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Corona-Inzidenz sinkt endlich +++ Erinnerungen an Pandemie-Opfer +++ Schmorgurken aus Babelsberg

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!
Es ist doch erstaunlich, wie wir uns gemeinsam an die Skurrilitäten des Corona-Alltags gewöhnt haben. Die Maske ist festes Accessoire im Alltag geworden und vor dem Geburtstagsbesuch bei meiner Mutter lese ich heuer schnell in der aktuellen Verordnung nach, ob dieser eigentlich erlaubt ist - zu Tante Helga in Berlin, die am selben Tag jubiliert, hätte ich jedenfalls nicht gedurft.
Auch an gleichbleibend hohe Zahlen an Neuinfektionen habe ich mich erschütternd schnell gewöhnt - ich erinnere mich noch genau an sorgenvolle Gespräche mit Kollegen beim Erreichen der verschiedenen Risiko-Stufen des Inzidenzwerts. Jetzt lag Potsdam praktisch einen ganzen Monat lang deutlich über 200, die Panik ist gewichen, der Respekt geblieben. Am Montag dann endlich eine Neuigkeit, die in die richtige Richtung zeigt: Potsdams Corona-Inzidenz sinkt. Mehr dazu und ob das jetzt wirklich ein vorsichtiger Grund zur Freude ist, erfahren Sie in diesem Newsletter.
Das Virus beschäftigt uns weiter, denn es wirkt sich auf praktisch jeden Lebensbereich aus. Selbst der dringend notwendige Bau von Wohnungen verzögert sich.
Und es gibt immer mehr Opfer zu beklagen. 147 Potsdamer sind infolge einer Corona-Infektion gestorben, der Pfarrer Günter Schalinski ist einer von ihnen. Ein langjähriger Weggefährte hat seine berührenden, sehr persönlichen Erinnerungen an den nun Verstorbenen in der MAZ veröffentlicht. Auch dazu lesen Sie im Newsletter mehr.
Liebe Leserinnen und Leser, wer weiß, wie viele Menschen wir noch betrauern müssen - lassen Sie uns weiter zusammen durch diese Pandemie kommen, aufeinander achten und auch mal Verständnis haben, wenn jemandem mal die Kraft oder die gute Laune ausgeht. Bleiben Sie gesund und uns gewogen.
herzliche Grüße
Saskia Kirf
Redakteurin in Potsdam

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Das Stadtgespräch

Was steht drin im lange erwarteten Bergmann-Bericht der Expertenkommission rund um die frühere Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke)? Wir werden es erfahren, denn nachdem am Montag der Aufsichtsrat des kommunalen Potsdamer Klinikums “Ernst von Bergmann” den Bericht zur Kenntnis genommen hat, beschloss er, ihn auch den Stadtverordneten zugänglich zu machen - und der Staatsanwaltschaft.
Das ist spannend. Denn das 13-köpfige Gremium hatte seit Mitte Mai vergangenen Jahres geprüft, ob grundlegende organisatorische und hygienische Defizite im Klinikum zu Fehleinschätzungen und Fehlhandlungen beim Corona-Ausbruch mit hunderten Infizierten und 47 Toten im Klinikum führen konnten. Untersucht werden sollte dabei auch das Zusammenwirken des Aufsichtsrates, der Verwaltung der Landeshauptstadt, der Gesellschaft sowie der politischen Gremien in dieser Situation. Am Mittwoch erfährt der Hauptausschuss mehr.
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Die besondere Geschichte

Günter Schalinski bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2003. Quelle: Joachim Liebe
Günter Schalinski bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand 2003. Quelle: Joachim Liebe
Fast 30 Jahre lang war Günter Schalinski Pfarrer der Potsdamer Pfingstgemeinde, nun ist er kurz nach seinem 80. Geburtstag in Potsdam an einer Corona-Infektion gestorben. Sein enger Wegbegleiter Martin Vogel erinnert sich in einem sehr persönlichen Nachruf an ihn als besonderen Menschen:
“Günter Schalinski zeigte uns als Pfarrer, der auf Gott vertraut, dass seine Weltwahrnehmung achtsam, ehrlich und anteilnehmend war. Er gab uns das Gefühl wichtig zu sein, weil wir etwas bewirken können, das eines Tages den Unterschied macht.”
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Corona-Lage

