Bußgeld-Offensive in Sanssouci++Warten auf einen Prozess++Weiter Kritik am Bürgerservice

#197・
Potsdam ganz nah
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Liebe Leserinnen und Leser,
wir sind Babelsberg, wir sind Oscar! Der berühmteste Filmpreis der Welt geht einmal mehr in die Medienstadt. Der Special-Effects-Meister Gerd Nefzer hat für seine Arbeit am Science-Fiction-Epos “Dune” am Montagmorgen schon zum zweiten Mal die goldene Trophäe in Los Angeles überreicht bekommen. Wer Gerd Nefzer ist und warum er beinahe die Preisveleihung verpasst hat, hat mein Kollege Karim Saab recherchiert. Und wenn Sie sich fragen: Wieviele Oscars dürfen die Babelsberger denn mittlerweile für sich reklamieren? Hier eine kleine Übersicht über den cineastischen Erfolg der letzten 20 Jahre.
Spezielle Effekte löst auch der Ärger mit dem Potsdamer Bürgerservice aus. So droht einem Potsdamer Busfahrer nun die Arbeitslosigkeit, weil er bestimmte Nachweise vom Amt nicht mehr seinem Arbeitgeber Regiobus vorweisen kann. Sein verzweifeltes Angebot: Demjenigen Mitarbeiter des Bürgerservice, der ihm hilft, schenkt er drei Monate lang ein Ticket aus eigener Tasche.
Noch ein Spezialeffekt: Wer seinen Arbeitgeber betrügt, verliert seinen Job. So ging es Reinhard Hüttl, der das renommierte Geoforschungszentrum auf dem Telegrafenberg in Potsdam leitete - bis der Betrug aufflog und er verurteilt wurde. Jetzt gibt es eine Nachfolgerin: Die Niederländerin Susanne Buiter steht nun an der Spitze der mehr als 1200 Wissenschaftler.
Auch für Radfahrer und Fußgänger habe ich etwas aus der technischen Trickkiste: eine grüne Welle! Wenn es nach Linken und Grünen geht, soll der Rad- und Fußverkehr an bestimmten Potsdamer Kreuzungen künftig flüssiger laufen und Vorrang vor dem Autoverkehr haben.
Sehr speziell ist übrigens die Situation für Mieter der Babelsberger Siemensstraße - dort stehen eine ganze Reihe schöner, sanierter Wohnungen in zwei Häusern leer - wir haben mit den Nachbarn gesprochen (die Hausverwaltung und Eigentümer wollten nicht). Vielleicht findet sich der Grund ja hier: Potsdam ist nämlich auch als Stadt insgesamt sehr speziell. Der Wohnatlas 2022 der Postbank führt Potsdam jetzt als eine der zehn teuersten Kommunen Deutschlands, wenn es um Eigentumswohnungen geht. Die Preise steigen rasant - da kann selbst der Meister aus der Filmstadt Babelsberg kein schöneres Bild zaubern.
Ich wünsche ihnen dennoch alles Gute - vielleicht hat wenigstens die Sonne einen positiven Effekt auf Ihre Laune.
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!
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Das Stadtgespräch

Müll und Radfahren gehört zu den größten Ärgernissen für die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten. Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr will nun verstärkt dagegen vorgehen. Quelle: Julius Frick/Bernd Gartenschläger
Müll und Radfahren gehört zu den größten Ärgernissen für die Stiftung Preußische Schlösser & Gärten. Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr will nun verstärkt dagegen vorgehen. Quelle: Julius Frick/Bernd Gartenschläger
Grillen, baden, radfahren: In den Potsdamer Schlossparks wie Sanssouci soll künftig härter gegen Verstöße vorgegangen werden. Der Ordnungsdienst der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten wird ab sofort mit Bußgeldern durchgreifen, kündigt Generaldirektor Christoph Martin Vogtherr an. Der Fokus der Kontrollen richtet sich auf drei besonders stark von Anwohnern frequentierte Gebiete: den Neuen Garten mit dem Heiligen See, den Uferbereich des Parks Babelsberg sowie den südliche Park Sanssouci rund um das Schloss Charlottenhof. 
Alles zu den angekündigten Maßnahmen lesen Sie hier (frei lesbar). Diese sind übrigens in der Redaktion durchaus umstritten. Das Pro und Contra zu den geplanten Kontrollen von Peter Degener und Alexander Engels lesen Sie hier.
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Verkehr aktuell

In der Straße Am Neuen Palais wird demnächst gebaut. Foto: Rainer Schüler
In der Straße Am Neuen Palais wird demnächst gebaut. Foto: Rainer Schüler
Achtung, neue Staustellen in der Stadt. Wegen der Erneuerung der Fahrbahndecke wird die Straße Am Neuen Palais zwischen Geschwister-Scholl-Straße und Lindenallee in Richtung Kaiserbahnhof gesperrt. Eine Umleitung führt über Eiche und den Werderschen Damm.
Gute Nachrichten gibt es indes von der Eisenbahnbrücke Werder - Potsdam. Die Überquerung der Bahnbrücke für den Fuß- und Radverkehr ist zeitweise wieder möglich. Die Baustelle kann zwischen 17 Uhr und 7.30 Uhr am Folgetag passiert werden. Freitags ist die Überquerung bereits ab 15 Uhr möglich für das gesamte Wochenende bis montags um 7.30 Uhr. An Feiertagen besteht die Verbindung ganztägig bis zum folgenden Werktag, 7.30 Uhr.
Was diese Woche sonst noch los ist auf Potsdams Straßen, lesen Sie in der wöchentlichen Verkehrsprognose (frei lesbar).
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Hinter der Recherche

