Profil anzeigen

Baustart an der Synagoge+++Neue Havel-Therme im Test+++Übernachten im Schloss Cecilienhof

Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Liebe Leserinnen und Leser,
es herrscht Tauwetter und ich warte auf den ersten Frühlingsboten, der aus der Erde stößt. Nach wochenlangen, schlechten Nachrichten bin ich richtig hoffnungsfroh, weil sich zu den steigenden Temperaturen sinkende Corona-Zahlen gesellen. Gestern Abend hat der Oberbürgermeister in der Stadtverordnetenversammlung daher eine entscheidende Lockerung in Aussicht gestellt.: Er will beim Land beantragen, dass das Testmodell mit Spucktests von den Kitas auch auf Schulen ausgeweitet wird, um dort mehr Präsenzunterricht zu ermöglichen.
Während die Potsdamer Gewässer fast vollständig von Eis befreit sind, drohte am Donnerstag ausgerechnet einen Eisbrecher auf der Havel zu sinken, weil ein Ventil im Frost geplatzt war und Wasser eindrang. Was wie eine Ironie des plötzlichen Wetterumschwungs hin zum Vorfrühling klingt, ist allerdings dramatisch. Das Schiff, das an der Schiffbauergasse vor Anker liegt, ist nämlich voller öliger Schmierstoffe, die auf die Havel auszulaufen drohten. Ein stundenlanger Einsatz der Feuerwehr mit zahllosen Pumpen folgte. 1000 Liter pro Minute wurden abgepumpt, während die Suche nach dem Leck lief.
Apropos Schäden an der Natur: In Sanssouci ist der Biber zurück – und folgt seiner tierischen Natur. Das bekommen zum Beispiel die Bäume am Maschinenteich zu spüren. Leider musste die malerische Trauerweide am Ufer nahe der Römischen Bäder jetzt gefällt werden, nachdem sie zu stark angenagt war. Die Schlösserstiftung ist auf der Suche nach dem Tier. Meine Kollegin Nadine Fabian hat aufgeschrieben, wie man das Biber-Problem vor zehn Jahren in den Griff bekommen hatte – und welche Rolle die Parkbesucher spielen, damit das eigens errichtete Biber-Bollwerk am Südende des Maschinenteichs auch funktioniert.
Und dann wäre da noch der ländliche Raum, wie die Stadtpotsdamer jenen großen Teil Potsdams nennen, der hinter Bornim und Bornstedt liegt. Das Potsdam der Felder auf dem Weg zur Autobahn. Die Ortsvorsteher der nördlichen Ortsteile fürchten gerade um die Existenz dieses ländlichen Charakters. Vor allem in Satzkorn läuteten gerade die Alarmglocken, weil neben der geplanten Autobahnraststätte nun das nächste Großprojekt dutzende Hektar Ackerfläche schwinden lässt. Ein riesiger Solarpark entsteht, der Strom für 31.000 Haushalte liefern soll. Unsere romantische Vorstellung vom Landleben hat eben nichts mit der Realität zu tun – und die Energiewirtschaft findet zunehmend auf dem Acker statt.
Echte Romantik - noch dazu im englischen Landhaus-Stil - soll in Zukunft wieder das Schloss Cecilienhof bieten – das komfortable Schloss wird nämlich wieder ein Hotel. Zum Schluss lege ich Ihnen noch eine Geschichte ans Herz, die Romantik und die Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns verbindet: Die MAZ-Redakteure Luise und Andreas Fröhlich haben die Havel-Therme in Werder getestet: Badespaß und eine Sauna mit Kaminfeuer locken in das neue Bad, sobald die Corona-Lage es erlaubt. Die Details des Tests finden Sie, wenn Sie weiter lesen.
Viel Spaß dabei!
Ihr
Peter Degener
Redakteur der Lokalredaktion Potsdam
PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!
***
Das Stadtgespräch