Endlich sinkt die Inzidenz – aber was heißt das jetzt für die Potsdamer? Quelle: Hans Punz/APA/dpa
Endlich sinkt die Inzidenz – aber was heißt das jetzt für die Potsdamer? Quelle: Hans Punz/APA/dpa
Zeigt der harte Lockdown endlich Wirkung? Die Sieben-Tages-Inzidenz in Potsdam ist an diesem Montag unter 200 gesunken, zum ersten Mal in diesem Jahr. Vier Neuinfektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 wurden in den vergangenen 24 Stunden im Labor bestätigt. Drei weitere Menschen sind infolge einer Infektion verstorben, die Zahl der Corona-Toten in Potsdam erhöht sich damit auf 147.
Doch was heißt das für die geltenden Einschränkungen? Die umstrittene 15-Kilometer-Regel, nach der sich Einwohner von Landkreisen oder kreisfreien Städten nicht weiter als 15 Kilometer von ihrer jeweiligen Kreis- oder Stadtgrenze entfernen dürfen, wird erst dann zurückgenommen, wenn die Inzidenz mehr als fünf Tage am Stück unter 200 liegt. Dafür müssten die Zahlen in Potsdam also dauerhaft niedrig bleiben. Alles Wichtige zu Kita-Öffnungen und den anderen geltenden Maßnahmen haben wir hier zusammengefasst.
Zugleich aber machen die Mutationen des Corona-Virus viele Menschen große Sorgen. Besonders ansteckend seien die, heißt es. Auch in Potsdam werden nun aktiv Mutanten - ja, so heißt das wirklich - gesucht.
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Verkehr aktuell

Es sind die Dauerbaustellen, die den Verkehr in Potsdam auch in dieser Woche stocken lassen. Auf der Nutheschnellstraße bleiben die Fahrspuren reduziert, die Abfahrt Friedrich-List-Straße ist nicht nutzbar. Die Friedrich-Engels-Straße ist, vom Leipziger Dreieck kommend, in Richtung Babelsberg in Höhe Hauptbahnhof für Autos gesperrt, vor dem Bahnhof ist außerdem die Fußgängerquerung verschoben worden.
Die Leipziger Straße bleibt zwischen Speicherstadt und Leipziger Dreieck voll gesperrt. Hier besteht erhebliche Staugefahr am Brauhausberg. Es wird eine weiträumige Umfahrung empfohlen.
Vorsicht ist auch im Norden geboten: Die Fußgängerampel in der Pappelallee Ecke August-Bonness-Straße wird am morgigen Mittwoch voraussichtlich ab 7 Uhr bis circa 18 Uhr abgeschaltet.
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Der kulinarische Tipp

Foto: privat
Foto: privat
Ich empfinde seit Jahren eine tiefe Liebe für ein typisches Essen unserer Region: Schmorgurken sind für mich eines der besten Gerichte der Welt. Denn obwohl ich in meiner Kindheit fies-verkochten Gurkenmatsch mit dieser Köstlichkeit assoziierte, habe ich irgendwann mal im Babelsberger Traditionsrestaurant Otto Hiemke welche probiert - es war ein echtes Erweckungserlebnis. Seitdem halte ich sowohl auf die Gurken als auch auf Hiemke große Stücke und möchte deshalb heute den Liefer- und Abholdienst des geschichtsträchtigen Lokals empfehlen.
Gutbürgerliche Küche wie Kasslerbraten mit Sauerkraut, Spanferkelrollbraten oder die grandiose Bulette mit meinen heißgeliebten Schmorgurken werden täglich von 12 bis 19 Uhr zubereitet, innerhalb Babelsbergs ab einem Mindestbestellwert von 25 Euro sogar geliefert. Karte und Kontaktdaten finden Sie auf der Homepage des Lokals.
Ich hoffe wirklich, den 125. Hiemke-Geburtstag in diesem Jahr im Restaurant feiern zu können - bis dahin gibt’s eben Gurken für zu Hause.
Tipp: Saskia Kirf
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo in Potsdam ist das? Foto: Peter Degener
Wo in Potsdam ist das? Foto: Peter Degener
An den Potsdamer Fassaden wimmelt es vor Figuren. Pausbäckige Puttenköpfe, bärtige alte Männer, die Grimassen schneiden, würdevolle Göttinnen und wilde Löwen schauen auf uns herab und wachen über den Eingängen. Scheinbar haben die immer gleichen Menschen und Raubkatzen Modell gesessen, denn es gibt wiederkehrende Gesichter, einen ganzen Kanon an typischen Formen.
Deshalb fällt es besonders auf, wenn plötzlich ein einzigartiges Geschöpf ein Haus schmückt. So wie dieser Waldbewohner, der an einer Hausecke aus etwas Eichenlaub hervorlugt. Er ist nicht allein. An der nächsten Ecke des Hauses, hat ein anderes Tier schon die Fährte aufgenommen.
Der Architekt des gesuchten Gebäudes am äußersten Stadtrand ist dafür bekannt, dass sich seine Häuser mit ihren verschachtelten Formen auf den ersten Blick sehr ähneln. Dabei sind sie nicht nur funktional, sondern ebenso wie die Terrakotta-Köpfe am gesuchten Ort alle einzigartig. In diesem Fall kann sich der Betrachter mit den Tieren nicht nur eine kleine Szene ausmalen – er ahnt womöglich auch, wer hier einst wohnte.
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 21. Januar eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Vergessen Sie Ihre Postadresse nicht, denn Sie können ein kleines Paket gewinnen.
Rätsel: Peter Degener
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Brauchen Sie noch eine Alltagsmaske? Ab sofort gibt es diese auch im MAZ-Shop. Einfach hier klicken und für 4,95 Euro bestellen.
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Foto: privat
Foto: privat
Das ist los im Umland

