur Benennung erfolgt. Wie wäre es denn mit Platz der Uneinigkeit?
***
Die besondere Geschichte

Sven Stricker, Potsdamer Autor und Hörbuchregisseur Quelle: Magdalena Höfner/promo
Sven Stricker, Potsdamer Autor und Hörbuchregisseur Quelle: Magdalena Höfner/promo
Der Schriftsteller Sven Stricker stammt aus dem Ruhrgebiet, lebt aber schon lange in Potsdam. Er ist von Haus aus Hörspielregisseur, längst aber auch gefeierter Romanautor. Meine Kollegin Sarah Kugler sprach anlässlich seiner Lesung im Einheizstream der Potsdamer Bürgerstiftung mit ihm - übrigens jeden Abend während der Einheitsfeierlichkeiten ein lohnenswertes Ziel. Ein neuer Roman, die Filmpremiere seines ersten Sörensen-Krimis: Das Jahr 2020 ist für Sven Stricker höchst ereignisreich. Im Gespräch erzählt er, warum sich das wie ein Abenteuerspielplatz und auch ein bisschen skurril anfühlt.
***
Der kulinarische Tipp

Theaterklause - Kleiner sympathischer Mittagstisch
Die grundsympathische Lena Mauer und ihre Theaterklause in der Zimmerstraße sind - genau wie ihre anderen Lokale - nun wirklich keine Neuentdeckung mehr, aber ein Besuch lohnt zum Mittagstisch ebenso wie abends in der Weinbar. Das hat nun offenbar auch das Gourmet-Magazin Feinschmecker gemerkt, wir sagen Glückwunsch! Uns bei der MAZ wundert das nicht, schließlich war auch schon unsere Kritikerin Manuela Blisse hellauf begeistert von der regionalen Hausmannskost zum fairen Preis.
***
Unsere Entdeckung der Woche

Foto: privat
Foto: privat
Was beim Spielen im Wald so alles zutage tritt. Diese Woche haben Kinder haben in der Gemeinde Nuthetal einen mysteriösen Bunker im Wald gefunden - aufwendig ausgebaut mit Utensilien für einen längeren Aufenthalt. Der Unterschlupf ist massiv mit Holz abgestützt und innen verkleidet, es gibt eine Kochnische, Stühle, eine Baumarktliege - außerdem vieles, was man für einen längeren Aufenthalt unter Tage braucht.
Der Fund gibt der Gemeinde etliche Rätsel auf. Wann ist er gebaut worden? Von wem? Und vor allem warum? Handelt es sich bei dem Erbauer womöglich um einen Prepper? Anhänger dieser Szene fürchten große Katastrophen - ob Börsencrash, Terroranschlag oder Pandemien - und bereiten sich auf den Ernstfall vor. Die Gemeinde versucht nun mehr über den Erbauer herauszufinden. Der Bunker ist allerdings aus Sicherheitsgründen abgerissen worden. Das hat offenbar auch der Erbauer des Bunkers mitbekommen - und ist womöglich vor dem Abriss nochmal zurückgekommen, um sein Funkgerät zu sichern. Oder war es jemand anderes? Wir sind gespannt, wie dieses Rätsel ausgehen wird - und bleiben selbstverständlich dran!
Foto: privat
Foto: privat
***
Bilderrätsel: Die Auflösung

Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Die Kamera hat eine irritierende Perspektive eingenommen – der Betrachter schaut nach oben an die Decke, die von Säulen gestützt wird. Die Säulen sind bunt bemalt und stehen alles andere als gerade. Von weitem wirken sie wie ein riesiges Mikado-Spiel.
Es handelt sich um den Eingang der Filmuniversität „Konrad Wolf“ in Babelsberg. Mit ihrer Gründung im Jahr 1954 handelt es sich um die älteste Hochschule des Filmhandwerks in Deutschland.
So sieht der Eingangsbereich die Filmuniversität Babelsberg aus. Foto: Peter Degener
So sieht der Eingangsbereich die Filmuniversität Babelsberg aus. Foto: Peter Degener
Der Neubau wurde von 1998 bis 2000 errichtet und feiert in wenigen Tagen seinen 20. Geburtstag. Er beendete die Diaspora der Filmstudierenden, die bis dahin auf 19 Villen am Griebnitzsee verteilt lernten und arbeiteten. Der großzügige Bau vom Hamburger Büro „Me Di Um“ mit seinem markanten Glasdach und den hellen überdachten Höfen ist für die Studierenden mittlerweile zu klein, ein großer Anbau schon fast fertig.
Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
***
Das ist los im Umland

