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Bombenentschärfung+++Libeskind+++Karstadt

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, wenn ich Ihnen heute eins empfehlen darf: Meiden Sie die I
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich Ihnen heute eins empfehlen darf: Meiden Sie die Innenstadt und bleiben Sie wenn möglich zu Hause, denn Potsdam droht das Entschärfungs-Chaos. In der Havel vor der Freundschaftsinsel ist am Dienstag bei einer systematischen Suche ein 250-Kilogramm-Blindgänger gefunden worden, heute soll er entschärft, womöglich sogar gesprengt werden. Das könnte spektakulär werden, wie ein Blick zurück zeigt. Denn 2010 gab es einen solchen Fall schon einmal.

Und auch wenn Potsdam und seine Einwohner mit solchen Blindgängern inzwischen reichlich Erfahrung haben, hat es Bombe 203 trotzdem in sich: Bis 8 Uhr müssen 13.000 Menschen den Sperrkreis verlassen haben, Hauptbahnhof, Lange Brücke und Humboldtbrücke werden gesperrt, drei Seniorenheime müssen evakuiert werden - unter Corona-Bedingungen. Kurzum: Das Zentrum ist dicht, über Stunden. Sollten Sie dennoch unterwegs sein müssen, lesen Sie hier hier alles zu Sperrungen und Umfahrungen.

Bombe 203 wird uns also ziemlich in Atem halten - und wie viele andere in Potsdam sind auch wir als MAZ-Team heute schon mal verdammt früh aufgestanden, um für Sie wie gewohnt ganz nah dran zu sein. In unserem Ticker berichten wir ab sofort live über alle Entwicklungen zur Bombenentschärfung, über die Evakuierung, die Vorbereitungen und die Verkehrssituation in der Stadt.

Keine Frage, die Entschärfung ist heute das Thema in der Stadt. Dabei sollten Sie sich unbedingt auch noch die Zeit für ein paar weitere Nachrichten aus Potsdam nehmen - die haben sich diese Woche nämlich förmlich überschlagen. Über die überraschende Offerte des New Yorker Star-Architekten Daniel Libeskind lesen Sie in unserem heutigen Stadtgespräch. Außerdem gibt es neue Hoffnung für Karstadt in der Brandenburger Straße. Im Klinikum “Ernst von Bergmann” bereitet man sich nach der Eröffnung des Ermittlungsverfahrens auf Hausdurchsuchungen vor. Und - ja auch das haben wir diese Woche noch erfahren - in Potsdam herrscht Hollywood-Alarm. Kinosuperstar Keanu Reeves und sein „Matrix 4“-Team sind in der Stadt. 

Einquartiert sind die Stars dem Vernehmen nach im Stadtzentrum, könnte also sein, dass auch die Hollywood-Größen heute ihr Hotelzimmer räumen müssen. Den genauen Sperrkreis finden Sie übrigens in der Karte ein wenig weiter unten in unserem Newsletter.

Wann genau die Bombe unschädlich und der Sperrkreis wieder offen ist, kann bisher niemand sagen. Die Hoffnung von Sprengmeister Mike Schwitzke und seinem Team: Am Nachmittag ist alles vorbei. Wir drücken die Daumen, dass alles gut geht.

In diesem Sinne, kommen auch Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie uns treu. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Karte: Detlev Scheerbarth
Karte: Detlev Scheerbarth
Das Stadtgespräch

