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Abberufung im Klinikum++Videokolumne++Radständer

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser, kleine Dinge können ja mitunter große Wirkung entfalten. E
Potsdam ganz nahPotsdam ganz nah
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kleine Dinge können ja mitunter große Wirkung entfalten. Ein winziges Ventil zum Beispiel. In der Kaufland-Filiale im Potsdamer Waldstadt-Center hat es in der Nacht zu Donnerstag den Geist aufgegeben - und gleich das gesamte Kühlsystem lahmgelegt. Die Kunden standen am nächsten Tag vor komplett leeren Kühlregalen und die Mitarbeiter vor einem riesigen Haufen Müll. Fotos verbreiteten sich in den sozialen Netzwerken, Nutzer forderten eine Spende an die Potsdamer Tafel. Doch egal ob Tiefkühlpizzen, Reispfannen, Bratwürste, Joghurt oder Sahneheringe - laut Unternehmen gab es für alles nur noch eine Lösung: ab in die Tonne.

Enden könnten dort auch die letzten Zutaten aus den Regalen der Potsdamer Schul-Caterer, wenn es für sie nicht bald ein Hilfsprogramm des Landes gibt. Davor warnt zumindest Ralf Blauert, Chef des Schul- und Kita-Caterers „Blauart“ - der größte Lieferant Potsdams. Ohne Unterstützung, sagt er, “bleiben nächstes Schuljahr alle Küchen kalt”.

Schuld an der Misere der Schul-Caterer ist - natürlich - die Corona-Pandemie. Auch den Potsdamer Weddingplaner Christian Schulze hat das Virus in die finanzielle - und mitunter auch mentale - Krise gestürzt. Dabei schien er in Sachen Hochzeiten auf jede noch so kleine Katastrophe vorbereitet zu sein. Nur das Virus und seine Folgen hat er nicht kommen sehen und muss nun feststellen: “Die Lage ist prekär.”

SARS-COV-2 - ein winziger Erreger mit so kolossalen Folgen. Welche verheerenden Auswirkungen er im menschlichen Körper anrichten kann, weiß in Potsdam kaum jemand so gut wie die Ärztliche Direktorin des St. Josefs-Krankenhaus. “Corona ist eines der tückischsten Viren, die wir jemals hatten”, sagt Dr. Gesine Dörr. Die Pandemie hat sie gezwungen, Krankenhaus neu zu denken - und einen eigenen, anderen Weg als das Bergmann-Klinikum zu gehen. Im Interview sprechen sie und der Regionalgeschäftsführer Oliver Pommerenke über unzuverlässige Testergebnisse, Lungen-CTs, eine reduzierte Bettenanzahl und ihr Konzept zum Schutz vor einer zweiten Welle.

Die gute Nachricht: Das katholische Krankenhaus hat kürzlich den letzen bestätigten Covid-19-Patienten entlassen. Und auch die Neu-Infektionen bleiben in Potsdam auf niedrigem Niveau: Seit Mittwochmorgen gab es in der Stadt nur einen weiteren bestätigte Fall. 

In diesem Sinne, halten Sie weiter Abstand und bleiben Sie gesund! Den nächsten Newsletter finden Sie wieder am Dienstag in Ihrem Postfach. Alle aktuellen Neuigkeiten aus Potsdam und Umgebung lesen Sie wie gewohnt auf MAZ-online.de.

Herzliche Grüße
Ihre
Anna Sprockhoff

Leiterin der Lokalredaktion Potsdam

PS: Sie haben Fragen, Anregungen, Kritik? Dann schreiben Sie uns an potsdam-newsletter@maz-online.de. Ich freue mich auf Ihr Feedback!

Das Stadtgespräch

Dr. Thomas Weinke bleibt Chefarzt der Infektiologie. Foto: Bernd Gartenschläger
Dr. Thomas Weinke bleibt Chefarzt der Infektiologie. Foto: Bernd Gartenschläger
Paukenschlag am Potsdamer Bergmann-Klinikum: Thomas Weinke muss seinen Posten als Ärztlicher Direktor räumen. Mit der Abberufung des 62-jährigen Mediziners haben die Interims-Geschäftsführer erstmals selbst personelle Konsequenzen aus der Corona-Affäre am Klinikum gezogen, die Beurlaubung der vorherigen Klinik-Spitze Ende April hatte der Oberbürgermeister veranlasst. Man wolle, so heißt es in der Mitteilung des Klinikums zu Weinkes Absetzung, “einen bewussten Neuanfang nach dem Corona-Ausbruch” herbeiführen. Stellt sich allerdings die Frage: Kann das gelingen?

Als Chefarzt der Infektiologie und Gastroenterologie darf Weinke weitermachen, den Posten des Ärztlichen Direktors übernimmt vorerst bis November dieses Jahres - und damit bis zum Ende der Vertragslaufzeit der beiden Interimsgeschäftsführer - Dr. Christian Kieser, Zentrumsleiter und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum. 

