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++Bergmann-Teilöffnung++Pfingst-Tipps++Video-Kolumne

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, Nachbohren gehört zum journalistischen Geschäft. Wo verste
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Nachbohren gehört zum journalistischen Geschäft. Wo versteckt sich eine Nachricht? Auf jeden Fall im Untergrund dieser geschichtsträchtigen Stadt und wer suchet, der findet. Findlinge zum Beispiel. So erging es den Arbeitern auf der vielleicht wichtigsten Baustelle und Verkehrsader der Stadt - dem Neubau der Brücken der Nuthestraße über die Bahntrasse ins Stadtzentrum hinein. Sie haben gebohrt und dabei überraschend die Reste eines gemauerten Pumpwerks und mehrere Findlinge gefunden. Einer davon war so unbeweglich und hart, dass er nicht zertrümmert werden konnte. Die neue Brücke ruht daher künftig teils auf der eiszeitlichen Hinterlassenschaft. Die Planer vom Landesstraßenbetrieb haben sicherheitshalber einen zweiten Pfeiler daneben gesetzt. Und sie haben den Zeitverlust schon wieder aufgeholt, wie sie stolz verkündeten.
Etwas kleinlaut klang dagegen der Landkreis Potsdam-Mittelmark am Dienstag. Er musste eine Falschmeldung einräumen, die zuvor für Wirbel gesorgt hatte. Alle 100 Mitarbeiter des Postverteilzentrums Stahnsdorf sollten in Quarantäne! Alle? Nein, glücklicherweise war die spontane Quarantäne der gesamten Belegschaft nur eine „Zwischenüberlegung“, wie Vize-Landrat Christian Stein (CDU) einräumte. Tatsächlich wurden nur acht Mitarbeiter in Quarantäne geschickt, später erhöhte sich die Zahl auf zwölf. Die Briefzustellung ist in der Region deshalb nicht beeinträchtigt.
Die Situation am Ernst-von-Bergmann-Klinikum kommt dagegen nicht zur Ruhe, die Arbeit des großen Krankenhauses ist weiterhin schwer beeinträchtigt. Weitere Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Mitarbeiter des Klinikums werden von der Stadt nun geprüft, weil es möglicherweise weitere Verstöße im Umgang mit dem Corona-Ausbruch im Klinikum gegeben hat. Auch die Kosten der Tarifangleichung für die Mitarbeiter stehen noch einmal im Fokus. Die Geschäftsführung des Bergmann-Klinikums hat den Kommunalpolitikern große Verluste vorausgesagt.
Immerhin sind betriebsbedingte Kündigungen der insgesamt über 4600 Beschäftigen am Donnerstag trotz der düsteren Prognose auf MAZ-Anfrage hin ausgeschlossen worden. Eine weitere positive Nachricht aus dem Krankenhaus: Seit gestern fährt der Rettungsdienst wieder alle medizinischen Notfälle in die Notaufnahme. Mit dieserer Teilöffnung wird beispielsweise die Rettungsstelle des St.Josefs-Krankenhauses entlastet. Diese Öffnung gilt aber nur für den Rettungsdienst - wer sich selbst auf den Weg in die Notaufnahme begibt, hat am Bergmann weiter keine Chance und muss sich auf den Weg in umliegende Krankenhäuser machen.
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat sich am Mittwoch sicherheitshalber in die freiwillige Isolation begeben - in seinem Umfeld gab es einen Corona-Fall. Öffentliche Termine, etwa den Hauptausschuss, hat Schubert daher lieber gemieden. Ob er wohl nächste Woche an der Stadtverordnetenversammlung teilnimmt, die sicher kein angenehmer Gang für ihn wird?
Doch davor liegt noch das lange Pfingstwochenende. Was Sie an den Feiertagen in Potsdam machen können, erfahren Sie im heutigen Newsletter. Außerdem haben wir darin noch zwei Neuerungen für Sie: Sie können ein Bilderrätsel lösen und unseren Video-Kolumnisten Marcus kennenlernen. Der will nämlich auch noch seinen Senf dazugeben.
Bleiben Sie gesund und genießen Sie die Feiertage! Was über Pfingsten in Potsdam passiert, erfahren Sie wie gewohnt auf MAZ Online.
Herzliche Grüße
Ihr
Peter Degener
Lokalredakteur

