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Blitzer-Chaos+++Kleingärten+++Zugausfall

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, für Überraschungen ist Potsdam ja immer gut. Bomben, Top-Ar
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
für Überraschungen ist Potsdam ja immer gut. Bomben, Top-Architekten, Hollywood-Stars - gehört fast alles schon zum Alltag in unserem herrlichen Städtchen. Blitzer allerdings, die plötzlich ein Eigenleben entwickeln, das versetzt selbst den verkehrschaoserprobten Potsdamer in Aufregung.
Auslöser ist in diesem Fall nicht etwa irgendein Blitzer, sondern Potsdams Superblitzer an der Ecke Berliner Straße/Behlertstraße. Seit 2018 steht er dort - und treibt die Bußgeldeinnahmen der Stadt in neue Rekordhöhen. Diese Woche allerdings hat er es eindeutig übertrieben und blitzte am Abend offenbar alle Fahrer - auch diejenigen, die ordnungsgemäß bei Grün die Kreuzung passierten. Sabotage? Abzocke? Neue Technik? Mein Kollege Volker Oelschläger hat es herausgefunden.
Und wenn wir schon beim Thema Verkehr sind, denken Sie dran: Am Wochenende fahren wegen des Brückenbaus keine Züge zwischen Potsdam und Berlin. Wer trotzdem nach Berlin will, muss auf den Schienenersatzverkehr ausweichen.
Mein Vorschlag: Sie bleiben einfach hier. Vielleicht haben ja auch Sie ein Stückchen Grün, auf dem Sie das Wochenende genießen können - so wie die letzten sechs Kleingärtner vom Angergrund. Die haben dieses Wochenende Grund zu feiern, denn die Stadt hat das Areal auf der umkämpften Kleingartensparte diese Woche gekauft - und damit langfristig gesichert. An anderer Stelle zeigte die Stadt wiederum weniger Herz für Kleingärtner und kündigte sechs Pächtern in Fahrland, damit ein Investor ein neues Wohngebiet bauen kann.
Apropos Bauen. Sie haben ja sicherlich schon davon gehört, dass am Stern-Center neue Hochhäuser gebaut werden sollen, jetzt wissen wir: Es werden vier Hochhäuser, entworfen von einem Architekturbüro aus Hamburg. Mit ihren rund 60 Meter hohen Wohntürmen haben sie den Architektenwettbewerb gewonnen, nun sind die Entwürfe für 650 Wohnungen erstmals veröffentlicht worden.
Und eine gute Nachricht noch zum Schluss - zumindest für alle Karstadt-Fans: Der Direktor der Potsdamer Filiale glaubt an eine Rettung, wie er diese Woche den Stadtverordneten erklärte. Warum? Das lesen Sie hier.
Liebe Leserinnen und Leser, kommen auch Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie uns treu. Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de.
Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Als die Stadtverordneten die 500-Euro-Corona-Prämie für die Mitarbeiter des Klinikums “Ernst von Bergmann” Anfang Mai beschlossen haben, hatten sie sicherlich nur Gutes im Sinn. Doch daraus geworden ist vor allem eines: Streit und Frust. Erst sorgte die Entscheidung in den Christlichen Kliniken für Empörung, nun ist der Bonus an die Bergmann-Mitarbeiter ausgezahlt - und sorgt schon wieder für Frust. Denn - Sie ahnen es - die Corona-Prämie geht auch im Klinikum nicht an alle Mitarbeiter. Der Grund: Die 900.000 Euro von der Stadt reichen nicht, also hat sich die Klinikleitung Verteilungskriterien überlegt - und ob die so fair sind, wie beabsichtigt, darüber gibt es im Haus unterschiedliche Meinungen.
