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Corona-Lage+++Kritische Infrastrukur+++Infektionsfall in der Familie

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich hat diese Woche der Corona-Blues gepackt. Rasant steigende Infektionszahlen, der zweite Lockdown und die Aussicht, auf nicht absehbare Zeit weder Freunde noch Familie in größerer Runde zu sehen - das macht mir echt zu schaffen. Umso wichtiger: kleine Lichtblicke, Gelegenheiten zum Lachen - und Kollegen, die einem mit tollen Geschichten den Tag versüßen.
Manchmal reicht dafür schon eine Überschrift. “Grasen bei Königs: Ihre Mähjestäten von Sanssouci”, titelte Nadine Fabian für ihre Geschichte über die Schafe von Sanssouci und zauberte mir damit ein breites Grinsen ins Gesicht. Mit Spannung verfolgt habe ich außerdem die Live-Berichterstattung meiner Kollegen Peter Degener, Saskia Kirf und Volker Oelschläger aus der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch mit vielen wichtigen Entscheidungen zur Zukunft des RAW-Projekts “Creative Village”, dem Kinderbauernhof, der Grundschule Heinrich-Mann-Allee oder dem Bürgerhaushalt. Und dann haben wir es auch noch geschafft, Netflix endlich mehr Details zu entlocken über den jüngsten Dreh im Park Sanssouci. Rainer Schüler hat außerdem erneut miterlebt, wie ein Mieter der Pro Potsdam im letzten Moment von der Räumung verschont wurde.
Zum Trübsal blasen blieb da am Ende also kaum noch Zeit. Deshalb machen wir einfach so weiter: Wir halten Sie nicht nur weiter über die aktuelle Corona-Lage auf dem Laufenden, sondern berichten für Sie - und ein bisschen auch für uns - weiterhin über all die anderen spannenden, lustigen, bewegenden und wichtigen Ereignisse in dieser Stadt.
Liebe Leserinnen und Leser, bleiben Sie gesund - und uns treu. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Foto: Rüdiger Böhme
Foto: Rüdiger Böhme
Bisher war der Kurs der Politik eindeutig: Schulen und Kitas sollen möglichst durchgehend offen bleiben. Doch wie sich nun in Potsdam zeigt, ist es nicht immer die Politik, die Einschränkungen und Schließungen anordnet - im Notfall müssen die Einrichtungen selbst die Notbremse ziehen. Noch ist es zwar nicht so weit, doch die Träger bereiten die Eltern sicherheitshalber schon mal auf Einschränkungen, Teil- oder auch Komplett-Schließungen vor. Über die Gründe informieren sie in einem Brandbrief - mehr dazu lesen Sie hier.
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Die aktuelle Corona-Lage

Foto: Varvara Smirnova
Foto: Varvara Smirnova
Die Corona-Infektionen in der Stadt steigen immer rasanter, die Lage wird immer unübersichtlicher. In unserem Newsletter informieren wir Sie deshalb ab sofort in einer eigenen Rubrik in aller Kürze über den aktuellen Stand.
Die Zahlen
Normalerweise meldet die Stadt Potsdam täglich die Zahl der Neuinfektionen, am Donnerstag sorgte allerdings ein Eingabefehler in der Datenbank für Verwirrung. Gemeldet waren zunächst 59 neue Fälle - doch die Zahlen stehen unter Vorbehalt. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist daher für Donnerstag nicht seriös zu bestimmen, am Mittwoch lag sie bei 112 - das heißt, in den vergangenen sieben Tagen gab es 112 Fälle pro 100.000 Einwohner.
Die Situation in den Krankenhäusern
Im Ernst-von-Bergmann-Klinikum werden aktuell 20 Covid-Patienten auf der Normalstation und sieben auf der Intensivstation behandelt. Im kleineren Josefskrankenhaus lagen am Donnerstag sechs Patienten. Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Infektionszahlen hat das Klinikum „Ernst von Bergmann“ am Mittwoch zum zweiten Mal die Behandlungskapazitäten für Covid-19-Patienten erhöht. 
Die Entwicklung
In den vergangenen Tagen hat sich das Virus vor allem in Schulen und einem Pflegeheim ausgebreitet. Allein 38 der 79 Neuinfektionen am Mittwoch wurden aus einer Senioreneinrichtung gemeldet, darunter 28 Bewohner sowie zehn Mitarbeiter. Auch zahlreiche Schulen der Stadt sind inzwischen betroffen, seit Sonntag sind damit vier Grundschulen und fünf weiterführende Schulen sowie zwei Kitas zu möglichen Infektionsherden geworden - ein erheblicher Teil der knapp 500 Quarantänefälle ist auf die Schulen und Kitas zurückzuführen.
Einen ausführlichen Überblick zu allem Wissenswerten rund um die aktuelle Corona-Lage in der Stadt lesen Sie hier.
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Die besondere Geschichte