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Foto: Josefine Sack
Foto: Josefine Sack
Die stets angespannte Kita-Situation in Potsdam hat eine neue Wendung erfahren: Künftig muss man nicht nur froh sein, einen Platz für sein Kind in Krippe oder Kita zu ergattern - nun muss man auch darauf hoffen, dass es nicht einer von den teuren Plätzen ist. Das betrifft die Eltern von über 17.000 Kindern. Je nach Träger kommen auf sie künftig unterschiedliche monatliche Beträge zu. Die Stadt Potsdam konnte das nicht verhindern, das Land hat die bisherige Praxis gekippt, die eine einheitliche Regelung der Beiträge möglich gemacht hat.
Ich bin selbst Papa eines Kitakindes und habe in einem Kommentar zu dieser „Trägerlotterie“ mein Unverständnis darüber deutlich gemacht.
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Hinter der Recherche

Foto: Hannah Rüdiger
Foto: Hannah Rüdiger
Um genau 00.01 Uhr hat das Sportforum Kleinmachnow am Donnerstag wieder geöffnet – aber wer geht eigentlich mitten in der Nacht ins Fitnessstudio? MAZ-Reporterin Hannah Rüdiger ist genau dieser Frage nachgegangen. Um zu verstehen, was die nachtaktiven Fitness-Fans antreibt, hat sie mit ihnen vor dem Sportforum auf Mitternacht gewartet, sie zwei Stunden lang zwischen Klimmzügen und Push-Ups interviewt und darüber mit viel Kaffee bis vier Uhr morgens eine Reportage für die Leser geschrieben. Hier ist ihr Bericht.
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Der kulinarische Tipp

Foto: Fabian Lamster
Foto: Fabian Lamster
Mitten in der Corona-Krise hat Annett Schlichte einen Laden aufgemacht. Einen Eisladen. Und ihr Softeis, das sie wegen der Corona-Regeln kurzerhand aus einem Ladenfenster in der Benkertstraße im Holländischen Viertel verkauft, kommt gut beim Publikum an. Eine Besonderheit ihrer Rezepturen: Sie sind eigentlich für Kugeleis gedacht. In der Softeismaschine wird das aber besonders cremig. Der Renner unter ihren Sorten ist übrigens das salzige Karamell.
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Mirja Gottschalkson
Foto: Mirja Gottschalkson
In der Gutenbergstraße 52 zieht ein neuer Showroom ein. Liebhaber von Vintage-Lampen, Elektrik und Möbeln im Industriedesign können dort schon bald das Angebot von „Lux-Est“ bestaunen. René Borowski (50) ist der Besitzer des Showrooms, des Lux Ateliers in der Teltower Vorstadt und führt seit acht Jahren einen Onlineshop mit den alten Industrie-Schätzen. „Man muss bei unseren Produkten bedenken, dass sie alle eigentlich für den Schrotthaufen bestimmt waren, die hatten keine Lebenszeit mehr, keinen Zweck“, erzählt René Borowski.