Mit einer Verspätung von zweieinhalb Monaten wurde der Quarantänebescheid für den Werderaner Jobst Heitzig vom Gesundheitsamt versandt. Schon die Kontaktaufnahme mit dem Amt hatte sich Ende Oktober für den 48-Jährigen als schwierig herausgestellt. Im Landkreis hofft man unterdessen, dass durch die Neustrukturierung des Amtes mit Ende des Monats „alle Probleme“ behoben sind. Die ganze Geschichte lesen Sie hier.
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Die Werte für die Sieben-Tage-Inzidenz für die Kommunen in Potsdam-Mittelmark berechnet die MAZ jetzt für Sie - damit Sie genau wissen, was sich vor Ihrer Haustür in Sachen Covid-19-Infektion so tut. Informieren Sie sich über Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf, über Michendorf, Beelitz, Nuthetal und Seddiner See sowie über Werder, Schwielowsee und Gross-Kreutz.
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Das klingt nach einer schweren Operation an der B 2: Um einen Unfallschwerpunkt zu beseitigen, plant der Landesstraßenbetrieb, die Bundesstraße im Abschnitt zwischen Seddin und Beelitz zu verlegen. Die neue Trasse soll östlich der bestehenden Straße entstehen und ein altes Problem aus der Welt schaffen, das in der Vergangenheit auch zu schweren Unfällen führte: Die B 2 zwischen Seddin und Beelitz weist einige Kuppen und Senken auf, der Gegenverkehr ist deshalb nur schwer zu sehen. Die Verlegung der B 2 soll die Gefahr verringern. Gegen den Plan, die neue Trasse durch einen Wald zu führen, formiert sich allerdings Widerstand. „Wir sollten den Wald dort aufwerten und nicht für die nächste Straße opfern“, sagt die Chefin der Beelitzer Grünen. 
Unser Buchtipp der Woche

Foto: Sarah Kugler
Foto: Sarah Kugler
In ihrem Roman „Die Wahnsinnige“ erzählt Alexa Hennig von Lange die Geschichte von Johanna von Kastilien (1479 – 1555). Auf gerade mal 208 Seiten tut sie das, in einer erfrischend modernen Sprache ohne unnötige Schnörkel. Sie verzichtet auf detaillierte historische Faktenabhandlungen und auch auf eine historisch konnotierte Sprache, was diesen Historienroman zu einem Highlight seines Genres macht.
Johanna ist spanische Thronfolgerin, verhält sich allerdings nicht so, wie es von ihr erwartet wird. Sie neigt zu starken Emotionen, teilweise zu Wutausbrüchen. Wahnsinn nennen das ihre Gegner, darunter ihre eigene Mutter und Johannas Ehemann. Ob sie damit Recht haben oder einfach nicht mit dieser starken Persönlichkeit umgehen können und eben ihre eigene Macht behalten oder sogar mehr Macht erhalten wollen, lässt Alexa Hennig von Lange offen.
Dafür bleibt sie sehr nahe an dieser jungen Frau, die sich trotz ihres Geschlechts gegen die patriarchisch geprägten, gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit erhebt und ihre Machtposition festigen möchte. Die liebt, sexuelle Sehnsüchte hat und versucht, sich selbst treu zu bleiben. Das alles liest sich unglaublich spannend und macht darüber hinaus Lust, noch mehr über Johanna von Kastilien zu lesen, die übrigens die Schwester von Katharina von Aragon, der ersten Frau Henry VIII. war.
Tipp: Sarah Kugler
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Grauer Abrisskandidat oder herausragende DDR-Bauikone? Am ehemaligen Interhotel scheiden sich die Geister. Nun prüft das Landesamt für Denkmalpflege, ob das Mercure in den Stand eines schützenswerten Baudenkmals erhoben werden soll. Es bleibt also spannend.
Karikatur: Jörg Hafemeister
Karikatur: Jörg Hafemeister
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