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Bergmann-Geständnis++Wildschweine++Himmelfahrt

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, herzlich willkommen zur zweiten Auflage von "Potsdam ganz nah
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zur zweiten Auflage von “Potsdam ganz nah”. Zunächst einmal danke für die vielen Rückmeldungen zum Start unseres neuen Newsletters für Brandenburgs Landeshauptstadt. Es ist schön, zu hören, wenn Ihnen unser neues Angebot gefällt. Genauso wichtig ist uns aber auch Ihre Kritik, um für Sie noch besser zu werden.

Haben Sie gestern das herrliche Wetter genutzt und Himmelfahrt gefeiert? Trotz der bevorstehenden weiteren Lockerungen waren die traditionellen Bollerwagen-Touren zum Vatertag coronabedingt ja tabu, genauso die großen Grillpartys mit Freunden. Im Potsdamer Volkspark war trotzdem jede Menge los - Fußball, Bier und Picknickdecke inklusive. Grund zum Einschreiten gab es für das Ordnungsamt allerdings nicht. “Es gab nur einzelne mündliche Verwarnungen”, sagte Stadtsprecherin Juliane Güldner.

Ob nach all dem Frust auch die Mitarbeiter der Christlichen Kliniken in Potsdam demnächst einen Grund zum Feiern haben? Nachdem sie ihrem Frust Luft gemacht hatten, dass die Stadt nur Mitarbeiter des städtischen Klinikums mit einer Corona-Prämie von 500 Euro belohnt, steht nun fest: Aus der Stadtkasse kann zwar kein Geld fließen, stattdessen sollen für sie aber Landesmittel locker gemacht werden. Außerdem will die Stadt eine Sachprämie für Corona-Helfer prüfen.

Eine Lösung bahnt sich zudem für das Problem der Corona-Ketten-Quarantänen in Potsdam an. Die Landeshauptstadt gilt im Vergleich zu anderen Kommunen als sehr streng, bis zu sechs Wochen durften einige Familien nicht das Haus verlassen. Nun sucht die Stadt mit einer speziellen Testreihe einen Ausweg.

Keine Hoffnung gibt es unterdessen für alle Anhänger eines Mietendeckels nach Berliner Vorbild, den lehnt die Stadt Potsdam zum Unmut der Linken nämlich ab - obwohl eine neue Studie belegt: Die Immobilienpreise steigen in Potsdam trotz Corona-Krise weiter.

Und nun noch eine gute Nachricht zum Schluss: Nachdem beliebte öffentliche Einrichtungen wie die Potsdamer Volkshochschule und die Stadtbibliothek wochenlang geschlossen waren, können sie nun unter Auflagen wieder Besucher empfangen.

Kommen Sie gut durch die nächsten Tage und bleiben Sie gesund! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Ansonsten lesen Sie alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung auf MAZ-online.de

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff
Leiterin der Potsdamer Lokalredaktion

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-stadt@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Wie konnte es zu dem verheerenden Corona-Ausbruch im Klinikum “Ernst von Bergmann” kommen? Auf diese Frage liegen nach knapp zwei Monaten nun erstmals konkrete Antworten vor. Am Mittwoch präsentierte die Interims-Geschäftsführung die Ergebnisse einer internen Aufarbeitung – und bestätigte: Der Ausbruch im Klinikum erfolgte deutlich früher als bisher eingeräumt.

Erstmals bekannte sich das Krankenhaus in dem Bericht zu konkreten Fehlern und Versäumnissen - und zwar an mehreren Stellen. Offen benannt worden ist zudem, welche verheerenden Folgen der Ausbruch auf der Geriatrie hatte: Auf der Station lagen am 27. März insgesamt 70 Patienten, 64 von ihnen sind in den Folgewochen positiv auf das Coronavirus getestet worden – und 24 davon sind inzwischen tot. Der 24. Patient ist am Mittwoch auf der Intensivstation verstorben.
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Die besondere Geschichte

Aus der Region Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow sind wir ja so einige Wildschwein-Geschichten gewöhnt, aber dass zwei Frischlinge des nachts in den Pool fallen? Als wir davon hörten, wollten wir unbedingt mehr erfahren. Also hat meine Kollegin Konstanze Kobel-Höller die Familie in ihrem Garten besucht und sich die abenteuerliche Geschichte erzählen lassen.
Frischlinge fallen in Stahnsdorfer Pool 
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Hinter der Geschichte

Die MAZ im Liveticker-Einsatz bei der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch.
Die MAZ im Liveticker-Einsatz bei der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch.
Am Mittwoch war es wieder soweit: In Potsdam tagten die Stadtverordneten und diskutierten unter anderem über eine Fahrradstraße in Babelsberg, den Katastrophenschutz und die Bebauung des Wäldchens am Havelufer. Meine Kollegen Saskia Kirf, Peter Degener und Volker Oelschläger berichteten wie gewohnt live.