Foto: Soeren Stache/dpa
Foto: Soeren Stache/dpa
Der Gordische Knoten beim Bau einer Synagoge in Potsdam könnte endlich zerschlagen sein: Nach jahrelangen Querelen und Stillstand wird nun die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) die Trägerschaft bei dem Projekt übernehmen. Der Baubeginn ist noch in diesem Jahr geplant.
Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck hat in seiner Amtszeit das Synagogenprojekt angeschoben und die Förderung durch das Land garantiert. Meine Kollegin Ildiko Röd hat mit ihm über den nun erfolgten Durchbruch gesprochen. Das Interview lesen Sie hier.
***
Die Corona-Lage

Auch am Donnerstag ist die Infektionslage in Potsdam stabil geblieben. Neun neue Infektionen führen zu einer Sieben-Tages-Inzidenz von 27,7. Die Inzidenz liegt damit seit knapp zwei Wochen unter 50, seit fünf Tagen unter 35. Weiter werden nur noch 35 Patienten mit einer Covid-19-Infektion in den Potsdamer Kliniken behandelt, 14 davon intensivmedizinisch. 317 Potsdamer sind als Kontaktpersonen in Quarantäne. 
Die Potsdamer Krankenhäuser reagieren auf die sinkenden Covid-19-Fallzahlen und wagen ein Stück mehr Normalität. Das städtische Ernst-von-Bergmann-Klinikum reduziert in einem ersten Schritt die Covid-Betten auf 16 Plätze auf der Intensiv- und 42 auf der Normalstation. Auch die Christlichen Kliniken Potsdam erhöhen schon bald wieder die Bettenzahlen und OP-Kapazitäten. Ab Montag, 22. Februar, kehren alle Abteilungen des St. Josefs-Krankenhauses, des Evangelischen Zentrums für Altersmedizin und der Oberlinklinik schrittweise zum Regelbetrieb zurück. 
***
Die besondere Geschichte

Schloss Cecilienhof soll wieder als Hotel genutzt werden. Foto: Julius Frick
Schloss Cecilienhof soll wieder als Hotel genutzt werden. Foto: Julius Frick
Es soll ja Menschen geben, die gerne in Schlössern wohnen. In Potsdam soll man bald wieder zumindest in einem Schloss übernachten dürfen. Und nicht in irgendeinem, sondern auf Schloss Cecilienhof, das bis 1945 Wohnsitz der Hohenzollern in Potsdam war und durch die Potsdamer Konferenz ein Ort der Weltgeschichte geworden ist. In dieser Woche hatte die MAZ exklusiv berichten können, dass Cecilienhof saniert und anschließend zu großen Teilen (wieder) als Hotel genutzt werden soll.
Schon zwischen 1960 und 2014 war das Schloss ein Hotel und hatte dabei teils äußerst prominente Gäste. Wir haben für Sie aufgeschrieben, welche Staatschefs hier geschlafen und gegessen haben. Den berühmtesten Gast verraten wir sogar gleich hier: Die englische Queen Elisabeth II. wurde schon in Cecilienhof empfangen.