Foto: Peter Degener
Foto: Peter Degener
Der erneute Corona-Lockdown trifft zahlreiche Branchen und quasi jeden Potsdamer – doch für einige wenige Dutzend Menschen in der Stadt muss eine Infektion mit Corona unbedingt ausgeschlossen werden.
Denn sie steuern die Versorgung der Potsdamer mit Strom, Fernwärme, Gas und Wasser und organisieren den Netzbetrieb der Straßenbahnen und Busse. Die Leitstellen der Energie und Wasser Potsdam (EWP) und des Verkehrsbetriebs (ViP) gehören zur absolut kritischen Infrastruktur für die Aufrechterhaltung des Lebens in der Stadt. Wie das in Zeiten der Pandemie sichergestellt werden soll, lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
Wir nähern uns mit großen Schritten der Weihnachtszeit, und auch ohne Glühwein auf offener Straße gibt es ein paar Spezialitäten, auf die wir uns freuen dürfen. Für mich gehört Baumkuchen zum Beispiel ganz zwingend zum Advent dazu. Der “König der Kuchen” ist unendlich aufwendig zu machen - und unendlich lecker. Der Potsdamer Konditormeister Gregor Thomas hat jetzt Baumkuchen in weiß, Vollmilch und zartbitter im Angebot. Wer sich nicht entscheiden kann, greift zur gemischten Tüte. In Thomas’ Geschäft “Süße Schwestern” in der Dortustraße gibt’s die Köstlichkeit zu kaufen.
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Unsere Entdeckung der Woche