In den langen Sitzungen, die häufig von 15 Uhr bis nach 22 Uhr dauern, sind jeden Monat drei Redakteure im Einsatz. Sie verfolgen normalerweise in drei Schichten die Debatten vor Ort, betreuen in Echtzeit den Liveticker und schreiben die Zusammenfassung für die gedruckte Zeitung. Während der Corona-Pandemie heißt es aber auch für uns Abstand halten. Nur noch ein Reporter besucht den Plenarsaal – zurzeit wird übrigens ein Hörsaal der Uni Potsdam genutzt, weil er ausreichend Platz bietet – die anderen beiden arbeiten von zu Hause aus. Ein Stream der Stadtverwaltung, moderne Kommunikation und viel, viel Konzentration machen es möglich, dass unsere Leser auch unter erschwerten Bedingungen die wichtigsten Informationen aus der Stadtpolitik sofort bekommen. 
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Unsere Entdeckung der Woche

Foto: Bernd Gartenschläger
Foto: Bernd Gartenschläger
Das Archiv Potsdam, der „alternative Kulturpalast“, nutzt die aktuelle Auszeit für politische Graffiti-Kunst. In eigener Regie und mithilfe städtischer Förderung saniert das Haus seinen Außenbereich und die Fassade zum Hof. Sechs Potsdamer Künstlerinnen und Künstler wirken an der Neugestaltung mit, unter anderem der Graffiti-Künstler Holm (36). „Wir wollten für das Graffiti einen natürlichen Comic-Stil“ , sagt er. „Die Grundlage ist eine Wabenstruktur und in den einzelnen Waben toben sich die verschiedenen Künstler aus, das symbolisiert Gemeinschaft und Diversität.“

Die Motive haben politischen Charakter, ein Schiff etwa symbolisiert die Seenotrettung: „Wir wollen uns damit solidarisch zeigen. Das Schiff, ein Mann mit Maske, ein Punker… die drei Motive sind sehr politisch und wir sind ja auch ein politisches Haus.“ Holm wählte das Wort „Asyl“ als Schriftzug für einen Teil der Wand. „Ich finde im Archiv immer Asyl, treffe hier immer coole Leute, wenn mir mal die Decke auf den Kopf fällt, und gleichzeitig ist Asyl ein politisches Problem.“
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Das ist los im Potsdamer Umland

Ein Corona-Fall in einem Seniorenheim in Beelitz sorgt für Schlagzeilen: In der Intensivpflegeeinrichtung Comcura wurde eine Mitarbeiterin positiv auf das Coronavirus getestet, acht weitere Mitarbeiterinnen mussten in Quarantäne.

Was Potsdam kann, kann Werder schon lange? Das denken sich zumindest der Freundeskreis Scala Kulturpalast und eine Expertin für Lagerhallen aus Plötzin. Sie wollen in Plötzin Werders erstes Autokino eröffnen und haben nun konkretere Pläne vorgestellt.

Spezialisiert hatte sich das Kleinmachnower Labor Dedimed eigentlich auf Infektionen, die durch Zecken übertragen werden. Doch seit Covid-19 die Welt in Atem hält, sind Geschäftsführer Rolf Schröder und sein Kleinmachnower Team zu Corona-Ermittlern geworden. Um eine akute Infektion nachzuweisen, suchen sie in den Abstrichen aus dem Nasen- und Rachenbereich der Betroffenen nach DNA des Virus. Um herauszufinden, ob jemand unbemerkt infiziert war, versuchen sie Antikörper gegen das Virus nachzuweisen. Rund 100 Corona-Proben wertet das Kleinmachnower Labor derzeit aus.
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Potsdam damals und heute