Der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist immer wieder für eine Überraschung gut. Die neueste Wendung hat Potsdam aus New York erreicht. Dort hat der Architekt Daniel Libeskind sein Studio. Libeskind ist Schöpfer des Jüdischen Museums in Berlin und auch des neuen Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, wo er einen großen Keil durch das Haus getrieben hat, um die Gewalt des Kriegs deutlich zu machen. Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ist ein Fan dieses Bruchs und hat Daniel Libeskind auf die Garnisonkirche angesprochen. Könnte da nicht auch eine moderne Lösung die schwierige Geschichte des Ortes darstellen? Libeskind ist interessiert und will mit Entwürfen zur Lösung des ewigen Streits beitragen. Sogar die Stiftung für den Wiederaufbau der Kirche zeigt sich so offen und lädt den Stararchitekten nun nach Potsdam ein. Wer Libeskind eigentlich ist, wie es zu der Offerte kam und welche persönliche Beziehung er zu Potsdam schon heute hat, lesen Sie hier.
Libeskind in Dresden: das Militärhistorische Museum der Bundeswehr mit dem Aluminienkeil. Foto: dpa
Libeskind in Dresden: das Militärhistorische Museum der Bundeswehr mit dem Aluminienkeil. Foto: dpa
Das Angebot des Stararchitekten gefällt nicht allen, wie die zahlreichen Reaktionen beweisen. „Der Meister hat Böses mit Potsdams Garnisonkirche vor, flankiert durch unseren OB“, schreibt Mitteschön-Aktivistin Barbara Kuster entsetzt, die sich vor Libeskinds „Betroffenheitsarchitektur“ fürchtet. Architekturprofessor fürchtet eine „zweite Zerstörung“ der Garnisonkirche. Andere werfen Schubert vor, dass er nicht nach dem Inhalt, sondern zuerst nach der äußeren Form schaut.
Teuflische Fratze an der Baustelle des Garnisonkirchturms. Foto: Peter Degener
Teuflische Fratze an der Baustelle des Garnisonkirchturms. Foto: Peter Degener
Doch es gibt auch Lob. Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck gratuliert der Stadt zur Libeskind-Offerte. Das Interesse eines so weltbekannten Architekten zeige, „um was für ein spannendes Projekt es sich bei der Garnisonkirche handelt“. Es liegt auch an Platzeck, wie man mit Libeskinds Hilfsangebot umgeht – er sitzt im Kuratorium der Stiftung und will das dort „mit der nötigen Ruhe“ diskutieren.
Text: Peter Degener
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Die besondere Geschichte

Allein im Museum - für Kunstfans eine Vorstellung, die Gänsehaut vor Freude macht. Meine Kollegin Saskia Kirf hatte diese Freude beim Besuch des Potsdamer Museums für Moderne und zeitgenössische Kunst, Fluxus+. Vor der Wiedereröffnung des Hauses nach der Corona-Pause am heutigen Freitag führte der Kurator der Sammlung sie durch die Ausstellung, die wohl die bedeutendste Schau der Künstlergruppe weltweit darstellt.
MAZ-Redakteurin Saskia Kirf (fast) allein im Museum. Foto: Bernd Gartenschläger
MAZ-Redakteurin Saskia Kirf (fast) allein im Museum. Foto: Bernd Gartenschläger
Als besondere Überraschung kam dann sogar noch der Sammler und Stifter des Museums, Heinrich Liman, selbst dazu. Der Kunstmäzen sagt, die Krise habe das Museum hart getroffen. Doch wichtiger ist ihm die Kunst. “Wir haben oft Gäste, die sich Bilder ansehen und sagen: ‘Das kann ich auch.’ Ich antworte dann immer: 'Nein, kannst du nicht, weil du dich nicht traust.’ Kinder können das, die haben diese Hemmschwelle nicht. Aber Erwachsene sind viel zu ängstlich.”
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Der kulinarische Tipp

Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
“Wow Falafel” steht auf dem kleinen Anhänger - und der Name ist Programm. Denn was der 25-jährige Ahmed in seinem Wagen auf dem Potsdamer Bassinplatz an fünf Tagen in der Woche anbietet, verdient ein lautes Wow. Frische, knusprige Kichererbsenbällchen mit knackigem Salat und sanfter Sesamsauce in Pitabrot: sehr lecker, mit 3 Euro auch noch günstig. Bessere Falafel gibt es in der Potsdamer Innenstadt nicht. Unbedingt auch mal mit etwas (!) scharfer Sauce probieren! 
Tipp und Text: Saskia Kirf
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Unsere Entdeckung der Woche

Luisa Lessinger bemalt die Familien-Fotowand. Foto: Peter Degener
Luisa Lessinger bemalt die Familien-Fotowand. Foto: Peter Degener
Vieh mitten in der Stadt liegt im Trend. Seit kurzem gibt es Ziegen an der Humboldtbrücke und im Park Sanssouci stiehlt eine kleine Schafherde seit einigen Jahren den Schlössern die Schau als beliebtes Fotomotiv. Jetzt bekommt auch der Volkspark trotz der näher rückenden Stadt seine ländliche Staffage. Im Norden des Parks weiden künftig ein paar Schafe. Das „Nomadenland“ mit seinen kirgisischen Jurten kümmert sich darum und will die Attraktion auch „ausschlachten“. Ganz ohne Blut natürlich. Das Familienbild mit „Bäääääh!“ ist fast perfekt. Luisa Lessinger muss die Kreide nur noch gegen eine Stichsäge tauschen, um die Schafsköpfe auszuschneiden. Dann kann vermutlich ab Mittwoch jedermann seinen Kopf hindurchstecken. „Bääääh!“ und Klick.