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Hinter der Recherche

Eine kleine Wissenschaftsmeldung fand sich an einem Morgen dieser Woche im Mail-Postfach der Lokalredaktion. Die Forscher vom Geoforschungszentrum auf dem Telegrafenberg erklärten, was ihre Instrumente registrierten, als einige Tage zuvor die Weltkriegsbombe in der Havel gesprengt wurde. Angehängt an die Mail war eine Grafik mit einer zittrigen Kurve – sie zeigt die Erschütterungen der Detonation. Manchmal bleibt so etwas eine Meldung, aber in der Redaktionskonferenz wurde debattiert: Was hat es mit dem zweiten Ausschlag ein paar Sekunden später auf sich? Ist das am Anfang etwa nur der Vergrämungsschuss zur Warnung der Tiere gewesen? Kann das nicht einer genauer erklären?
Außerdem erinnerten wir uns, dass die Seismologie und das Messen solcher Erschütterungen große Tradition in Potsdam hat, die ins Jahr 1889 zurückreicht. Damals gab es einen zufälligen Durchbruch in der Erdbebenforschung, an dessen Beginn eine ganz ähnliche Kurve stand.
Die GFZ-Grafik und die Fotos der Sprengung wurden vom Layoutchef montiert.
Die GFZ-Grafik und die Fotos der Sprengung wurden vom Layoutchef montiert.
So riefen wir im GFZ an und fanden noch mehr heraus – die Sprengung diente nebenbei nicht nur der Forschung, sondern auch den Potsdamer Stadtwerken. Die wollen nämlich im Potsdamer Untergrund nach geothermischen Quellen bohren. Da hilft so ein „Ultraschall“ durch 250 Kilogramm Sprengstoff ungemein. Am Ende hat der Chef-Layouter der MAZ, Detlev Scheerbarth, noch die schwer zu entziffernde Kurve mit den grandiosen Fotos der Bombensprengung von Fotograf Julian Stähle kombiniert – so wurde aus der kleinen Wissenschaftsmeldung ein echter Hingucker und eine Geschichte, die vom Jahr 2020 über 1945 bis zur Wiege der Seismologie im Jahr 1889 zurückreicht.
Text: Peter Degener
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Der kulinarische Tipp

So köstlich kann Fatalismus sein! Das Sterne-Restaurant Kochzimmer am Neuen Markt hat sich durch die Corona-Pandemie geboxt – und wie! Als das Virus das Leben in der Stadt lahmlegte, als die Bars geschlossen wurden, und die Restaurantküchen kalt blieben, haben Kochzimmer-Patron Jörg Frankenhäuser (44) und sein Team den Betrieb nach einer Schrecksekunde wieder hochgefahren. Die Idee: Können die Genießer nicht ins Kochzimmer kommen, kommt das Kochzimmer eben zu den Genießern!
Die aktuelle Menü-Box des Potsdamer Sterne-Restaurants "Kochzimmer". Foto: Andreas Kermann
Die aktuelle Menü-Box des Potsdamer Sterne-Restaurants "Kochzimmer". Foto: Andreas Kermann

Die in der Krise kreierte und inzwischen fest ins Repertoire übernommene Gourmet-Box für Zuhause ist mit dem Besten der Neuen Preußischen Küche gespickt – und die Handhabung so simpel, dass selbst dem größten Kochmuffel nichts anbrennen kann. Wer die Box bestellt, soll nicht lange herumhantieren, sondern den Abend zelebrieren, sagt Jörg Frankenhäuser. Klar, dass auch die passende Weinbegleitung in die Kiste kommt. Im Sturm hat die Box die Herzen und Gaumen der Potsdamer Feinschmecker erobert. Schon beim Debüt kollabierte das Ticketsystem. Und dennoch: Beinahe hätte der Patron alles abgeblasen… Warum? Das lesen Sie hier.
Text und Tipp: Nadine Fabian
Übrigens: Frankenhäuser und sein Team sind für die MAZ-Wahl des kreativsten Krisen-Wirtes nominiert worden. Sie wollen ebenfalls einen Wirt nominieren? Dann schicken Sie uns eine Mail an: potsdam-newsletter@maz-online.de.