***
Der kulinarische Tipp

Was gibt es eigentlich besseres als Nudeln? Nicht viel, ein Teller dampfender Pasta macht automatisch gute Laune und noch dazu satt und glücklich. Eine schöne Quelle für frische Teigwaren ist dabei Nudel&Co aus Dallgow Döberitz. Die Manufaktur stellt aus regionalen Produkten von Hand eine riesige Vielfalt von ausgefallenen Pastasorten her: von der deutschen Maultasche über Schupfnudeln, gefüllte Crespelle, die mit einer leichten Tomatensauce und etwas Käse überbacken zum Star werden, Bandnudeln und Spaghetti, eine ganze Reihe saisonal gefüllter Ravioli – Nudel&Co lässt wirklich keinen Wunsch offen. Die Nudeln werden immer erst einen Tag vor dem Verkauf frisch produziert – nur selbst gemacht kann also noch kurzfristiger sein. Hausgemachte Pesti und Saucen sowie eine feine Käseauswahl runden das Angebot ab. Die MAZ war auch schon einmal in Dallgow Döberitz vor Ort und hat sich die Produktion angesehen.
Tortellacci mit Pesto. Foto: Saskia Kirf
Tortellacci mit Pesto. Foto: Saskia Kirf
Mein persönlicher Tipp sind die Tortellacci für alle, die nicht nur Teig wollen: Beinahe faustgroße Nudeln mit bergeweise Füllung. Absolut gelungen ist die Variante mit Ziegenkäse und Trüffel, die mit ein bisschen Zirtonen-Pistazien-Pesto und einem grünem Salat jedes Wochenende bereichern. Die genauen Kochzeiten der einzelnen Produkte kennen die ausgesprochen freundlichen Markt-Verkäufer genauso wie die benötigte Menge und die perfekte Begleitung der einzelnen Nudel. Ansonsten hilft bei fast allen Fragen ein Blick auf die Homepage des Unternehmens
Der Nudel&Co-Wagen steht immer samstags auf dem Genussmarkt am Nauener Tor, freitags gibt es jeweils einen Direktverkauf in Dallgow. Auch auf zahlreichen Berliner Wochenmärkten stehen die auffälligen gelben Wagen. 
Tipp: Saskia Kirf
***
Bilderrätsel: Die Auflösung

Wo befindet sich dieses Schild? Foto: Peter Degener
Wo befindet sich dieses Schild? Foto: Peter Degener
Die Ziege ist das Symboltier des Weingottes Bacchus. Als dieser noch ein Baby war, soll er mit Hilfe einer Ziege ernährt worden sein. Am königlichen Winzerberg von Sanssouci wären sie die perfekte ländliche Staffage. Leider kamen dort in den über 15 Jahren, in denen der bürgerschaftliche Bauverein den alten Weinberg Stück für Stück wieder rekonstruiert hat, keine Ziegen zum Einsatz - aber immerhin Schafe. Zehn „Skudden“, um genau sein. Diese robusten Zwergschafe, sollten sich um die Landschaftspflege am Weinberg kümmern, sprich, das Gras kurz halten. Nur die Platanen am Fuße des Bergs und natürlich der Wein auf den Terrassen waren tabu.
Der Winzerberg in der Schopenhauerstraße. Foto: Peter Degener
Der Winzerberg in der Schopenhauerstraße. Foto: Peter Degener
Mittlerweile gibt es am Winzerberg zwar keine Schafe mehr, doch die Schlösserstiftung hat die Idee ein paar Jahre später aufgegriffen. So sind tatsächlich Bentheimer und Pommersche Landschafe auf der anderen Seite der Schopenhauerstraße im Park Sanssouci zur Attraktion geworden. Seit 2018 sind vom Frühjahr bis zum Herbst auf den Wiesen zur authentischen Landschaftspflege im Einsatz. Am Winzerberg ist nur ein Schild verblieben.
Rätsel: Peter Degener
***
Entdeckung der Woche

MAZ-Redakteure durften die Havel-Therme testen. Foto: Julius Frick
MAZ-Redakteure durften die Havel-Therme testen. Foto: Julius Frick
Eine Rutsche so wild wie die Havel, knisterndes Kaminfeuer in der Sauna und Cocktails im Thermen-Becken: In Werders inzwischen fertiger Havel-Therme steckt viel Liebe zum Detail. Noch darf das neue Bad am Zernsee wegen der Corona-Pandemie nicht eröffnen, doch die MAZ durfte exklusiv für die Leser testen. Wie fühlt es sich an, den Fuß in das Wasser zu tauchen? An einem Ort, den viele schon als gescheitert abgestempelt haben, nachdem die erste Projekt-Partnerschaft krachend gescheitert war. Wie rutscht es sich im Familienbereich? Was macht ein Saunameister? Und wie viel kostet der ganze Spaß? Wir verraten es Ihnen hier.
***
Das ist los im Umland