Luisa Lessinger ist genau die richtige für diesen Job. Sie kann mit Holz umgehen. Gerade hat die 26-Jährige an der Fachhochschule ihren Abschluss in Holzrestaurierung gemacht. Die Abschlussarbeit drehte sich um die uralte E-Gitarre ihres Vaters. Der vom schwarzen ins rote driftende Lack war buchstäblich ab. „Mein Vater hat die Gitarre selbst abgeschliffen. Er fand den Lack superhässlich“, sagt Lessinger. Seitdem das Instrument aus den Siebziger Jahren in ihrem Besitz ist, spielt sie nicht nur in mehreren Bandprojekten darauf – der Lack ist wiederhergestellt, der Prozess wissenschaftlich dokumentiert. Ihre Mädchenrockband „Kobra“ und ihr Funky-Blues-Projekt warten nur darauf, dass endlich wieder gejammt werden darf. Bis dahin sucht sich Luisa einfach andere Aufgaben - und sägt kurzerhand gemalten Schafen für Familienfotos die Köpfe ab.
Entdeckung und Text: Peter Degener
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Bilderrätsel: die Auflösung

Dieser Ort war gesucht. Foto: Peter Degener
Dieser Ort war gesucht. Foto: Peter Degener
Der Blick durch eine Hecke fällt auf ein vergittertes Fenster. Wer genau hinschaut, sieht, dass es größtenteils zugemauert wurde, andere Fenster sogar komplett verschwunden sind.
Es handelt sich um ein früheres Gefängnis – die „Gedenkstätte Leistikowstraße“.

Das einstige, hübsche Pfarrhaus wurde 1945 vom sowjetischen Geheimdienst besetzt. Bis 1994 lag der Ort versteckt im unzugänglichen „KGB-Städtchen“ zwischen dem Pfingstberg und dem Neuen Garten. Die rostigen Reste der Gefängniszäune und die vergitterten Fenster lassen das Haus heute inmitten sanierter Villen besonders herausragen. Ein moderner Anbau aus Sichtbeton lädt ein, das KGB-Gefängnis zu besuchen. Im Garten erblickt man die Fundamente der Hof-Zellen.
Das einstige Pfarrhaus ist heute kaum wieder zu erkennen. Foto: Peter Degener
Das einstige Pfarrhaus ist heute kaum wieder zu erkennen. Foto: Peter Degener
Wer sich in das Haus hineinwagt, kann kostenfrei eine sehr gelungene Ausstellung besuchen. Sie führt vom Dachgeschoss bis in den Keller mit den düsteren Zellen hinab. Von dort sind zahlreiche Deutsche und auch sowjetische Soldaten nach Moskau oder den russischen Osten gebracht worden. Lange Zwangsarbeit war das milde Urteil, denn andere wurden erschossen. Zahlreiche Botschaften sind in die Zellenwände gekratzt und haben zumindest einigen der Opfer und Insassen einen Namen und ein Gesicht gegeben. Ein düsterer, aber auch besonderer Ort: Wo sonst können Besucher einfach in ein früheres Geheimdienstgefängnis des KGB hinein- und auch wieder unbehelligt hinausspazieren?