Borowski ist eigentlich ausgebildeter Zimmerer, studierte Spanisch, Italienisch und Geschichte. Mit Lux-Est wagte er 2012 den Sprung in die Selbstständigkeit: „Meine Frau und ich haben vor 15 Jahren angefangen, Produkte wie die Lampen und andere Möbelstücke erstmal für uns selbst zu retten. Das hat sich dann immer weiter entwickelt, aus Keller wurde Garage, aus einer Garage wurden schließlich zwei und so kam ich hier an.“
Foto: Mirja Gottschalkson
Foto: Mirja Gottschalkson
Der neue Showroom für die originalen Stücke aus der Bauhaus-Ära und den ersten drei Dekaden der Nachkriegszeit soll Kunden ein Gefühl für die besonderen Möbel und Lampen geben. Die Gutenbergstraße 52 hatte Borowski schon länger im Auge: „Ich habe zwei Fahrradläden gehen sehen, die Chance ergriffen und ein Angebot gemacht. Ich glaube, nirgendwo in Potsdam gibt es einen Laden, der so nah an der Straße und an so einer großen Kreuzung ist, der Showroom erregt so große Aufmerksamkeit.“ Schon ab der ersten Juniwoche soll der Laden geöffnet werden, ab dann können Kunden sich dort zwei bis dreimal in der Woche beraten lassen.
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Bilderrätsel: Wo ist das?

Welche Straße ist das? Foto: Peter Degener
Welche Straße ist das? Foto: Peter Degener
So einen gemütlichen Straßennamen gibt es kaum ein zweites Mal in Potsdam. Ganz in der Nähe der MAZ-Druckerei befindet sich die abgebildete holprige Straße. Das Pflaster ist rund 100 Jahre alt, die Backsteinhäuser noch etwas älter. Es sind keine normalen Mietshäuser, sondern die ersten ihrer Art in ganz Potsdam und Umgebung. Errichtet wurden sie für einen ganz besonderen Berufsstand, der nebenan sein eigenes „Werk“ hatte – heute liegt es brach, soll künftig aber ganz modern daherkommen. Die heutigen Bewohner der Straße genießen noch immer die nachhaltige Planung aus der Zeit der Erbauung – mit eigenen Kleingärten zur Selbstversorgung und Erholung.

Wie heißt die Straße, die so gar nicht nach Großstadt klingt?

Wenn Sie die Antwort kennen, schicken Sie uns bis zum 1. Juni eine E-Mail mit dem Betreff “Bilderrätsel” an potsdam-newsletter@maz-online.de. Und das gibt’s zu gewinnen: In der 360-Grad-Schau “Die Mauer” versetzt der Künstler Yadegar Asisi, der in der DDR aufwuchs und ab 1978 in Westberlin lebte, die Besucher zurück ins Kreuzberg der 1980er-Jahre. Mehr als hundert Fotomotive von Zeitzeugen aus der Mauerzeit verdichten sich zu einem atmosphärischen Panorama. Den ersten fünf Absendern mit der richtigen Lösung schenken wir für die Ausstellung an der Berliner Friedrichstraße je zwei Freikarten, die Sie an einem Tag Ihrer Wahl bis zum 30. Juni einlösen können. Alle Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.

Sie haben ein eigenes Potsdam-Bilderätsel für die Leser des Newsletters? Teilen Sie uns Ihre Idee gerne mit einem Foto mit!
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Das ist los im Umland

Bauen und Bauland wird im gesamten Potsdamer Umland teurer. Über 3300 Kaufverträge von Grundstücken und Immobilien im Jahr 2019 wurden ausgewertet und das Ergebnis jetzt veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Preise steigen kreisweit. Besonders viele Grundstücke wechselten in Werder den Besitzer, besonders teuer wurde es in Stahnsdorf.

In Michendorf bewegt der lang geplante Bau des Kreisverkehrs an Potsdamer und Luckenwalder Straße die Gemüter. Er steht auf der Kippe, nachdem der Haupt- und der Bauausschuss das Vorhaben jetzt überraschend abgelehnt haben. Der Grund: Die Anwohner der Feldstraße gehen auf die Barrikaden, weil sie im Kreisel das Einfallstor für die Erschließung eines Gewerbegebietes über ihre Straße sehen.