Grundstücke am Goldammerweg in Stahnsdorf gehören zu den teuersten im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Foto: Konstanze Kobel-Höller
Grundstücke am Goldammerweg in Stahnsdorf gehören zu den teuersten im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Foto: Konstanze Kobel-Höller
Sie wollen bauen? Und weil das in Potsdam kaum noch erschwinglich ist, schauen Sie ins Umland? Entschuldigung, aber dann haben wir schlechte Nachrichten: In Potsdam-Mittelmark sind die Bodenpreise im vergangenen Jahr so stark gestiegen wie noch nie. Das hat der Gutachterausschuss für die Bodenrichtwerte errechnet. Spitzenreiter ist ungeschlagen Kleinmachnow mit bis zu 900 Euro pro Quadratmeter, berichtet MAZ-Reporterin Konstanze Kobel-Höller. Nur Fichtenwalde ist wie ein gallisches Dorf innerhalb des Imperiums der Preissteigerung – dort sank der Quadratmeterpreis für Baugrund von 120 auf 100 Euro. Schnäppchen?
***
Stellen Sie sich vor, es gibt Corona-Impfstoff, aber keiner geht hin. Nicht in der Fantasie, sondern in der Realität hat das die Göhlsdorfer Ärztin Katja Klemm erfahren. Sie war im Impfzentrum in Brandenburg/Havel eingeteilt. 300 Dosen des Herstellers Astrazeneca lagen im Kühlschrank bereit – aber nur 18 Menschen hatten an dem Tag einen Termin. „Es ist sehr frustrierend, dann hier zu sitzen und nichts tun zu können“, sagt die Ärztin. Was die Kassenärztliche Vereinigung dazu sagt, hat meine Kollegin Luise Fröhlich nachgeforscht.
***
Unser Tipp fürs Wochenende

Der Blick des Jupiter auf die Schlossorangerie. Foto: Peter Degener
Der Blick des Jupiter auf die Schlossorangerie. Foto: Peter Degener
So langsam dürften die Wege im Park wieder erkennbar und vom Schneematsch befreit sein. Und es soll am Wochenende bis zu 13 Grad warm werden! Die ersten werden vermutlich angrillen. Wer es nicht ganz so weit treiben will, findet sein Glück womöglich auf einem Spaziergang.
Zum Abschluss unserer Serie mit besonderen Routen, die Ihnen Stadtführer aus Potsdam ans Herz gelegt hatten, gibt es nun eine Empfehlung aus der MAZ-Lokalredaktion: Den Park Sanssouci kennen Sie zwar, vielleicht aber noch nicht jene Ecken und Details, die auf diesem Weg liegen. der Spaziergang führt beispielsweise durch das “Jenseits” des Hippodroms und an der Fasanerie vorbei.
Und wir locken Sie auf die Rückseite der Schlossorangerie, damit Sie nicht nur die prächtige Schaufassade kennenlernen. Was es alles zu sehen - und vor allem auch über die Gebäude und Kunstwerke entlang des Wegs zu wissen gibt - können Sie hier lesen.
Die Route durch Sanssouci. Grafik: Gesine Thränhardt
Die Route durch Sanssouci. Grafik: Gesine Thränhardt
Zum Ende der Spaziergangsserie haben wir auch noch einmal alle insgesamt sieben Routen vom Griebnitzsee im Osten bis zum Wildpark im Westen der Stadt für Sie übersichtlich zusammengestellt. Viel Spaß beim Entdecken an der frischen Luft!
Tipp: Peter Degener
***
Video: Marcus gibt seinen Senf dazu

Unser MAZ-Videokolumnist Marcus Gude wird heute ganz nostalgisch: Im Schloss Cecilienhof soll wieder ein Hotel entstehen. Genau dort hat Marcus einst seine Lehre absolviert, eine schöne Zeit, wie er sagt. Eine Spitze gegen die Hohenzollern kann er sich allerdings nicht verkneifen.
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 35
Marcus gibt seinen Senf dazu - Teil 35
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.