Nimm den Schellenkranz und lass Dich überraschen. Foto: Peter Degener
Nimm den Schellenkranz und lass Dich überraschen. Foto: Peter Degener
Vor dem Kosmos-Mosaik in der Dortustraße hängt eine Strippe herunter, daran ein Weidenkorb und ein Schellenkranz. Wer sich traut zu klingeln und sich auf die “Konzertcouch” daneben setzt, wird von Robert Bernier begrüßt. Denn sobald es klingelt - und da reicht auch mal ein Windstoß - schaut der Musiker aus dem Fenster seines Tonstudios im ersten Stock. Was darf es denn sein? Die “menschliche Jukebox”, wie er von sich sagt, hat ein breites Repertoire und ein Mikrofon samt Lautsprechern am Fenster.
Robert Bernier lebt seit Sonntag im kreativen Lockdown. Der Musiker ist in sein Atelier gezogen, wo er Fensterkonzerte gibt, pausenlos live im Internet zu sehen ist und allein von Lebensmittelspenden lebt, die Passanten ihm ins Körbchen legen.
Gehen Sie hin, lassen Sie sich für zwei Songs kulturell beflügeln und bringen Sie ihm nicht nur Süßigkeiten mit. Davon hat er nämlich genug. Wie es dazu kam, wem er sein erstes Fensterkonzert gegeben hat und wie lange er das wohl durchhält, hat er der MAZ erzählt.
Robert Bernier hat sich eingesperrt - und alle können ihm im Internet zuschauen. Foto: Peter Degener
Robert Bernier hat sich eingesperrt - und alle können ihm im Internet zuschauen. Foto: Peter Degener
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Wir wollten wissen, wo in Potsdam das ist. Foto: Peter Degener
Wird da ein Kunstwerk abgerissen? Nun, zumindest teilweise. Die sogenannte Adler-Kracht-Mauer auf der Plantage wäre aber beinahe vollständig abgerissen worden – doch Sanierungsträger, Landschaftsgestalter und vor allem einige architekturbeflissene Mieter im Kreativhaus Rechenzentrum haben erkannt, was es mit der Formsteinmauer aus Beton auf sich hat (die MAZ berichtete darüber kürzlich).
Sie stammt vom Dresdner Duo Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht und wurde 1978 zur nördlichen Einfriedung der mittlerweile abgerissenen Rechnerhalle des Rechenzentrums aufgestellt. Die Künstler galten als renommiert, Karl-Heinz Adler hat sogar internationale Resonanz erzeugt und ist auch in der Sammlung von Barberini-Gründer Hasso Plattner vertreten.
Die Formsteinmauer mit dem temporären Kunstwerk "Adler" aus Holz. Foto: Bernd Gartenschläger
Die Formsteinmauer mit dem temporären Kunstwerk "Adler" aus Holz. Foto: Bernd Gartenschläger
Im Sommer rückte die Mauer auch den Passanten deutlich in den Blick, die sie seit Jahren vermutlich kaum mehr wahrgenommen hatten. Da wurde sie für einige Wochen weithin sichtbar von einem Holzgerüst überragt, dass die Form der Steine aufnahm – ein temporäres Kunstwerk im Rahmen der „Transformale“-Ausstellung.
Bei der Neugestaltung der Plantage als Freizeit-, Grün- und Sportfläche spielte die Adler-Kracht-Mauer lange keine Rolle. Der Wettbewerbssieger für die Gestaltung, das Büro Hutterreimann, änderte aber seine Pläne. Allein dort, wo Wege entlang führen sollen (etwa eine 400-Meter-Laufbahn für den Schulsport), werden einzelne Segmente abgebaut.
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Foto: Marijan Murat/dpa
Foto: Marijan Murat/dpa
Positiv auf Corona gestet? Das heißt Quarantäne. Aber was wird mit Angehörigen, Arbeitskollegen, Nachbarn oder Freunden - den „Kontaktpersonen ersten Grades“? Kaum jemand hat bis jetzt eine klare Antwort darauf. Außer die MAZ, die Antworten lesen Sie hier.
Foto: Lutz Pahl
Foto: Lutz Pahl
Wer in den Abendstunden oder nachts die B 2 zwischen Buchholz und Salzbrunn entlangfährt, könnte meinen, am Straßenrand bohren sie jetzt nach Erdöl oder es entsteht ein Raketenstartplatz. Für den Buchholzer Lutz Pahl sieht das, was dort hell erleuchtet in die Höhe ragt, in der Nacht gar ein bisschen wie das Kennedy Space Center in Florida aus. Nein, eine Raketenabschussrampe oder eine Kopie des Nasa-Weltraumbahnhofs in Florida wird nicht gebaut. An der Bundesstraße 2 zwischen Buchholz und Salzbrunn, wo jetzt ein Riesenbohrer zum Einsatz kommt, geht vielmehr nach mehr als 40 Jahren eine Ära zu Ende. Mehr dazu lesen Sie hier.
Foto: Karim Saab
Foto: Karim Saab
Im Frühjahr 2020 besucht MAZ-Kulturredakteur Karim Saab den Rehbrücker Autor Kurt Baller, um ihn zu porträtieren. Der Historiker, der fast erblindet ist, hat gerade ein Buch über die Jahre 1938/39 in Potsdam geschrieben und damit seine Potsdam-Chronik vervollständigt, in der er das Geschehen in den dunklen Nazi-Zeiten dokumentiert. Einige Wochen später ruft Kurt Baller an und sagt: „Herr Saab, ich habe Krebs. Ich werde sterben. Sie haben so ein schönes Foto gemacht. Dieses Foto soll auf meinen Grabstein.“ In der Stimme ist keine Traurigkeit. „Er wirkte so munter dabei“, erzählt Saab.
Am Samstag ist Kurt Baller, der Autor zahlreicher Bücher zur Ortshistorie von Potsdam und Bergholz-Rehbrücke, gestorben. Der akribische Spurensucher, der auch Sänger und Gitarrist war, hat in seiner Heimat eine Menge eigener Spuren hinterlassen. Mein Kollege Jens Steglich erinnert sich an ihn.

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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Die Lockdownmaßnahmen wegen der Coronapandemie beschäftigen uns alle. Auch der MAZ-Videokolumnist Marcus Gude ist nicht begeistert, dass er jetzt kein Feierabendbier mehr trinken gehen darf. Aber er sagt: Was muss, das muss eben.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 22
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 22
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