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Peter Degener
Foto: Peter Degener
Haben Sie schon Urlaubslektüre für den Strand oder Balkon? Selbst wenn, dieser Roman ist bestens geeignet, um sich im Urlaub in die traumhafte Vergangenheit der hiesigen Schlösser und Gärten zurückzuversetzen. Thomas Hettches Geschichte spielt beinahe nur auf der kleinen Pfaueninsel und schildert ihr Werden zum Gartenparadies. Auch die Schattenseiten bekommt der Leser zu spüren, denn nicht nur Gärtnerdynastien wie die Fintelmanns sind mit der kleinen Havelinsel verbunden. Dort entstand unter preußischen Königen auch ein Sammelsurium exotischer Wesen, etwa die kleinwüchsige Marie, ein historisch belegtes Schlossfräulein, das die Hauptperson in diesem Roman ist. Die Sehnsucht nach der Exotik, aber auch die Frage nach der Würde des Menschen gehören zu den großen Themen, die dem Leser hier begegnen. Und während im Kosmos der Pfaueninsel die Zeit scheinbar still steht, verändert sich am Ufer des Flusses, in der Zeit, in der Berlin zur echten Metropole wird, die ganze übrige Welt.
Eine Kostprobe aus dem ersten Kapitel: „Diese Insel, die auf Karten einem Fisch gleicht, einem flossenschlagenden, sich wild aufbäumenden Wal, aus welchen Gründen auch immer an gerade dieser Stelle der hier besonders träge mäandernden, sich weitenden und wieder verengenden Havel gestrandet, an der man wohl vergisst, dass jeder Fluss eine Quelle hat und eine Mündung. Als ob die Zeit selbst hier ihre Richtung verlöre, umstrudelt sie die Insel, es vermischen Vergangenheit und Zukunft sich hier auf besondere Weise…“ 
Tipp und Text: Peter Degener
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Wo findet sich dieses Wandbild? Foto: Peter Degener
Wo findet sich dieses Wandbild? Foto: Peter Degener
Ein freundliches Gesicht mit großen Augen begrüßt jeden, der diese kleine Straße entlanggeht, schon von weitem als Blickfang. „Kinder sind wie Pflanzen – sie brauchen ganz viel Platz zum Wachsen“ steht unter dem großen Kopf. Das Kunstwerk stammt vom Streetart-Duo Herakut – und zahlreichen Kindern, die als Flüchtlinge aus Kriegsgebieten in Potsdam untergekommen sind. Das Kindergesicht, das von Schmetterlingen umrahmt ist, schmückt eine kleine Wohnanlage, die vor rund fünf Jahren in Holzbauweise errichtet worden ist.
Wie heißt der Ort, an dem die gemalten Kinderaugen und jene der Betrachter gern zu leuchten beginnen?
Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 6. Juli eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Sie können einen Faltgrill für das Grillen unterwegs gewinnen.
Sie haben ein eigenes Potsdam-Bilderrätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit!
Rätsel und Foto: Peter Degener
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Das ist los im Umland

Leider gibt es keine guten Nachrichten aus Kleinmachnow. Nach der Vergewaltigung einer Joggerin am Sonntagabend ist der Täter noch immer auf freiem Fuß, zudem rücken nun ähnliche Fälle aus der weiteren Umgebung des Tatortes in den Fokus. Es gibt vor allem Parallelen zu Taten in Berlin.
Foto: Gemeinde Stahnsdorf
Foto: Gemeinde Stahnsdorf
Das nenne ich mal dreist: Zwischen Sputendorf und Struveshof nutzen Autofahrer die Fahrradstraße trotz eindeutiger Verbotsschilder als Schleichweg und zerstören die Absperrung auf dem Radweg fast wöchentlich - und zwar mutwillig. Die Reparaturkosten für Stahnsdorf und Ludwigsfelde haben sich mittlerweile auf einen hohen vierstelligen Betrag summiert. Nun soll die Schranke festgeschweißt werden. Erst im März 2019 hatten die Kommunen sie aufstellen lassen, weil Autofahrer immer wieder die eindeutigen Verbotsschilder missachteten und mit hoher Geschwindigkeit an Radfahrern und Fußgängern vorbei die glatte Asphaltpiste als willkommene Abkürzung nutzten.