Wittbrietzens Ortsvorsteherin Simone Spahn. Foto: Jens Steglich
Wittbrietzens Ortsvorsteherin Simone Spahn. Foto: Jens Steglich
Ein Heim für alle Generationen mit Kita, Küche und Kaffeeklatsch-Zimmer für Senioren – ein Traum? Mitnichten. Beelitz macht es wahr. Die Stadt kauft einen historischen Bauernhof in Wittbrietzen, um ein Mehrgenerationen-Projekt umzusetzen, hat mein Kollege Jens Steglich erfahren. Der zentral gelegene Vierseithof soll ein neues Zentrum für die Dorfgemeinschaft werden und kann als Vorzeigeprojekt sogar über Dorf- und Stadtgrenzen hinaus wirken. Wittbrietzens Ortsvorsteherin Simone Spahn hatte sich für die Idee stark gemacht. Sie hat auch schon kleine neidische Reaktionen aus Nachbardörfern geerntet.
Zerstörter Hochsitz. Quelle: Jagdgenossenschaft Stahnsdorf-Kleinmachnow
Zerstörter Hochsitz. Quelle: Jagdgenossenschaft Stahnsdorf-Kleinmachnow
Fast hatten wir sie schon vermisst: die Wildschwein-Erlebnisse aus der TKS-Region. Doch die Herrschaften Eber, Bache und Frischling sind weiterhin sehr aktiv in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf – nur, dass der Umgang mit ihnen, sagen wir mal, „rauer“ geworden ist. In dieser Woche trieb sich eine Rotte auf einem verwilderten Grundstück in einer Teltower Wohnsiedlung herum. Beobachter informierten daher den Stadtjäger, der sogleich mit einem Kollegen hinzukam. Nach Stand der Dinge, den unsere Reporterin Konstanze Kobel-Höller bislang in Erfahrung bringen konnte, legten sie auf zwei Tiere an und erschossen diese. Technisch war das wohl ungefährlich, weil die Schüsse in eine Sandkuhle gingen, doch wurde die Nachbarschaft aufgeschreckt. Auch Kita-Kinder, die gerade abgeholt wurden und dann in Tränen ausbrachen. Wie umstritten die Jagd bleibt, zeigen zudem Attacken gegen die Jäger-Gemeinschaft. Zum vierten Mal wurde ein Hochsitz schwer beschädigt. Schnell ging die Vermutung um, aggressive Tierschützer steckten dahinter. Nachgewiesen ist das aber nicht.
Text: Alexander Engels
***
Unser Tipp fürs Wochenende

Diese Performance war bereits am Donnerstag auf der Brandenburger Straße zu sehen. Das „Vogueing“ stammt aus der queeren Szene und nimmt Posen aus dem Modemagazin Vogue auf. Quelle: Peter Degener
Diese Performance war bereits am Donnerstag auf der Brandenburger Straße zu sehen. Das „Vogueing“ stammt aus der queeren Szene und nimmt Posen aus dem Modemagazin Vogue auf. Quelle: Peter Degener
Das Localize-Festival ist zurück! Unter dem Motto “Center Shock” bespielt das Team aus kreativen Potsdamer in diesem Jahr die Innenstadt. Die Festivalmacherinnen Doreen Löwe und Jana Kamm sprachen einige Wochen vor dem Festival mit der MAZ und präsentierten ihre Ideen für ein Event unter Corona-Bedingungen.
Jana Kamm und Doreen Löwe wollen mit ihren Team und dem Localize-Festival einen neuen Blick auf die Innenstadt ermöglichen. Bild: Bernd Gartenschläger
Jana Kamm und Doreen Löwe wollen mit ihren Team und dem Localize-Festival einen neuen Blick auf die Innenstadt ermöglichen. Bild: Bernd Gartenschläger
Seit Donnerstag nun läuft das Festival. Gehen Sie hin, es lohnt sich! Alle Angebote sind kostenfrei und haben das Ziel, sich mit dem Zusammenleben in der Stadt partizipativ zu beschäftigen. Ein neuer Blick auf die eigene Stadt ist sicher eine gute Idee. Das ganze Programm gibt’s auf der Homepage des Localize.
***
Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Das Schicksal der rund 12.000 geflüchteten Menschen, die in Moria auf der griechischen Insel Lesbos nach einem Feuer auf der Straße leben, bewegt viele Menschen in Potsdam. Andere haben kein Verständnis, im Gegenteil, sie hetzen gegen diejenigen, die nichts mehr zu verlieren haben. Unser Videokolumnist Marcus Gude wird bei diesen Thema emotional - und sehr deutlich.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 16
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 16
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.