Foto: Julius Frick
Foto: Julius Frick
Das Justizzentrum an der Jägerallee, Saal 20, ein Tag Ende Februar 2022. Patrick S. (30) wartet auf den Mann, mit dem er seit beinahe zwei Jahren schicksalhaft verbunden ist. Magomed B. (22) soll auf der Anklagebank Platz nehmen, doch er erscheint nicht. Der Termin wird abgeblasen.
An dieser Stelle könnte diese Geschichte für uns enden. Meine Kollegin Nadine Fabian, die über den Prozess berichten wollte, packt ihre Sachen zusammen und dreht unverrichteter Dinge wieder ab. Die Geschichte von Patrick S. bleibt unerzählt. Doch dieser Fall ist anders, Nadine Fabian knüpft Kontakt zu dem jungen Mann und berichtet, wie es ihm nach diesem Abend im Sommer 2020 erging. Damals wurde er Zeuge eines Autounfalls - und von dem Fahrer halb blind geprügelt. Seither wartet er auf den Prozess, der wohl nie stattfinden wird. Was das mit ihm macht, was genau an diesem Abend geschehen ist, lesen Sie hier.
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Der kulinarische Tipp

Diese Adressen überzeugen mit ihren Außenbereichen. Quelle: Friedrich Bungert, Stefan Gloede, Bernd Gartenschläger
Diese Adressen überzeugen mit ihren Außenbereichen. Quelle: Friedrich Bungert, Stefan Gloede, Bernd Gartenschläger
Es geht wieder los - die Zeit der Außen-Gastronomie. Noch sind lange Abende im Freien zwar zu kalt, doch für einen Snack am Mittag laden blauer Himmel und Sonne längst ein. Wo Sie in Potsdam besonders schön draußen essen und trinken können, hat unsere Gastro-Expertin Manuela Blisse zusammengestellt. Das Ergebnis lesen Sie hier.
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Bilderrätsel: Die Auflösung

Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Wo ist das in Potsdam? Foto: Peter Degener
Das verschlossene Fenster gehört zur Kapelle auf dem Neuendorfer Friedhof in der Großbeerenstraße in Babelsberg. Halbrunde Nischen sind um einen spitzen Turm, auf dem noch ein kleiner Glockenreiter aufsitzt, angeordnet.
Ein paar Schritte von der Kapelle entfernt, befindet sich der Grabstein von Herbert Ritter, der “Jungkommunist”, wie er darauf genannt wird, wurde am 12. November 1931 von einem SA-Mann mitten auf der Straße erschossen und gilt als erstes Todesopfer der Nationalsozialisten in Nowawes, wie Babelsberg damals noch hieß.
Die Friedhofskapelle auf dem Neuendorfer Friedhof in Babelsberg. Foto: Peter Degener
Die Friedhofskapelle auf dem Neuendorfer Friedhof in Babelsberg. Foto: Peter Degener
Sein Grabstein wird von einem Relief seines Kopfes geschmückt. Der ursprüngliche Grabstein war von einem großen, plastisch gearbeiteten roten Metallstern aus Kupfer geschmückt, den Ritters Parteifreund Walter Klausch als Meisterschüler für Baukunst entworfen hatte. Der Stern wurde nach dem Machtantritt der Nazis versteckt, um ihn vor Zerstörung zu bewahren und gelangte so Jahrzehnte später in den Bestand des Potsdam-Museums.
Walter Klausch wurde kurz nach Beginn der Nazi-Diktatur 1933 von der SA gefoltert und in den Tod getrieben. Auch sein Grabstein steht auf dem Neuendorfer Friedhof, eine angrenzende Straße ist sogar nach ihm benannt.
Rätsel: Peter Degener
Der Grabstein für Herbert Ritter. Foto: Peter Degener
Der Grabstein für Herbert Ritter. Foto: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine: 1100 Papierkraniche in Teltow
Museum für Kleinmachnow: Bürgermeister Grubert schrammt an Missbilligung vorbei
Von Hof zu Hof: MAZ-Spezial zum Thema Landwirtschaft in Potsdam-Mittelmark
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Hafemeister: Das Letzte kommt zum Schluss

Bürger hin, Service her: Online gibt’s kaum Termine, auch analog scheitert der Dialog zwischen Bürger und Bürgerservice. Jetzt soll die Sache Chefsache werden - ob es künftig vom Chef persönlich keine freien Termine geben wird?
Text & Karikatur: Jörg Hafemeister
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