Manche Ecken der Stadt haben sich seit Jahrzehnten kaum verändert, andere sind nicht wiederzuerkennen. In unserem Newsletter zeigen wir Ihnen regelmäßig alte und neue Ansichten im direkten Vergleich. Haben auch Sie noch alte Aufnahmen, die wir in unsere Reihe aufnehmen können? Dann schreiben Sie uns an potsdam-stadt@maz-online.de.
Collage: Detlev Scheerbarth
Collage: Detlev Scheerbarth
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Das steht nächste Woche an

Zurück an die Hanteln
Ab Donnerstag, 28. Mai, dürfen die Fitnessstudios und Freibäder wieder öffnen. Am 13. Juni sollen Thermen und Schwimmhallen wieder den Betrieb aufnehmen dürfen. Auch Indoor-Sport soll ab 28. Mai wieder erlaubt sein - allerdings nur für Sportarten ohne direkten Körperkontakt. Lockerungen gibt es zudem bei der Kinderbetreuung.

Ran an die Bagger
Am Dienstag stehen in Potsdam gleich zwei Baustellen im Fokus. Auf dem ehemaligen Tramdepot in der Heinrich-Mann-Allee beginnt am Dienstagmorgen die Pro Potsdam mit den vorbereitenden Maßnahmen zur weiteren Entwicklung des Areals. Dazu gehören die Umverlegung des Geh- und Radweges in der Straße „Im Nuthewinkel“ sowie die Herstellung einer zentralen Baustellenzufahrt. Die Pro Potsdam will dort bis zu 750 Wohnungen, darunter 350 Sozialwohnungen, bauen.

Am Dienstagvormittag will sich Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) zudem über den Stand der Arbeiten für den Neubau der Hochstraßenbrücke im Zuge der Nutheschnellstraße informieren. Im November hat der Abriss der drei Brücken begonnen, der Neubau soll bis Oktober 2022 fertiggestellt sein. Kosten: 30 Millionen Euro.

Vor Gericht
In der nächsten Woche beginnen in Potsdam gleich zwei spannende Prozesse.

Geschlagen, getreten und beraubt: Mit einem Schock und Verletzungen an den Handgelenken endete für eine Seniorin am 21. Dezember 2019 der Besuch der Sparkasse in der Konrad-Wolf-Allee in Drewitz. Die 88-Jährige wurde überfallen. Nun steht die Tatverdächtige vor Gericht: Die 39-Jährige muss sich wegen Raubes verantworten. Passanten hielten die Frau auf der Flucht fest und übergaben sie der Polizei. Im Laufe der Ermittlungen meldete sich eine weitere Frau (60) bei den Polizisten. Sie gab an, von der Angeklagten vor der Sparkasse in ein Gebüsch geschubst worden zu sein. Der Prozess vor dem Landgericht Potsdam beginnt am Montag, 25. Mai, um 9 Uhr. Es sind acht Verhandlungstage angesetzt.

Die Oberbürgermeisterwahlen 2018 haben ein juristisches Nachspiel für einen 27-jährigen Potsdamer. Der Mann soll damals Wahlhelfer der AfD angegriffen haben – nun muss er sich wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Raub vor dem Amtsgericht verantworten. Die Verhandlung ist für Mittwoch, 27. Mai, anberaumt.  
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Unser Tipp fürs Wochenende

Foto: Anna Sprockhoff
Foto: Anna Sprockhoff
Mal wieder Lust auf Kultur? In Potsdam haben gleich mehrere Galerien mit neuen Ausstellungen wieder geöffnet. Meine persönliche Empfehlung: Ein Besuch in der Villa Schöningen. Unter dem Titel „Heimweh“ zeigt die Galerie an der Glienicker Brücke (Berliner Straße 86) den Alltag der DDR und des Ruhrgebiets der 1980er-Jahre. Die großformatigen Fotografien von Till Brönner und Klaus Staeck werden dabei von Videoinstallationen des Künstlers Alberto Herskovitz ergänzt. Großartige Fotos, authentische, filmische Einblicke und Menschen hautnah. Im Anschluss locken ein Spaziergang am Wasser oder selbstgemachter, leckerer Kuchen des hauseigenen Cafés im wunderschönen Garten der Villa. Geöffnet ist die Ausstellung von Freitag bis Sonntag, 12 bis 18 Uhr.
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