Das nächste Rätsel gibt es in einem der nächsten Newsletter. Sie haben ein eigenes Potsdam-Rätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit und schicken Sie ihren Vorschlag an potsdam-newsletter@maz-online.de!
Rätsel: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Endlich rollt der Verkehr auf der A10 auf acht Spuren. Die neue Raststätte Michendorf Süd (links) hat nun deutlich mehr Stellplätze. Foto: Lutz Hannemann
Endlich rollt der Verkehr auf der A10 auf acht Spuren. Die neue Raststätte Michendorf Süd (links) hat nun deutlich mehr Stellplätze. Foto: Lutz Hannemann
Vier Jahre lang war sie die größte und für Autofahrer oft die nervenaufreibendste Baustelle in der Region, jetzt ist sie Geschichte: Der Ausbau der südlichen A 10 von sechs auf acht Spuren ist abgeschlossen. Das 150-Millionen-Projekt hatte es in sich und wäre um ein Haar bundesweit berühmt geworden. Mein Kollege Jens Steglich sprach mit einem der entscheidenden Männer auf der Baustelle und mit dem Kopf und Sprecher einer Michendorfer Bürgerinitiative, die den Einbau von Flüsterasphalt erkämpfte und es fast geschafft hätte, auch noch eine große, innovative Idee ins Ziel bringen, am Ende damit aber scheiterte. 

Corona-Ausbruch in der Kita “Abenteuerland” in Werder: Nachdem zuerst die Kita-Leiterin positiv auf Covid-19 getestet wurde, sind alle Kinder und Mitarbeiterinnen ebenfalls getestet worden. Erstes Ergebnis: eine weitere Erzieherin sowie ein Angehöriger, der ein Kind abgeholt hat, sind ebenfalls infiziert. Weitere Testergebnisse werden heute erwartet. Die Kita ist seit nach Bekanntwerden des ersten Falls seit dem 23. Juni bereits geschlossen. Das Gesundheitsamt hatte für alle Kinder und Erzieher eine Quarantäne angeordnet.
Foto: Patrick Pleul/dpa
Foto: Patrick Pleul/dpa
Mit Wildschweinen haben die Kleinmachnower schon so ihre Erfahrungen, nun treibt ein weiterer Vierbeiner in den Gärten der Menschen sein Unwesen: der Waschbär. Immer häufiger und immer mehr Tiere werden von den Bewohnern beobachtet, auch die zuständigen Jäger bestätigen: Die Population sei in den vergangenen Jahren extrem gewachsen. Ein Grund: Viele Menschen fütterten die putzigen Tiere. “Aber man darf der Niedlichkeit nicht verfallen”, sagt Jagdpächter Peter Hemmerden. Denn sie sind Räuber, plündern Nistkästen und Gartenteiche.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Versteckt im Wald liegt der Grabowsee. Foto: Helge Treichel
Versteckt im Wald liegt der Grabowsee. Foto: Helge Treichel
Das Wochenende wird heiß, für Samstag versprechen die Wetterprognosen zudem Sonne satt. Wie wär’s mit einem herrlichen Tag am Badesee? Ein Geheimtipp der Redaktion: der Grabowsee, eine gute Autostunde von Potsdam entfernt versteckt im Wald nördlich von Oranienburg (Oberhavel). An seinem Ost-Ufer steht die Ruine einer ehemaligen Tuberkulose-Heilanstalt, im Westen verläuft der Oder-Havel-Kanal, jedoch ohne eine Verbindung zum See. Wer Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, wird dort fündig. Ein Naturbadestrand ohne viel Schnickschnack macht den Geheimtipp perfekt. Wer kein Auto hat, kann mit dem Bus 804 aus Oranienburg bis wenige hundert Meter an den See heran fahren.
Wer nicht ganz so weit fahren will, es aber trotzdem beschaulich haben möchte, dem kann ich die Badestelle an der Havel in Phöben bei Werder empfehlen. Dort muss man sich direkt vor Ort zwar mit Wasser, Wiese und Dixie-Klo begnügen, ein paar hundert Meter entfernt gibt es allerdings Am Leuchtturm in Phöben ein Eiscafé mit gastronomischem Angebot.
Nicht das Passende für Sie dabei? Dann empfehle ich Ihnen den MAZ-Check zu den schönsten Badeseen in Brandenburg.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
Richtig eklig findet unser MAZ-Videokolumnist Marcus Gude übrigens die vielen Zigarettenkippen, die unachtsam auf den Boden geworfen werden. Deshalb appelliert er in dieser Woche an die Raucher in Potsdam, sich doch bitte anständig zu verhalten - gleichzeitig soll aber auch die Stadtverwaltung ein bisschen mehr dafür tun, dass unsere schöne Stadt sauber bleibt.
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