Wer in Glindow oder Töplitz einen Bootssteg besitzt, kann sich derzeit nicht sicher sein, dass er ihn behält. Gleich mehrere Havel-Anlieger haben sich gemeldet, weil sie auf die Verlängerung ihrer Steg-Genehmigung warten. Ihnen zufolge hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark als Genehmigungsbehörde keine Einwände, aber die Stadt Werder verweigere die Zustimmung. Die Steg-Besitzer mutmaßen daher, die Stadt wolle den Rückbau privater Stege bewirken, damit der große Steg an der Havel-Therme gebaut werden kann. Denn für den Eingriff in die Natur braucht sie Kompensation. Zu einer inhaltlichen Stellungnahme war die Stadtverwaltung nicht bereit.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Foto: Rainer Schüler
Foto: Rainer Schüler
Die Wetterprognose sagen für das Wochenende einen Mix aus Sonne und Wolken voraus, dazu sommerliche Temperaturen um 26 Grad. Perfekte Bedingungen für einen Ausflug mit Bade-, Eis- und Einkehr-Optionen. Wir empfehlen eine Tour durch historische und moderne Architektur entlang des Havelufers zwischen der Kiewitt-Fähre und Im Bogen: Von der Fähre aus - auch eine Überfahrt nach Hermannswerder lohnt sich - läuft oder radelt man zum Schafgraben, schüttelt den Kopf im Angesicht des verfallenden Getreidespeichers und spiegelt sich in den Glasfronten des Hotels am Havelufer, wo es mit der Trattoria Toscana einen guten Italiener gibt.
Foto: Rainer Schüler
Foto: Rainer Schüler
Gut gestärkt geht es dann weiter - vorbei am alten Lastkahn auf der Havel, den Ziegelbauten des sanierten und zu Wohnungen umgebauten Kraftwerks und an der Wohnanlage “Havelwelle”, tatsächlich eine Welle. Hinter der Marina erreicht man schließlich eine Landzunge mit Spielplatz und einer Fernsicht-Plattform, an der man sogar gefahrlos baden kann. Wer dann noch weiter will, radelt durch die Pirschheide am Wasser entlang bis nach Caputh. Auch dort gibt es eine Fähre, Gaststätten und Eisdielen.
Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Ihnen ist eher nach einer kleine Galerie-Runde am Wochenende? Dann besuchen Sie den Inselpavillon auf der Freundschaftsinsel, dort sind nur noch bis Sonntag “Gartenschönheiten in Vasen” zu sehen, eine Ausstellung mit kunstvollen Blumenarrangments von Potsdamer Gartenfreunden (geöffnet von 10 bis 18 Uhr). Oder sie schauen sich die “Verschwundene Galerie” des offenen Kunstvereins im Kunstwerl (Hermann-Elflein-Straße 10) an. Mit diesem Ausstellungsprojekt reagiert der Verein auf das Corona-Diktat, das Kunst und Kultur nach dem Lockdown zeitweise komplett aus der analogen in die digitale Welt verdrängte. Nähere Informationen zu den Ausstellungen und weitere Tipps für einen Galeriebesuch finden Sie hier.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Mehr als 20.000 Menschen in Deutschland brauchen intensive Pflege rund um die Uhr, weil sie an unheilbaren Erkrankungen wie ALS oder Multipler Sklerose leiden. Im ersten Entwurf eines neuen, umstrittenen Intensivpflegegesetzes sollte ihre Versorgung im Heim zur Regel werden. Viele Betroffene, die lieber zuhause bleiben wollen, sahen ihr Recht auf Selbstbestimmung verletzt - und unser Newsletter-Kolumnist Marcus Gude ruft in seinem neuen Video zur Solidarität mit ihnen auf.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 5
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