Was diese Entscheidung konkret heißt, welche Verantwortung Weinke an dem Corona-Ausbruch im Klinikum tatsächlich hatte, lässt das Klinikum weiterhin offen. Klar ist allerdings: Der Mediziner hatte in der Corona-Krise im Klinikum eine Schlüsselrolle.
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Die besondere Geschichte

Foto: Rainer Schüler
Foto: Rainer Schüler
Zwei Strafzettel für ein Vergehen? Geht nicht? Geht sehr wohl, wie der Fall von Ute Hermann aus Potsdam-Drewitz zeigt. Sie ahnte nichts Böses, als sie ihren Trabi im Winter auf dem kostenlosen Parkplatz auf dem Ernst-Busch-Platz abstellte und für längere Zeit nicht wieder wegfuhr. Was sie schon gar nicht ahnte: Dass aus den kostenfreien Parkplätzen kurze Zeit später Anwohnerparkplätze wurden. Sie kassierte ein Knöllchen und noch ein Knöllchen - bekam die ganze Sache allerdings erst mit, als es zu spät war. Da half dann auch kein Brief an den Oberbürgermeister und kein Weg vor Gericht - Ute Hermann musste zahlen. Zweimal für dasselbe Vergehen.
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Unsere Entdeckung der Woche

Vor einer Woche habe ich mich über die zahlreichen neuen Fahrradständer gefreut, die in der Friedrich-Ebert-Straße installiert wurden. Dann wunderte ich mich, wieso sie so lange abgesperrt blieben. Gestern nun schüttelte ich den Kopf. Eine ganze Reihe von ihnen war wieder abgesägt worden. Ein Schildbürgerstreich der Verwaltung zum Europäischen Tag des Fahrrads am 3. Juni? Vandalismus eines militanten Autofahrers? Nein, die mit der Installation beauftragte Firma hatte gepatzt.
Foto: Saskia Kirf
Foto: Saskia Kirf
„Die Fahrradständer müssen in einem 45-Grad-Winkel zum Bordstein stehen. Sie wurden falsch eingebaut und die Firma muss das nacharbeiten“, erklärt ein Pressesprecher der Stadt auf Anfrage. Die Anordnung schräg zum Bordstein mag eine Lappalie sein, doch diese Stellung dient den Radfahrern und Verkehrsteilnehmern, versichert er. Sehen wir es positiv: Die Vorfreude auf Verbesserungen im Potsdamer Radverkehr hält nun noch etwas länger an.
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Das ist los im Umland

Ein heiß diskutiertes Projekt in Werder ist der geplante Sauna-Steg der Havel-Therme. Vor allem weil für seinen Bau ein anderer, alter und kleinerer Steg als Kompensation abgerissen werden muss: die Steganlage an der Eisenbahnbrücke in Werder. Die Stadtverordneten von Werder haben jüngst zugestimmt, auch wenn Kritiker den Erhalt forderten. Bis nächstes Jahr wird der Steg noch bleiben können, sagt Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU)

Weil sich viele Menschen in diesen Zeiten noch nicht wieder in die weite Welt wagen, rückt das eigene Land und die nähere Umgebung in den Blick. Das Gastgewerbe im Landkreis Potsdam-Mittelmark registriert nach den Corona-Lockerungen verstärkt Anfragen aus dem süddeutschen Raum. Aktuell sind in der Region rund um Potsdam zum Beispiel der wiedereröffnete Baumkronenpfad oder der Barfußpark in Beelitz-Heilstätten gefragte Reiseziele. Und: Das geänderte Urlaubsverhalten eröffnet gerade dem sogenannten grauen Markt des Gastgewerbes neue Chancen - also Gästehäusern mit weniger als zehn Betten, die nicht in der offiziellen Statistik der Übernachtungen aufgeführt werden.
Foto: Friedrich Bungert
Foto: Friedrich Bungert
Michendorf will bezahlbare Wohnungen bauen. Das ist erstmal löblich, aber auch im Potsdamer Umland nicht mal eben so gemacht. Fünf Grundstücke an vier Standorten könnten für die Neubauten in Frage kommen, darunter auch eine umstrittene Fläche in der Ortsmitte in Wilhelmshorst. Ob und wo am Ende gebaut wird? Da haben auch noch die Gemeindevertretungen und der Aufsichtsrat der Kleinmachnower Wohnungsgesellschaft Gewog, mit der Michendorf über den Bau verhandelt, ein Wörtchen mitzureden.
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Das steht nächste Woche an

Die Stadtpolitik nähert sich der Sommerpause. Der Bauausschuss beispielsweise tagt am Dienstag zum letzten Mal für zwei Monate. Die Sitzung, die im Treffpunkt Freizeit stattfindet, hat eine üppige Tagesordnung. So geht es um das Gebiet der Glasmeisterstraße in Babelsberg, das nach dem Wegzug des Busdepots in einigen Jahren komplett neu entwickelt werden soll – mit einer Erweiterung des Oberlinhauses und einem neuen Schulstandort. Die Verwaltung will zudem bekannt geben, wie der fast baumlose Raum zwischen Lustgarten, Marstall und Stadtschloss mit mehr Grün aufgewertet werden kann.