In Werder ärgert sich Kinobesitzer Gösta Ölstrom über die von der Landesregierung nach vorne gezogene Öffnung der Kinos im Land. „Jetzt zum Sommer beginnt die besucherärmste Zeit. Die Verleiher haben keine neuen Filme geplant, da es keinen Öffnungszeitraum für alle Kinos gab.“ Ohne deutschlandweite Starttermine bringt ihm der kurze Vorlauf nichts.
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Unser Tipp fürs Wochenende

Wie wäre es mit einer Rundfahrt auf der Weißen Flotte?
Wie wäre es mit einer Rundfahrt auf der Weißen Flotte?
Das lange Pfingstwochenende steht bevor - und am Montag wird auch Kindertag gefeiert. Doch was kann man angesichts zahlreicher geschlossener Einrichtungen eigentlich unternehmen? Die Redaktion hat Tipps für Ausflüge ins Potsdamer Umland und auch zu weiter entfernten Orten in Brandenburg zusammengestellt.
Angesichts von angekündigten Temperaturen bis 24 Grad werde ich mit dem Kind das Waldbad Templin besuchen. Heute beginnt schließlich die Freibadsaison, die Bäder öffnen trotz Corona nur zwei Wochen später als ursprünglich geplant. Aber Vorsicht: Wer im Waldbad oder im Strandbad Babelsberg baden will, muss sich zuvor online ein Ticket kaufen. Die Details dazu haben wir hier aufgeschrieben.
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Das steht nächste Woche an

Demo zur Auflösung der Flüchtlingsheime
Am Montag wird in Potsdam für die Schließung von Gemeinschaftsunterkünften von Flüchtlingen zugunsten zur Unterbringung in Wohnungen demonstriert. Ab 13.30 Uhr gibt es eine Fahrradsternfahrt zu den Potsdamer Sammelunterkünften, um 15 Uhr finden parallel zwei Kundgebungen am Brandenburger Tor am Luisenplatz und vor dem Landtag statt. Sechzehn Gruppen und Organisationen rufen gemeinsam auf, sich an dem Protest zu beteiligen. In der Stadtverordnetenversammlung ist die Auflösung der Gemeinscaftsunterkünfte am Mittwoch Thema.

Stadtparlament tagt
Die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung kommt am Mittwoch erneut in einem Hörsaal der Universität Potsdam am Campus Griebnitzsee zusammen. Die Lokalredaktion der MAZ tickert ab 15 Uhr wie immer live über die Debatten und Beschlüsse. Auf der Tagesordnung steht etwas, das in den vergangenen Monaten in den Hintergrund gerückt ist - die Weiterentwicklung der Plantage mit Garnisonkirche, Rechenzentrum und möglicherweise einer Jugendbegegnungsstätte. Der zeitliche Fahrplan für die Entwicklung des inhaltlichen und architektonischen Konzepts soll verabschiedet werden.

“Russenkino” in der Alexandrowka
Wenn das Wetter stimmt, geht nichts über einen Kinoabend unter freiem Himmel. Das Museum Alexandrowka lädt am Sonnabend um 21 Uhr in den wunderschönen Obstgarten und zeigt einen russischen Filmklassiker. „…und morgen war Krieg“ aus dem Jahr 1987 gehört zum großen sowjetischen Kino der Perestrojka-Ära und handelt von einer Schulklasse in der russischen Provinz des Jahres 1940 - kurz vor dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion. Der Film war in der DDR noch 1989 verboten.
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Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Er hat eine Meinung und hält damit nicht hinterm Berg: Marcus Gude steht jeden Tag hinter der Theke seines Feinkostladens in der Gutenbergstraße. Die Kundschaft ist so unterschiedlich wie der Geschmack seiner Delikatessen, fein bis grob - wie die Wurst, die Gude verkauft. In seinen Thekengesprächen erfährt der 37-Jährige jeden Tag aufs neue, was die Leute bewegt.
Ab sofort gibt er auch in diesem Newsletter in seiner Videokolumne seinen Senf dazu. Zum Auftakt geht es gleich um die Wurst - und die vegane Nachbarschaft.
Video: Saskia Kirf
Video: Saskia Kirf
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