Er soll einen Teenager eingespannt haben, um Drogen an Potsdamer Schulen zu verticken – nun muss sich David B. vor dem Gesetz verantworten. Am Montag, 8. Juni, beginnt gegen ihn der Prozess vor dem Landgericht – bei einer Verurteilung droht B. eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, aber mindestens eine Geldstrafe. Laut Anklage soll er als Lieferant nicht nur einen 15-Jährigen mit Cannabis versorgt haben. Er soll von dem Jungen auch ausdrücklich verlangt haben, die Droge in der Waldstadt, im Schlaatz und in Drewitz an Mitschüler und an andere Bekannte im Kindes- und Jugendalter zu verkaufen. Beginn der öffentlichen Verhandlung in Saal 8 des Landgerichts an der Jägerallee ist um 9 Uhr.

Am Dienstag, 9. Juni, öffnet Sanssouci wieder für Besucher. Das Potsdamer Hohenzollernschloss hatte wegen der Corona-Pandemie seit Mitte März geschlossen. Einen Tag später werden auch die Räume des benachbarten Neuen Palais im Park Sanssouci wieder geöffnet.
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Videokolumne: Marcus gibt seinen Senf dazu

Der Potsdamer Fleischverkäufer Marcus Gude kommentiert für diesen Newsletter jede Woche ein neues Thema. Diesmal geht es um Nachbarschaftshilfe unter Potsdamer Ladenbetreibern.
Video: Saskia Kirf
Video: Saskia Kirf
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Unser Tipp fürs Wochenende

„Komm nach Caputh, pfeif auf die Welt!“, schrieb Albert Einstein einst seinem Sohn Eduard und lud ihn zu einem Besuch in sein Sommerhaus ein. Von 1929 bis 1932 lebte der berühmte Nobelpreisträger den Sommer über in dem einstigen Schifferdorf am Schwielowsee. Sein Holzhaus ist das einzige noch erhaltene Wohnhaus Einsteins auf deutschem Boden und steht Besuchern nach der Corona-bedingten Schließung seit letztem Wochenende wieder offen. Ein wunderbarer Anlass für einen ausgiebigen Ausflug ins wunderschöne Caputh.
Einsteins Sommerhaus in Caputh. Foto: dpa
Einsteins Sommerhaus in Caputh. Foto: dpa
Gruppen- und Sonderführungen gibt es im Einsteinhaus aktuell zwar nicht, möglich sind am Wochenende zwischen 10 und 18 Uhr allerdings Haus-Rundgänge mit maximal fünf Personen und Mundschutz. Flyer, Broschüren und umfassende Informationen auf der Internetseite des Hauses ersetzen nicht die tollen Führungen, ein Besuch lohnt sich aber dennoch.

Ein weiteres Muss in Caputh ist ein Abstecher in das malerisch gelegene Schloss. Das kleine, kostbar ausgestattete Landhaus ist eine Perle in der Potsdamer Kulturlandschaft und das älteste erhaltene Lustschloss aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Besucht werden können unter anderem zwei Kavalierzimmer, die Wohnungen des Kurfürstenpaares sowie das Porzellankabinett. Sollte sich die Sonne doch mal blicken lassen, lohnt sich ein Spaziergang durch den dazugehörigen Landschaftsgarten.
Das Schloss Caputh. Foto: Stefan Irmler
Das Schloss Caputh. Foto: Stefan Irmler
Das Schloss Caputh hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet. Eintrittskarten zum Preis von 6 Euro (bzw. 5 Euro ermäßigt) gibt es ausschließlich vor Ort.

Wer danach noch Lust hat einzukehren - zum Beispiel auf ein Glas Erdbeerbowle, einen hausgemachten Hefekloß oder frische Miesmuscheln - der sollte sein Glück im Fährhaus Caputh versuchen. In dem idyllisch an der Havel gelegenen Restaurant ist es am Wochenende erfahrungsgemäß recht voll, dafür gibt es zahlreiche schöne auf dem Steg direkt am Wasser oder im Garten. “Um allen Gästen die Chance auf einen Besuch zu geben, nehmen wir nur noch Reservierungen für 12 und 18 Uhr an”, sagt Inhaberin Christina Müller. Noch seien Plätze frei. Allen anderen kann sie nur raten, vorbeizukommen - und sein Glück zu versuchen.

Weitere Ausflugstipps fürs Wochenende rund um Kunst, Kultur und Straßenmusik in Potsdam von meiner Kollegin Hannah Rüdiger finden Sie hier.
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